Wichtige Tipps für den Kauf des klassischen W123

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Wichtige Tipps für den Kauf des klassischen W123

Daimler Benz brachte mit der Baureihe 123 ein Modell auf den Markt, das ein sehr schweres Erbe antrat. Der Vorgänger war der landläufig als „Strich 8" bezeichnete Mercedes. Der Strich 8 war ein ausgesprochen beliebtes und oft verkauftes Modell. Trotzdem schaffte es der Mercedes W 123 noch öfter vom Band zu laufen als der legendäre Vorgänger. Bis heute zählt er zu den am häufigsten produzierten Fahrzeugen von Mercedes Benz. Der Mercedes W 123 war im Rückblick maßgebend für Fragen der Fahrzeugsicherheit und Basismodell für Kombifahrzeuge und auch für Pkw mit Turbodieselantrieb. Während der gesamten Bauzeit, die von November 1975 bis Januar 1986 andauerte, sind insgesamt knapp 2,7 Mio. Autos hergestellt worden.

Die verfügbaren Modellvarianten des Mercedes W 123 als Limousine, Coupé und Kombi

Mit Start der Baureihe wurde zunächst eine klassische viertürige Limousine angeboten. Tatsächlich machte diese Modellvariante fast 90 Prozent aller jemals hergestellten Exemplare des W 123 aus. Die Limousine war in allen Motorisierungen verfügbar. Die Modelle Mercedes 280 und 280 E hatten als besondere Merkmale einen Stoßfänger aus Chrom und breite Halogenscheinwerfer. Diese auffälligen Details unterscheiden die beiden Modelle von den schlichten Vierzylinder-Modellen. Im Sommer 1977 produzierte Mercedes eine Langversion der Limousine namens V 123. Der Radstand der Langelimousine war breiter und das gesamte Auto wirkte mit seinen drei Türen pro Seite sehr elegant. Die mittlere Tür wurde damals übrigens einfach aus dem Vorderteil der hinteren und dem hinteren Teil der vorderen Tür zusammen geschweißt. Insgesamt konnten sieben Personen auf drei Sitzbänken Platz nehmen. Beliebt waren die Langlimousinen als Hotel- oder Firmenwagen oder als großes Taxi. Auch heute noch können Sie die Fahrzeuge im Nahen Osten auf den Straßen sehen, weil sie nach wie vor für den dortigen Taxibetrieb sehr beliebt sind.

Fast zeitgleich mit der Langlimousine kam der Coupé C 123 auf den Markt. Die Modelle 230 C, 230 CE, 280 C und 280 CE hatten einen deutlich verkürzten Radstand und eine niedrige Dachhöhe. Dazu kamen Front- und Heckscheiben, die eine starke Neigung aufwiesen. Fehlende B-Säulen sorgten für eine sportliche Erscheinung. Mercedes setzte auch beim Coupé auf Sicherheit und lieferte das Auto mit einer versteiften Dachrahmenstruktur, extrem festen Dachpfosten und deutlich verstärkten Türen aus. Dadurch wurde die Sicherheit in der Fahrgastzelle enorm erhöht. Die technische Konzeption des Fahrwerks und der Bremsen war baugleich mit denen der Limousine. Auch die Motoren waren gleich. Allerdings erlaubte sich der Hersteller, seine Coupé-Modelle mit hochwertigen Ausstattungsmerkmalen zu versehen. Dazu gehörten unter anderem Breitband-Halogenscheinwerfer, verchromte Gitter für den Lufteinlass sowie Edelholzausführungen in „Wurzelnuss" und „Zebrano" für die Mittelkonsole und das Armaturenbrett. Das T-Modell, auch S123 genannt, war der erste Mercedes-Kombi, von denen nur 3000 Stück gebaut wurden. Der Kombi wirkte behäbig und hatte viel Platz im Heck, sodass das Auto als Bestatterfahrzeug oder Krankenwagen eingesetzt wurde. Die überwiegende Zahl des S123 wurde jedoch als hochwertige Variante an Privatpersonen und Firmen ausgeliefert. Alle Autos hatten Leichtmetallfelgen nur als Sonderausstattung. Auch bei eBay finden Sie Autos der Baureihe in sämtlichen Karosserievarianten.

Die Zuverlässigkeit von Fahrzeugen der Baureihe 123 ist extrem hoch

Motorisiert waren die Fahrzeuge mit 2,0 bis 2,8-Liter Benzinmotoren mit einer Leistung von 69 bis 136 kW oder als 2,0 bis 3,0-Liter Dieselmotor und einer Leistung von 40 bis 92 kW. Egal, welcher Motor in einem Mercedes dieser Baureihe verwendet wurde, sie alle haben eine sehr lange Lebensdauer. Der ADAC stellte mehrere Jahre lang immer wieder fest, dass der W 123 der beste seiner Klasse war. Und die Autozeitung „Auto Motor und Sport" führte eine Leserumfrage durch, aus der sich ergab, dass ein Mercedes W 123 im Durchschnitt erst nach sagenhaften 852.777 Kilometern Laufleistung eine erste Panne hat. Nicht von ungefähr finden sich auch heute noch überwiegend Fahrzeuge von Mercedes in der Transportbranche wieder, sei es als Taxi, Transporter oder Lkw. Von der Baureihe W 123 sind auch im Jahr 2013 noch rund 200.000 Exemplare verfügbar, von denen einige bei eBay angeboten werden. Die Motoren sind durchweg robust und können auch nach fast einer halben Millionen gefahrenen Kilometern noch zuverlässig weiterlaufen. Der Verbrauch ist akzeptabel, nur bei den Modellen 250, 280 und 280 C liegt der Verbrauch bei mehr als 10 Liter auf 100 km.

Wenn Sie einen Mercedes W 123 erstanden haben, ist es sehr zu empfehlen, dass Sie den Motor regelmäßig mit Öl versorgen. Bei den Modellen 200, 230E und 230CE sollte die Steuerkette gewechselt werden, bevor die magische Grenze von 200.000 km erreicht ist. Auch sollte der Füllstand im Vergaser kontrolliert und bei Bedarf modifiziert werden. Bei den Modellen 280 und 280E haben Sie es mit einem Sechszylinder-Motor zu tun, deren Ventilschaftdichtungen bei 200.000 km gewechselt werden sollte. Wenn der Motor am Nockenwellenkasten Flüssigkeit verliert, können Sie die undichten Stellen ganz einfach mit Silikon abdichten. Ein wichtiger Tipp für die Motorwartung ist, die Ventile in regelmäßigen Abständen von einem Fachmann einstellen zu lassen. Haben Sie ein Modell ab Baujahr 1985 oder jünger, z. B. den 190er-Mercedes, dann weist der Motor einen Hydrostößel auf, was die Ventileinstellung überflüssig macht. Darüber hinaus gibt es einiges zu beachten, wenn Sie eines dieser Fahrzeuge kaufen wollen, denn auch ein Mercedes W 123 hat seine Schwächen.

Was Sie beim Kauf eines Mercedes der Baureihe W 123 beachten sollten

Wenn Sie sich einmal für eine Karosserieform entschieden und ein Auto zur näheren Prüfung ins Auge gefasst haben, sollten Sie grundsätzlich den Motorraum samt Motor, die Karosserie, den Unterboden, Lenkung, Fahrwerk und Antrieb und die Innenraumausstattung ansehen. Beginnen wir zunächst mit dem Motorraum. Der Mercedes W 123 ist noch ein Youngtimer, ein Klassiker unter den Fahrzeugen. Leider war der verwendete Stahl für die Karosserie damals nicht von bester Qualität, deshalb können Sie heute kaum ein Auto finden, das nicht von Rost befallen ist. Besonders anfällig für Rost sind die Kotflügel vorne, die Fugen unter den Stoßstangen, die Verschraubungen der A-Säulen im unteren Bereich und auch die oberen Verschraubungen im Motorraum. Erst bei Fahrzeugen, die ab 1982 gefertigt wurden, brachte Mercedes einen Kunststoffschutz an, der die Kotflügel von innen vor Wasser schützte und so weitgehend Rostbefall an diesen Stellen eindämmte. Empfehlenswert ist es, im Motorraum die Stehbleche zu begutachten, auf denen die Batterie befestigt ist. Auch sind die Mulden unter den Scheinwerfern ideale Wasserfangstellen, die leicht und schnell von Rost befallen werden. Ganz besonders gefährdet sind die Haubenschaniertaschen, also der Bereich, wo die Motorhaube über einen Hebelmechanismus in die Karosserie greift. Die Taschen haben nur einen kleinen Abfluss, der zudem oft verstopft ist und das Wasser nicht ablaufen lässt. Wenn es hier zu Rost kommt, reißen die Schaniertaschen aus. Eine Reparatur ist sehr teuer und schwierig. Deshalb sollten Sie möglichst ein Fahrzeug wählen, das so wenig Rost, wie möglich aufweist, insbesondere an den genannten sensiblen Stellen im Motorraum.

Auf Ihrem Weg der Rostprüfung vom Motorraum zum Heck sollten Sie die Türböden genau untersuchen. Wenn Die Türfangbänder angegriffen sind, hakt schon bald die Autotür oder blockiert komplett. Dieses Problem lässt sich nicht so leicht beheben. Auch die hinteren Radläufe sind kritisch zu prüfen. Wenn diese wegrosten, dringt Wasser in den Innenraum und der Verfall durch Korrosion ist quasi nicht mehr aufzuhalten. Ein weiteres massives Problem stellt es dar, wenn die Scheibenrahmen angegriffen sind. Auch dann wird Wasser in den Innenraum dringen und das Auto binnen kurzer Zeit so stark beschädigen, dass sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr retten können. Als Faustregel könnten Sie sich merken: Je besser die Karosserie und je weniger Rost, desto besser ist das Auto.

Unterboden, Lenkung, Fahrwerk und Antrieb eines Mercedes können Probleme offenbaren

Erst dann, wenn das Auto auf der Hebebühne ist, können Sie ihn auch ausführlich von unten begutachten – oder von einem Fachmann begutachten lassen. Wichtig wäre, dass die Schwellerspitzen, Längsträger und der Stutzen für den Wagenheber frei von Rost sind. Ebenso wichtig sind die Schräglenker der Hinterachse sowie das dort befindliche Querblech nebst Heckschürze. Von essentieller Bedeutung ist der Zustand der Auspuffanlage, der Brems- sowie Spritleitungen. Diese sollten in einwandfreiem Zustand und regelmäßig, spätestens nach jeweils zwei Jahren, ausgetauscht werden.

Hinsichtlich der Sicherheit sollten auch die Teile überprüft werden, die für die Lenkung und den Antrieb zuständig sind. Anfällig für Defekte sind Kugelgelenkköpfe, Querlenker oben und Spurstangen. Da Sie die Teile für die Achsen im Ersatzteilhandel auch bei eBay bekommen können, ist eine Reparatur der genannten Mängel allerdings weniger problematisch. Doch wenn die Servolenkung angegriffen sein sollte, ist es ratsam, sich nach einem anderen Fahrzeug des Modells W 123 umzusehen, denn diese Reparatur kann teuer werden. Hat der gebrauchte Mercedes bereits mehr als 150.000 Kilometer hinter sich gebracht, dann könnten das Differenzial, die Achsfedern und auch die Antriebswelle deutliche Verschleißerscheinungen aufweisen. Grundsätzlich gilt: Ein Fünfganggetriebe ist weniger anfällig, als ein Vierganggetriebe. Doch bei allen Problemen, die hier genannt wurden vergessen Sie bitte nicht, dass es sich lediglich um mögliche Schwachstellen handelt, die vorkommen können – aber nicht müssen. Ein Mercedes W 123 ist grundsätzlich ein sehr zuverlässiges Auto, das hohe Laufleistungen schafft und bei guter Wartung und Pflege extrem langlebig ist.

Der Innenraum sollte auf optische Mängel und auch auf Wasser untersucht werden

Leider ist das Thema Wasser für den Mercedes W 123 ein Thema. Wenn durch ein defektes Schiebedach, eine undichte Tür, angegriffene Fensterrahmen oder durchgerostete Stellen im Unterboden einmal Wasser in den Innenraum eindringt, ist das ein großes Manko. Denn dann würden Sie ein Problem einkaufen, das entweder nur sehr kosten- und zeitintensiv gelöst werden kann, oder sogar dazu führt, dass der Mercedes keine TÜV-Plakette mehr erhält. Deshalb belassen Sie es bei der Inspektion des Innenraumes nicht alleine bei der oberflächlichen optischen Prüfung, sondern schauen Sie ganz genau hin. Wenn Sie diese Tipps beherzigen, sollte es Ihnen gelingen, ein Fahrzeug bei eBay zu finden, das Ihren Anforderungen entspricht und mit dem Sie noch viele Kilometer zurücklegen können.

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