Wenn der Führerschein in Gefahr ist ( Fahrverbote...)

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Die Ampel war schon lange rot, die Kreuzung frei. Zum Glück nichts passiert. Aber es hat geblitzt. Nach ein paar Wochen kommt der Bußgeldbescheid. Die 125 Euro Geldstrafe schmerzen, und die vier Punkte in Flensburg sind ärgerlich, aber zunächst folgenlos - es sind die ersten. So richtig weh tut der dritte Teil der Strafe: ein Monat Fahrverbot. Fast eine halbe Million Mal pro Jahr werden in Deutschland Autofahrer so für ein, zwei oder drei Monate zu Fußgängern. Bei schlimmeren Verkehrsverstößen oder mehr als 17 Punkten im Flensburger Zentralregister ist der Führerschein sogar für mindestens sechs Monate weg. Das passiert jedes Jahr mehr als 130 000 Autofahrern.

Ein Fahrverbot sieht der Bußgeldkatalog bei "groben" oder "beharrlichen" Verkehrsverstößen vor. Das kann ein gefährliches Überholmanöver sein, zu dichtes Auffahren, zu schnelles Fahren (ab 31km/h innerorts) oder das Ignorieren einer Ampel, die mehr als eine Sekunde rot ist. Bei solchen Ordnungswidrigkeiten gibt es neben Geldbußen und Punkten ein Regelfahrverbot zwischen einem und drei Monaten. Wer in den zwei Jahren zuvor kein Fahrverbot hatte, kann den Zeitpunkt seiner Zwangspause selbst bestimmen: innerhalb einer Frist von vier Monaten. Die Frist beginnt, wenn der Bußgeldbescheid rechtskräftig ist. Und das dauert oft länger als ein halbes Jahr. Der Führerschein muss bei der Bußgeldstelle abgegeben werden. Nach Ablauf des Fahrverbots gibt es ihn dann dort ohne Antrag zurück. Solange das Fahrverbot gilt, sind Kraftfahrzeuge aller Art tabu, auch Mofas. Auf Antrag können Ausnahmen gemacht werden. Zum Beispiel für Landwirte, die unbedingt ihren Traktor fahren müssen.

Nur in Ausnahmefällen erlassen Gerichte Verkehrssündern ein Fahrverbot. Auf Gnade hoffen können der Temposünder, der sein krankes Kind in die Klinik gebracht hat, und der Geschäftsmann, dessen Existenz ohne Auto gefährdet ist. Oder der noch nie auffällig gewordene Fahrer, der wegen einer kurzen Unkonzentriertheit ein Tempolimit übersieht. Augenblicksversagen nennen das Juristen.

Beim Entzug der Fahrerlaubnis gibt es solche Ausnahmen nicht. Geahndet werden Straftaten wie Nötigung im Straßenverkehr, Drogen oder Alkohol über 1,1 Promille am Steuer sowie Unfallflucht nach Personen- oder hohem Sachschaden. Der Führerschein wird direkt eingezogen und später vernichtet. Erst nach einer Sperrfrist von mindestens sechs Monaten - die Dauer legt ein Gericht fest - kann ein neuer Führerschein beantragt werden. Bis dahin sind alle Fahrzeuge verboten, für die ein Führerschein erforderlich ist. Mofafahren ist ohne möglich und daher erlaubt. Nach dem 1. April 1965 Geborene brauchen allerdings eine Prüfbescheinigung. Wer eine neue Fahrerlaubnis ohne Verzögerungen haben möchte, sollte sie zwei Monate vor Ablauf der Sperrfrist beantragen. Bei Zweifeln an der Eignung des Antragstellers kann die Führerscheinstelle ihn zu einem Arzt oder zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) schicken. Um bis zu drei Monate verkürzen läßt sich die Sperrfrist durch den Besuch spezieller Kurse.

Auch viele kleine Verstöße können zum Entzug der Fahrerlaubnis führen. Bei 18 Punkten in Flensburg ist der Führerschein weg. Wer es so weit nicht kommen lassen will, sollte frühzeitig durch eine verkehrspsychologische Beratung oder ein Aufbauseminar in einer Fahrschule Punkte abbauen. Das geht nicht mehr, wenn der Betroffene einen neuen Verkehrsverstoß begangen hat, der zum Erreichen der Punktegrenze führen würde. Denn ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29.09.08 stellt klar, dass für den Punkteabbau das Tattagsprinzip gilt: Entscheidend ist, wann ein Verstoß begangen wurde und nicht, wann die Punkte rechtskräftig werden.

Noch ganz wichtig: Punkte in Flensburg gibt es auch für Verstöße beim Radeln. Und wer betrunken Rad fährt, muß ab 1,6 Promille zur MPU. Schafft er die nicht, ist er den Führerschein los . und darf nur noch Rad fahren.

Fazit: Wenn der Führerschein weg ist, muss das Auto stehen bleiben.

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