Wiener Mechanik: Erkennungsmerkmale

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Wiener Mechanik beim Flügel

Die Wiener, usprünglich "Deutsche" Flügel-Mechanik ist faszinierend einfach gebaut. Vor 200 Jahren (!) übertraf sie mit genialer Funktionalität andere - völlig anders konstruierte - so genannte "Englische" Mechaniken. Aus eben diesen "Englischen" Mechaniken sind aber die modernen präzisen Flügelmechaniken hervorgegangen, vor allem die heute übliche Repetierschenkel-Mechanik (verbunden mit den Namen Erard, Steinway, Herz, Schwander, Keller, Renner und anderen), aber auch andere respektable Konstruktionen (z. B. von Blüthner oder Collard). Und das sind alles Konstruktionen mit so genannter "doppelter Repetition", die allesamt der Wiener Mechanik technisch haushoch überlegen sind.

(Alle Fotos im folgenden Text mit freundlicher Genehmigung von eBay-Mitglied klavierwelt aus Österreich. Danke!)

Flügel mit der "Wiener Mechanik" haben unzweifelhafte Kennzeichen:

1) Wenn der Deckel offen ist, sieht man hinter dem Notenpult über den Saiten einen (meist schwarzen) Doppelbalken liegen.

Das ist der Träger der Dämpfer. Diese für die Wiener Mechanik typische Konstruktion gibt es bei den anderen "normalen" Flügel-Mechaniken nicht - dort sind die Dämpfer einzeln, ohne umrahmende Balken, auf den Saiten platziert.

2) An den Pedalen befinden sich VOR deren hölzerner Halterung, der "Lyra", starke Drähte, mit denen sie ihre Funktion durch Zug ausüben.

 

Dagegen werden bei "normalen" Flügel-Mechaniken die Kräfte durch Druckstangen HINTER der Lyra weitergeleitet.

Die Wiener Mechanik hat wohl Vorteile...

1) Konstruktionsbedingt haben Flügel mit Wiener Mechanik grundsätzlich sehr lange Tasten und dementsprechend recht lange Hebelarme. Das führt im Prinzip zu einem gleichmäßigen, typisch "flügeligen" Spielgefühl. (Zum Vergleich: Die Blüthner-Patent-Mechanik hat exzellente Repetitions-Eigenschaften, aber sehr kurze Hebelarme, die sich "klavierig" anfühlen.)

 

2) Zur Umformung der Tastenbewegung in eine Hammerbewegung benötigt die Wiener Mechanik nur zwei bewegliche Schnittstellen. Bei optimaler Funktion erwächst daraus ein erfreulich direktes Spielgefühl. (Zum Vergleich: Die Collard-Mechanik benötigt dafür drei Schnittstellen, die Blüthner-Mechanik vier und die übliche Repetierschenkel-Mechanik sogar sechs!)

3) Bauartbedingt funktionieren bei der Wiener Mechanik die Auslösung und die Repetition ohne weitere Hilfsmittel recht ordentlich. Das geht bei allen anderen Mechaniken nicht.

... aber die Wiener Mechanik hat auch schwer wiegende Nachteile

1) Offenbar waren die meisten Hersteller Wiener Mechaniken auf deren Einfachheit sehr stolz. Es gäbe wohl mancherlei Einstellelemente zur Präzisierung, nur wurden sie in der Regel nicht verwendet. In Folge dessen lässt sich fast nichts regulieren. Nach vielen Jahren des Gebrauchs spielen sich Flügel mit Wiener Mechanik auch bei geringen Ansprüchen nicht wirklich zufrieden stellend, und ändern lässt sich das nur mit recht hohem Aufwand und ziemlich beschränktem Erfolg.

2) Die Hammerköpfe der meisten Wiener Mechaniken sind mit Leder bezogen. Dadurch sind die Möglichkeiten der Hammerkopfbearbeitung und Intonation erheblich eingeschränkt bzw. erschwert, weil mit teuren operativen Eingriffen verbunden..

Lohnt sich der Umbau?

Es gibt sehr schön klingende Flügel mit Wiener Mechanik, die obendrein auch noch wunderhübsch aussehen, und man kann sie ziemlich billig bekommen. Man kann sie auch mit einem Aufwand von ca. 5000-10000 Euro auf eine moderne Mechanik umrüsten. Wenn Sie das wirklich wollen, steht dem nichts im Wege - doch gibt es in diesen Preislagen viele ernst zu nehmende Alternativen.

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