Westerwälder Steinzeug Historismus/Barock: Fälschungen

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Liebe Sammler,

leider stammt ein großer Teil der angeblichen historistischen Steinzeugkrüge usw. nicht aus dem 19. Jahrhundert, sondern in Wirklichkeit z.B. aus den 70er oder 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Wie der Blick in die Verkaufskataloge der großen Hersteller zeigt wurden die gleichen Modelle  oft über 100 Jahre lang hergestellt. Allerdings unterscheiden sich frühe und späte Ausführungen ganz erheblich hinsichtlich ihrer Qualität und Details. Selbstverständlich gibt es auch einen Unterschied beim Preis, neuere Ausführungen sind in der Regel überhaupt nichts wert, da nicht sammelwürdig, wobei man natürlich eigentlich alles sammel kann. Aber man sollte immer bedenken, daß  diese späten Nachschöpfungen  immer mehr Porto kosten, als  der Wert eines solchen Stückes realistisch angesetzt werden kann.

Woran erkennt man nun, ob ein Krug aus dem 19. oder dem 20. Jahrhundert stammt?

Am einfachsten an einer Manufakturmarke, die oft nur in einem spezifischen Zeitraum verwendet wurde. So hat z.B. die Firma Marzi & Remi überhaupt erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Marke eingeführt. Daher kann ein Krug mit dieser Marke (stilisierte Töpferscheibe) immer nur nach 1925 entstanden sein.

Leider ist es hier nicht möglich, die Marken der verschiedenen Manufakturen in ihrer zeitlichen Abfolge, darzustellen. Einfach mal nachfragen! Oder auf entsprechenden Internetseiten nachschauen ( z.B. SCI homepage; mysteincollection, dort weitere Hinweise auf nützliche Seiten im Netz)

Es gibt weitere Merkmale, wie Glasurdetails. Grundsätzlich muß man feststellen, daß die Verarbeitungsqualität der Glasur eher abnimmt. Die Motive sind bei späteren Ausführungen oft nicht scharf vom Untergrund getrennt oder verlaufen sogar.

Auf elfenbeinfarbigem Steinzeug findet man häufig perlmutartige Dekorstreifen auf historistischen Krügen. Sie wurden speziell für den amerikanischen Markt, nach Ende des 2. Weltkrieges, entwickelt. Die Fachliteratur gibt zahlreiche weitere Hinweise.

Und man kann allgemein den Tip geben, mal andere Sammler fragen.

Leider werden auch zahlreiche  Fälschungenversuche angeboten, insbesondere bei Stücken aus der Barockzeit. Hier nimmt man z.B. Reproduktionen, die z.B. die Firma Gerz hergestelt hat und die sehr oft angeboten werden und schleift den Boden mit der Marke ab, dann kommen noch ein paar Macken rein und ein bißchen Schmutz, schon hat man einen sehr "alten Krug".

Im späten 19. Jahrhundet und frühen 20. Jahrhundert war Steinzeug sehr beliebt, aus dieser Zeit gibt es zahlreiche Nachahmungen bzw. Fälchungen von barocken Krügen, die sind wirklich schwer zu erkennen und es geht gar nicht auf Grund von Fotos (wichtig hier Strucktur des Scherbens, Brennspuren), also besser Hände weg von angeblichen Krügen aus der Barockzeit. Das gleiche gilt für Birnkannen aus dem 18./19. Jahrhundert, die stammen sehr oft aus dem 20. Jahrhundert, wo sie mit identischen Mustern hergestellt wurden. "Barockes" Westerwälder Steinzeug wird heute noch im Elsaß gefälscht und ist von echen Stücken fast nicht zu unterscheiden. Bitte auch nicht von alten Zinndeckeln täuschen lassen, die lassen sich leicht austauchen und stammen oft von Krügen, die lange weniger gechätzt wurden.

Schlagwörter:

Steinzeug

Westerwald

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