Wie berechne ich Mischung und Menge der Erde für mein Pflanzgefäß?

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Wie berechne ich Mischung und Menge der Erde für mein Pflanzgefäß?

Wer ausrechnen will, welche Mischung und welche Menge an Pflanzerde für ein Pflanzgefäß benötigt wird, muss sich zunächst die Frage beantworten: Für welche Pflanzen und für welche Pflanzgefäße will ich Mischverhältnis und Menge festlegen? Benötigen Sie Pflanzerde für die Aussaat und Anzucht von Pflanzen oder wollen Sie bereits blühende Blumen in vorgesehene Pflanzkübel einsetzen? Verwenden Sie kleine Plastiktöpfe als Pflanzgefäß oder große Tontöpfe aus Terracotta? Wollen Sie Pflanzen kultivieren, die ganz besondere Ansprüche an die Bodenqualität stellen wie zum Beispiel Rhododendren, Azaleen oder auch das Alpenveilchen, die alle zu den sogenannten Kalkfliehern gehören und deshalb nur in Substraten gedeihen, deren pH-Wert zwischen 4,2 und 5,5 liegt? Informieren Sie sich am besten auf eBay über die Vielzahl an verschiedenen Pflanzenerden und Pflanzgefäßen, die Ihnen zur Verfügung stehen, und treffen Sie erst danach Ihre kompetente Auswahl.

Substrat statt Pflanzenerde – das kleine Gärtner-Einmaleins für Vermehrungserden

Unter Gartenliebhabern hat sich in der Zwischenzeit der Begriff „Substrat" anstelle von Pflanzenerde durchgesetzt, weil er, speziell wenn es um Anzucht- und Vermehrungserden geht, genauer definiert, worauf es bei diesen Erden ankommt. Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das Wort Substrat eigentlich nur Grundlage oder Nährmedium. Für Vermehrungserden heißt das: Sie müssen locker und nährstoffarm sein, gut die Feuchtigkeit halten und dürfen dabei aber weder verdichten noch vernässen. Ein Substrat, das alle diese Ansprüche bestens erfüllt, ist Torf, weshalb er auch bis heute ein wichtiger Grundbestandteil von Anzuchterden ist. Denn Torf besteht zu nahezu 100 % aus pflanzlichen Stoffen. Diese verrotteten im Laufe tausender Jahre in den Torfmooren und wurden dort unter Luftabschluss zusammengepresst. Viele Hobbygärtner wollen aber keinen Torf mehr verwenden, weil dadurch die letzten noch intakten Torfmoore gefährdet werden und suchen nach Alternativen.

Alternativen zu Torf – wie Sie Anzuchterden und ökologisches Bewusstsein in Einklang bringen

Viele Gärtnerinnen und Gärtner wissen: Torfmoore leisten einen enorm wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, denn sie verfügen über eine immense Kohlenstoffspeicherkapazität. Zwar bedecken die Moore nur drei Prozent der Erde; sie speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen, weltweit. Allerdings können nur intakte Moore Kohlenstoffe speichern, wozu in Deutschland nur noch ein Prozent aller Moore gezählt werden dürfen.

Wer also über Alternativen zu Torferden für die Anzucht nachdenkt, sollte auf Gartenerden zurückgreifen, die auf Basis von Rinden- oder Grünschnittkompost hergestellt werden. Auch Rindenhumus und Holzfasern aus Nadelhölzern oder Kokos sind ein guter Ersatz für Torf. Je nach Hersteller werden diesen torffreien Erden noch Nebenprodukte wie Tonminerale oder Lavagranulate beigemischt, wodurch diese Substrate optimal Wasser und Nährstoffe speichern und sie auch je nach Bedarf wieder abgeben können. Außerdem enthalten manche Erden Xylit für den idealen pH-Wert oder einen Naturdünger wie zum Beispiel Phytoperis. Ein weiterer Vorteil der torffreien Substrate besteht darin, dass sie – im Gegensatz zu den torfhaltigen Erden – die Böden nicht versauern. Allerdings sollten Sie beim Einkauf von torffreien Substraten darauf achten, dass Sie auch wirklich ganz ohne Torfbeimischungen hergestellt werden. Torfreduzierte oder torfarme Produkte enthalten meist mindestens 60 %, häufig aber auch bis zu 80 % an Torf. Wenn Sie ganz auf Nummer sicher gehen und garantiert haben wollen, dass Ihre torffreie Anzuchterde auch frei von Wildkrautsamen und Wildkräutern ist, sollten Sie auf das RAL-Gütesiegel des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. achten.

Torfmooskultivierung – Eine weitere Alternative zum Abbau von Torfmoosen

Ein Projekt der Universität Greifswald befasst sich mit der Torfmooskultivierung als Alternative zum Torf-Abbau. Hierzu soll Torfmoos – sein botanischer Name lautet Sphagnum – als neue landwirtschaftliche Nutzpflanze etabliert werden. Der Anbau soll auf degradierten Moorstandorten erfolgen – das sind zum Beispiel abgetorfte Hochmoore oder Hochmoore, die als Grünland genutzt werden. Damit soll ein nachwachsender Rohstoff zur Herstellung hochwertiger Kultursubstrate erzeugt werden. Für umweltbewusste Gartenliebhaber und Hobbygärtner ist dieses kultivierte Sphagnum unter ökologischen Aspekten somit eine akzeptable Alternative zu den torffreien Substraten, die der Handel anbietet.

Substrate für Pflanzgefäße zur Vermehrung von Jungpflanzen

Wenn Sie Pflanzsubstrate und Pflanzgefäße zur Vermehrung von Jungpflanzen auswählen wollen, gilt es zunächst zu überlegen, wie das Pflanzenwachstum vonstattengeht und welche gärtnerische Unterstützung Sie bei der erfolgreichen Vermehrung von Pflanzen leisten können. Generell vermehren sich Pflanzen entweder generativ – man spricht auch von geschlechtlicher Vermehrung – aus Samen oder vegetativ – ungeschlechtlich – aus Pflanzenteilen. Immer aber gilt für das Vermehrungs-Substrat: Es muss gut die Feuchtigkeit halten können, allerdings ohne zu verschlämmen. Denn in zu nasser Erde können Jungpflanzen nicht atmen und faulen deshalb ab. Auch sind so geschwächte Pflanzen sehr anfällig für Schädlinge oder Pilzinfektionen. Außerdem darf Vermehrungserde nicht nährstoffreich sein. Denn junge Keimlinge und Pflanzen treiben nur in nährstoffarmen Substraten intensiv Wurzeln, um sich so gut mit Nährstoffen versorgen zu können. Schadorganismen oder Unkrautsamen haben ebenfalls nichts in Substraten zu suchen, in denen Jungpflanzen vermehrt werden, weil sie die jungen Pflanzen schädigen oder sogar abtöten können. Vielleicht kennen Sie ja noch die Tradition, sich im Frühjahr die lockere Erde der Maulwurfshaufen von den Tierweiden zu holen und diese dann zu gleichen Teilen mit reinem Weißtorf und grobkörnigem Quarzsand zu mischen?

Anzuchtsubstrate selbst mischen – viel einfacher als gedacht

Gute Anzuchtsubstrate können Sie ohne viel Mühe selbst mischen: Verwenden Sie dazu am besten einen Teil gereinigten Quarzsand. Es ist wichtig, dass dieser nicht zu fein ist, weil er sonst zum Verschlämmen neigt, weshalb sich am besten gereinigter Bausand eignet. Dazu benötigen Sie einen Teil Torf oder – mit Rücksicht auf den Erhalt der Torfmoore – Torfersatz in Form von Rindenkompost, Holzfasern oder Kokos. Von der Biologischen Bundesanstalt zur Förderung der Bewurzelung sind zudem einige Butter- und Essigsäuren anerkannt, die im Fachhandel zum Beispiel unter den Namen „Wurzelfix", „Wurzelaktiv Agrosil LR" oder auch „Rhizophon" zu finden sind. Solche Anzuchtsubstrate für die Bewurzelung von Jungpflanzen sind wegen ihrer fast nicht vorhandenen Nährstoffe früh verbraucht. Sobald die Pflänzchen genügend starke Wurzeln entwickelt haben, muss deshalb nachgedüngt werden.

Wenn Sie selbst gemischte Erden in Pflanzgefäßen für bereits gut bewurzelte Pflanzen verwenden und diese jetzt mit selbst produziertem Kompost aus dem Garten anreichern wollen, sollten Sie bei Jungpflanzen dieses Substrat sterilisieren. Hierzu erhitzen Sie etwa fünf Liter Erde entweder zehn Minuten lang in der Mikrowelle bei 800 Watt oder eine halbe Stunde lang im Backofen bei einer Temperatur von 140 bis 160 °C. Dadurch werden Keime zuverlässig abgetötet, und die jetzt von den Jungpflanzen benötigten Nährstoffe bleiben erhalten. Wenn Ihnen kein selbst produzierter Kompost zur Substratanreicherung zur Verfügung steht, können Sie auf ein großes Sortiment an vorgemischten Substraten aus dem Fachhandel zurückgreifen. Dabei steigen die Nährstoffgehalte – in der Regel Kalium, Phosphor und Stickstoff – mit dem Wachstum der Jungpflanzen von der nährstoffarmen Vermehrungserde über die Anzuchterde bis zur stark angereicherten, nährstoffreichen Pflanz- und Topferde.

Anzucht- und Aussaaterde kann immer auch zum Pikieren verwendet werden. Darunter versteht man das behutsame Auseinanderpflanzen von Keimlingen, die nach der ersten Wachstumsphase von dem Zeitpunkt an zu dicht stehen, wenn sich ihre Keimblätter berühren. Hierzu nimmt man die Sämlinge zwischen Daumen und Zeigefinger und hebelt sie dann mit dem Pikierholz heraus. Dann sticht man mit diesem Pikierholz – der Begriff leitet sich vom französischen Wort für stechen, „piquer", her – ein Loch in das neue Pflanzgefäß, das tief genug sein muss, um die Wurzel nicht zu knicken. Jetzt drücken Sie das Substrat um den Sämling fest, aber behutsam an und umbrausen das Substrat anschließend.

Substrate in Pflanzgefäßen mit Nährstoffen anreichern – Dünger in allen Variationen

Seit es Mehrnährstoffdünger für einzelne Pflanzengruppen gibt, ist die Versorgung der Jungpflanzen mit den jeweils benötigten Nährstoffen für den Hobbygärtner sehr viel einfacher geworden. Am besten geeignet ist ein vergleichsweise stickstoffarmer Blühdünger, idealerweise in flüssiger Form, den Sie je nach Pflanzenart zwischen einem und drei Gramm pro Kubikzentimeter Substrat dosieren. Daneben gibt es Biodünger, der neben vier Prozent organisch gebundenem Stickstoff und Kalium auch noch ein Prozent Magnesium und Wuchs fördernde Fermente bzw. Vitamine enthält. So sollen Pflanzen widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse werden.

Pflanzgefäße für die Anzucht von Pflanzen

Als Pflanzgefäße für die Vermehrung und Anzucht von Jungpflanzen eignen sich besonders gut Plastiktöpfe mit ihren glatten und undurchlässigen Wänden, wodurch sie verhindern, dass sich Krankheitskeime oder auch Schädlingslarven festsetzen. Außerdem kann das Substrat in Plastiktöpfen nicht versauern, weil diese mit Abzugslöchern versehen sind. Auch wachsen die Wurzeln in Plastiktöpfen ganz im Sinne des Gärtners nach unten, wo sie einen kegelförmigen Ballen bilden. Der lange Zeit bevorzugte Tontopf weist dagegen einige gravierende Nachteile für die Pflanzenanzucht auf: Wurzeln streben im Tontopf immer zur Wand, und zwar auf dem kürzesten Weg, wo sie dann rasch verfilzen. Tatsächlich befinden sich im Tontopf 90 % des Wurzelgeflechts an der Wand, wo sie auch oft in die Poren des Tons hineinwachsen und beim Austopfen einreißen. Die lange vorherrschende Meinung, Tontöpfe seien atmende Gefäße, hat sich ebenfalls als Ammenmärchen entpuppt: Die Luftdurchlässigkeit von Tontöpfen und anderer irdener Gefäße tendiert gegen Null.

Wenn Sie trotzdem aus ästhetischen Gründen nicht auf Tontöpfe verzichten wollen, sollten sie bei der Bepflanzung folgende Regeln beachten: Wenn Sie neue Tontöpfe bepflanzen, müssen diese mindestens drei Tage lang gewässert werden, damit alle beim Brennen entstandene Säuren – hauptsächlich handelt es sich um die scharfe Salpetersäure – herausgelaugt werden. Bedenken Sie auch, dass Wurzelballen in Tontöpfen immer kühler stehen als in Plastikgefäßen – Pflanzen allerdings in der Regel mit einem sogenannten warmen Fuß besser gedeihen. Außerdem wandern Nährstoffe, die sich im Regen oder beim Gießen lösen, auch mit in den Ton aus und verblühen dort zu unschönen weißlichen Flecken, auf denen sich dann gerne Algen und Moos ansiedeln.

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