Wie Sie mit einem KVM-Switch mehrere PCs steuern können

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Wie Sie mit einem KVM-Switch mehrere PCs steuern können

Haben Sie mehrere PCs im Einsatz? Nehmen die zugehörigen Monitore und Eingabegeräte wie Maus und Tastatur zu viel Platz weg? Machen Sie sich Gedanken über den Stromverbrauch? Wenn Sie nur eine dieser Fragen mit Ja beantworten können, wird es Zeit sich mit einem KVM-Switch zu beschäftigen.
Die Abkürzung KVM stammt aus dem englischen Sprachraum und steht für Keyboard, Video, Mouse. Ein KVM-Switch verbindet in der einfachsten Variante mehrere PCs mit einer Tastatur, einem Monitor und einer Maus. Dabei werden die Komponenten mit speziellen Adapterkabeln verbunden und die Umschaltung zwischen den Rechnern erfolgt über einen Schalter am Switch-Gehäuse oder über eine bestimmte Taste der PC-Tastatur.
Dieses Prinzip lässt sich auf viele weitere Geräte-Kombinationen übertragen, es spielt dabei keine Rolle, ob nur zwei Rechner oder ein ganzer Verbund von 32 Rechnern über einen oder mehrere KVM-Switches eines oder mehrere Endgeräte teilen. Im Onlinehandel werden für den Heimbereich Geräte mit zweifacher, vierfacher oder achtfacher Verteilung angeboten. Neben Monitoren und Eingabegeräten können beispielsweise auch Endgeräte wie Scanner oder Lautsprecherboxen von verschiedenen PCs genutzt werden. Ein KVM-Switch kann am heimischen Arbeitsplatz genauso Sinn machen wie im gewerblichen Bereich. Details zu den Gerätevariationen und Tipps für einen erfolgreichen Einsatz finden Sie in den folgenden Anwendungsbeispielen.

Ein Anwendungsbeispiel: drei PCs im Heimbüro

Ein typisches Anwendungsbeispiel ist die Nutzung von mehreren PCs mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen. Sie verwenden einen PC als Hauptarbeitsplatz für Ihre tägliche Arbeit. Einen weiteren PC lassen Sie dauerhaft als Internet-Server oder Datei-Server laufen, dieses Gerät steht in der Nähe Ihres Hauptrechners. Einen weiteren PC benutzen Sie ausschließlich für Computerspiele, er dient rein der Unterhaltung und enthält keinerlei Produktivdaten. Auch dieser PC ist nahe bei den anderen Rechnern aufgestellt. Im Normalfall benötigen Sie für jeden Rechner einen Monitor, eine Tastatur und eine Maus. Der Stromverbrauch der Monitore, ein hoher Platzbedarf und die nötige Verkabelung sind dabei als nachteilig anzusehen. Diese Situation kann ein KVM-Switch deutlich verbessern.

Das passende Switch-Model für Ihre Rechner finden

Im Handel finden Sie eine Vielzahl an Switch-Modellen. Doch welches passt zu Ihren Rechnern? Schauen Sie sich zunächst die Anschlüsse der PC-Grafikkarten an. Handelt es sich bei allen drei Rechnern um das gleiche Format, also um einen VGA-Anschluss oder einen DVI-Ausgang? Wenn dies nicht der Fall ist, müssen Sie sich einen KVM-Switch mit beiden Videoanschluss-Varianten besorgen oder nach speziellen Adaptersteckern Ausschau halten. Der Adapterstecker wird dabei die kostengünstigere Variante sein und der zugehörige Switch fällt in der Baugröße kleiner aus. Passende Adapter (DVI auf VGA) finden Sie im Onlinehandel.
Die Leistung der Grafikkarten spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Wählen Sie Ihren neuen Switch passend zur größten Bildschirmauflösung aller beteiligten Rechner aus. Einen Sonderfall gibt es bei den Anschlüssen noch zu beachten: den HDMI-Anschluss. Via HDMI werden hochauflösende Bildsignale und Tonsignale übertragen, es können damit also Audio-Verbindungskabel eingespart werden. Wenn Ihre Rechner über HDMI-Ausgänge verfügen, sollten Sie deshalb nach einem HDMI-KVM-Switch Ausschau halten.
Werfen Sie im nächsten Schritt einen Blick auf Tastatur und Maus. Es spielt für den KVM-Switch keine Rolle, ob kabellose oder kabelgebundene Eingabegeräte verwendet werden. Viel wichtiger sind die Anschlüsse. PS2-Anschlüsse gelten mittlerweile als veraltet, die moderne Lösung stellt der USB-Standard dar. Etliche Switchtypen können beide Anschlussvarianten umschalten, gegebenenfalls mit einem Tastatur- oder Mausadapter (USB auf PS2). Es besteht auch die Möglichkeit, die Verbindung der Geräte mit Netzwerkkabeln zu realisieren. Suchen Sie dazu nach einem Switch mit Ethernet-Adaptern.
Machen Sie sich nun Gedanken über einen Aufstellungsort für den KVM-Switch. Wenn Sie ein Gerät mit Hotkey-Steuerung erwerben, müssen Sie die Umschaltung auf die einzelnen PCs nicht am Switch vornehmen, sondern schalten per PC-Tastatur um. Dies hat den Vorteil, dass Ihr Switch samt Verkabelung „versteckt" aufgestellt werden kann. Ein möglicher Standort könnte eine Schreibtisch-Zwischenablage sein oder ein Rollcontainer. Wenn Steckdosenmangel herrscht, wählen Sie einen Switch aus, der sich die Stromversorgung aus dem Haupt-PC über die Tastatur oder Mausanschlüsse ermöglicht.

Die richtige Verkabelung

Im nächsten Schritt geht es um die Verkabelung. Wenn drei PCs an den Switch angeschlossen werden sollen, sind insgesamt drei spezielle Anschlusskabel notwendig. Je nach Anschlussaufbau verfügt ein solches Kabel über bis zu drei Stecker, einen für das Videosignal und zwei weitere für Maus und Tastatur. Die meisten Hersteller liefern entsprechende Kabelsätze gleich mit, es gibt dabei jedoch Qualitätsunterschiede. Wissenswert ist hierbei, dass die Übertragung von Videosignalen anderen Bedingungen unterliegt als die Übertragung von Maus- und Tastatursignalen. Bei Videokabeln spielen die Grafikkarte, die grafische Auflösung und die Kabelqualität eine wesentliche Rolle. Die Kabellänge sollte nicht mehr als fünf Meter betragen, ansonsten sind Schattenbildungen, Farbränder und wellenartige Verzerrungen zu erwarten. Die Signalübertragung von Tastatur und Maus unterliegt lediglich dem Spannungsabfall bei steigender Kabellänge – theoretisch können bis zu zehn Meter Kabellänge noch gute Ergebnisse erzielen. Da es sich bei KVM-Kabeln allerdings zumeist um verbundene Kabelstränge mit gleicher Länge handelt, begrenzt das Videokabel die Maximallänge auf die genannten fünf Meter. Informieren Sie sich vor einem Kauf auf jeden Fall über die Länge, es sollten mindestens 1,5 Meter sein. Kabel in anderen Längen (3 Meter und 5 Meter) und speziellen Anschlusskombinationen (DVI, USB oder 3,5-mm-Klinkenstecker) sind als Zubehör im Handel verfügbar.
Versuchen Sie auch Angaben über die Kabelqualität zu erhalten. Eine hohe Qualität liefert das 3-fach Koaxialkabel durch eine mehrfache Abschirmung. Vermeiden Sie, wenn möglich, die sogenannten „Kombikabel". Bei dieser Kabelvariante haben Sie zwar den Vorteil, dass Sie nicht mit mehreren einzelnen Leitungen hantieren müssen, dafür ist das Kombikabel recht unflexibel und benötigt mehr Platz. Zudem kann es mechanische Spannungen an Switch und Endgeräten erzeugen.
Ein weiteres wichtiges Detail ist die Verschraubung der Video-Kabelstecker. Bei preiswerten Produkten werden die Schrauben oft weggelassen, was zu Fehlkontakten führen kann, da die recht breiten Stecker durch die Kabelspannung aus der Kabelbuchse gedrückt werden. Wenn es trotz hochwertiger Kabel zu einer Verschlechterung der Bildqualität kommt, sollten Sie bei größeren Kabelstrecken auf einen KVM-Extender zurückgreifen. Dieses Gerät funktioniert als Signalverstärker und sorgt für eine stabile Übertragung.

Die Qual der Wahl: welcher Switch passt?

KVM-Switches werden von etlichen Herstellern angeboten. Als Spezialisten für den Heimbereich sind die Hersteller Lindy, Aten, Belkin und Digitus zu nennen. Nachdem Sie Ihr Wunschgerät gefunden haben, ist der Aufbau schnell ausgeführt. Schließen Sie zuerst Ihren Monitor und die Eingabegeräte am KVM-Switch an. Verbinden Sie dann die drei Rechner und den Switch mit den mitgelieferten Kabeln. Je nach Anordnung der Anschlüsse am Switch-Gehäuse treten einige mechanische Kräfte auf, verschrauben Sie die Stecker deshalb sorgfältig. Für einen guten Halt können Sie den Switch auch mit mehreren Powerstrips an der Unterseite an seinem Standort fixieren. Insbesondere bei Geräten mit manueller Umschaltung bietet sich diese Fixierung an, da die Umschalter nicht immer leichtgängig sind. Wenn alles richtig verbunden ist, sollte auf der Switch-Vorderseite eine LED für den momentan aktiven PC aufleuchten. Testen Sie die Umschaltung für alle PCs über die am Gehäuse befindlichen Tasten. Starten Sie mehrere Programme auf den jeweiligen Rechnern und prüfen Sie, ob Maus und Tastatur prompt und fehlerfrei reagieren.

Das Profilager: der KVM-Switch im gewerblichen Einsatz

Im gewerblichen Bereich werden oftmals große Netzwerke mit vielen Rechnern und aufwendiger Verkabelung betrieben. Die dabei verwendeten Betriebssysteme haben bereits Fernwartungskonzepte als Softwarelösung an Bord, mit denen Rechner und angeschlossene Endgeräte gesteuert werden können. Trotzdem werden auch hier größere Zahlen von Rechnern über KVM-Switches zusammengeschaltet, da auf diese Weise eine Unabhängigkeit von laufender Software erreicht wird. Für die Verschaltung vieler Rechner muss der Switch über eine Verkettungsmöglichkeit verfügen, damit er die Signale eines Rechners an einen anderen Switch weitergeben kann. Für die Verkabelung bieten sich Netzwerkkabel an, allerdings dürfen keine Kabelstrecken mit TCP/IP-Betrieb verwendet werden, da es sonst zu Signalstörungen kommen kann. Eine Ausnahme stellt „KVM over IP" dar. Bei diesem Verfahren können im Betrieb befindliche Netzwerkleitungen benutzt werden, da die Videodaten und die Signale der Eingabegeräte zuerst über einen zwischengeschalteten Rechner TCP/IP-gerecht kodiert werden, bevor sie vom KVM-Switch umgesetzt werden. Der Switch wird also nicht mehr direkt geschaltet, sondern kann von jedem am Netzwerk angeschlossenen Punkt gesteuert werden. Auch eine Fernsteuerung via Internet ist mit den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen möglich. Bei einer besonders hohen Anzahl von Rechnern reichen normale Switches mit nur einem administrativen Zugang nicht mehr aus – hier kommen spezielle Modelle mit Mehrfachzugang zum Einsatz. Netzwerke mit KVM-Switches und verschiedenen Gerätegruppen erfordern ein KVM-Managementsystem, das den Zugriff auf die jeweiligen Rechner und Gerätegruppen mit einem Berechtigungskonzept steuern kann. Wenn ein Switch mit IP-Fähigkeit benötigt wird, suchen Sie nach Produkten der Firmen Minicom, Raritan oder Avocent.

Kauftipps und spezielle Switch-Varianten

Achten Sie beim Gebrauchtkauf auf die technischen Daten zur Videoauflösung. Ältere Geräte können bei hohen Bildschirmauflösungen Störungen bei der Umschaltung verursachen. Haben Sie einen Switch mit Software-Steuerung ausgewählt, prüfen Sie die Kompatibilität zu Ihrem Betriebssystem. Veraltete Treiber können zu recht unangenehmen Störungen im Arbeitsablauf führen. Wenn Sie an Ihrem Hauptrechner zwei Monitore betreiben wollen, muss der KVM-Switch dafür ausgelegt sein. Einfache Geräte bieten in der Regel nur einen Videoausgang an. Halten Sie nach Switches mit DualVideo-Ausrüstung Ausschau. Ein KVM-Switch kann auch für die Übertragung von Audio-Signalen verwendet werden. Die Hersteller Aten und Digitus haben sich darauf spezialisiert. Audio-Switches finden Sie ebenfalls im Onlinehandel. Verfügen Sie bereits über ein 19''-Rack mit PC-Hardware oder Geräten aus der Tontechnik? Dann können Sie einen KVM-Switch im 19''-Format verwenden. Es werden Rack-Einschübe von der einfachen Variante mit manueller Umschaltung bis hin zur Profi-Konsole mit LCD-Display und Tastatur angeboten.

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