Wie Sie Montierungen richtig anbringen

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Wie Sie Montierungen richtig anbringen

Die Geschichte der Teleskope

Die Astronomie zählt zu den ältesten Wissenschaften der Menschheit. Schon seit Jahrtausenden blicken Menschen voller Faszination in den nächtlichen Himmel und spekulieren, was wohl jenseits unseres Sonnensystems liegt. Zu Anfang wurden Beobachtungen mit dem bloßen Auge gemacht, durch Erkenntnisse in der Optik standen alsbald auch technische Hilfsmittel zur Verfügung.
Die ersten für die Astronomie wirklich nutzbaren Fernrohre wurden zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Johannes Kepler, Hans Lipperhey und Galileo Galilei entwickelt. Seitdem haben Wissenschaftler immer größere und leistungsfähigere Teleskope erschaffen. Heutzutage ist die Beobachtung der Sterne auch ein sehr beliebtes Hobby, das zwar ein gewisses Maß an technischem Wissen und Verständnis erfordert, aber auch zum Träumen anregen kann. Da Teleskope sehr genau ausgerichtet werden müssen, werden sie an einem festen Punkt montiert – meist auf einem Stativ. Um das Teleskop aber weiterhin auf Himmelsobjekte ausrichten zu können, ist eine sogenannte Montierung nötig, um die es in diesem Ratgeber gehen soll. Wir erklären, wie die verschiedenen Typen von Montierungen funktionieren und welche Vor- und Nachteile sie haben.

Wozu braucht man eine Montierung?

Zum einen dient die Montierung, wie bereits erwähnt, dazu, das Teleskop auf ein beliebiges Objekt am Himmel richten zu können. Zum anderen hat sie aber auch die Aufgabe, die Rotation der Erde bei der Betrachtung von Objekten zu kompensieren. Da sich die Ausrichtung der Erde gegenüber den weit entfernten astronomischen Objekten ständig verändert und der Bildausschnitt der meisten Hobby-Teleskope relativ klein ist, muss das Teleskop ständig nachjustiert werden, um ein Objekt über einen längeren Zeitraum betrachten zu können – das ist natürlich schon bei der Beobachtung von Himmelskörpern wichtig – noch entscheidender ist es aber bei der Astrofotografie, da hier lange Belichtungszeiten von mehreren Minuten bis zu einigen Stunden erforderlich sind.

Welche Arten von Montierungen gibt es?

Bei Teleskopen für Hobby-Astronomen gibt es hauptsächlich zwei verschiedene Montierungsarten: die äquatoriale Montierung und die azimutale Montierung. Auf beide Arten wollen wir nun näher eingehen.

Die äquatoriale Montierung

Bei der äquatorialen Montierung, die auch parallaktische Montierung genannt wird, ist eine der Achsen der Montierung, die sogenannte Rektaszensionsachse, parallel zur Erdachse ausgerichtet. Dadurch wird die Konstruktion der gesamten Apparatur mechanisch deutlich komplizierter, allerdings lassen sich so auch die von der Erde aus sichtbaren Sternenbahnen exakt nachverfolgen. Zur korrekten Ausrichtung des Teleskops muss bei der äquatorialen Montierung die Rektaszensionsachse so zum Horizont gekippt werden, dass der Neigungswinkel der geografischen Breite des Beobachtungsortes entspricht. Die senkrecht auf der Rektaszensionsachse (auch Stundenachse) sitzende zweite Achse wird zum Himmelsäquator ausgerichtet und wird Deklinationsachse genannt. An ihr werden das Teleskop sowie ein Gegengewicht angebracht, sodass der Neigungswinkel der Achsen ausgeglichen wird und sich die Montierung im Gleichgewicht befindet. Es gibt allerdings auch einige Varianten der äquatorialen Montierung, beispielsweise die Gabelmontierung, die englische Rahmenmontierung oder die Hufeisenmontierung, die ohne Gegengewicht auskommen, da sich der Schwerpunkt konstruktionsbedingt im Schnittpunkt der beiden Achsen befindet. Das hat zwar bei der Verwendung des Teleskops keinen echten Vorteil, dafür lässt es sich leichter transportieren, da das Gesamtgewicht wesentlich geringer ist.

Vor- und Nachteile der äquatorialen Montierung

Der große Vorteil der äquatorialen Montierung ist, dass sich bei der Betrachtung von Himmelskörpern deren durch die Erdrotation verursachte, scheinbare Bewegung mit einer Bewegung um nur einer Achse, der Rektaszensionsachse, ausgleichen lässt. So lassen sich Beobachtungsobjekte wesentlich einfacher nachverfolgen als beispielsweise mit einer azimutalen Montierung, bei der hierfür eine Bewegung um zwei Achsen nötig ist. Nachteilig ist dagegen, dass sich die Montierung durch die Neigung der beiden Achsen nicht so leicht verstellen lässt – hier ist eine azimutale Montierung deutlich komfortabler. Zudem ergeben sich bei der äquatorialen Montierung konstruktionsbedingt bei einigen Ausrichtungen, vor allem im Meridian, Probleme bei der Bewegung des Teleskops. Es muss dann umgeschwenkt werden, damit es nicht an der Montierung anschlägt oder weil sich das Okular in einer zu niedrigen Position befindet. Das bedeutet aber auch, dass die Beobachtung kurzzeitig unterbrochen werden muss, was vor allem bei der Astrofotografie sehr nachteilig ist. Da sich diese Probleme aber nur in speziellen Fällen ergeben, bietet sich mit der äquatorialen Montierung eine zuverlässige Montierung, die allerdings bei der Ausrichtung höchste Präzision erfordert, vor allem, wenn das Teleskop für die Astrofotografie verwendet werden soll.

Die azimutale Montierung

Bei der azimutalen Montierung – die auch alt-azimutale-Montierung oder Altazimut genannt wird – kann das gesamte System um die vertikale Achse, die Stehachse, gedreht werden, das aufgesetzte Teleskop lässt sich zudem horizontal zwischen Horizont und Zenit schwenken. Eine vorherige Ausrichtung, wie bei der äquatorialen Montierung, ist bei dieser Montierung nicht erforderlich. Sie ist damit bei der Aufstellung und in der Bedienung wesentlich unkomplizierter als die äquatoriale Montierung, zudem kommt das System mit einer einfachen Mechanik aus und ist sehr tragfähig.

Wann ist eine azimutale Montierung sinnvoll?

Größter Nachteil der azimutalen Montierung ist, dass das Teleskop bei der Beobachtung von Objekten ständig an beiden Achsen neu ausgerichtet werden muss, um die Erdrotation zu kompensieren. Da die Neuausrichtung auch noch in laufend wechselnden Geschwindigkeiten erfolgen muss, ist eine exakte Ausrichtung des Teleskops von Hand sehr schwierig. Dazu kommt noch, dass das Blickfeld des Teleskops rotiert, sodass bei der Astrofotografie das Teleskop gedreht werden muss, um ein Verwischen des Bilds zu verhindern. Da diese Bewegungen bei der Astrofotografie sehr genau ausgeführt werden müssen, eignet sich eine azimutale Montierung nur dann, wenn sie über eine Motorisierung und eine exakte Steuerung verfügt.
Da eine genaue Steuerung des Teleskops heutzutage dank moderner Computertechnik kein Problem mehr darstellt, wird bei größeren, wissenschaftlichen Teleskopanlagen ausschließlich die azimutale Montierung verwendet und auch bei Teleskopen für den privaten Gebrauch findet sie immer mehr Verbreitung. Dank des einfachen mechanischen Aufbaus und der leichten Bedienung eignen sich azimutale Montierungen vor allem für Hobby-Astronomen, die Objekte nur beobachten wollen. Sollen auch Fotos der Beobachtungsobjekte geschossen werden, empfiehlt sich der Kauf einer motorisierten Montierung.

Motorisierung – ja oder nein?

Eine motorisierte Montierung bietet natürlich einen hohen Bedienkomfort, ist allerdings meist auch deutlich teurer als eine einfache Montierung, die per Hand ausgerichtet werden muss.

Da sich äquatoriale Montierungen auch relativ unproblematisch von Hand nachjustieren lassen, ist hier eine Motorisierung nicht unbedingt erforderlich. Durch die vorherige Ausrichtung des Teleskops muss es nur gleichmäßig um eine Achse bewegt werden, was bei reinen Beobachtungen ohne Weiteres auch von Hand möglich ist. Sollen allerdings Messungen durchgeführt oder Fotos gemacht werden, empfiehlt sich eine Motorisierung, da die Bewegung hier so exakt erfolgen muss, dass sie sich nur schwer von Hand bewerkstelligen lässt.

Bei azimutalen Montierungen ist eine Motorisierung in jedem Fall empfehlenswert, da hier unregelmäßige Bewegungen um zwei Achsen erfolgen müssen, um die Erdrotation auszugleichen. Bei Beobachtungen können diese Bewegungen zwar auch von Hand ausgeführt werden, da das Beobachtungsobjekt so aber kaum ruhig im Blickfeld zu halten ist, mindert das den Spaß an der Beobachtung deutlich. Sollen Messungen vorgenommen oder Fotos geschossen werden, ist bei der azimutalen Montierung eine Motorisierung zwingend erforderlich, da sich sonst keine exakten Messwerte sammeln beziehungsweise scharfe Bilder machen lassen.

Welcher Hersteller ist empfehlenswert?

Sky-Watcher ist der weltweit größte Hersteller von Teleskopen und entsprechendem Zubehör. Die Montierungen dieser Firma sind solide gebaut, ermöglichen eine exakte Bewegung und sind zudem noch recht günstig. Die Montierungen der japanischen Firma Vixen sind sehr hochwertig verarbeitet und äußerst präzise. Sie eignen sich daher vor allem für anspruchsvolle Hobby-Astronomen, die bereit sich, auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Celestron stellt ebenfalls hochwertige Montierungen her, die sich preislich zwischen den Produkten von Vixen und Sky-Watcher bewegen, qualitativ den teureren Montierungen von Vixen aber kaum nachstehen – sie bieten daher ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Was man beim Kauf von Montierungen bei eBay beachten sollte

Zieht man den Kauf einer gebrauchten Montierung in Betracht, sollte man sich sehr genau über den Zustand des Artikels informieren – in aller Regel hilft hier die Produktbeschreibung weiter. Sollte etwas unklar sein, ist es empfehlenswert, beim Verkäufer direkt nachzufragen. Vor allem bei motorisierten Montierungen sollte man sichergehen, dass sowohl der Motor als auch die Steuerung einwandfrei funktionieren, da ansonsten die Motorisierung ihren Zweck nicht erfüllen kann und letztlich nutzlos ist. Bei neuwertigen Montierungen kann man dagegen bedenkenlos zugreifen, da hier alle Teile fehlerfrei sein müssen.

Montierungen werden häufig als Teil eines Produktbündels angeboten. So bekommt man zum Beispiel neben der Montierung oft auch gleich ein Stativ oder – bei einer motorisierten Montierung – eine passende Steuerung, sodass man nur noch das Teleskop aufsetzen muss, dann kann es losgehen. Solche Produktbündel sind zudem meist sehr günstig – würde man die im Paket enthaltenen Teile einzeln kaufen, wäre das normalerweise wesentlich teurer.

Fazit

Montierungen – ganz gleich ob äquatoriale oder azimutale – sind ein wichtiger Bestandteil eines jeden Teleskops, daher sollte man hier auf Qualität setzen, um wirklich sehenswerte Beobachtungen oder Fotos machen beziehungsweise verwertbare Messergebnisse erhalten zu können. Für welche Art von Montierung man sich entscheidet, ist letztlich eine Geschmacksfrage, da keine der beiden Varianten eindeutig besser ist als die andere. Eines steht jedoch fest: Für Astrofotografen ist eine Motorisierung mit passender Steuerung ein Muss.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden