Wenn Bibliotheken historische Bücher vermissen...

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Mehrfach ist es in letzter Zeit vorgekommen, dass Bücher hier angeboten wurden, die bei Universitäts-, Landes-, Schloß- oder Klosterbibliotheken als "vermisst" galten. Obwohl diese alten Bücher einen erkennbaren Bibliotheksstempel besaßen und nicht von den Bibliotheken als "ausgesondert" kenntlich gemacht wurden, sind diese in den Handel gelangt.
Der Käufer eines solchen Buches muss sich darüber im Klaren sein, dass er zu keinem Zeitpunkt ein Eigentum an diesem Buch erwirbt, auch wenn er es faktisch besitzt. Der Verkäufer, gleich ob Privat, Handel oder Antiquar, muß sich darübr im Klaren sein, dass er im Zweifelsfall die Herkunft des Buches (siehe auch unter Wikipedia "Provenienz") "eindeutig" und "unzweifelhaft" nachweisen muß. Auch hier ist ein "gutgläubiger Erwerb" nicht möglich.
Bibliotheken reagieren sehr empfindlich auf diese rechtswidrigen und damit illegalen Geschäfte: Sind Käufer oder Verkäufer uneinsichtig und geben das Buch nicht freiwillig ohne irgend einen Anspruch auf Kosten- oder Kaufpreiserstattung der Eigentümerin (hier die Bibliothek) heraus, ist eine juristische Auseinandersetzung bis hin zur Strafanzeige wegen Diebstahls oder Hehlerei möglich. Sei es, dass das Buch tatsächlich gestohlen wurde, oder als Teil eines Nachlasses nur "nicht wieder nachlässig in die Ausleihe zurückgegeben wurde", den eigentlichen Eigentümer interessiert das wenig, die Staatanwaltschaft schon: Sie handelt dann im "öffentlichen Interesse". Weil sich diese Fälle häufen, gehen immer mehr große Bibliotheken auch aus diesem Grunde dazu über, ihre Bestände nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein solches Buch mag zwar in einer privaten Sammlung "verschwinden", wird es jedoch zu irgendeinem Zeitpunkt wieder beispielsweise im Rahmen eines Nachlasses, einer Haushaltsauflösung o.ä. wieder weiterverkauft, kann auch zukünftig der eigentliche Eigentümer seine Rechte geltend machen.
Der Käufer sollte sich vor einem Kauf vom Verkäufer bestätigen lassen, dass das angebotene Buch "keinen" gültigen Bibliotheksstempel besitzt (andere handschriftliche Eigentumsvermerke oder private "ExLibris" sind damit nicht gemeint), der Verkäufer tut gut daran, vor einem "In-den-Verkehr-Bringen" die jeweilige Bibliothek zu fragen, ob das Buch dort vermisst wird. Zum Verständnis: Für seriöse Antiquariate ist dieses Vorgehen selbstverständlich und bedarf keines besonderen Hinweises.

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