Wie halte ich eine Festrede auf einer Hochzeitsfeier?

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Ob die Hochzeit im kleinen oder großen Rahmen stattfindet, Reden tragen dazu bei, daß nicht nur die Trauungszeremonie sondern auch die Feier unvergeßlich wird. Fast alle großen Reden werden bei Tisch gehalten. Die Pausen zwischen den einzelnen Gängen des Festmahls, wenn die Teller abgetragen sind und der nächste Gang noch nicht serviert ist, eignen sich am besten hierzu. Reden sollte nur, wer auch etwas zu sagen hat. Ob die Ansprache ernst oder heiter ( oder eine Mischung aus Humor und Besinnlichkeit ) ist, spielt keine Rolle. Wichtig erscheint uns, daß das Gesagte kurz und originell ist. Wenn lediglich eine " Hauptrede " vorgesehen ist, darf sie trotzdem nur bis zu höchstens zehn Minuten dauern.Folgen im Laufe des Festessens mehrere Ansprachen aufeinander, sollten sie jeweils nur drei bis fünf Minuten Zeit beanspruchen, damit das Interesse der Gäste nicht erlahmt. Kürze ist auch geboten, damit die Suppe nicht kalt wird und das Eis nicht schmilzt; denn die Höflichkeit verbietet es, daß während der Rede gegessen wird.Eine Festrede ist nicht dafür gedacht, daß sich der Redner " festredet " und kein Ende findet. Je früher der Vortragende zum Schluß kommt, desto herzlicher ist der Beifall.

                                      Wie soll man eine Festrede halten?

Nicht jeder ist einm guter Redner, der sich dafür hält. Daher hier noch ein paar Tips für den großen Tag:

* Der Redner spreche immer deutlich, nicht zu langsam und nicht zu schell.

* Pausen machen; sie verleihen dem gesprochenen Wort den erwünschten Nachdruck.

* Eine Rede im kleinen Kreis, in dem sich alle kennen, darf " intimer " sein als eine Ansprache bei einer großen Hochzeit. Eingeflochtene Lokalspitzen und Anspielungen sollten von allen Gästen und nicht von ein paar Eingeweihten verstanden werden.

* Wer seine Ansprache auswendig lernt, kann freier reden.

* Es ist allerdings keine Schande, wenn man eine pfiffige und originelle Rede vom Blatt  abliest.  Dabei  aber öfter in die Runde schauen und dann den rechten Daumen immer in Höhe der Zeile aufs Blatt halten, von wo weitergelesen werden muß.Wer sich verzettelt oder vor Aufregung zweimal den gleichen Satz vorliest, erntet keinen Beifall.

 

Hier habe ich für euch noch ein paar Beispiele und Vorschläge:

 

Meine lieben Kinder, verehrte und liebe Gäste!

Ich freue mich über das Glück meiner Tochter, und doch enthält diese Freude einen winzigkleinen Wermutstropfen. Ich wäre wohl ein Rabenvater, wenn ich mein ( einziges ) Kind leichten Herzens dahinziehen ließe. Aber du, lieber Schwiegersohn, bist ja gottlob weder ein Räubergeselle noch ein Mädchenentführer. Du hast uns Eltern nichts genommen, sondern uns sogar etwas gegeben: Wir gewinnen einen Sohn dazu, den wir mit offenen Armen bei uns aufnehmen. Nehmt, liebe Kinder, meinen Segen mit auf euren künftigen Lebensweg. Darauf wollen wir mit einem kräftigen Schluck anstoßen.

Mein lieber Junge, liebe Tochter, verehrte Gäste und Freunde!

Erschreckt nicht, wenn ich als Mutter und Schwiegermutter das Wort ergreife. Es heißt ja oft, wenn die reiferen Damen erst mal zu reden anfangen, hören sie nicht wieder auf. Ich will euch beweisen, wie wenig das stimmt. Darum fasse ich mich kurz und sage das, was mich bewegt, in einem einzigen Satz: Ohne Vorbehalt, liebe Kinder, freue ich mich an eurem Glück! Und darum bitte ich euch nun, beide mit mir anzustoßen und auf die Beständigkeit eures Glücks zu trinken.

Mein lieber Sohn, liebe Tochter und alle meine lieben Gäste!

Als Vater des Bräutigams freue ich mich mit dir, mein lieber Sohn, daß du endlich nach langen wilden Jahren - wie man so sagt - in feste Hände gekommen bist. Deine Mutter und ich sind darüber sehr glücklich. Liebe Schwiegertochter, du weißt, daß du dir einen festen Platz in unserem Herzen erobert hast. Du bist eine gescheite Frau mit Einfühlungsvermögen und Takt. Du wirst es auch schaffen, mit behutsamer weiblicher Hand zu glätten, abzuschleifen und auszugleichen; bis aus meinem Sohn der vollkommene Ehemann geworden ist, der trotzdem nicht langweilig wirkt, weil er seine eigene Persönlichkeit bewahren wird. Von Zwang oder gar von Unterjochung kann hierbei keine Rede sein. Dies ist, meine Lieben, der süße Senf, den ich dazugeben wollte. Sollte meinem endlich bekehrten Sohn dennoch etwas im Halse stecken geblieben sein, so wollen wir darauf einen kräftigen Schluck trinken. Prosit, liebes Brautpaar! Zum Wohle, verehrte Gäste.

Liebes Braupaar, liebe Gäste,

wundert euch bitte nicht, wenn der " Grufti " oder - höflicher gesagt - der Senior der Familie das Wort ergreift. Ich habe im Laufe eines langen und ereignisreichen Lebens so meine Erfahrungen gemacht, und deshalb erlaube ich mir, euch beiden ein paar Leitsätze auf euren gemeinsamen Lebensweg mitzugeben. Keine Angst, ich fasse mich kurz!

Nicht immer wird in eurer jungen Ehe der Himmel, voller Geigen hängen, und es wird gewiß auch nur spärlich Rosen regnen. Hingegen sind heiße Diskussionen nicht immer auszuschließen, und Unerfreuliches oder Bedrückenes wird auf euch eindringen, vielleicht sogar die friedliche Geborgenheit eures Heimes bedrohen. Nehmt diese unerfreulichen Dinge gelassen hin. Es bindet zwei Menschen fest aneinander, wenn sie Schwierigkeiten gemeinsam überwinden. Mit vereinten Kräften wird euch das gelingen. Nichts kann euch so hart treffen, als daß ihr es nicht gemeinsam bewältigen könntet. Und sollte es einmal Streit und Meinungsverschiedenheiten zwischen euch geben: Versöhnt euch noch vor dem Abend wieder, laßt nie eine Nacht vergehen mir Hader im Herzen. Das schreibt euch hinter die Ohren! Dies ist es, was ich alter " Komposti " euch mit auf dem Lebensweg geben wollte. Und nun laßt uns gemeinsam dem Braten die Ehre antun. In diesem Sinne: Prosit dem jungen Paar!

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