Wie wertloser Krempel zur gesuchten Antiquität wird

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Jeder Käufer will gerne schlauer sein als der Verkäufer. Das verstehen gerissene Verkäufer auszunutzen. Nach einschlägigen Erfahrungen soll hier das Prinzip dargestellt werden.

Man mache mit einer minderwertigen Kamera oder einem Handy unscharfe Fotos des wertlosen Artikels, etwa des Gemäldes mit gefälschter Signatur. Auf keinen Fall XXL-Fotos einstellen.

Die Artikelbeschreibung muss grobe Rechtschreibfehler enthalten, wie "gemählte" oder "sehr alte bilt", die darauf deuten, dass der Verkäufer Ausländer oder extrem ungebildet ist. Kein Rechtschreibprogramm verwenden! Gut ist der Zusatz "Dachbodenfund" oder "Scheunenfund." Weniger geeignet ist "Kellerfund", weil er auf Schimmel deutet, welcher bei Käufern unbeliebt ist. Aus der Beschreibung muss hervorgehen, dass der Verkäufer nicht die geringste Ahnung von Kunst und Antiquitäten hat. Man schreibt etwa: "Ich verstehe nicht von kunst, vielleich ein ebayer kennt Nahme von Künstler." Günstig ist bei Bildern auch folgende Formulierung hinsichtlich der Signatur: "Unterschrift kann nicht lesen."

Nun hat man den Käufer an der Angel, denn er ist sicher, er allein habe entdeckt, dass dort unerkannt ein Werk eines gefragten Künstler im Angebot ist.

Nachfragen nach der Provenienz werden beantwortet mit: "aus Nachlass einer alten Dame." Bittet ein Käufer um ein besseres Foto, heißt es:  "Mit meiner Kamera kann ich keine besseren Fotos machen" oder "Leider ist meine Kamera / mein PC gerade kaputt."

Bald nach dem Einstellen treibt man von zwei anderen accounts den Preis in die Höhe. Einen Tag vor Angebotsende hört man damit auf. So erzielt man Höchstgebote in der letzten Minute.

Hat der Käufer die vierstellige Summe bezahlt und bemerkt seinen Irrtum, so ist der Verkäufer nicht erreichbar oder von ebay abgemeldet. Sollte sich der Käufer an ebay wenden, so bekommt er den Textbaustein, dass ebay den Ärger des Käufers sehr gut verstehen könne, aber allein der Verkäufer für das Angebot verantwortlich sei und ebay mit dem Kaufvertrag des Käufers mit dem Verkäufer überhaupt nichts zu tun habe.

Kommt es zum Prozess, so gibt der Verkäufer vor Gericht an, dass er das Bild so wie es ist auf dem Dachboden / in der Scheune vorgefunden habe und, da er nichts von Kunst verstehe, auf die Signatur überhaupt nicht geachtet habe. Kein Jurist wird ihm nachweisen können, dass er es war, der die Signatur aufgetragen hat.

Dieser Ratgeber soll zur Warnung von Käuferinnen und Käufern dienen.

 

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