Wie unterscheiden sich die einzelnen Sat-Antennen-Modelle?

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Wie unterscheiden sich die einzelnen Sat-Antennen-Modelle?

Der Fernseh-Empfang via Sat-Antennen hat sich im Lauf der letzten knapp zwei Jahrzehnte rasant entwickelt – die Marktanteile lagen zum Jahresende 2011 mit knapp über 46 Prozent erstmals höher gegenüber 45,6 Prozent beim Kabelfernsehen. Der restliche Markt wird aufgeteilt zwischen DVB-T (terrestrischer Empfang) sowie IPTV (Internet Protocol Television) – dem Fernsehen oder Streamen via Internet.

Wie die Überschrift bereits andeutet, werden im nachfolgenden Einkaufsratgeber und Leitfaden die verschiedenen Sat-Antennen-Modelle etwas näher unter die Lupe genommen. Gemeint sind dabei nicht die einzelnen Modelle der Hersteller, sondern vor allem die unterschiedlichen Bauarten mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen, die für eine Kaufentscheidung von Relevanz sein können. Berücksichtigt werden dabei zudem verschiedene Sonderformen der Sat-Antennen innerhalb der jeweiligen Kategorien.

Geschichte des Satellitempfangs

Historisch betrachtet gelang der Durchbruch für den Rundfunk- und TV-Empfang via Satellit gegen Ende der 90er Jahre: Zwar gab es zuvor bereits Satelliten in einer orbitalen Umlaufhöhe von etwa 35.000 Kilometer wie von Eutelsat, die jedoch zunächst nicht ausgelegt waren für einen Direktempfang, sondern als Zulieferer für den terrestrischen Empfang und die Weiterverteilung am Boden gedacht waren.

Eutelsat

Der erste Satellit für den Direktempfang stammt von dem französischen Unternehmen Eutelsat (European Telecommunications Satellite Organization), das noch heute zu den drei größten Firmen dieser Art zählt. Sinn machte dies vor allem, da die Jahre zuvor rauscharme Empfangsköpfe (LNBs = Low Noise Block) entwickelt worden waren, die zudem auch erstmals für den Privathaushalt als bezahlbar galten. Eine Einschränkung gab es zunächst noch: Man musste technisches Know-how und handwerkliches Geschick mitbringen, um die Empfangs-Anlage selbst zu bauen, da es noch keine kompletten Sat-Anlagen wie heute zu kaufen gab.

Die ersten Satelliten von Astra

Der tatsächliche Durchbruch auf dem Markt wurde dann 1988 mit dem ersten Satelliten von Astra (Astra 1A) eingeläutet: Die Sendestärke war ausreichend, sodass auch die Sat-Schüsseln mit einem Durchmesser von 120 Zentimeter gut auskommen konnten. In diesem Zusammenhang kam es jedoch zu zahlreichen Diskussionen, da an vielen Häuserfassaden eine große Zahl der Parabolantennen angebracht wurden, die aus der Sicht von Hausbesitzern oder auch Architekten und Städteplanern als zunehmender Störfaktor empfunden wurden. Im Prinzip dauert diese Diskussion bis heute an, es gibt jedoch auch Alternativen.

Startschuss für das digitale Fernsehen

Der Startschuss für das digitale Fernsehen via Satellit fiel Ende 1993, verantwortlich war der amerikanische Betreiber DirectTV, dessen Satellit mit der Trägerrakete Ariane 4 in seine Umlaufbahn transportiert wurde. Mittlerweile ist die digitale Übertragung soweit verbreitet, dass der Analogbetrieb via Satellit in Deutschland im April 2012 abgeschaltet wurde. Die meisten Sat-Anlagen sind längst mit den geeigneten LNBs ausgerüstet, sodass Sie in Verbindung mit einem Digital-SAT-Receiver entsprechende Programme empfangen können. Ähnliches gilt für viele Flachbildfernseher, bei denen von Haus aus Tuner integriert sind, die den digitalen Empfang ebenfalls ermöglichen - achten Sie auf die Angabe in Bezug auf DVB-S (Digital Video Broadcasting Satellit).

Mit HD-Fernsehen zum nächsten Level

Die nächste Stufe bildet das HD-Fernsehen (High Definition), das über die digitalen LNB-Empfangseinheiten ebenfalls möglich ist, brillante Farben und scharfe Bilder sind das sichtbare Ergebnis auf dem Bildschirm, sofern der Fernseher darauf ausgelegt ist - die Bezeichnungen dafür lauten Full HD oder HD Ready.

Die verschiedenen Sat-Antennen

In der nachfolgenden Liste finden Sie zunächst einmal die Hauptkategorien der verschiedenen Sat-Antennen-Modelle:

  • Sat-Schüsseln klassisch (runde Bauform)
  • Offset-Sat-Schüsseln (ovale Bauform des Spiegels)
  • Sat-Flachantennen.

Zunächst einmal ist es bei einer Kaufentscheidung hilfreich, den Unterschied zwischen der klassischen Sat-Schüssel und der Offset-Schüssel zu kennen. 

Klassische Sat-Schüssel vs. Offset-Schüssel

Bei der klassischen Schüssel liegt der Feedarm mit dem LNB im Empfangsbereich der vom Satelliten ausgestrahlten Wellen, was einen Schattenwurf und einen damit verbundenen Qualitätsverlust beim Empfang mit sich bringt. Dieser Schattenwurf wird bei der Offset-Sat-Antennen umgangen, vor allem ein Vorteil bei kleineren Schüsseln: Im Prinzip wird nur der obere Teil des Spiegels für den Empfang benötigt, Feedarm mit LNB befinden sich bei dieser Bauart daher unterhalb des Empfangsbereiches, sodass ein Schattenwurf vermieden wird.

Sat-Flachantennen

Die Sat-Flachantennen unterscheiden sich deutlich von den beiden zuvor genannten Varianten wie die Bezeichnung bereits impliziert: Sie bestehen aus einem rechteckigen und zugleich flachen Korpus in unterschiedlicher Größe. Der Empfangskopf ist in dem Korpus integriert, ein Feedarm als Träger ist daher nicht notwendig. Ein Vorteil gegenüber Parabolantennen liegt darin, dass diese zumeist unauffälliger installiert werden können - mit einem geeigneten Standfuß lassen sich die Flachantennen hinter Fenstern installieren, sofern sich die Antenne für den gewünschten Satelliten von dem Standpunkt aus anpeilen lässt.

Sonderformen der Sat-Antennen

Ebenfalls erwähnenswert sind verschiedene Sonderformen bzw. Konstruktionsarten der Sat-Antennen: Ein Beispiel wären etwa die sogenannten Mesh Antennen, bei denen der Spiegel aus einer Art Gitternetz besteht, gedacht sind diese Antennen für den Satelliten-Empfang im C-Band. Die Version der Cassegrain-Antenne verfügt über zwei Brennpunkte sowie einen Subreflektor, was prinzipiell eine kleinere Bauweise erlaubt, ohne dass es zu einem Qualitätsverlust beim Empfangssignal kommt. Eine Cassegrain-Antenne mit 40 cm Durchmesser entspricht dabei in etwa einer normalen Sat-Antenne mit einem Durchmesser von 60 cm.

So lösen Sie wetterbedingte Empfangsprobleme

Für viele Nutzer von Sat-Antennen ist das Wetter immer wieder ein Thema, da die genutzte Anlage auf Regen oder Windböen während einer Schlechtwetter-Phase reagiert. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Sat-Schüsseln mit einem größeren Durchmesser Abhilfe schaffen können, da im Brennpunkt eine größere Signalenergie ankommt. Entstehen dennoch Empfangsprobleme, wenn die Schüssel etwa einen Durchmesser von 80 cm und mehr hat, kann es auch noch an der Ausrichtung am Satelliten liegen. Ein Nachjustieren bringt zumeist eine deutliche Verbesserung mit sich - gerade größere Anlagen müssen möglichst exakt ausgerichtet werden. Eine weitere Fehlerquelle könnte darin liegen, dass der LNB über die Feedkappe nicht ausreichend wasserdicht abgedeckt ist.

Ein ganz anderes Problem kennen Nutzer in Regionen, in denen es häufig schneit: Bleibt der Schnee innerhalb der Schüssel liegen, kommt es ebenfalls zu Empfangsschwierigkeiten. Ein Problem, dass man bei einer Installation auf dem Balkon oder der Terrasse recht schnell lösen kann. Ist die Antenne auf dem Dach angebracht, sieht das schon anders aus. Vorteile bieten in diesem Zusammenhang ganz klar die Offset-Antennen: Zwar wird auch hier ein Neigungswinkel benötigt, durch die Bauart ist dieser jedoch so gut wie gegeben, wenn die Schüssel senkrecht installiert wird. Dadurch ist die Gefahr von Schneeablagerungen deutlich geringer. Identische Probleme gibt es auch bei Sat-Flachantennen, da diese in einem eher ungeschützten Außenbereich installiert worden sind.

Beim Kabelfernsehen als Alternative ist diese Gefahr sehr gering, jedoch nicht ganz auszuschließen: Das liegt daran, dass die Sendungen über größere Satellitenparks in das Kabelnetz eingespeist werden, die aufgrund des Durchmessers der Sat-Schüsseln jedoch wesentlich weniger wetterempfindlich sind.

Sat-Antenne mit mehreren Fernsehern nutzen

Von wie vielen Teilnehmern eine Sat-Antenne genutzt werden kann, hängt unmittelbar von den genutzten LNBs ab, was in kleineren Wohneinheiten durchaus Sinn machen kann. Nachfolgend eine Liste, die Ihnen einen Überblick verschafft:

Diese LNBs unterscheiden sich dabei eben in der Anzahl der Ausgänge, die für die Teilnehmer bereitstehen. Um die Sat-Anlage mit dem passenden Endgeräten (Receiver und/oder Fernseher) zu verbinden, benötigt es noch passende Koaxialkabel, die Sie ebenfalls bequem auf eBay finden. Was die Qualität anbetrifft, sollte dabei auf die Abschirmung und Dämpfung geachtet werden. Bei der Dämpfung handelt es sich um den Signalverlust zwischen Sender und Empfänger, bei entsprechenden Entfernungen können Kabel mit einem größeren Durchmesser Abhilfe schaffen, einen Anhaltspunkt gibt dabei der dB-Wert (Dezibel).

Multifeed-Sat-Anlagen

Bei den Multifeed-Sat-Anlagen geht es vor allem darum, die Signale von zwei oder mehr Satelliten wie Astra oder Hotbird von Eutelsat mit einer Sat-Schüssel gleichzeitig empfangen zu können. Die klassische Lösung bietet der sogenannte Mono-Block, in dem zwei LNBs untergebracht sind, allerdings müssen Sie beim Einrichten einige Punkte berücksichtigen: Dem externen Receiver oder dem Tuner im Fernsehgerät muss über das Menü mitgeteilt werden, dass Sie einen Monoblock verwenden möchten, da die Umschaltung über das integrierten DiSEqC Relais erfolgt.

Die zweite Möglichkeit ergibt sich über Multifeed-Anlagen, auf denen zwei oder mehr LNBs angebracht werden können, das Ausrichten verkompliziert sich dabei natürlich und erfordert etwas mehr Geduld; die den Produkten beigefügten Beschreibungen sollten eine gute Hilfestellung geben.

Als dritte Möglichkeit kann eine Sat-Anlage mit einem DiSEqc-Motor kombiniert werden, mit dessen Hilfe sich auch ein einzelner LNB auf verschiedene Satelliten ausrichten lässt, dafür benötigt es ebenfalls einen geeigneten Receiver, der das Protokoll interpretieren kann.

Alternativen zu Sat-Anlagen

Wie bereits zuvor erwähnt, ist eine Alternative der Anschluss an das Kabelfernsehen, sofern dieser im Wohnhaus vorhanden ist oder die Möglichkeit eines Anschlusses besteht: Dies lässt sich über verschiedene Anbieter wie etwa Kabel Deutschland oder Kabel BW sowie Unity Media (mit Kabel BW fusioniert) nachprüfen. Im Gegensatz zum Sat-Empfang fallen dabei jedoch monatliche Gebühren für die Bereitstellung der Infrastruktur an sowie für die entsprechende Hardware, sofern diese mit angemietet wird. Wer sich mit einem deutlich geringeren Umfang an verschiedenen Programmen zufriedengibt, kann optional auf eine DVB-T-Antenne zurückgreifen, die es sowohl für den Innen- wie auch den Außenbereich gibt.

Fazit

Ob und für welche Art der Sat-Anlage Sie sich letztlich entscheiden, hängt von den persönlichen Ansprüchen an die Programmvielfalt ab ebenso wie von den äußeren Gegebenheiten. Vor der Erstinstallation einer Anlage sollten Sie sich unbedingt mit dem Hausbesitzer oder der Eigentümer-Gemeinschaft absprechen, um mögliche Irritationen bereits im Vorfeld zu unterbinden.

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