Wie leg ich mir ein Aquarium an

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Ich möchte ein Aquarium (die sehen so toll bunt aus)

Von diesem Wunsch war schon mancher beseelt.
Wer ihn aber in die Tat umsetzen möchte, sollte sich vorher ein paar Fragen selbst beantworten:
1. Habe ich den erforderlichen Platz/das erforderliche Geld? (ein kleines Glaskästchen mit ein paar Guppys oder Goldfischen ist kein eigentliches Aquarium)
2. Habe ich genügend Zeit um mich darum zu kümmern? (regelmäßige Reinigung & Pflege, Urlaubsvertretung)
3. Salzwasser oder Süßwasser?
4. (m.E. die wichtigste Frage) Bin ich bereit, mich in die Materie einzuarbeiten? (es gibt nämlich eine Menge bezüglich Krankheiten, Pflege und Haltung zu lernen)

Wer durch die Grundsatzentscheidung durch ist, entscheidet also:
1. Wie groß soll mein Aquarium werden?
Hier kann man grundsätzlich sagen: je größer, desto besser. Denn ein Aquarium (auch ein großes) ist immer ein Gefängnis!
Zudem machen größere Aquarien nur geringfügig mehr arbeit, dafür sind die Reinigungsintervalle länger.
In der Praxis sollte ein Aquarium ab ca. 100cm Seitenlänge (etwa 250 Liter) im Wohnbereich realistisch sein.
Von gebogenen Varianten halte ich persönlich wenig, jedoch fehlt mir dazu die Langzeiterfahrung, ob die Verklebungen dabei halten, bleibe aber skeptisch (sieht aber zugegebenermaßen gut aus).
Wie teuer die Sache wird, hängt natürlich von Größe und Typ des Aquariums ab und in wieviel Technik man investieren möchte.
Als Einsteiger kann man sich aber leicht ausrechnen wieviel es kostet, wenn man im Laden die Bestandteile zusammenrechnet (und am Beginn eine einfache Technik und nur 4 - 5 Fische einsetzt)

2. Wieviel Zeit muss ich investieren?
Rechnen Sie fürs Einrichten 1 Wochenende (ohne Fische), nach 14 Tage Fische rein u. ab dann (Futter alle 2 Tage) und 14-täglich mit einer Reinigung von ca.2 Stunden (Scheiben reinigen, Wasser wechseln, Filter reinigen, Einkauf von Zubehör)

3.  Salz oder Süßwasser
Hier würde ich Anfängern zu Süßwasser raten. Der Aufwand für ein laufendes Salzwasseraquarium ist zwar geringer, als für eines mit Süßwasser, jedoch sind die Fische sehr viel teurer und die zu Beginn zu erstehende Technik ebenfalls. Wenn dann eine Krankheit die Fischpopulation dahinrafft, ist der Jammer groß (ein Quarantänebecken hat man meist nicht und die Erfahrung mit einschlägigen Fischkrankheiten ist gering).

4. Lernbedarf
Ich hatte darauf hingewiesen, dass dies für mich ein wesentlicher Aspekt ist- denn erfahrungsgemäß schleichen sich gerade bei neuen Aquarien und Anfängern gerne Krankheiten ein und killen alle Bewohner des Aquariums. Daher ist einige persönliche Erfahrung mit Händlern erforderlich (kann ich dem Vertrauen?). Nicht bei großen Superdiscountern/Pflanzenmärkten kaufen - dort kümmert sich irgendein Typ nebenbei um die Fische und hat keine Ahnung woher die stammen und in welchem Zustand die Fische sind- sie werden verkauft so wie sie sind. (Ein guter Händler behält die Fische erst mal 14 Tage u. wenn ein Fisch irgendwelche Anzeichen einer Krankheit zeigt, verkauft er ihn erst gar nicht! Dazu haben die Discounter gar keine Zeit und Lust dürfen die Fachverkäufer nicht haben- da ist Pflanzenumtopfen wichtiger, und das Becken mit den kranken Fischen wird einfach entleert - habe ich selbst beobachtet, Discountername nicht genannt.)
Nicht alle Fische vertragen sich miteinander (plötzlich schwimmt einer mit Bauch nach oben im Aquarium, weil er tagelang von einem anderen Mitbewohner gehetzt wurde)
Also Literatur kaufen und sich allmählich einarbeiten und viel im Fachhandel beraten lassen (mehrere Händler am Anfang besuchen- wer weiß schon, ob der erstbeste Sie nicht übers Ohr hauen will und verkauft Ihnen einfach das teuerste)

Einkauf:
A) Technik:

Aquarium, Kies, Heizer (Stabheizer ausreichend), Beleuchtung (Neon zu Beginn, eine Leuchtabdeckung mit Röhren), Filter+Material (Aussenfilter in adäquater MINDEST-Größe - je 100 Ltr. Aquariumwasser 1 L Filtervolumen mit 200 l/h Pumpleistung)
Größere Filter schaden nicht, zu kleine schon (sie müssen häufiger gereinigt werden). Der Filter hält ihr Wasser nicht nur sauber, er entfernt auch unsichtbare, für Fische schädliche, für Algen nützliche Moleküle (Nitrat, Phosphat)! Kleiner Filter + wenig Reinigung = Algenwuchs, den Fischen geht es nicht besonders. Großer Filter + regelmäßige Reinigung = kaum Algenwuchs, die Fische fühlen sich wohl.
Deko: Pflanzen (Hier können sich Gartenarchitekten austoben - nicht zu viel, nicht zu wenig, ein Mix aus niederen und hohen Pflanzen wählen). Die Pflanzen brauchen eine Eingewöhnungszeit und zu Beginn etwas Spezialdünger in den Kies.
Nach Geschmack noch Steine (keine Kalkhaltigen) und / oder Mangrovenwurzeln.
+ein persönliches Anliegen: setzen Sie keinen amerikanischen Kitsch (Taucher, Schatzkiste, Untereewrack) ein. Den Fischen ist es zwar wurscht, aber ich finde, es sieht einfach nicht natürlich aus (um nicht zu sagen, es sieht sch... aus)
Nun das Aquarium erst mal 2 Wochen einlaufen lassen (Filter läuft, Wasser ist temperiert, Lampe wird täglich an/aus geschaltet)

B) Welche Fische?
Achten Sie am besten auf die Herkunftsgegend der Fische. Keine Sorten aus Südamerika mit solchen aus Australien oder Afrika mischen. Das kann zwar gut gehen, aber so vermeiden Sie unvorhersehbaren Ärger. Bleiben Sie in einem Kontinent.
Für den Anfang mit pflegeleichten Fischen beginnen (hierzu zählt zwar der beliebte Guppy, jedoch kotet dieser wie alle lebendgebärdenden ziemlich stark. Deswegen würde ich Lebendgebärdende nur nehmen, wenn man weiß, dass dadurch Aquarium, Wasser und Filter öfter gereinigt werden müssen. Also: Guppy, Black Molly, Schwertträger & co. sind idealen Anfängerfische, aber hohe Aquariumpflege.
C) Wieviel Fische kann ich einsetzen?
Es gibt eine Daumenformel: Je cm Fisch (Erwachsenenalter) müssen ca. 2 Liter Wasser vorhanden sein.
Angenommen Sie haben sich für Paradiesfisch, Sumatrabarben und Saugschmerle entschieden (sind also in Südostasien zu Hause) so könnten Sie bei einer Aquariengröße von 240 Ltr. z.B. 2 Paradiesfische (2x10cm) + 2 Saugschmerlen (2x15cm) und 8 Sumatrabarben (8x7 cm) pflegen. (mit einer Gesamtlänge von 106cm Fisch bräuchten Sie demnach mindestens 210 Ltr Aquariengröße.
D) Futter:
Lassen Sie sich etwas empfehlen, jeder Fisch braucht unterschiedliches Futter. Raubfische i.d.R. Lebendfutter, Barbenähnliche sind da anspruchsloser.
Merke: Wer seine Fische "mästet", erntet auch viel Kot im Aquarium, Fische vertragen schon mal 2-3 Hungertage (in der Natur gibts auch nicht ständig gedeckten Tisch)

Wenn Sie solche Grundüberlegungen anstellen, sind Sie zwar vor Überraschungen nicht völlig gefeit, jedoch sollten sich große Unannehmlichkeiten vermeiden lassen.

Viel Freude an Ihrem (neuen) Hobby.

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