Wissenswertes über Rollfilmkameras

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Wissenswertes über Rollfilmkameras

Die Ursprünge der Rollfilmkameras

Das moderne Zeitalter ist geprägt von digitaler Fotografie. Spiegelreflexkameras speichern hochauflösende Fotos auf SD-Karten oder laden sie direkt ins Internet. Handykameras erzeugen fantastische Bilder per Touchscreendruck und Blogging- und Fotoportale wie Tumblr oder Instagram boomen. Doch vor 200 Jahren sah die Welt der Fotografie noch anders aus. Nach ersten Erkenntnissen der Camera obscura und der Wissenschaft von chemischen Substanzen, die auf Sonnenlicht reagierten und somit ideal für die Verwendung als fotografische Bildgrundlage waren, wurde im frühen 19. Jahrhundert die ersten Fotos auf mit Asphalt, Jod und Silber beschichteten Kupferplatten erzeugt. Der Aufwand war enorm und eine Belichtungszeit von mehreren Stunden verdeutlicht die Umständlichkeit der damaligen Technik. Durch die Entwicklung immer besserer Objektive und der damit immer geringer werdenden Belichtungszeit wurde die Fotografie praxistauglicher. Bereits zwei Jahrzehnte später wurde das fotografische Verfahren derart verbessert, dass Porträt- und Landschaftsaufnahmen einfach erzeugt werden konnten. Jedoch erforderte die Technik mit den Bildplatten eine sofortige Bearbeitung und so mussten Fotografen immer eine Dunkelkammer dabei haben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgten die Farbfotografie und der Bau bestimmter Trockenplatten, die in Serie produziert und gelagert werden konnten. Der Einsatz eines Verschlusses in dem Fotoapparat machte die sofortige Bearbeitung der Fotoplatten unnötig und durch die stetige Verkleinerung der Technik wurden die Kameras mobiler und handlicher.

Die ersten industriell gefertigten Rollfilmkameras

Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch die Fotoapparate im Zuge der Industrialisierung in großen Mengen hergestellt. Statt auf Fotoplatten wurden die Bilder auf sogenanntem Stripping Film auf Papierbasis - dem Vorgänger des bekannten Zelluloidfilmes - gespeichert. Diese konnten dann in Labore eingeschickt und dort entwickelt werden. Der erste Hersteller, der Kameras mit Stripping Film, besser bekannt als Rollfilm, für den Massenmarkt baute, war zugleich auch Namensgeber für diese Apparate: Die Eastman Kodak Company, kurz Kodak. So wurde die Kodak Nr.1, die erste serienreife Rollfilmkamera der Welt, von 1889 bis 1895 produziert. Sie war jedoch aufgrund des hohen Preises (120 Mark) wenig erfolgreich und es folgten zudem einige Patentstreitigkeiten wegen der Verwendung der Rollfilm-Technik. Der Irrglauben, dass die Kodak Nr.1 die erste Rollfilmkamera war, hält sich heute immer noch, was für die geniale Marketingstrategie der Eastman Kodak Company spricht. Die erste Kamera auf Rollfilmbasis wurde von Wladyslaw Malachowski - besser bekannt unter seinem Pseudonym Leon Warnerke - bereits 1875 in London gebaut.

Warum sich der Rollfilm durchgesetzt hat

Die Verwendung von Rollfilm ist denkbar einfach. Prinzipiell wurde ein biegsames Material als Basis – anfänglich Papier, später Nitrozellulose – auf eine Spule gedreht. Die bestand aus Holz oder Metall bzw. bei modernem Rollfilm aus Plastik. Es werden zwei Spulen benötigt, da der Rollfilm bei Benutzung des Fotoapparates von der ursprünglichen Spule auf eine leere gedreht wird. Daher auch die klassische Drehbewegung bei alten Fotoapparaten, nachdem ein Foto geschossen wurde. Hierfür ist auf die Rückseite des Rollfilms eine Zahlenfolge gedruckt, die in einem kleinen Loch in der Kamera sichtbar ist. Gedreht wurde nach einem Foto, bis die nächste Zahl im Sichtbereich angezeigt wurde. Je nach Größe des eingestellten Formates – wie das 4,5 x 6 cm oder das klassische 6 x 6 cm Format – passten 8 bis 16 Bilder auf einen Rollfilm, die danach in einem Labor entwickelt werden mussten.

Es haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Rollfilmtypen etabliert. Das bekannteste Format ist Typ 120, das in vielen Hand- und Boxkameras Verwendung fand und auch heute noch bei eBay für aktuelle Kameras zu beziehen ist. Kodak stellte einen eigenen Typ mit der Nummer 127 vor, der aber weniger gebräuchlich und nicht markenübergreifend war. Weitere Typen wie 220 oder 820 waren nur kurz erhältlich und unterschieden sich eigentlich nur in den Abmessungen der Rollfilmspule. Um Rollfilme auch bei den bis dahin gebräuchlichen Plattenfilmkameras nutzen zu können, wurden sogenannte Rollfilmmagazine entwickelt, die an herkömmliche Plattenkameras angesteckt werden konnten und somit den Gebrauch von Handkameras mit dem damals neuen Rollfilmformat möglich machten und zugleich auch stark vereinfachten. Der Start einer bedeutenden Entwicklung in der Fotografie.

Balgenkamera

Balgenkameras gehörten zu den ersten Bauformen für Kameras und hergestellt wurden sie schon ab 1840. Namensgebend war der an einen Blasebalg erinnernde Aufbau, der die Kamera für den Transport kompakt zusammenfalten ließ. Dieser Kameratyp musste auf einem Stativ genutzt werden und wurde im Zuge der Rollfilmentwicklung auch mit Rollfilm als Bildspeichermedium bestückt. Auch heute noch werden auf diesem Aufbau basierende Fachkameras wie zum Beispiel Modelle der Firma Sinar AG in der Großformatfotografie genutzt, hier kommt jedoch kein Rollfilm, sondern sogenannter Planfilm zum Einsatz, um Großformate realisieren zu können.

Filmkameras

Filmkameras gibt es seit 1888. Sie wurden durch die Erfindung des Rollfilms etabliert, da hiermit schnelle Bilderfolgen von bis zu 15 Momentaufnahmen pro Sekunde möglich wurden. So konnten erstmals Einzelbilder als bewegte, sogenannte Laufbilder per Filmprojektor vorgeführt werden – damals eine Revolution. Anfänglich noch aus Holz gebaut, wichen sie schnell ihren Vertretern aus Metall. Ihr Gewicht machte sie unhandlich und abhängig von einem Stativ. Angetrieben wurden sie händisch durch eine Drehkurbel, woher auch der Begriff „einen Film drehen“ bzw. „Dreharbeiten“ stammt. Ein Beispiel einer alten Filmkamera ist die ICA Kinamo, die seit 1921 vertrieben wurde, oder die Victor Cine Camera, die 1923 als Schmalfilmkamera vorgestellt wurde. Als erste europäische Schmalfilmkamera gilt die Ciné-Nizo, die bereits 2 Jahre später auf den Markt kam.

Geheim- und Spionagekameras

Bedingt durch die beiden Weltkriege brachte auch die Fotoindustrie teils skurrile, teils beeindruckende Fotoapparate hervor. Die Geheimkameras, die Mitte des 19. Jahrhunderts als praktische Handkameras auf den Markt kamen und anfänglich noch mit Fotoplatten, später mit Rollfilm arbeiteten, wurden zu winzigen und teilweise getarnten Spionagekameras weiterentwickelt, wie zum Beispiel die Modelle der deutschen Marke Sida. Schon früher wurden interessante Modelle berühmt, wie die Buchkamera, eine Boxkamera mit einem Gehäuse, das aussah, wie ein Buch. Oder die Opernglaskamera, wie die Photo Jumelle, die als Opernglas getarnt unauffälliges Fotografieren ermöglichte. Diese speziellen Kameras gelten als Sammlerstücke und sind echte Fundschätze auf eBay. Der Bedarf an kleineren Fotoapparaten führte zur Revolution in der Fotoindustrie und die auf Stative angewiesenen, schweren und großen Kameras wurden durch kleine, handliche Modelle ergänzt. So ist die Idee der versteckten Geheimkameras das Fundament für die späteren Boxkameras und ihrer Nachfolger bis zu den heutigen Handkameras.

Boxkameras

Die Kodak Nr.1 war vom Modell her eine Boxkamera. Dieser Kameratyp für Rollfilm war sehr einfach aufgebaut und richtete sich an technisch unbegabte Menschen, um so möglichst viele potenzielle Käufer anzusprechen. Den Namen verdankt diese Kamera dem kastenförmigen Aufbau, weshalb sie in Deutschland auch als „Rollfilm-Kastenkamera“ bekannt war. Das Nachfolgemodell, die Kodak Nr.2 war ebenfalls eine Boxkamera, jedoch mit Kartonpappe als Gehäusematerial. Was uns heute verwundern mag, war damals der Grund für den riesigen Erfolg und den Durchbruch der Firma Kodak.

Die Pappkamera konnte günstig produziert und verkauft werden und sprach somit eine große Käuferschaft an. Es folgten auch edlere Modelle mit Stahlblech- oder Aluminiumblechgehäuse. Ein weiteres Beispiel für Boxkameras aus dieser Ära und ebenfalls eine Rarität ist die Agfa-Box-Kamera, in der mit verhältnismäßig wenig Aufwand der Rollfilm auch von Laien problemlos getauscht werden konnte, sobald er vollgeknipst war. Der günstige Preis der Boxkameras machte sich auch in der verarbeiteten Technik bemerkbar. Das Objektiv bestand meist nur aus einer Linse, die Fotoqualität war höchstens befriedigend, es gab keine Entfernungseinstellung und nur einfache Blenden und Verschlüsse wurden verbaut.

Durch das fast vorhandene Monopol von Kodak in den Kindertagen des Rollfilms blieben große technische Sprünge aus. Erst mit dem Ersten Weltkrieg und dem damit einhergehenden Verbot, US-Waren auf dem deutschen Markt anzubieten, konnten Hersteller wie Agfa aufholen, und boten eigene Boxkameras im Holzgehäuse an und belebten mit dem so entstandenen Konkurrenzkampf den Kameramarkt. Zeiss-Ikon war ein weiteres deutsches Unternehmen, das führend im Segment der Boxkameras wurde, ihre Box Tengor-Kamera bot bereits diverse Entfernungseinstellungen und die später folgende Agfa Box Kamera war sogar das Sinnbild für deutsche Wertarbeit und genoss den Ruf der „Volkskamera“. Der Erfolg der Boxkamera ebbte nach 1955 langsam ab.

Falt- und Klappkameras

Faltkameras wie die berühmte "Folding Pocket Kodak" oder Klappkameras wie die Ikonta verbauten die Technik der Balgenkameras in handliche, kompakte Gehäuse. Der typische Balgen konnte herausgeklappt oder gezogen werden und der generelle Gebrauch dieser Handkameras war ohne zusätzliches Stativ möglich. Auch hier fand der Rollfilm Verwendung. Gerade im Zweiten Weltkrieg waren Handkameras sehr gefragt, da die Mobilität dieser Kameramodelle bei der Berichtserstattung unverzichtbar war.

Spiegelreflexkameras

Spiegelreflexkameras existieren bereits seit 1861. Ihr Vorteil ist der namensgebende Spiegel, der sich zwischen Objektiv und Bildebene befindet. So konnte schon vor der eigentlichen Aufnahme das zu erwartende Bild betrachtet werden. Die ersten Kameras dieser Art gaben das Vorabbild noch seitenverkehrt und flach liegend auf einer dafür eingebauten Mattscheibe aus, während spätere Modelle mit einem sogenannten Prismensucher das Vorabbild seitenrichtig und senkrecht ausgaben. Die Kine-Exakta der Firma Ihagee gilt als erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt. Sie kam noch ohne den Prismensucher aus, während die Contax S von Zeiss Ikon bereits ohne diesen Nachteil auskam. Ein weiterer Vorteil dieser Spiegelreflexkameras war die Möglichkeit, Objektive einfach auszutauschen und somit verschiedene Aufnahmeformate mit nur einer Kamera realisieren zu können. Die Ikoflex war eine weitere, berühmte Spiegelreflexkamera, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts populär und ebenfalls von Zeiss Ikon vertrieben wurde. Auch diese Kameras arbeiteten mit Rollfilmspulen.

Rollfilmkameras sind auch heute noch populär

Auch heute finden sich unzählige Rollfilmkameras auf dem Markt und gebrauchte, ältere Vertreter dieser Fotografie Ära finden sich in verschiedenen Größen und unzähligen Formen und Modellen. Ein Blick fernab der digitalen Fotografie hin in die analoge lohnt also immer noch.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden