Weltmusik für Ihre Plattensammlung – welche Highlights nicht fehlen sollten

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Weltmusik für Ihre Plattensammlung – welche Highlights nicht fehlen sollten

Die Bezeichnung Weltmusik beinhaltet ein großes Versprechen: Die Musik der ganzen Welt. Gemeint ist damit aber einerseits weniger und andererseits noch mehr. Verschiedene Definitionen verstehen unter Weltmusik entweder die Aneignung außereuropäischer Musiktraditionen durch westliche Musiker oder aber "lokale Musik von anderswo". Im Zeitalter der Globalisierung hat sich das Genre darüber hinaus weiterentwickelt, sodass nicht mehr nur westliche und orientalische Musiktraditionen zu Crossovers verschmelzen, sondern verschiedene Stilrichtungen der ganzen Welt miteinander fusionieren.

Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen knappen Überblick über die verschiedenen Musikkulturen der Erde. Zusätzlich will er Ihnen Weltmusik-LPs von den ersten Annäherungen westlicher Interpreten an außereuropäische Musiktraditionen bis zu interessanten Neuerscheinungen auf Vinyl vorstellen.

African Roots: die traditionelle afrikanische und arabische Musik

Sogenannte traditionelle Musik Afrikas ist im Kongo der Rumba, der von der Sängerin Tshala Mwana vertreten wird. In Simbabwe entwickelte sich die Shona-Musik, die von den aktuellen Künstlern Monoswezi auf ihrem gleichnamigen Album weiterentwickelt wird. Eine bedeutende afrikanische Musikerin ist auch die Sängerin Miriam Makeba aus Südafrika. An ihr orientiert sich die aktuelle Künstlerin Angelique Kidyo aus Benin auf ihrem Album "Djin Djin".

Durch räumliche Überschneidungen eng mit der afrikanischen Musiktradition verbunden ist die arabische Musik. Deren Zentrum war zunächst Ägypten, wo sich mit Bauchtanz und Al-Jil wichtige Strömungen herausbildeten, die von Künstlern wie Umm Kulthum und Abdel Halim Hafez vertreten wurden, während in Syrien Asmahan mit ihrer Stimme Umm Kulthum Konkurrenz machte. Auch die Strömungen Rai aus Algerien und der marokkanische Gnawa prägen die arabische Musik.

Hindustan, Gagaku, Gamelan und Gumleaf: die Musik Indiens, Ostasiens und Australiens

Das Prinzip, auf dem klassische indische Musik aufgebaut ist, heißt Raga. Während die besser bekannte nordindische Musik Einflüsse aus umliegenden Ländern versammelt, repräsentiert die ältere Musik des Südens von Indien die Hindu-Traditionen. Aus China sind am besten die "On ikki Muqam" bekannt, Suiten, die Gesang und Tanz beinhalten. Davon beeinflusst ist die japanische Gagaku-Musik. Besonderes Interesse bei westlichen Komponisten weckte die Gamelan-Musik Indonesiens. Auch die Gumleaf-Musik der Aborigines hat westliche Musiker fasziniert.

The Sound of America: von Kanada bis Argentinien spielt die Musik

Die Musik der Native Americans wurde vielfach romantisierend von der New-Age-Musik aufgegriffen. Ursprünglich wird sie auf Powwows zelebriert, Zusammenkünfte, bei denen gemeinsam musiziert wird. Neben Blues und Jazz ist auch Gospel eine in den USA entstandene Tradition. Die israelische Klezmer-Musik mit Ursprung in Bessarabien entwickelte sich in den USA zu dem, was sie heute ist. Die Ikone Giora Feidmann machte die traurig-fröhliche Musik beliebt. In Louisiana entwickelten die eingewanderten Franzosen, die Cajun, nicht nur eine gute Küche, sondern auch ihre eigene Musik, den Gumbo.

Auf Kuba entstand aus dem afrikanischen Rumba die wohl einflussreichste Musik Mittelamerikas, die sich in den 1960er-Jahren auf Jamaika zu Reggae weiterentwickelte. Eine andere große karibische Musiktradition ist der Salsa. In Belize entstand die "Drum'n'Flute"-Musik; Argentinien ist für den Tango bekannt.

Europa: vielfältige Traditionen von Neuer Volksmusik bis Chanson

Auch die europäische Musik hat etwa mit dem französischen Chanson oder dem schweizerischen Jodeln sehr eigenständige Formate vorzuweisen. In der Neuen Volksmusik besinnen sich vor allem österreichische Musiker wie Attwenger auf volksmusikalische Wurzeln.

Weltmusik 1.0: Die US-amerikanische und europäische Avantgarde blickt in die Welt hinaus

Einmal abgesehen davon, dass ein Großteil der westlichen Musik wie Jazz und Rock indirekt afrikanisch geprägt ist, ganz zu schweigen von Raggae oder den ursprünglichen Formen Blues und Ragtime, begannen darüber hinaus US-amerikanische und europäische Musiker ab den 1950er-Jahren, Einflüsse aus verschiedenen, vor allem östlichen, Musikrichtungen zu sammeln.

John Cage übersetzt buddhistische Ideen in Musik

Einer der ersten war der amerikanische Künstler John Cage, der durch seine bahnbrechenden Kompositionen der Neuen Musik bekannt ist. Er orientierte sich zwar nicht direkt an fernöstlicher Musik, sondern übersetzte die Erkenntnisse seiner Lektüren der indischen Philosophie und des Zen Buddhismus in musikalische Kompositionen. Dazu zählen die "Sonaten und Präludien für Präpariertes Klavier" von 1948, das "Streichquartett in vier Teilen" von 1950 und das berühmte "4'33''" von 1952, dessen Töne Cage nach den Regeln des chinesischen I Ging ermittelte.

Von Cage lernte auch der amerikanische Minimal-Music-Komponist La Monte Young, vor allem aber bezog er seine Einflüsse sowohl aus dem Jazz, der Zwölftonmusik Schönbergs und der elektronischen Musik des deutschen Komponisten Karlheinz Stockhausen, als auch aus der klassischen indischen Musik, dem gregorianischen Gesang, der japanischen Gagaku-Musik und der indonesischen Gamelan-Musik. An der University of California, Los Angeles, lernte er die fremden Musiktraditionen kennen und verarbeitete sie in einem umfangreichen Werk. Etwa in der Komposition "The Four Dreams of China" sind die asiatischen Einflüsse hörbar.

Moondog orientiert sich an Indian Beats der Native Americans

Von den 1950er-Jahren bis 2007 reicht die Schaffensphase des bemerkenswerten amerikanischen Musikers Moondog, der sich in seinen klassischen, doch verblüffenden Kompositionen an traditionellen Indian Beats der Native Americans orientierte. Sein Stück "Bird's Lament" erlangte als Titelsong der ORF-Sendung "Trailer" und in Folge auch als Clubremix große Bekanntheit. 2007 erschien sein letztes Album "Sax Pax for a Sax", auch "Viking on Sixth Avenue" von 2005 ist sehr zu empfehlen.

John Coltrane, Stockhausen und die Beatles

Orientalischen und afrikanischen Rhythmen wandte sich der amerikanische Jazz-Musiker John Coltrane zu. Sein Meisterwerk "A Love Supreme" von 1965 finden Sie auch heute noch als LP. Im selben Jahr veröffentlichte Stockhausen die Komposition "Telemusik", die Musik verschiedener Länder versammelt. Drei Jahre später machte sich ein Zug europäischer und amerikanischer Popmusiker auf nach Indien, um Maharishi zu besuchen. Besonders bekannt ist der Aufenthalt der Beatles bei dem indischen Guru, den sie musikalisch auf "The Beatles" verwerteten. So zählt auch das in jede Pop-Plattensammlung gehörende große "Weiße Album" zu den ersten europäischen Alben mit indischen Einflüssen.

New Age: Die Hippies entdecken die östlichen Klänge als neuen Lebensweg

Die Entdeckungen der Avantgarde-Komponisten Young und Cage wurden auch von der New-Age-Musik der späten 1960er aufgenommen und weiterentwickelt. Ein Pionier war der amerikanische Jazz-Flötist Paul Horn, der 1969 mit "Inside the Taj Mahal" eine sehr geschätzte Platte herausbrachte. Er war gemeinsam mit den Beatles in Indien gewesen und hatte dort in dem berühmten Palast die Aufnahmen gemacht.

Peter Gabriel ruft WOMAD ins Leben

1967 veröffentlichte der Yes-Keyboarder Patrick Moraz sein Soloalbum, das unter dem Namen "The Story of I" bekannt ist. Auf der Platte kommen deutlich Brasilianische Musikeinflüsse zur Geltung und machen das gelungene Album auch zu einem Klassiker der Weltmusik. Auf den Künstler und Genesis-Sänger Peter Gabriel hatte es eine derartige Wirkung, dass er die Festivalreihe unter dem Motto "World of Music, Arts and Dance", kurz WOMAD, mit ins Leben rief. Diese wiederum brachte Gabriel darauf, sein Label Real World zu gründen, das Musiker rund um den Erdball versammelt. Damit war das Genre World Music geboren. Die exotisierende Weise, in der die außereuropäischen Künstler dem westlichen Publikum vorgestellt wurden, ist allerdings kritisch zu betrachten. Zum Beispiel wurden der pakistanische Musiker Nusrat Fateh Ali Khan, auch "Pakistans Pavarotti" genannt und Youssou N'Dour der Sänger aus dem Senegal, auf diese Art vermarktet. Weltmusik war mittlerweile en vogue. Auch dem von Mbaqanga angetanen Paul Simon half sie durch eine schwierige Zeit, die er mit dem bekannten in Südafrika aufgenommenen Album Graceland 1986 beenden konnte. Simon präsentiert darauf viele südafrikanische Bands. 

"One world, one voice"

1990 luden Kevin Godley und Rupert Hine unter dem Slogan "One World, One Voice" Musiker des ganzen Globus zur Zusammenarbeit an einem einzigen Musikstück ein. Das 50-minütige Album „One World, One Voice" auf dem Größen wie Afrika Bambaataa, Bob Geldof und Lou Reed mitwirkten, bildet ein Herzstück des Genres. 

Weltmusik 2.0: Im WorldWideWeb vernetzt sich auch die Musik zu einer "World Fusion"

Knapp nach der Jahrtausendwende eroberte die kolumbianische Pop-Sängerin und Songwriterin Shakira mit den englischen Übersetzungen ihrer spanischen Songs auf "Laundry Service" die westliche Pop-Welt im Sturm. Die lateinamerikanischen Rhythmen gefielen und öffneten den Pop für den Sound der Welt. Schon ein Jahr später landete der indischstämmige Musiker Panjabi MC mit dem Album "Mundian to bach ke", auf dem er traditionelle Bhangra-Melodien mit Hip-Hop zu einem eigenen Stil mixte, große Erfolge. Auch 2003 war noch in jedem Radio sein einprägsames Ofra-Haza-Sample "Jogi" zu hören. Den World Music Award der BBC holte sich in diesem Jahr die portugiesische Formation Gotan Project, die mit ihrer Musik den Tango nach Europa holte. Die englische Sängerin M.I.A., mit Wurzeln in Sri Lanka, nahm 2004 mit dem amerikanischen DJ Diplo das Mixtape "Piracy Funds Terrorism" auf, das mit einem aufregenden Mix von Raggaeton bis Brazilian Funk zu einem der besten Alben von 2004 gewählt wurde, obwohl es nicht einmal offiziell veröffentlicht worden war.

Die Independent-Szene erobert die Weltmusik – oder andersherum

Auch Independent-Musiker wie der hawaiianische Sänger und Songwriter Troy von Balthazar stechen durch ihre gelungene und innovative Musik hervor. Auf seiner gleichnamigen bei Sinnbus veröffentlichten Debüt-Platte setzt er mit der Loop-Machine Gesang und Gitarren in nie gehörte Konstellationen. Die ozeanische Formation Fat Freddy's Drop rüttelte mit ihrer 2005 erschienenen Platte "Based on a True Story" die Soul- und Funk-Szene auf, ihre dunklen, jazzigen Grooves sind auch auf "Blackbird" unvergleichlich. Als eigenwilliges Trio aus Brooklyn begann die mittlerweile in Hipster-Kreisen verehrte Band Yeasayer 2006 Karriere. Auf ihrem Debut "All Hour Cymbals" toben sich Chris Keating, Ira Wolf und Anand Wilder zwischen so verschiedenen Einflüssen wie 70s-Bollywood-Musik, Thomas Mapfumo aus Simbabwe und keltischer Musik aus. 2008 brachte die Britpop-Legende Damon Albarn mit Amadou & Mariam aus Mali das Album "Welcome to Mali" heraus, das als bestes zeitgenössisches World-Music-Album nominiert war. Auf "New Amerykah Part One" schlägt die amerikanische Soul-Koryphäe Erykah Badu afrikanisch-orientalische Klänge an. Ein letzter Tipp ist die im selben Jahr veröffentlichte Platte "A Sufi and a Killer" des Musikers Gonjasufi mit mexikanischen und äthiopischen Wurzeln.

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