Wiener Pfennige und König Richard Löwenherz.

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Eine für jeden Münzensammler bemerkenswerte Tatsache ist der Umstand, daß die Münzprägung in Wien erst relativ spät begann.

Der englische König Richard Löwenherz war in gewisser Weise mitverantwortlich für die Gründung der Münzstätte Wien. Hier eine kurze Chronologie:

Auf dem dritten Kreuzzug (1189 - 1192) kam es zwischen dem englischen König Richard I. "Löwenherz" und dem Herzog von Österreich, Leopold V. aus dem Geschlecht der Babenberger zu einem Streit, in dessen Verlauf Leopold V. für die Zeit nach dem Kreuzzug Rache an Richard I. schwor.

Richards Wappenschild

Da die Ausweichrouten noch unsicherer waren, entschloss sich Richard I. dennoch den Heimweg durch das von Leopold V. beherrschte Gebiet zu wagen. Um unerkannt zu bleiben, reiste er als Bettler verkleidet.

Am 21./22.12.1192 wurde Richard I. im Vorort Erdberg bei Wien erkannt, überwältigt und auf der damaligen Burg und heutigen Ruine Dürnstein, unter der Aufsicht von Hadmar II. von Kuenring, bis März 1193 gefangen gehalten. Die Sage erzählt, daß Richard Löwenherz dort von seinem treuen Freund Blondel, der auf der Suche nach dem König auch nach Dürnstein kam, aufgespürt wurde. Er soll dabei die Lieblingsmelodie des Königs angestimmt haben - woraufhin dieser aus seinem Kerkerfenster heraus, singend die Melodie ergänzte (Eine ähnliche Sage existiert von der pfälzischen Reichsburg Trifels, einem späteren Aufenthaltsort Richards).

Gefangennahme v. Richard Löwenherz, Chronik d. Petrus de Ebulo, A.D. 1197

In der Folge wurde Richard I. an den Kaiser des Römisch Deutschen Reiches, Heinrich VI. ausgeliefert, der ihn bis 04. Februar 1194 auf Burg Trifels bei Annweiler gefangen hielt, bis das für ihn geforderte Lösegeld in astronomischer Höhe - 60 Tonnen Silber - aus England einlangte. Die Hälfte des Lösegeldes ging an Leopold V., welcher mit diesem Grundstock die erste Münzprägestätte Wiens gründete.

Das aus dem Lösegeld stammende Silber wurde während der nächsten Jahrzehnte zu Wiener Pfennigen ausgeprägt. Bis dahin waren in Wien auswärtige Münzen in Umlauf, wie etwa Ennser oder Wiener Neustädter Pfennige.

Wiener Pfennige, die durchwegs aus hervorragendem Silber sind, können auch heute noch relativ häufig im Münzhandel gefunden werden. Die Sage, die sich um den Disput zwischen dem englischen König und dem österreichischen Herzog rankt, ist interessant für Historiker und Numismatiker, wirkte sich aber auch belebend auf den Tourismus in der Wachau aus.

Dürnstein in der Wachau, Burg und Kapelle

Es gab bisher noch keine umfassende Untersuchung, ob auch die Münzen, welche im späten 13. Jhdt. in der 1194 gegründeten babenbergischen Münzstätte Wien/Hoher-Markt geprägt wurden, unverändert aus dem Lösegeld-Silber stammen. Wahrscheinlich waren die Barren zu diesem Zeitpunkt bereits restlos ausgemünzt. Mit Sicherheit jedoch, wurden die "aus dem Verkehr gezogenen" älteren Wiener Prägungen eingeschmolzen und für Neuemissionen verwendet. Somit ist ein gewisser Anteil an dem sog. Lösegeldsilber zwar sehr wahrscheinlich, aber nicht zwangsläufig für jede einzelne Münze erwiesen.

Gedenktafel am Haus Hoher Markt Nr. 4 mit Erwähnung der Ausmünzung des Löwenherz-Silbers

===> agora-wien Shop

 

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