Wie Sie ein gutes Wartburg-Fahrzeug finden

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Wie Sie ein gutes Wartburg-Fahrzeug finden

In der DDR war der Wartburg weit mehr als nur eine Alternative zum Trabi – er war elegant, geräumig, hatte mit 45 PS mehr Motorleistung als der Trabant und gehörte zur gehobenen Preisklasse. Er war eine richtige Mittelklasse-Limousine, ein US Car mit Stil und Ausstattung. Erhältlich war er nicht nur als Limousine, sondern auch als schickes Cabriolet, als geräumiger Kombi, als Camping-Mobil, als Pick-up oder sogar als schneller Sportwagen mit 50 PS. Nicht nur Einwohner der DDR wollten ihn haben. Damals wurde der Wartburg auch gern außerhalb der DDR gekauft und daher in großer Stückzahl exportiert. Heute sind viele der älteren Modelle ab 1956 schon gepflegte, schicke Oldtimer, die bei vielen Oldtimer-Fans auf Begeisterung stoßen.

Suchen auch Sie einen Oldtimer-Wartburg? Oder wollen Sie lieber einen alten, reparaturbedürftigen Wartburg zum Basteln und Aufbauen kaufen? Oder möchten Sie einfach nur einen Wartburg finden, der für den Alltagsgebrauch geeignet ist und den Sie als richtigen Youngtimer fahren können?

Dann wird Ihnen dieser Ratgeber Tipps und Tricks geben, wie Sie einen guten Wartburg finden können, der zu Ihnen und Ihren Wünschen passt. Wir erklären technische Daten zum Wartburg und stellen die verschiedenen Modelle und Bauarten vor, damit Sie sich einen guten Überblick verschaffen können - und anschließend Ihren Traum-Wartburg finden, der Ihnen sicher ein treuer Begleiter sein wird.

Die beliebtesten Modelle des Wartburg: der 311 und der 353

Im Laufe der langen Produktionsgeschichte des Wartburg wurden eine Reihe verschiedener Modelle produziert. Zu Anfang waren sie schick und modern und wurden selbst in Ländern, die nicht zum Ostblock gehörten, sehr gern gekauft. Später in den 1960ern und 1979ern wurde der Zweitaktmotor allerdings altmodisch und war im Westen daher so gut wie unverkäuflich geworden. Nur in Finnland kaufte man noch Wartburg. Legendär sind dennoch die 1215 Wartburg-Fahrzeuge des Urtyps 311, die im Jahr 1960 einmal bis in die USA verkauft wurden und die dort schließlich sogar Inserate im Playboy bekamen.

Heute hat der Wartburg längst Fanklubs und die älteren Modelle des Kult-Fahrzeugs sind bereits Oldtimer. Sie werden zu Liebhaberpreisen verkauft, die ihren ursprünglichen Wert weit überschreiten. Es gibt sogar Kurse zur Pflege und zum Aufbau eines Wartburg und zur Reparatur des Motors. Das älteste Modell ist der 311, der später auch leicht verändert als 313 und 1000 produziert wurde, gefolgt vom 353 und schließlich Ende der Achtziger Jahre vom Wartburg 1.3.

Der folgende Ratgeber stellt Ihnen den 311, den 353 und den 1.3 näher vor und erklärt, worin sie sich unterscheiden.

Der unvergessene Klassiker unter den Wartburg-Fahrzeugen: Das elegante Modell 311

Seine robuste Bauweise, seine Formschönheit und die große Auswahl an Varianten sicherten dem 311 große Exporterfolge und internationale Anerkennung. Der erste Wartburg dieses Modells lief 1955 in Eisenach vom Band, daher kommt auch der Name – die bekannte Wartburg, die einst schon Martin Luther beherbergte, thront über der Stadt auf einem Hügel.

Der Motor und die Technik des 311 beruhten zu einem guten Teil auf dem zuvor in Eisenach produzierten Auto IFA F9 (später EMW 309) und wurde nach und nach weiterentwickelt. Äußerlich wurde der Rahmen des Wagens verlängert, die Karosserie wurde ebenfalls größer und der Wartburg erhielt zudem vier Türen. Das gab dem Wagen den Charakter eines Mittelklasseautos mit Platz für eine Familie.

Große Variantenvielfalt beim 311 und traditionelle Nummerierung, doch alter Zweitaktmotor

Weil für den Wartburg 311 Rahmenbauweise verwendet wurde, konnte sich eine recht große Vielfalt an Karosserieausführungen entwickeln. Bereits die erste Version war als Limousine, Coupé und Cabriolet erhältlich. Die Bezeichnung 311 folgte einer langen Tradition bei BMW, da in Eisenach vor dem Krieg BMWs produziert wurden und nach dem gerichtlichen Verbot den Namen BMW zu verwenden auch die produzierten EMWs so durchnummeriert wurden. Alle diese Wagen hatten dreistellige Nummern, die mit einer 3 begannen.

Insgesamt wurden zwischen 1955 und 1965 mehr als eine Viertel Millionen Wartburg hergestellt. Es folgten dem 311 die sportlichen Varianten 313 und 312-300. Als 1962 der Hubraum des Wartburg vergrößert wurde, nannte man dieses Modell Wartburg 1000. Wenn Sie nach einem Wartburg 311 suchen, werden Sie also auch unter diesen Begriffen fündig.

Einziges Manko war der Zweitaktmotor, der schon damals altmodisch geworden war. Dessen typisches Geräusch blieb noch lange ein markantes Merkmal für Wagen aus der DDR, als in anderen Teilen der Welt längst auf Viertaktmotoren umgestellt worden war, die keinen unkultivierten Leerlauf hatten und auch keine so sichtbare Fahne von Abgas hinter sich herzogen.

Heute dagegen trägt der etwas antiquiert anmutende Zweitaktmotor mit seinem charakteristischen Klang zum Charme des Wartburg für Sammler und Liebhaber bei, die ihn gern originalgetreu in ihren Oldtimer-Wartburg verbauen.

Das Nachfolgemodell 353 mit neuem Fahrwerk und neuer Karosserie ab 1965

Nach dem Erfolg des 311 wurde nach zehn Jahren Produktion schließlich ein Nachfolgemodell konzipiert: Der Wartburg 353. In seiner mehr als zwanzig Jahre andauernden Produktion zwischen 1966 und 1988 liefen über eine Million Stück des Wartburg 353 und seiner Fortführung Wartburg 353 W vom Band. Es war das Modell des Wartburg mit der längsten Produktionszeit.

Grundsätzlich behielt auch der Wartburg 353 einige wesentliche Merkmale des alten 311-Modells. Dazu gehörten der Zweitaktmotor, ein Frontantrieb und der Kastenrahmen. Allerdings wurde das Fahrwerk nun deutlich modernisiert und mit 13''-Rädern, Schraubenfedern und einer Einzelradaufhängung ausgestattet. Die ebenfalls neue Karosserie wurde vom Designer Hans Fleischer, der schon die Karosserie des 311 entworfen hatte, kreiert. Im Kofferraum war nun Platz für 500 Liter Volumen, was durchaus noch mit dem damaligen Standard auf dem internationalen Markt mithalten konnte.

Aufgrund der großen Menge, die produziert wurde, entspricht das Aussehen dieses Wartburg dem Aussehen, das die meisten Menschen sich vorstellen, wenn sie das Wort Wartburg hören. Die runden, klassischen Kurven wichen einem moderneren eckigen Aussehen. Wenn Sie nach einem Wartburg suchen, können Sie schon allein daran und von Weitem den 353 von einem 311 unterscheiden.

Gleiche Karosserie, doch anderer Inhalt: Kleine Veränderungen machen die Weiterentwicklung 353W aus

Nach einigen Veränderungen im Laufe der Jahre, zum Beispiel dem Einbau eines neuen Motors und eines neuen Getriebes, wurde ab dem Jahr 1975 das Modell Wartburg 353W produziert. Dieses Modell verfügte nun über Scheibenbremsen statt Trommelbremsen, eine Zweikreisbremsanlage statt einer Einkreisbremsanlage und statt der alten Lichtmaschine mit Gleichstrom über eine mit Drehstrom.

Er steckten zudem viele kleine Veränderungen darin. Die Karosserie allerdings blieb gleich. Erwähnenswert bei der Version „S“ (Sonderaustattung) sind zum Beispiel noch die auffälligen, sportlich wirkenden Schalensitze. Stoßen Sie bei der Suche nach einem Wartburg auf ein solches Modell, ist der Unterschied äußerlich oft nur am kleinen W am Schriftzug auf dem Kofferraum zu erkennen. Können Sie den Wartburg zum Beispiel bei der Suche online auf Bildern nicht so genau betrachten, lohnt sich ein Blick auf das Baujahr oder die Erstzulassung. Alle Wagen ab 1975 sind als 353W gebaut worden und ältere Modelle des 353 wurden nicht umgerüstet.

Der Wartburg 1.3: Das letzte Modell des Wartburg mit altbekanntem Aussehen aber neuem Innenleben

Zwischen 1988 und 1991 wurde das letzte Modell des Wartburg, der Wartburg 1.3, produziert. Dieser verfügte nun über einen Viertaktmotor. Nachdem eigentlich schon im Jahr 1972 ein Viertaktmotor entwickelt worden war, der schon in den 353 gepasst hätte, die Fertigung jedoch von der Regierung blockiert wurde, musste später umgedacht werden. 1974 verbot Großbritannien die Einfuhr des Wartburg aufgrund seines Zweitaktmotors und einige Jahre später fielen auch die Absatzmärkte in Belgien und Dänemark weg.

Für den Wartburg 1.3 wurde daher 1988 schließlich doch ein Viertaktmotor eingebaut, der eigentlich für den VW Polo 86c entwickelt worden war. Optisch unterschied der 1.3 sich allerdings nur geringfügig vom Wartburg 353W. Komplett neu sieht beim 1.3 das Armaturenbrett aus und dieser Wartburg erhielt einen neuen Vorderwagen. Die Spurbreite wurde vergrößert und die Kotflügel waren nun ausgestellt sowie die Blinker neu angeordnet.

Besonders bemerkenswert war die große Preissteigerung bei diesem Modell gegenüber dem 353. Es kostete zwischen 30.000 und 35.000 Mark und war damit 60 % teurer als der 353.

Wenn Sie nach einem Wartburg als fahrbaren Youngtimer suchen, dann bietet sich das Modell 1.3 an. Mit dem moderneren Viertaktmotor kann es im Straßenverkehr mithalten und ist für den Alltagsgebrauch geeignet.

Fazit

Ein gutes Wartburg-Fahrzeug zu finden ist nicht schwer. Zuerst sollten Sie sich genau überlegen für welchen Zweck Sie einen Wartburg kaufen möchten. Da der Wartburg in den vorgestellten verschiedenen Modellen und über einen langen Zeitraum produziert wurde, sind nicht alle Modelle für jeden Käufer das richtige. Sie unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern auch technisch.

Für Liebhaber und Fans von Oldtimern kommt zweifellos zuerst das Modell 311 infrage, doch auch der 353 und der 353W werden gerne liebevoll wieder aufgebaut und auf Oldtimer-Treffen vorgeführt. Diese Wagen sind aber nicht selten ungeeignet für den Alltag und können nur mit H-Kennzeichen gefahren werden. Das sollte bedacht werden. Wer es auf einen Youngtimer abgesehen hat, den er auch wirklich im Alltag fahren möchte, der sollte dagegen einen besonderen Blick auf den 1.3 werfen. Für Bastler bieten sich Scheunen- und Garagenfunde an oder auch Unfallautos. In diesem Bereich findet sich das ganze Spektrum von Modellen.

Wenn Sie im Ausland suchen, sollten Sie übrigens noch wissen, dass der Wartburg dort oft als „Wartburg Knight“ verkauft wurde.

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