Wissenswertes rund um Gewindebohrer und –schneider

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Ratgeber für die Auswahl von Gewindebohrern und –schneidern

Passionierte Heimwerker wissen es längst: Ein optimales Ergebnis erzielt man nur, wenn das Equipment stimmt. Neben Schraubendreher, Steckschlüsselsätzen mit Ratschen, Hammer und Co. ist mitunter jedoch auch Spezialwerkzeug gefragt. Gewindebohrer und Gewindeschneider gehören definitiv zu dieser Kategorie, sind jedoch im Heimwerker-Alltag allzu praktisch. Mit Ihnen können Sie individuell maßgeschneiderte Schraubenverbindungen ganz einfach selbst realisieren. Denn nicht selten kommt es beim Heimwerken vor, dass es die passenden Schrauben im Baumarkt nicht mehr gibt oder dass diese kein schönes Bild abgeben.

In diesem Ratgeber möchten wir Ihnen zeigen, wie Gewindebohrer und Gewindeschneider funktionieren, wie Sie eingesetzt werden und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Dazu benötigen Sie Gewindeschneider und Gewindebohrer

Mit Gewindeschneidern und Gewindebohrern können Sie individuelle Schraubverbindungen selbst herstellen. Gewindebohrer sind, wie der Name bereits verrät, Werkzeuge zum Bohren von Gewinden. Diese können in Metall, Holz oder Kunststoff eingelassen werden. Gewindeschneider funktionieren genau andersherum. Sie werden um ein Metallstück herum angesetzt und schneiden ein Außengewinde in der gewünschten Größe hinein – mit diesem Gerät können Sie also selbst Schrauben herstellen.

Trotz der großen Auswahl gibt es immer wieder Fälle, in denen maßgeschneiderte Schraubverbindungen unerlässlich sind. Ein Beispiel sind selbst gebaute Möbel. Hier ist es wichtig, dass die Schrauben harmonisch mit der Oberfläche abschließen, nicht hervorschauen und vor allem nicht komplett durch das zu bearbeitende Material hindurchgehen. Eine von der Länge und Stärke passende Schraube im Baumarkt zu finden, kann hier schon zur Herausforderung werden. Ähnliches gilt für die Reparatur alter Möbel, Fahrzeuge und vielem mehr. Oftmals haben sich die Normen für Schrauben im Laufe der Jahre geändert. Passende Schrauben für die alten Stücke zu finden, ist ebenfalls nicht immer einfach.

Aus diesen Gründen gehören Gewindeschneider und Gewindebohrer zur Basisausstattung einer jeden guten Heimwerkstatt dazu. Doch weshalb spielen Schraubverbindungen überhaupt eine so große Rolle? Was ist mit Klebstoffen und Nägeln, die doch im Prinzip den gleichen Zweck erfüllen? Auf diese zunächst profan klingende Frage möchten wir Ihnen im nächsten Abschnitt antworten liefern.

Die drei Vorteile von Schraubverbindungen

Schraubverbindungen aus Holz oder Metall sind eine relativ junge Erfindung, die lange Zeit ein Schattendasein führten und sich erst im Zeitalter der Industrialisierung durchsetzen konnten. Zuvor wurden Einzelteile von Maschinen, Möbeln etc. mit Leim oder Nägeln miteinander verbunden. Da zum Beispiel Möbel nicht dafür konzipiert waren, sie wieder auseinanderzubauen, betrachtete man Schrauben zunächst als unnötig. Die Herstellung von Schrauben war außerdem per Hand sehr aufwendig. Sie wurden auch anders eingesetzt, als es heute der Fall ist. Die meisten Handwerker wussten nur wenig mit der neuen Erfindung anzufangen und schlugen die Schrauben wie Nägel mit dem Hammer ein, um Sie im letzten Schritt mit einem Schraubendreher festzudrehen. Erst mit der Entwicklung der Metallindustrie und dem Aufkommen von großen Industriemaschinen wurden die Vorteile der Schraube evident. In der heutigen Zeit sind Schraubverbindungen daher weitaus häufiger, als geklebte oder genagelte. Die drei Gründe kurz zusammengefasst:

Schraubverbindungen sind besonders stabil

Durch das Gewinde sind Schraubverbindungen noch stabiler und langlebiger als genagelte oder geklebte Verbindungen. Das Gewinde wirkt dabei wie Widerhaken, die jeweils mehr Kraft aufnehmen können, als ein Nagel mit einer glatten Oberfläche. Die Kraft, die auf der Schraube lastet, wird dadurch optimal verteilt. Anders als Nägel können Schrauben in einem intakten Gewinde nicht herausrutschen, auch bei größter Krafteinwirkung.

Schraubverbindungen sind sehr anpassungsfähig

Schraubverbindungen sind aus heutigen mechanischen oder elektronischen Geräten nicht mehr wegzudenken. Der Grund: Sie sind weitaus anpassungsfähiger als Nägel es je sein könnten. Schrauben können so zum Beispiel mit einem Drehmomentwerkzeug in einem ganz bestimmten Drehmoment angezogen werden, was gerade bei leichten Materialien, wie Kunststoff, von großer Wichtigkeit ist. Das bedeutet, dass die Schraube mit einem bestimmten Kraftaufwand festgezogen wird und so das empfindliche Material nicht zerstört. Mit einem Nagel, der nur dann hält, wenn er komplett eingeschlagen ist, wäre diese Feinjustierung nicht möglich.

Schraubverbindungen sind wieder lösbar

Der wohl entscheidendste Vorteil von Schraubverbindungen ist der Fakt, dass sich Schrauben beliebig oft wieder lösen oder festziehen lassen. Gerade bei modernen Möbeln wird dieser Effekt gerne genutzt, damit die Möbel zum Beispiel bei einem Umzug schnell auf- und wieder abgebaut werden können. Bei Kraftfahrzeugen macht man sich dieses Prinzip ebenfalls zunutze. Teile, die ausgetauscht werden müssen, können mit Schraubverbindungen ohne großen Aufwand ab- und wieder anmontiert werden. Bei geschweißten Verbindungen wäre der Aufwand ungleich höher.

Diese Formen der Gewindebohrer und- schneider gibt es

Wenn Bestandteile einer Möbelkonstruktion oder Teile eines Fahrzeuges nicht auf Dauer aber dennoch fest zusammengehalten werden sollen, kommen Schrauben und die passenden Muttern und Gewinde zum Einsatz. Obwohl die Auswahl an Eisenwaren unglaublich groß ist, kommt man in einigen Fällen nicht umher, sich selbst die passenden Stücke herzustellen. Die Werkzeuge, die dazu benötigt werden, sind Gewindeschneider und Gewindebohrer. Man unterscheidet dabei zwischen den drei Arten:

  • Gewindeschneider
  • Schneideisen
  • Gewindebohrer

Gewindeschneider ist dabei ein Oberbegriff. Das Werkzeug ist, je nach Modell, in der Lage, ein Innengewinde oder ein Außengewinde zu schneiden. Gewindeschneider sind mit Schneiden ausgestattet, die für ein ganz bestimmtes Material ausgelegt sind. Natürlich benötigt man zum Schneiden von Metall anderes Werkzeug, als zum Bearbeiten von Holz oder Kunststoff. Beim Kauf eines Gewindescheiders sollten Sie vorher wissen, wofür Sie diesen einsetzen möchten. Bei Gewindeschneidern unterscheidet man zwischen Gewindebohrern und Schneideisen. Auch hier gibt es Unterkategorien. Die Varianten eines Gewindebohrers sind:

  • Einschnittgewindebohrer
  • Maschinengewindebohrer
  • Dreiteilige Handgewindebohrer-Sätze

Diese möchten wir Ihnen im nächsten Absatz vorstellen. Hier erfahren Sie außerdem, wie ein Gewindebohrer funktioniert.

Innengewinde individuell herstellen: So funktioniert ein Gewindebohrer

Gewindebohrer schneiden Innengewinde, also das Gegenstück zur Schraube, die durch das Schneideisen hergestellt wird. Ebenfalls bekannt sind die Bezeichnungen Mutterbohrer oder Schraubbohrer. Zur Herstellung des Gewindes muss zuerst ein Loch mit einem entsprechenden Bohrer vorgebohrt werden, da der Gewindebohrer diese Führung benötigt. Je nach Größe haben Gewindebohrer zwei oder mehrere Schneiden. Die Schneiden sind mit Zähnen ausgestattet, die das zu bearbeitende Material kontrolliert abtragen. Die an der Spitze des Bohrers angebrachten Zähne sind stark abgeflacht, dadurch trägt jeder Zahn beim Schneiden einen Span in der etwa gleichen Breite ab. Die hinteren Zähne dienen lediglich der Führung des Bohrers in dem bereits geschnittenen Gewinde.

Es gibt elektronische und per handbetriebene Gewindebohrer. Handgewindebohrer sind am hinteren Ende mit einem Außenvierkant versehen, in dem sie in einem Halter, dem sogenannten Windeisen, befestigt werden können. Das Windeisen dient als eine Art Drehgriff, den Sie einfach betätigen können. Sowohl bei elektronischen als auch bei handbetriebenen Gewindebohrern sind Einschnittgewindebohrer am weitesten verbreitet. Einschnittgewindebohrer bieten den Vorteil, dass das Bohren wenig Zeit in Anspruch nimmt. Der Nachteil der schnellen Methode: Diese Bohrer sind nicht für alle Löcher geeignet. Während Durchbohrungen kein Problem darstellen, sind eingelassene Schraubgewinde nur schwierig zu realisieren. Der Grund dafür liegt darin, dass die Metall-, Holz- oder Kunststoffspäne bei dieser Bohrvariante nicht in Bohrerrichtung abgeführt werden können, sondern nur in Bohrrichtung ausgestoßen werden können.

Für besonders präzise Arbeiten, zum Beispiel am Kraftfahrzeug, empfehlen sich Handgewindebohrersätze, bestehend aus einem Vorschneider, einem Mittelschneider und einem Fertigschneider. Der Vorschneider ist zur Unterscheidung in der Regel mit einem Ring am Schaft versehen, während der Mittelschneider zwei und der Fertigschneider keinen Ring tragen. Bei dem dreiteiligen Verfahren werden die Späne problemlos abgeführt.

Wenn Sie als planen, den Gewindebohrer häufig für Durchbohrungen einzusetzen, empfehlen sich Einschnittgewindebohrer. Wer jedoch eingelassene Gewinde bohren möchte, ist mit einem dreiteiligen Satz besser beraten.

Für das perfekte Gegenstück: So funktioniert ein Schneideisen

Das Pendant zum Gewindeschneider ist das Schneideisen. Das Schneideisen, auch Gewindeschneider genannt, bohrt keine Gewinde, sondern wird auf einen zylindrisch geformten Holz- Kunststoff- oder Metallträger aufgespannt. Der Gewindeschneider schneidet also ein Außengewinde, das von außen in das Trägermaterial geschnitten wird. Ein Schneideisen ist ein zylinderförmiges Werkzeug, das innen je nach Größe drei oder mehr Schneiden ausgestattet ist. Zwischen den Schneiden sind kreisförmige Hohlräume eingebohrt, die dazu dienen, die beim Schneiden entstehenden Späne abzuführen.

Seitlich des runden Gerätes sind zwei Halter angebracht, mit denen das Schneideisen gedreht werden kann.

Mit diesem Zubehör schneiden Sie das perfekte Gewinde

Um professionelle Schraubverbindungen herzustellen, benötigt man neben Gewindebohrern und Gewindeschneidern für das jeweilige Material auch das richtige Zubehör. Gerade bei Arbeiten, die einen hohen Grad an Präzision verlangen, ist das folgende Zubehör unerlässlich. Folgende Hilfsmittel werden Sie in Ihrem Vorhaben zuverlässig unterstützen:

  • Bohrer zum Vorbohren des Loches für das Gewinde: Gewindebohrer sind nicht in der Lage, ohne eine Vorbohrung zu arbeiten. Bevor Sie ihn also ansetzen, müssen Sie mit einer handelsüblichen Bohrmaschine ein sogenanntes Kernloch bohren. Der Bohreraufsatz muss dabei immer kleiner sein, als das benötigte Gewinde. Achten Sie auch darauf, dass Gewinde immer eine Steigung aufweisen. Gemeint ist die Größe der einzelnen Windungen. Bei einer Gewindesteigung von 1,5 mm und einer Gewindegröße von 10 mm sollte Ihre Vorbohrung also mit einem Aufsatz von 8,5 mm vorgenommen werden.
  • Senker: Ein Senker wird zur Weitung des Bohrloches eingesetzt. So können Sie den Gewindebohrer leichter in die leichte Einkerbung einsetzen.
  • Windeisen: Sie dienen bei Handgewindebohrern als Halter, in den diese eingespannt werden.
  • Werkzeughalter: Die Alternative zum Windeisen sind Werkzeughalter, die mit einer Knarrenfunktion ausgestattet sind. Diese erspart Ihnen das lästige Umgreifen beim Schneideprozess.
  • Schneideisenhalter: Hier wird das Schneideisen zum fertigen von Außengewinden eingespannt. Die Bedienung funktioniert genau so wie beim Windeisen.
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