Wie wähle ich das richtige Objektiv für mein perfektes Foto aus?

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Wie wähle ich das richtige Objektiv für mein perfektes Foto aus?

Wer sich eine Spiegelreflexkamera (SLR) zulegt, tut das in der Regel mit einer bestimmten Absicht. Diese Kameras bieten dem Fotografen ein Höchstmaß an Einfluss auf die Gestaltung der Fotografie. Eine SLR ermöglicht einerseits den Einsatz von Wechselobjektiven, darüber hinaus bietet dieser Kameratyp im Gegensatz zu einer herkömmlichen Kompaktkamera die Möglichkeit, neben der Brennweite auch Blende und Belichtungsdauer zu bestimmen. Dementsprechend unterschiedlich kann eine Fotografie ausfallen. Bewegliche Motive können bei sehr kurzer Belichtungszeit gestochen scharf oder bei längerer Belichtung verschwommen abgebildet werden. Ein anderes wichtiges Stilmittel des Fotografen ist die Schärfentiefe. Damit wird die räumliche Tiefe bezeichnet, in der ein Motiv scharf abgebildet wird. Bei geringer Schärfentiefe werden Objekte, die sich im Vordergrund und im Hintergrund befinden, unscharf dargestellt. Dieser Effekt wird beispielsweise in der Porträtfotografie gern genutzt. Bei großer Schärfentiefe werden dagegen die meisten abgebildeten Objekte scharf dargestellt. Die Schärfentiefe ist hauptsächlich abhängig von der Blende, der Entfernung und der Brennweite. Diese fotografischen Grundregeln gelten sowohl in der analogen Fotografie als auch bei der Verwendung von Digitalkameras.

Objektivarten im Kleinbildbereich

Für den SLR-Neuling stellt sich nun die Frage: Welches Objektiv (bzw. welche Objektive) brauche ich? Die Vielfalt an Wechselobjektiven auf dem Markt ist auf den ersten Blick sehr unübersichtlich, weshalb hier einige wichtige Kriterien genannt werden sollen.

Herstellerkompatibilität

Das erste Kriterium beim Kauf eines Objektivs ist die Kompatibilität zum Kameragehäuse. Die meisten Objektive sind mit einem Bajonettverschluss versehen, über den sie mit dem Kameragehäuse verbunden werden. Im Gegensatz zu Schraubverschlüssen sind Bajonettverschlüsse sehr einfach und schnell zu bedienen. Metallische Nasen am Objektiv greifen in entsprechende Aussparungen am Flanschring des Kameragehäuses. Eine kurze Drehung des Objektivs lässt es spürbar einrasten. Damit ist eine stabile Verbindung zwischen Objektiv und Kameragehäuse garantiert. Leider sind die Bajonettverschlüsse der verschiedenen Kamerahersteller in den meisten Fällen nicht untereinander kompatibel. Es gibt aber einige alternative Objektivhersteller, die für verschiedene Kameramodelle kompatible Optiken produzieren, so dass der Konsument nicht ausschließlich auf die herstellereigenen Objektive angewiesen ist.

Analog oder digital

Objektive funktionieren im Grundprinzip alle ähnlich. Trotzdem sind viele Objektive nur an bestimmten Kameramodellen uneingeschränkt anwendbar. Viele Funktionen einer elektronisch gesteuerten Digitalkamera verlangen nach einem dafür ausgelegten Objektiv. Meist sind diese Objektive mit einem eigenen Prozessor und Firmware ausgestattet. Hier findet ein reger Datenaustausch zwischen Kamera und Objektiv statt. Neben Werten für die Blende können hier auch objektivspezifische Daten wie Motiventfernung, Minimal-, Maximal- und aktuelle Brennweite, Hersteller, Objektivbezeichnung, Seriennummer oder Software-Version übermittelt werden.

Autofokus oder manuelle Scharfstellung

Aktuelle Kameramodelle sind in der Regel mit Autofokusfunktion ausgestattet. Die für die Scharfstellung des Objektivs notwendige Verschiebung der Linsengruppe wird automatisch durch Motoren vorgenommen, die sich je nach Objektiv- bzw. Kameramodell im Objektiv oder der Kamera befinden können. Sitzt der Motor in der Kamera, wird über den Bajonettverschluss eine Wellenverbindung zum Objektiv hergestellt, hat das Objektiv einen eigenen Motor, werden zwischen Kamera und Objektiv nur die erforderlichen Steuersignale ausgetauscht.

Objektive mit Festbrennweite

Optisch werden Objektive in erster Linie nach ihrer Brennweite unterschieden. Niedrige Brennweiten ermöglichen einen großen Blickwinkel, sind also etwa für die Aufnahme von Panoramabildern geeignet. Hohe Brennweiten hingegen haben den Charakter eines Fernrohres. Weit entfernte Objekte erscheinen sehr nah.

Normalobjektiv

Ein Normalobjektiv hat eine Brennweite, die in etwa der Diagonalen des Abbildungsmediums (Film bzw. Bildsensor) entspricht. Im Kleinbildformat entspräche das 43,3 mm, aber die Bezeichnung "Normalobjektiv" hat sich für Optiken mit einer Brennweite von 50 mm durchgesetzt. Manche Kamerahersteller bezeichnen auch Objektive bis zu 60 mm Brennweite noch als Normalobjektive. Rechnerisch ergibt sich für Normalobjektive ein Bildwinkel (diagonal) von 53°, der tatsächlich genutzte Bildwinkel liegt aber meist bei ca. 40-50° und entspricht etwa dem Blickwinkel des menschlichen Auges.

Weitwinkelobjektive

Objektive mit einer geringeren Brennweite als 50 mm (im Kleinbildformat) werden als Weitwinkelobjektive bezeichnet. Durch die geringere Brennweite ergibt sich ein größerer Bildwinkel als bei Normalobjektiven. Weitwinkelobjektive haben meist eine Brennweite von 28 mm oder 35 mm. Damit ergeben sich bei Kleinbildkameras Bildwinkel von etwa 60-75°. Superweitwinkelobjektive (auch als Ultraweitwinkelobjektive bezeichnet) weisen Bildwinkel von über 80° auf. Typische Brennweiten eines SWW betragen zwischen 24 mm (84° Bildwinkel) und 14 mm (114° Bildwinkel). Abhängig von Motiventfernung und Winkel ergeben sich bei einem Weitwinkelobjektiv spürbare perspektivische Verzerrungen.

Fischaugenobjektive sind spezielle Objektive, die eine Brennweite von unter 20 mm besitzen und rund verzeichnen, d. h. sie stellen gerade Linien, die nicht durch die Bildmitte gehen, nach außen gebogen dar. Fischaugenobjektive mit extrem kurzen Brennweiten können Bildwinkel von 180° oder sogar darüber hinaus haben.

Teleobjektive

Objektive mit einer größeren Brennweite als Normalobjektive werden gemeinhin als Teleobjektive bezeichnet. In der technischen Optik werden Objektive mit verkürzenden optischen Gliedern als Teleobjektive bezeichnet. Die Baulänge dieser Objektive ist im Gegensatz zu Fernobjektiven kürzer als ihre nominelle Brennweite. Teleobjektive gleichen in ihrer Anwendung Teleskopen oder Ferngläsern. Sie verkleinern den Bildwinkel und lassen somit entfernte Objekte näher erscheinen. Das ermöglicht die Aufnahme weit entfernter Motive, aber auch im Bereich der Makrofotografie erlaubt ein Teleobjektiv größeren Abstand zu Motiv, wodurch sich bessere Bedingungen für die Beleuchtung schaffen lassen. Typisch für Teleobjektive ist die für hohe Brennweiten charakteristische geringe Schärfentiefe.

Zoomobjektive

Zoomobjektive zeichnen sich durch eine veränderbare Brennweite aus. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um Objektive mit Brennweiten im Tele-Bereich handeln, auch wenn der Begriff "heranzoomen" das vermuten lässt. Eine andere Bezeichnung für das Zoom-Objektiv ist Vario-Objektiv, was sich in manchen Fassungsgravuren zeigt. Zoomobjektive zeichnen sich durch ihren Brennweitenbereich aus, der sehr unterschiedlich gestaltet sein kann. Dieser sogenannte Zoomfaktor kann von Weitwinkel bis in den starken Telebereich reichen. Oft werden preiswertere Spiegelreflexkameras in einem Kit mit einem Zoomobjektiv angeboten. Für den Einstieg in die Welt der Spiegelreflexkameras sind diese Kits durchaus geeignet, denn mit ihnen ist der Foto-Novize mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand für viele Situationen ausgerüstet. Die universelle Verwendbarkeit erkauft man sich allerdings mit Abstrichen in der Bildqualität. Die Konstruktionsweise von Zoomobjektiven ist ungleich komplizierter als die von Festbrennweitenobjektiven. Für die unterschiedlichen Brennweiten ist immer ein Kompromiss für die entsprechenden Korrekturlinsen notwendig und das schlägt sich in schlechteren Abbildungsleistungen nieder. Darüber hinaus sind Zoomobjektive deutlich lichtschwächer als Modelle mit fester Brennweite. Die Lichtstärke eines Objektivs bezeichnet die maximale Blendenöffnung. Zoomobjektive haben oft nur Lichtstärken von 4,5 bis 5,6, während Festbrennweitenobjektive in der Regel Minimal-Blendenzahlen von 2,8 bis 1,4 aufweisen können. Für die Available-Light-Fotografie sind Zoomobjektive also nicht immer geeignet. In manchen Situationen muss auf ein Blitzgerät oder ein Stativ zurückgegriffen werden.

Objektivadapter

Besitzt man aus irgendeinem Grund ein Kameragehäuse und ein Objektiv, die nicht zusammenpassen, muss man deswegen nicht gleich den Kopf hängen lassen. Mit Objektivadaptern lassen sich system- oder auch markenfremde Objektive an ein Kameragehäuse ankoppeln. Der entsprechende Adapter wird einfach zwischen Kameragehäuse und Objektiv geschraubt. Allerdings ist die Optik bei der Verwendung eines Adapterrings nicht identisch mit der beim Original-Kameragehäuse, da sich der Abstand des Objektivs zum Film bzw. Bildsensor um die Stärke des Objektivadapters erhöht.

Achten Sie auf die Kompatibilität

Bei der Wahl des Objektivs muss unbedingt auf die Kompatibilität zum betreffenden Kameramodell geachtet werden. Ein Objektiv des gleichen Herstellers ist noch keine Garantie dafür, dass es auch an das Kameragehäuse passt. Einige Objektive passen sowohl an analoge als auch an digitale Kameras, manche nur an Digital-SLRs mit einem Crop-Faktor von 1,6. Letztere Modelle benutzen statt des Vollbild-Sensors einen kleineren Sensor im APS-C-Format.

Fazit

Die Fotografie mit Spiegelreflexkameras ist ein spannendes Hobby. Gerade im digitalen Bereich ist das Spielen und Experimentieren mit Blende und Belichtungszeit vollkommen unbeschwert möglich, weil keine Folgekosten entstehen, solange man keine Fotos ausdrucken lässt. Fehlversuche machen nur schlau und nicht arm. Das gesparte Geld kann dann in gute Objektive und Filter investiert werden, denn gute Optiken machen noch bessere Bilder möglich. Aber auch Liebhaber der analogen Fotografie,die ihre Filme vielleicht sogar im eigenen Fotolabor entwickeln, wissen die Vorzüge guter Objektive zu schätzen.

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