Wichtige Tipps, zum Austausch und zur Pflege von Traktor-Karosserieteilen

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Wichtige Tipps, um die passenden Karosserieteile für Traktoren zu finden

Viele Typen, viele Marken

Sage und schreibe 347 verschiedene Traktormarken listet Wikipedia unter diesem Begriff auf - davon kommen über die Hälfte, nämlich 256 Marken, aus Deutschland. Klangvolle Namen sind dabei: "Sauerburger", "Krümpel", "Dexheimer" oder "Bergmeister". Doch viele davon sind schon wieder vergessen. Und trotzdem: Zu tausenden stehen sie noch verlassen und vergessen in den Scheunen und schlummern im Dornröschenschlaf. Das Restaurieren und Instandhalten von Traktoren ist aber inzwischen zum regelrechten Volkssport geworden. Die friedliche Nützlichkeit, deren Entwicklungsziel am Anfang jedes Traktorentwurfs stand, ist einfach zu faszinierend. Ob geniale Technik, schwelgerisches Ornament oder eine Patina, der man die jahrzehntelange, harte Arbeit auch ansieht - alte Traktoren haben immer etwas zu bieten. Die Jagd auf die "Scheunenfunde" ist schon lange eröffnet. Es beginnt sich langsam eine echte Sammlerszene zu formieren: Schlepper, Kipper, Einachser und Mähdreschern werden unter den Heuballen hervorgezerrt, die fingerdicke Öl- und Dreckschicht entfernt und aus reinem Kernschrott wieder repräsentative Maschinen der Landtechnik gemacht. Und so wird im ganzen Land gewienert, geölt, lackiert und geschweißt, um möglichst vielen dieser alten mobilen Kulturgüter wieder neues Leben einzuhauchen.

Im Winter schrauben, im Sommer ausfahren 

Was bei vielen so ambitioniert startet, kommt schnell ins Stocken: So einfach, wie man sich die Restauration des Traktors vorgestellt hat, ist sie dann doch nicht. Die Teilemärkte sind zwar spannend, lustig und anregend - aber umso frustrierender ist es, wenn bei aller schönen Fachsimpelei nicht das gewünschte Teil dabei war. Abgesehen davon: Winterzeit ist Schrauberzeit, der Sommer ist für die Ausfahrten da.  

Kotflügel, Hauben, Schutzbleche

Bei Sitzen sind die Blechteile noch universell verwendbar. Auch bei Kotflügeln gibt es reichlich Auswahl an Austauschkomponenten. Andere Karosserieteile wie Motorhauben sind da schon spezifischer. Das ist auch kein Wunder - schließlich geben diese Komponenten zusammen mit den Lampen einem Traktor sein "Gesicht". Dennoch: das Angebot ist noch reichhaltig. Ein sinnvolles Zubehör bei jedem Alter ist ein Rammschutz. Schließlich soll das "alte Schätzchen" auch zeigen, was in ihm steckt. Ein anderes Thema sind hingegen die Traktorkabinen.  Es ist einigermaßen verwunderlich, aber dieses Allwetterfeature kam erst sehr spät in die allgemeine Ausstattung der Traktoren. Man ging wohl davon aus, dass Landwirte eine natürliche Wetterfestigkeit besitzen. Dennoch - ein altehrwürdiges Restaurationsobjekt kann man also mit einer Kabine nicht unbedingt verbessern. Wer auf Originalität bedacht ist und seinen Traktor nur für Hobbyzwecke einsetzen möchte, der verzichtet besser auf diese Ausstattung. Für diejenigen, die einfach einen alten Traktor für die tägliche Arbeit einsetzen wollen, empfiehlt sich ein passendes Kunststoffverdeck. Worauf man allerdings, auch bei aller Liebe zur Originalität, niemals verzichten darf, ist der Überrollbügel. Das Fehlen dieser Sicherheitseinrichtung hat einige Landwirte das Leben gekostet, bis es gesetzlich zur Vorschrift wurde. Das ist beim näheren Betrachten der Landmaschinen auch verständlich: So kraftvoll und geländegängig sie auch sind - ihr hoher Schwerpunkt macht sie zu einer sehr kippeligen Angelegenheit.

Überrollbügel ist empfehlenswert

Ackerfurchen, Bodenwellen und Straßengräben können so schnell zur Unfallfalle werden. Dies gilt vor allem für Hobbyschrauber und Traktorliebhaber. Diesen fehlt häufig die notwendige Übung im Umgang mit diesen Geräten. Fahrerfahrung vom Auto ist auf den Traktor nicht übertragbar. Darum: Ein Überrollbügel gehört unbedingt auf jeden Traktor. Man sollte dabei auch unbedingt bedenken, dass ein Traktor bereits von vierzehnjährigen Jungen und Mädchen gefahren werden dürfen. Deren Sicherheit sollte man bei aller Liebe zur Originalität keinesfalls durch einen fehlenden Überrollbügel gefährden.

Lieber ein Schlachtfest?

So traurig es manchmal auch ist, mancher alter Ackerhelfer ist einfach nicht mehr zu retten. Obwohl es in der Seele weh tun kann, muss manchmal ein Opfer gebracht werden. Unter dem Stichwort "Schlachtfest" lassen sich nicht nur besondere Schnäppchen machen. Oft genug findet man dort auch genau die Komponenten, die man schon monatelang gesucht hat. Es lohnt sich, regelmäßig mit diesen oder ähnlichen Schlagwörtern wie "Schlachtung Traktor" oder "(ich) Schlachte Traktor" zu recherchieren. Ebenso verbergen sich hinter dem Begriff Restaurationsobjekt oft wahre Schätze zu besonders günstigen Preisen.

Ein anderer Geheimtipp sind die oft aus der Not geborenen Eigenbau-Traktoren. Sie beherbergen unter ihrem Sammelsurium der verschiedenen Hersteller oft wahre Schätze. Hier lohnt es sich, ganz genau hinzusehen. Vielleicht versteckt sich dort genau das Teil, welches das eigene Projekt endlich fertig stellen könnte. Abgesehen davon - nicht jeder hat genügend Platz. Gerade Schlachttraktoren können sich für Leute mit geeigneter Scheune als wahre Goldgrube erweisen: Gekauft wegen eines seltenen Teils, macht man bei konsequenter Weiterverwertung oft genug ordentliche Gewinne. Wie gesagt: Die Szene wächst und die Preise für alte Traktoren steigen. Dass es mehr Klassiker als den weltberühmten "Lanz Bulldog" oder die rotnasigen "Porsche Traktoren" gibt, hat sich inzwischen auch herumgesprochen.

Vorbeugen ist besser als Ersetzen!

Alles, was aus Stahl und Eisen gefertigt ist, hat einen gemeinsamen Feind: Rost. Die braune Pest macht auch vor den robustesten Landmaschinen nicht halt. Auch Chrom, Messing und das angeblich nicht rostende Aluminium kommen bei jahrelangem Ausgesetztsein in wechselwarmer Feuchtigkeit an die Grenzen der Haltbarkeit. Gerade Traktoren als besonders beanspruchte Maschinen sind nun einmal häufig feuchter Witterung ausgesetzt und werden nach einem ganzen Tag in Matsch und Regen einfach in der Scheune abgestellt. Das Abspritzen mit einem Hochdruckreiniger oder einfach nur einem Gartenschlauch ist oft das Höchste der Gefühle, die einem Traktor an Pflege zukommt. Was die Feuchtigkeit in Frühling, Sommer und Herbst nicht schaffen, erledigt dann spätestens das Streusalz im Winter. So können sich unter den Kratzern, Matschklumpen und Feuchtstellen allmählich die Rostnester bilden, die schon so manchem Ackerschlepper vorzeitig den Garaus gemacht haben. Hat man eine Roststelle entdeckt, hilft nur noch eine radikale Behandlung: bis aufs blanke Blech abschleifen, mit Rostversiegelung behandeln und großzügig nachlackieren. Aber mit dem Rost ist es mit den Ratten in der alten Bauernweisheit: Hat man eine erwischt, kommen zehn zur Beerdigung. Darum sollte man gründlich nach weiteren Roststellen suchen, wenn man die erste entdeckt und beseitigt hat.

Ornat und Zierde bei Traktoren retten

Gerade ältere Traktoren, welche wieder liebevoll restauriert werden sollen, haben eine echte Achillesferse: Um die vollständige optische Originalität und Ästhetik wieder herzustellen, ist das Vorhandensein aller Embleme, Zierleisten und sonstigem Ornat absolut notwendig. Diese, zumeist aus Messing oder Druckguss-Aluminium hergestellten Embleme fehlen häufig oder sind in einem sehr schlechten Zustand. deshalb erzielen diese kleinen, technisch eigentlich irrelevanten Teile mitunter Rekordpreise. Aus diesem Grund gilt bei jedem alten Traktor: Retten und sammeln, was zu retten ist. Selbst wenn das Emblem nur noch ein Haufen Krümel ist, ein echter Fachmann kann daraus immer wieder das originale Zierteil nachbilden. Gerade Schlachtobjekte, Eigenbautraktoren oder undefinierbare Scheunenfunde sollten im ersten Schritt immer nach diesen begehrten Kleinteilen untersucht werden. Das gilt auch für Hinweisschilder oder Betriebsanweisungen, die einmal fest auf dem Traktor montiert waren. Nur hundertprozentige Originalität erzielt die richtigen Höchstpreise. Darum, auch verbogenes, vergammeltes und vollständig vom Originallack befreites Ornat sollte immer zunächst einem Restaurierungsversuch erhalten, bevor man sich nach einem Ersatzteil umsieht. Man wundert sich oft, wie weit man mit ein wenig Säubern, Bürsten, Polieren und Nachpinseln kommen kann.

Reparieren geht auch

Beim harten Landeinsatz wie beim liebevollen Restaurieren gilt: Reparieren geht vor ersetzen. Mit ein wenig Spachtelmasse, GFK oder Epoxidharz und Zwei-Komponenten-Kleber lässt sich so manche Motorhaube retten. Geeignete Schleifgeräte helfen bei der Lackiervorbereitung, und mit einem Minischleifer kommt man auch in die hinterste Ecke. Da die ganze Traktorentechnik wesentlich grobschlächtiger ist als die von Autos oder Motorrädern, kann man hier auch seine Kompetenzen erweitern. Aber bitte nicht den Atemschutz vergessen!
Mit der richtigen Grundierung und dem geeigneten Füllspachtel wird auch aus dem geschundensten Karosserieteil wieder ein tolles Stück. Das Finish macht der Lack. Den kann man aufwändig mit Kompressor und Lackierpistole auftragen, muss man aber nicht. Gerade bei Traktoren genügen in der Regel Anstriche mit Pinsel und Farbrolle. Es soll schließlich immer noch ein Arbeitsgerät restauriert werden, welches auch eingesetzt werden können soll. Trotzdem sollte man hier nur feine Pinsel und Schaumstoffroller verwenden. Bei faserigen Rollen wird das Ergebnis doch zu rau.

Aber auch den Rostschutz nicht vergessen. So hat man noch länger etwas von seiner treuen Arbeitsmaschine. Man kann es aber auch immer noch ein wenig professioneller machen: Wenn man den Traktor selbst spritzlackieren möchte, kommt man um einen Kompressor nicht herum. Will man dann dauerhaft dem Restaurieren von alten Traktoren als Hobby oder Beruf nachgehen, kann man beispielsweise mit einer Sandstrahlkabine den Entlackungs- und Entrostungsprozess deutlich vereinfachen. Den für dieses Werkzeug notwendigen Kompressor hat man ja schon, mit einer Sandstrahlkabine lastet man diese Investition noch einmal zusätzlich aus. Auch ein Hobby kann man sich so effizient wie möglich gestalten. Aber man sollte es damit nicht immer übertreiben: Bei der Restauration von PKW und LKW hat sich der "Patina"-Trend bereits etabliert. Es ist deshalb zu erwarten, dass man in Zukunft auch optisch in Würde gealterte, technisch aber einwandfreie Traktoren als besonderen Blickfang auf den Treffen bestaunen können wird. Es sind nun einmal Einsatz- und Arbeitsgeräte, die auch durch noch so viel Lack, Chrom und Zierrat nicht zu unantastbaren Skulpturen verkommen sollten.

Wenn nichts mehr hilft: selber machen!

Manchmal muss man eben selber ran: Mit Blech und Blechschere kommt man zumindest schon einmal weiter, wenn man die schlimmsten Löcher schweißen muss. Das Schweißzubehör, vor allem die Schutzkleidung für Schweißer, darf nicht vernachlässigt werden. Schweißen ist allerdings eine Sache für Profis. Man sollte wenigstens sich die theoretischen Fachkenntnisse durch das Lesen der entsprechenden Bücher aneignen und erst einmal lange an Schrotteilen üben, bevor man mit der Elektrode auf seinen heißgeliebten Traktor losgeht. Sonst hat man sehr schnell irreparable Schäden produziert, die zum Abbruch des gesamten Projektes führen können. Will man einen Kotflügel aber nachformen, gehören Abkantbank und Treibhammer mit in die Werkstatt.

Aber Vorsicht: Blech ist nicht gleich Blech. Gerade bei Traktoren wird Material bis zu einer Stärke von 1,5 mm eingesetzt. Will man es also richtig machen, misst man mit einer Schieblehre die genaue Blechdicke nach, bevor man sie selbst bestellt. Bei großen Blechdicken kann man dabei viel Kraft und Mühe sparen, wenn man für die Anfertigung eines Karosserieteils einen Schlosserbetrieb beauftragt. In diesem Fall kann man aber immer noch auch Geld sparen: Mit einer exakten Zeichnung nimmt man der Schlosserei viel Arbeit ab. Es gibt bereits sehr günstige Programme, mit denen sich die exakten Blechteile und Abwicklungen erstellen lassen. So hat man immer eine Beschäftigung, mit denen man auch an den kältesten Wintertagen sinnvoll an seinem Traktor arbeiten kann.

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