Wie wird eigentlich der Wert einer Perle festgelegt?

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Wie wird eigentlich der Wert einer Perle festgelegt?

Was bestimmt den Wert einer Sache? Wann ist etwas wertvoll für uns? Wenn wir viel Geld dafür zahlen oder erhalten? Oder wenn uns etwas ans Herz gewachsen ist und für uns – und nur für uns – unbezahlbar ist? Diese Frage wurde damals in meiner Studienzeit heiß diskutiert und dürfte heute noch der Opener in vielen volkswirtschaftlichen Vorlesungen sein.

Eines ist klar: was selten, begehrt und wunderschön ist, ist auch stets sehr gefragt. Und wir alle kennen das Prinzip, dass die Nachfrage den Preis regelt. So ist es auch bei Perlen. Sie sind wunderbare Kunstwerke der Natur. Und während die Masse der jährlichen Perlenernten inzwischen auch für uns Normalbürger bezahlbar geworden ist, ist die Auslese der besten Perlen rar, selten und erzielt Verkaufspreise jenseits von Gut und Böse.

Nachstehende Ausführungen möchten nur kurz – und ohne Anspruch auf Vollständigkeit – darauf eingehen, wie der HANDELSWERT von Perlen festgelegt wird. Es soll eine Art grober Überblick sein, damit das Mysterium von UVPs, Preisempfehlungen der Hersteller, Wiederbeschaffungswerte gemäß Gutachten und so weiter und so fort ein wenig klarer und verständlicher wird.

Dafür möchte ich ein Beispiel von 2 verschiedenen Perlen verwenden. Die eine Perle liegt bei Ihrem Juwelier im Schaufenster. Sie ist vollkommen, perfekt rund, ihr Glanz ist einfach atemberaubend. Abends stehen Sie vor dem Fenster und fragen sich, ob sie nicht sogar künstlich ist. Denn Sie selbst können mit dem Auge keinen Fehler erkennen. Diese Perle soll 100 Euro kosten.

Die andere Perle bewahren Sie seit Jahren als Familienerbstück sorgsam auf. Sie ist der Juweliersperle sehr ähnlich. Nur die Farbe ist ein bisschen anders, der Glanz ist minimal schlechter und die Form Ihrer Perle ist leicht unrund. Welchen Wert wohl Ihre Perle hat? Eine Frage, die Sie schon seit Ewigkeiten beschäftigt ... .

Die Juweliersperle erfüllt 5 Kategorien, die den Wiederbeschaffungswert bzw. Einzelhandelsverkaufspreis bestimmen, zu jeweils 100%. Das sind:

Form = 100 % oder Faktor 1

Lüster = 100 % oder Faktor 1

Oberfläche = 100 % oder Faktor 1

Farbe = 100 % oder Faktor 1

Schichtdicke des Perlmutts = 100% oder Faktor 1

Nehmen wir an, ein Gutachter würde Ihre Perle schätzen und die Qualität Ihrer Perle wie folgt festsetzen:

Form = 80 % oder Faktor 0,8

Lüster = 70 % oder Faktor 0,70

Oberfläche = 100 % oder Faktor 1

Farbe = 90 % oder Faktor 0,9

Dicke = 100% oder Faktor 1

Der Gutachter würde nun mit den genannten Faktoren eine Berechnung durchführen, die als Ergebnis den Wert Ihrer Perle ausspuckt. Dazu benötigt er zuerst einen Basis- oder handelsüblichen Vergleichspreis einer perfekten Spitzenperle. In unserem Beispiel sind das die 100 Euro unserer Juweliersperle. Diese 100 Euro würde er mit den einzelnen Faktoren multiplizieren.

Etwa so:

100 € Basis-Vergleichspreis * 0,80 * 0,70 * 1 * 0,9 * 1 = 50,40 €

Ihre Perle hätte bei diesem Gutachter einen Wert von 50,40 Euro. So weit, so gut. Nehmen wir an, Ihr Gutachter hat sich vertan oder er hatte einen schlechten Tag oder die Lichtverhältnisse waren schlecht oder, oder oder. Wie auch immer: er hat die Qualität Ihrer Perle bei der Kategorie „Lüster" mit 70 % ein wenig zu schlecht festgelegt. Ein anderer Gutachter legt den Lüster mit 90% fest. Die Berechnung würde nun wie folgt aussehen:

100 € Basis-Vergleichspreis * 0,80 * 0,90 * 1 * 0,9 * 1 = 64,80 €

Das ist schon bei einer einzelnen Perle eine starke Abweichung. Nun stellen Sie sich vor, eine Kette oder ein Perlenstrang mit 50 Perlen würde so begutachtet. Da sieht die Sache schon sehr viel – wie sagt unsere Jugend so schön – „krasser" aus.

Der Wert einer Kette / eines Strangs wird berechnet, in dem man eine repräsentative Perle mittlerer Qualität heraussucht und den Wert dieser einzelnen Perle kalkuliert. Dieser Wert wird mit der Anzahl der Perlen multipliziert. Halbiert man dann dieses Zwischenergebnis, erhält man den Wiederbeschaffungswert oder die berühmten UVPs und Preisempfehlungen der Hersteller.

Beispiel:

Berechneter Wert der einzelnen Perle aus einer Kette = 25 Euro.

Diese 25 Euro multipliziert mit Anzahl der Perlen, z. B. 60 Stück x 25 € = 1.500 Euro.

Das Zwischenergebnis 1.500 Euro wird halbiert = 750 Euro.

Die Kette hätte einen Wert von 750 Euro.

Ich hoffe, dass dieser kleine Exkurs ein bisschen Licht ins Dunkel bringt. Komplizierter wird die Sache, wenn man nun Faktoren wie Größe oder Art der Perle hinzunimmt. Auch sie haben immensen Einfluss auf den Preis. Aber das möchte ich Ihnen ersparen.

Letzte Woche gab mir ein Freund eine 40 Jahre alte Modekette aus Holz und Plastik. Seine Mutter hatte diese Kette von einer inzwischen verstorbenen Nachbarin geschenkt bekommen. Es war die einzige Erinnerung an diese nette Frau. Das Schmuckstück war ausgeleiert und sollte neu aufgefädelt werden. Glauben Sie mir: die Mutter meines Freundes hätte die Kette nicht für 100 oder 200 Euro weggegeben. Selbst wenn dieser Modeschmuck in den 60ern oder 70ern vielleicht nur 5 DM gekostet hatte. Dafür war der Erinnerungswert einfach zu hoch!

Was bestimmt also den Wert einer Kette, einer Perle, einer Sache? Letztlich sind Sie das, Sie selbst. Ein Perlenschmuckstück, das vergleichsweise wenig Geld gekostet hat, aber mit guten Beweggründen zu einem besonderen Anlass geschenkt wurde, mag dem Beschenkten mehr wert sein als die berühmtesten Perlen dieser Welt.

In diesem Sinne!

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