Winterschlaf Europäischen Landschildkröten

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Kurzanleitung für die Winterstarre bei Griechischen Landschildkröten
von Sabrina Hornung

Wenn Sie folgende Punkte mit “Ja” beantworten
können dann ist es keine Frage, ob man eine Winterstarre
mit seinen Tieren durchführt oder nicht.

- möchten Sie das Ihre Tiere gesund alt werden?
- haben Sie Ihre Tiere gerne, möchten Sie Ihr bestes?
- möchten Sie züchten und gesunde Elterntiere haben?

Für einen gesunden Stoffwechsel benötigen Europäische Landschildkröten eine Winterstarre. Jungtiere ab dem ersten Lebensjahr auch, ohne Frage Winterschlaf halten. Leider gibt es viele Tipps und auch Literatur, die sich wieder sprechen und Anfänger total verwirren. Bei Unklarheiten sollte man sich immer an einen erfahrenen Halter wenden, der sich mit der Haltung näher beschäftigt. Nachzuchten sind leider kein Zeichen für einen erfahrenen Halter, auch bei falscher Haltung und Fütterung vermehren sich die Tiere mit entsprechendem Alter. Sind die Tiere im Freiland, halten sie Winterschlaf, werden Wildkräuter gefüttert, daran kann man viel sehen.

Wenn ja, dann kann man sich schon mal einige Tipps vom Züchter holen (sollte dieser gewillt sein, einem überhaupt zu helfen was leider oftmals ein Zeitproblem darstellt). Kurzum, warum schreibe ich für Neulinge so eine Kurzanleitung? Genau aus diesem Grunde, da man nur 12 Stunden am Tag reden kann. Hier also der Winterschlaf, so gut ich weiß und Erfahrung habe, nach meinem besten Wissen und Gewissen, in Kurzform. Ich hoffe sehr, das Ihnen diese Zeilen weiterhelfen und Sie mit Ihren kleinen Urzeit-Dinosaurier-Freunden glückliche Zeiten vor sich haben.

Zuerst einmal sollte man bei seinen Landschildkröten im Juli, frischen Kot von einem Reptilien Tierarzt (Adressen siehe http://www.happy-turtles.de) oder einem reptilien-spezialisiertem Labor auf Parasiten untersuchen lassen auf Parasiten. Leider ist dies oft das Übel, was Tiere vorzeitig sterben lässt. Bitte machen Sie spätestens Ende Juli eine Sammelkotprobe am besten montags (baden Sie die Tiere in handwarmen Wasser für ca. 10 Minuten im Waschbecken oder in einer Plastikbox). Der Kot sollte dann so schnell wie möglich untersucht werden, da sonst der Befund verfälscht sein könnte. Sollte der Befund “Oxyuren” Würmer etc. zeigen, müssen die Tiere entwurmt werden (man kennt das von Hund/Katze, da macht man es aber profilaktisch). Spot on Präparate sind für Reptilien gerade noch in der Testphase. Es gibt einige Präparate zum eingeben (Oxfenil Oxfendazol ist sehr gut oder auch Molevac, Panacur). Diese gibt man am besten ins Maul, besser noch direkt mit einer Kanüle in den Magen der Tiere ein. Wenn Sie damit überfordert sind gehen Sie bitte zum Tierarzt, dieser hilft Ihnen weiter. Nach 2 Wochen muss dieser Vorgang wiederholt werden, damit der Kreislauf der Würmer und Wurmeier gestoppt wird im Darm der Tiere. Leider kann eine starker, unbemerkter Befall den Tieren sehr schaden. Gerade Wildfänge, die es leider immer wieder gibt neigen sehr dazu, an den Folgeschäden von Würmern zu verenden.

Es ist wichtig nicht zu spät den Kot untersuchen zu
lassen, da die Medikamente die Würmer töten leider auch die Leber der Tiere belasten. Das Organ muss sich durch guten Stoffwechsel (der im Sommer vorhanden ist) entgiften und erneuern. Deswegen verenden Tiere im Herbst, wenn man direkt nach der Medikamentengabe die Tiere einwintert, meist ein Todesurteil. Deswegen frühzeitig beginnen, damit noch genug Zeit ist um die Tiere
gegebenen falls zu entwurmen.

Haben die Tiere keinen Befall, umso besser. Wenn es ein sehr leichter Befall ist können die Landschildkröten, laut Reptilitierarzt auch eingewintert werden.

Meine Landschildkröten z. B. sind von Ende März bis ca. Oktober im Freiland in einem geräumigen Freigehege mit Frühbeet und Gewächshaus. Ende Oktober wenn das Wetter schlecht ist, und nachts Temperaturen von unter 4°C sind, halten die Schildkröten sind mehr im beheizten Frühbeet auf. Ende September bis Oktober schafft man es noch etwas die Wärme mit Hilfe von Dunkelstrahlern und Thermotimern im Frühbeet zu halten. Dann wenn es immer Kälter wird vergraben sich die Tiere vermehrt. Dann ist die Zeit die Tiere ins Haus zu holen. Jungtiere bleiben Zeitweise noch im Terrarium um Sie zu beobachten ob alles in Ordnung ist. Dann kommen sie (meist die größeren Tiere) für 2 Wochen in einen kühler Abstellraum/Keller oder Gewölbekeller mit ca. 18°C. Die Tiere werden dann alle 2-3 Tage für 15 Minuten gebadet (bei ca. 25°C) um den Darm etwas zu entleeren, was
bisher immer sehr gut funktionierte. Nach dem Baden die Tiere gut abtrocknen und auf Stroh/Heu/trockenes Laub in die Übergangskiste setzen in dem kühlen Raum. Es ist wichtig, dass die Tiere jetzt noch genug Wasser trinken um den Winterschlaf gut zu überstehen.

Überwintert man zu trocken (z. B. nur in Stroh oder Zeitung) kann es sein, dass bei Jungtieren die Panzerplatten sogar nach innen einfallen und dies eventuell sogar ein lebenlang von diesem Fehler zeugt. Nicht zu verwechseln mit Höckerbildung (das wäre gerade in die andere Richtung) die von zu trockerner Aufzucht und falscher Ernährung und zu schnellem Wachstum zeugt.

Dieser Makel ist bei Europäischen Landschildkröten nicht erwünscht und verwächst sich auch leider nicht, wie viele Verkäufer und Züchter einem erzählen. Auch die These vom Schuppen der Haut ist kein Zeichten für Neubildung der Haut! Schildkröten häuten sich nicht, es sind keine Schlangen! Dies zeigt oftmals zu trockene Haltung, aber kann auch ein Zeichen von Pilzbefall der Haut sein.

Nach diesen 2 Wochen kommen meine Tiere in Kühlschränke (Kühlschränke sind von der Flohmarktzeitung für Stück ca. 10 Euro gekauft). Als Kisten sind z. B. Plastikbehälter mit oder ohne Löcher geeignet. Bei Ikea gibt es immer wieder Plastikboxen in verschiedenen Größen und Farben. Je nach Kühlschrank oder Platz im Keller kann man zum Tier passend eine Box nehmen. Als Faustregel gilt immer Panzerlänge einmal mal nach vorne und einmal zu jeder Seite als auch nach oben und unten Platz, bei Jungtieren etwas mehr. Die Tiere sollten sich schon drehen können und auch den Platz wechseln bei Bedarf.

Auch geeignet sind Weinklimaschränke, die es in vielen Größen gibt. Nur sollte man auf den Temperaturbereich achten. Um die 3-10°C sollte man einstellen können. Ideal sind 4-6°C für die Überwinterungszeit. Wenn die Temperatur schön konstant ist dann nehmen die Tiere kaum ab und Jungtiere wachsen auch über Ihre Winterstarre weiter und wiegen oftmals nach der Winterstarre mehr als vorher. Unglaublich aber wahr.

In die vorbereitete Kiste kommt dann ca. 3 cm hoch Seramis (Größe ca. 0,5 bis 1 cm Kugeln). Die Kugeln weiche ich 2 Tage in einem Wassereimer ein, damit sie gut Feuchtigkeit haben. Dann kommt Cocos Humus (ungedüngt) darauf, ungefähr 7 cm hoch. Darauf kommt Laub von draußen (kann ruhig feucht sein) aber nur von Buche, Eiche, Walnuss und Birken Laub nehmen. Dort setze ich dann meine Landschildkröten rein. Es gibt viele Möglichkeiten die Kiste für den Winterschlaf zu füllen. Folgende Substrate sind geeignet: Spagnummoos getrocknet oder lebend, Cocos Humus (ungedüngt und fein) oder auch CocoPack Ungedüngt, Floraton3 Erde von Floragard als auch Pinienrinde und Kiefernrinde. Ungedüngt und Unbehandelt ist wichtig. Diese Substrate kann man auch Mischen wobei die meisten Cocos Humus (fein) für Jungtiere und Floraton3 für adulte Tiere nehmen, in Kombination mit Laub.

Sie kommen dann in die Kühlschränke wenn möglich jedes Tier in eine extra Kiste setzen. Alle 6 Tage mache ich die Türe für einige Sekunden auf. Mit einem Sprüher (Wasser) bringe ich immer frisches Wasser auf das Laub, damit alles gut feucht bleibt. Wasserschalen stehen auch zusätzlich im Kühlschrank, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Temperaturen zwischen 4°C und 6°C habe ich als ideal empfunden. Alle 2-3 Wochen schaue ich nach jedem Tier, ich wiege die Tiere vorher und nachher. Das Anschauen der Tiere (ob alles OK ist) mache ich nach Gefühl. Anfängern rate ich, nach dem Gewicht zu schauen, wenn die Tiere mehr als ca. 10% abnehmen, würde ich sie wecken. Aufwecken bei Jungtieren (Alter ca.1 Jahr) nach 8 Wochen. Tiere die schon über 10 Jahre alt sind, schlafen bis zu 5 Monaten.


Im März sind alle Tiere wieder munter. Aufwecken macht man wie folgt: Tiere mit der Kiste aus dem Kühlschrank nehmen und in einen kühlen Raum stellen vielleicht im Keller wo es etwas wärmer ist, 19°C ungefähr. Nach einem Tag bei Zimmertemperatur, kommen die Tiere dann heraus oder rascheln herum, nun kommen Sie ins Wasser zum Baden. 1 Teelöffel Meersalz kommt in das Badewasser (25°C). Danach kommen Sie ins Raumterrarium bei normaler Temperatur. Beleuchtung einschalten! Dann fressen nach ca. 2-3 Tagen. Man kann aber den Tieren ruhig Zeit geben, ob es nun einen Tag oder 3 Tage dauert bis Sie wieder wach sind, ist kein Problem. Schließlich kommt in der Natur die Wärme im Frühling ja auch nicht so schnell. Kranke Tiere oder Tiere mit starkem Oxyuren Befall (Würmer) sollte man nicht überwintern. Oder erst viel später wenn Sie wieder gesund sind. Einige Wochen reicht dann aus, wenig ist besser als gar nicht! Nach dem Entwurmen müssen die Tiere mindestens 8 Wochen gut fressen.

Man hält sie bei mindestens 18-23°C Lufttemperatur und
punktuell einem Wärmeplatz mit 35-40°C unter dem Wärmestrahler. Am besten ein PAR38 Radium mit 60 Watt Flood oder Spot je nach Abstand plus gutes UV-Licht (8% UV-B) oder als Alternative eine Kombinationslampe z. B. NambiaTerra Replux UV-Heat D3 mit 160 Watt plus ein kleiner Spotstrahler als Wärmeplatz. Es ist wichtig, dass die Tiere sich punktuell aufheizen können. Besser noch wäre eine BrightSun die es von LuckyReptil gibt allerdings nur mit Vorschaltgerät zu benutzen und vom Preis teurer dafür spart man aber Strom. Ungeeignet sind alle Leuchtstoff-röhren. Da es wechselwarme Tiere sind benötigen Sie Wärme von oben, um Ihren Körper auf Betriebstemperatur von ca. 28°C zu bringen. Wird diese Wärme nicht erreicht, verhungert die Schildkröte an vollen Trögen, weil der Körper die Nahrung nicht richtig
verdauen kann.

Winterschlaf Kurzform eigene Erfahrung
von Sabrina Hornung

1.) Tiere von Terrarium oder Übergangsgehege
für 2 Wochen bei ca. 12-18°C in einem dunklen Raum auf Erde ca. 10 cm hoch setzen und alle 2 Tage für ca. 10 Minuten in 25°C warmem Wasser in der Badewanne Baden (je nach Größe auch im Waschbecken). Dann gut abtrocknen und ca. 10 Minuten noch im Bade stehen
lassen, dann wieder in den Übergangsraum stellen. Dort haben die Tiere nur Material zum eingraben und eine Wasserschale, sonst nichts.

2.) Wenn nach den 2 Wochen kein Kot mehr im Wasser ist, kommen die Tiere nach Wiegen auf der Briefwaage (muss "g" genau anzeigen) in Ihre vorbereitete Winterschlafskiste. Die sollte ja nach Tiergröße bemessen sein. Ein Beispiel: Die Schildkröte ist 10 cm lang dann sollte die Kiste (Plastikbox oben offen) 30x35 cm mit einer Höhe von 25 cm sein. Da hinein kommt Seramis (Hydrokultur die einmal eine Nacht in Wasser eingeweicht war, 3 cm hoch) dann Cocos Humus ungedüngt oder Floraton3 oder CocoPack oder Pinienrinde fein ca. 8 cm hoch drauf, darauf setzt man am besten abends die Schildkröte, dann kommt feuchtes Laub von Walnuss, Haselnuss, Eiche, Buche oder Birke drauf bis die Kiste voll ist. Das Ganze packt man dan in den Kühlschrank im Keller bei ca. 3 bis max. 10°C, besser ist konstant 5°C.

Die Tiere sollte man alle 2-3 Wochen rausnehmen, kurz wiegen,
und anschauen ob alles ok ist dann gleich wieder rein in die Kisten.

3.) Die Tiere dürfen (Jungtiere bis 5 Jahre) maximal 10% Ihres Ausganggewichtes verlieren und große Tiere, die mehr als 2kg haben, dürfen 15% verlieren. Meist bei Jungtieren 3 Monate, bei Schlüpflinge
2 Monate, und bei Adulten Weibchen und Männchen mehr als 4 Monate ist ok. Wenn die Tiere kaum Gewicht verlieren, ist alles super und kann so nächstes Jahr wieder so gemacht werden.

4.) Aufwachen: Die Tiere mit Kiste aus dem Kühlschrank nehmen und bei Zimmertemperatur stehen lassen für ca. 1-2 Tage. Dann die Tiere vorsichtig herausnehmen und in lauwarmem Wasser mit etwas Meersalz baden. Dann langsam wärmeres Wasser zugeben Meist bewegen sich die Tiere dann gleich wieder und man kann diese ganz normal mit Futter usw. ins Terrarium (Jungtiere) und Adulte dann ins Frühbeet überführen. Die Tiere sollten nach 2 Tagen wieder anfangen mit fressen, dann ist alles OK. Natürlich schaltet man die Beleuchtung nach 2 Tagen auch ein.

Einkaufsliste für Winterschlaf:

Kühlschrank oder Weinklimaschrank Temperatur 4-6°C Ideal
oder ein Platz im Keller oder Gewölbekeller bei sich oder
eventuell sogar bei der Verwandschaft.

Seramis/Hydrokultur oder Cocos Humus Ungedüngt
oder Floraton 3 Erde von Floragard

Laub von Birke, Nuss oder Eichenlaub oder
Buche nass oder trocken

Plastikbox passend zum Tier für jedes Tier eine
Box oben offen. Eventuell in die Seite Löcher machen

Gutes Thermo- und Hygrometer mit
Min/Max Funktion ideal


Kurze Haltungsinformation

Die Haltung muss für Jungtiere feucht sein und mit vielen Pflanzen (Wildkräuter aus dem Garten), es ist ein Tier und keine kultivierte Pflanze! Natürlich ist Einstreu wie Buchenholzspäne oder JungleBark einfacher zu reinigen aber zu steril und trocken für Schildkröten. Am besten
eignet sich in der Übergangszeit (Frühling und Herbst) die Terrarienhaltung (Holzterrarium mit ca. 120x54x40cm für zwei Jungtiere), Lufttemperatur (21-24°C) Zimmer-
temperatur. Wenn man eine kleine Schildkröte in einem Glasterrarium aufzieht ist das ähnlich eines Brutkastens (viel zu Warm). Schildkröten mögen keine Stauluft und keine Leuchtstoffröhren da diese flackern. Schildkröten sehen 20 Meter Farbig und haben empflindliche Augen. Radium Wärmestrahler PAR38 und UV-Licht (8% UV-B) als Beleuchtung sind geeignet (E27 Fassungen).

Am besten mehrere Bodensubstanzen anbieten (Floraton3, Pinienrinde, Cocos Humus) nur nicht mit Sand mischen (unsinnig), das Terrarium kann man sehr gut mit Golliwoog/Futterpflanzen und Grasbüscheln bepflanzen. Im Sommer ist die ganztägige Gartenhaltung sehr zu empfehlen. Schildkröten brauchen einen Unterschlupf, um sich wohl zu fühlen, in Form einer Korkhöhle (Tunnel oder Röhre) oder Weidenbrücke, Höhle aus Kunststoff.

Am besten man richtet sich nach einer alten Bauernregel (in Monatsnamen ohne "r" gibt's keinen Frost) also kann man sie dann mit einem gut isolierten Schutzhaus
draußen lassen, besser noch ein Frühbeet (Alltop) mit Biotherm 2000 und Elsteinstrahler für kälte Nächte. Jedoch kann man junge Landschildkröten (unter 2 Jahren), wenn es Tagelang nur regnet oder stürmt ins Haus holen. Ein Warmer Gewitterregen scheint Ihnen ganz besonders zu gefallen, meine strecken die Köpfe und laufen immer durch den größten Matsch! Gefährlich sind nur Nächte mit unter 6°C für kleine Schildkröten unter 4 cm Länge, da sie die Temperatur nicht so gut halten können wie größere Tiere. Netze gegen Raubvögel sind zu empfehlen. Auch sollte man das Gehege mit Büschen wie Thymian und Lavendel bepflanzen damit die Tiere Versteckmöglichkeiten haben.
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