Wie werden Walkstoffe hergestellt?

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Wie werden Walkstoffe hergestellt?

Kleidungsstücke aus dem Naturstoff Walk sind in den letzten Jahren neu entdeckt worden – nicht zuletzt wegen der feuchtigkeitsspeichernden, wind- und kälteabweisenden Eigenschaften. Walk-Mode ist inzwischen nicht mehr nur im traditionellen Trachtenlook erhältlich, sondern mit modernen Schnitten und zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten für Büro und Freizeit. Aber wie wird Walk eigentlich hergestellt?

 

Das traditionelle Grundverfahren

In Mitteleuropa gibt es im Alpenraum eine jahrhundertealte Walk-Tradition. Die rohe Schafswolle wurde zunächst mit dem Spinnrad zu festen Fäden versponnen und locker verwoben. Noch im Mittelalter wurde das lockere Gewerbe mit Händen und Füßen bei hohem körperlichen Einsatz verfilzt.

Später sind Walkmühlen entstanden, in die das Rohgewebe gebracht wurde. Statt mit Körperkraft stampfte der Walker oder Lodenwalker das Rohgewebe mit schweren Holzhämmern in warmem oder heißem Wasser. Bei diesem Vorgang schrumpft das Gewebe fast zur Hälfte zusammen, die einzelnen Haare verfilzen miteinander und bilden den wasser- und winddichten Walk. Allerdings war die maschinelle Fertigung oft von geringerer Qualität als die Handarbeit. Hersteller besonders feiner Stoffe bevorzugten daher weiterhin das Walken mit den Füßen.

 

Zusätzliche Verfahren in der Walk-Herstellung

Je nach gewünschtem Ergebnis kann der Naturstoff Walk heutzutage auf ganz unterschiedliche Weise be- oder verarbeitet werden. Durch das Wolfen werden verschiedene Rohwollsorten und -farben zerrissen und miteinander vermischt. Beim Krempeln läuft die Wolle über eine Walze mit feinen Nadeln, auf der die Wolle zu einem feinen Vlies verkämmt wird.

In der Spinnerei werden die Fäden und Garne in verschiedenen Stärken hergestellt. Mehrere Garne können auch verzwirnt werden, um noch mehr Festigkeit zu erreichen oder um verschiedene Effekte wie Noppen herzustellen. In der Weberei werden die Garne und Zwirne zu Wolltüchern verwebt. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Techniken, die zu unterschiedlichen Ergebnissen wie Leinwand oder Double führen.

Bei fast allen Walkstoffen wird das Gewebe eingefärbt. Entweder in gedeckten Farbtönen wie Grau, Braun oder Tannengrün – oder in ganz knalligen Farben wie Rot oder Orange oder Apfelgrün. Ist der Stoff fertig, folgt oft noch ein Arbeitsgang in einer Schärmaschine, um abstehende Fasern abzuschneiden und eine feine Oberfläche zu erhalten. Lodenstoffe werden nach dem Walken oft auch noch nass gebügelt.

 

Walken als Handarbeit

Das Filzen ist als Handarbeit wieder sehr populär geworden. Allerdings gibt es kleine Unterschiede zwischen den Begriffen Walken und Filzen: Walkstoff wird aus gewebten Fasern verfilzt und Filzstoff aus ungewebten Fasern.

Beim Handarbeits-Hobby Walken oder Filzen wird Filzwolle oder ein Rohgewebe mit Kernseife in handwarmem Wasser kräftig gedrückt und gerieben, bis die Wolle geschrumpft und möglichst eng verfilzt ist. Je höher der Druck und die Reibung, desto besser ist am Ende das Ergebnis des Filzens.

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