Wie Sie Spanngurte für das Gepäck auf Anhängern richtig befestigen

Aufrufe 2 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Worauf Sie achten müssen, wenn Sie Spanngurte für die Befestigung von Gepäck auf Anhängern kaufen

Die Gefahren von ungesicherten Ladungen auf Pkws

1.500 Unfälle im Jahr sind laut Statistischem Bundesamt auf unzureichend gesicherte Ladung zurückzuführen. Eine Zahl, die mit einfachen Mitteln deutlich reduziert werden kann. Vor allem während der Urlaubssaison kommen im Radio immer wieder Meldungen über Gefährdung durch verlorene Gepäckstücke. Gerade auf Autobahnen kann das zu einer tödlichen Gefahr werden.
Doch woran liegt es, wenn verantwortungsvolle Familienväter und -mütter die Gesundheit ihrer Mitmenschen und die ihrer Kinder leichtfertig aufs Spiel setzen? Aus Unwissenheit. Der Physikunterricht in der Schule war für die meisten nur interessant, wenn die selbstgebastelten Schaltkreise zum Leuchten einer Glühbirne führten. Diejenigen, die den Unterricht aufmerksamer verfolgten, werden sich auch heute noch an Bewegungskräfte erinnern. Zudem sind sie beliebter Gegenstand zahlreicher Wissenssendungen. Doch fällt es den meisten schwer, dieses Wissen auf alltägliche Probleme zu übertragen. Beim Beladen eines Anhängers gerät es bei vielen Menschen in Vergessenheit, obwohl es gerade hier am meisten gebraucht wird.
Die größte Gefahr während der Fahrt bilden das Anfahren, das Abbremsen und die Kurven. Die Ladung kann während des Anfahrens und Kurvenfahrens mit einer Belastung von 50 Prozent des eigenen Gewichtes auf die Seiten- und Rückwände des Anhängers drücken, beim Abbremsen sogar mit 80 Prozent des Ladungsgewichtes auf die Stirnwand. Alldenjenigen, die dabei denken: Naja, dann fahr ich halt vorsichtiger an und bremse nicht scharf ab …, denen sei gesagt: Der Straßenverkehr besteht aus mehr als einem Verkehrsteilnehmer.

Deutschland: Das Land der tausend Vorschriften – und doch ist nicht alles reglementiert

Das vermutlich größte Problem, weshalb die Sicherung so stark vernachlässigt wird, ist die Tatsache, dass es hierzu bei Pkw-Anhängern keine gesetzlichen Vorschriften gibt – weder auf deutscher noch auf europäischer Ebene. Selbst die inzwischen für Fahrzeuge ab 3,5 t geltenden VDI-Richtlinien klammern Pkw-Anhänger aus. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass im Falle eines Unfalls der Fahrzeugführer für den Schaden haftet. Deshalb sollte sich jeder Fahrer eines Pkw-Anhängers schon aus eigenem Interesse der Thematik der Ladungssicherung zuwenden.

Die Theorie: Formschlüssige und kraftschlüssige Sicherung der Ladung

Zu unterscheiden sind zwei Arten der Ladungssicherung: die formschlüssige und die kraftschlüssige Sicherung.

Formschlüssig meint, dass die zu transportierenden Gegenstände so eng gepackt werden, dass es unmöglich gemacht wird, dass sich die Güter während der Fahrt bewegen. Leidenschaftliche Tetrisspieler werden hier ihre Freude dran haben. Die Gegenstände sichern sich sozusagen gegenseitig. Voraussetzung ist es, dass die Bordwandoberkante nicht überschritten wird. Zudem sollten sicherheitshalber rutschfeste Matten untergelegt werden. Bei Fahrten über Autobahnen ist dringendst eine Abdeckplane zu empfehlen.

Die Ausrüstung des Anhängers mit Zurrpunkten

Zur Verwendung der kraftschlüssigen Sicherung ist die Ausrüstung des Anhängers mit Zurrpunkten zu empfehlen. Im Grunde genommen werden die Gegenstände hier so fest wie möglich auf den Boden oder an die Wände des Anhängers gepresst. Da eine gleichmäßige Verteilung der Ladung auch für einen problemlosen und sicheren Transport auf Pkw-Anhängern zwingende Voraussetzung ist, sollten die Seitenwände nur bei gleichmäßiger Belastung als Basis zum kraftschlüssigen Sichern genutzt werden. Da es keine gesetzlichen Vorschriften für Pkw-Anhänger gibt, sind sie auch nicht automatisch mit Zurrpunkten zum Befestigen der Gurte ausgestattet. Zurrpunkte können mit relativ wenig Aufwand nachgerüstet werden, am besten in den vier Ecken der Bodenplatte. Innerhalb der Belastungsgrenze eines Zurrhakens oder einer Zurröse können auch mehrere Zurrgurte eingehängt werden. Ausgeliehene Anhänger sollten nur nach Absprache nachgerüstet werden. Es gibt auch die Möglichkeit, die Zurrgurte an tragenden Aufbauteilen unterhalb der Ladefläche zu befestigen.

Ein Allround-Spanngurt-System ist das Zurrnetz

Es besteht aus aneinander genähten Spanngurten und bietet mit nur vier Handgriffen einen umfassenden Schutz für jegliche Form an zu transportierenden Gegenständen. So können auch Kleinteile wie Gartengeräte oder Werkzeuge ebenso wie Fässer problemlos von A nach B transportiert werden.

Die Praxis: Wie zurrt man wann und womit?

In der Praxis sieht man sich dann schnell mit anderen Fragen konfrontiert. Betrachtet man sich das allgegenwärtige Beispiel, dass man guten Freunden mal eben beim Umzug helfen will. In den seltensten Fällen tun einem die Möbelstücke den Gefallen und entsprechen in allen Punkten den Anforderungen eines einfach zu sichernden Ladungsgegenstands. Am einfachsten mutet der Couchtisch an – sofern er über eine rechteckige Platte verfügt. In seiner Form entspricht er ungefähr dem Umfangsvermögen des Anhängers. Legt man ihn verkehrt herum auf den Anhänger, bleibt sogar noch Platz, um ein paar Kartons mitzunehmen. Doch wie wird nun gesichert?
Zum einen könnte man die Tischbeine an einer der Bordwände festzurren. Hier könnte es allerdings Probleme geben, wenn diese federt. Damit würde der Effekt der Niederzurrung aufgehoben. Zudem ist es fraglich, ob die Tischbeine das zusätzliche Gewicht der Kartons im Fall einer starken Bremsung noch halten würden oder ob sie wie Streichhölzer abbrechen würden. Da empfiehlt sich eher das Niederzurren auf den Boden des Anhängers. Verwendet man ein Zurrnetz in Kombination mit einer Antirutschmatte unter der Tischplatte, können gleichzeitig auch die Kartons mitgesichert werden.

Ist der Umzug schließlich bei den Schränken angelangt, kommt der Anhänger gerade aufgrund seiner meist geringen Höhe an seine Grenzen. Die Möbel ragen einfach oben heraus. Selbst auseinandergeschraubte Möbelteile entsprechen selten den Maßen des Anhängers. Hohe Spritkosten verleiten zudem dazu, den Anhänger so gut wie möglich auszufüllen. Da ist es manchmal unvermeidlich, dass Spanngurte über scharfe Kanten führen. Das ist allerdings eine Belastung für Gurt und Material. Um Beschädigungen zu vermeiden, können sogenannte Kantengleiter verwendet werden. Hierbei handelt es sich zumeist um Plastikschienen, die auf scharfen Kanten aufgesetzt werden. Die Gurte werden über die abgerundete Schiene geführt und nach Möglichkeit durch die Führungselemente an den Enden der Kantengleiter durchgeführt. So können die Gurte nicht verrutschen und die Sicherung dadurch nichtig machen.

Spanngurte – die Qual der Wahl

Bei der Frage nach den Spanngurten kommt vielen bestimmt das Bild der grünen, gelben oder blauen Gummis in den Sinn, die an den Enden mit Haken versehen sind. Erhältlich sind sie oftmals in Zweier- oder Viererpacks in Discountmärkten. Die Nützlichkeit der Haushaltshelfer soll an dieser Stelle nicht abgesprochen werden, jedoch sind sie eher zum Sichern von Lebensmitteltaschen in Fahrradkörben oder auf Fahrradgepäckträgern anzuwenden. Allein schon das nachgebende Gummi macht sie für den Einsatz im Pkw-Anhänger unbrauchbar.

Im Bereich der Ladungssicherung müssen Zurrgurte genutzt werden. Es gibt sie in verschiedenen Preisklassen, einmal als günstige Polypropylen- und als teurere Polyestergurte. Polypropylen ist nicht so widerstandsfähig wie Polyester und darf daher nicht für die Sicherung schwerer Güter genutzt werden. Als Nutzer eines Pkw-Anhängers darf man sich überlegen, ob man da nicht vielleicht an der falschen Stelle spart. Größere Fahrzeuge dürfen nur geprüfte Polyester-Materialien verwenden. Die Beschläge dieser Gurte werden mit speziellen Sicherheitsnähten befestigt.

Zum Verschließen der Gurte wurden verschiedene Methoden entwickelt: das Spannschloss oder die Ratsche.

Spannschlösser

Bei den Spannschlössern besteht der Verschluss aus einer Umlenkstange und einer geriffelten Klemmbacke. Diese wird auf den Steg gedrückt und blockiert somit das Gurtband, sodass es sich nicht mehr durchziehen lässt. Durch ruckartige Bewegungen, wie sie bei längerem Transport über geflickten Asphalt häufig vorkommen können, lösen diese sich jedoch und machen eine Sicherung dadurch nichtig.

Ratschschlösser

Bei den Ratschschlössern lassen sich wiederum verschiedene Arten unterscheiden: die Langhebelratsche, die Kurzhebelratsche und die Schwerlastratsche sowie die Gruppen der Zug-, Stoß- und Multiratsche. Im Grunde genommen bezeichnen Langhebelratsche und Zugratsche hier das Gleiche. Die Ratsche wird bei deren Betätigung nach unten gezogen. Dank der die Wirbelsäule schonenden Nutzung des Geräts wird sie zudem auch als Ergo-Ratsche bezeichnet. Zugbewegungen sind für den menschlichen Körper leichter durchzuführen. Hier kann man zur Not auch mit seinem eigenen Körpergewicht arbeiten. Die Vorspannkraft einer solchen Ratsche ist um 100 Prozent größer als die der Kurzhebelratsche. Diese wiederum wird auch Druckratsche genannt, welches bereits ihre Betätigung wiederspiegelt: Sie muss nach oben gedrückt werden. Beide können maximal in drei Lagen auf ihrer Wickelwelle aufgewickelt werden, da sich sonst der Sperrschieber lösen würde. Die Schwerlastratsche ist an dieser Stelle uninteressant, da solches Gut nicht mehr mit einem Pkw-Anhänger transportiert werden kann.
Die Enden dieser Gurte gibt es mit den verschiedensten Beschlägen, so zum Beispiel Spitzhaken mit und ohne Verschluss an beiden Seiten oder mit Gegenöse an der anderen Seite zum Aneinanderzurren von Gegenständen. Oder auch Triangeln als Ösen und Bügel, sowie als Triangelhaken, welche allerdings nur mit bestimmten Zurrpunkten kombiniert werden können, da sie eingehakt werden müssen. Dies gilt ebenfalls für Klauenhaken, Rahmenhaken und Flachhaken.

Sicherheit beim Beladen von Lasten und Gepäck: das A & O beim Reisen

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine spontane Fahrt in den Urlaub mit dem Pkw-Anhänger der Nachbarn zwar durchaus spaßig sein kann, im Vorfeld jedoch auch einer gewissenhaften Planung bedarf. Egal was egal wohin transportiert werden will oder muss, eine entsprechende Sicherung des Frachtguts ist notwendig. Nur weil der Gesetzgeber es mit den entsprechenden Vorschriften derzeit noch recht locker hält, haben die Fahrer eines solchen Gefährts trotzdem Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen. Bei Sachschäden können Unachtsamkeiten diesbezüglich nur teuer werden, bei Personenschäden sieht man sich schnell dem Vorwurf der Fahrlässigkeit gegenüber.

Fazit

Ungesicherte Ladung kann laut eines ADAC-Tests bereits bei Geschwindigkeiten von 50 km/h und einem Eigengewicht von 25 kg tödliche Folgen haben. Dabei gefährdet man unbeteiligte Fußgänger genauso wie andere Verkehrsteilnehmer oder die eigenen Autoinsassen. Kommt die Ladung erst einmal ins Rutschen, ist der Anhänger gerade bei unerfahrenen Fahrern schnell ausgebrochen und macht ein kontrolliertes Fahren des Pkw unmöglich. Nur erfahrene Fahrer schaffen es dann, gegenzulenken und somit die Kontrolle zurückzugewinnen. Ebenfalls sollten die Spanngurte an sich überprüft werden. Beschädigte Gurte, ob durch Wettereinfluss oder durch Verschleißerscheinungen, können jederzeit brechen beziehungsweise reißen und das Gut zu einem unerwarteten Geschoss werden lassen. Auch hier liegt dann die Schuld beim Fahrer.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden