Welches Schloss für welches Motorrad?

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Welches Schloss für welches Motorrad?

Ein gutes Schloss gehört bei jedem Motorrad zur Grundausstattung. Es schützt das Zweirad vor Diebstahl und dem unbefugten Benutzen durch Dritte. Vor dem Kauf stellt sich die Frage, welches Schloss das richtige ist. Es handelt sich um ein sehr komplexes Thema mit vielen Variationen und Modellen. Bunte Bremsscheibenschlösser, schwere Ketten oder dicke Panzerkabel – der Markt an Motorradschlössern zeigt sich sehr vielseitig und bietet eine große Auswahl. Die Modelle reichen von einfachen Wegfahrsperren bis hin zu qualitativ hochwertigen Alarmanlagen, die das Motorrad per GPS schnell auffindbar machen. Grundsätzlich gilt: Selbst die einfachsten Schlösser besitzen Dieben gegenüber Abschreckungspotenzial und vertreiben sie vermutlich. Hochwertige Varianten schützen das Motorrad im Ernstfall und ermöglichen Ihnen sogar das einfache Wiederfinden der Maschine. Einen 100-prozentigen Schutz gegen Diebstahl kann Ihnen kein Schloss bieten. Hier kommt es auf die Professionalität und die verfügbaren Werkzeuge der Diebe an. Entscheidend ist allerdings, wie viel Aufmerksamkeit der Dieb beim Knacken des Schlosses auf sich zieht. Ein einfacher Alarm reicht manchmal, um ihn in die Flucht zu schlagen. Der folgende Ratgeber stellt Ihnen die verschiedenen Motorradschlösser genau vor und zeigt Ihnen die jeweiligen Einsatzbereiche.

Serienmäßig integriert: Wegfahrsperre und Lenkerschloss am Motorrad

Fast alle Motorräder sind serienmäßig mit einem Lenkerschloss als Mindestsicherung ausgestattet. Geübte Diebe benötigen nur wenige Minuten, um es zu knacken. Empfehlenswert sind deshalb verschiedene Sicherungssysteme, die zusätzlich zum Lenkerschloss zum Einsatz kommen. Neue Zweiräder sind serienmäßig mit einer Wegfahrsperre ausgestattet. Viele Hersteller bieten diese jedoch nur gegen einen Aufpreis an. Die Sperre lässt sich nur mir dem Zündschlüssel entriegeln. Hierfür ist in jedem Schlüssel des Motorrads ein Chip eingelassen. Über eine integrierte Antennenspule leitet der Schlüssel den Code an die Steuereinheit des Motorrads weiter. Sie befindet sich in Verbindung mit der Zündanlage und entscheidet, ob sich das Motorrad normal starten lässt. Wird kein Code vor dem Start an die elektronische Einheit geschickt, ist der Start nicht möglich. Selbst bei einem nachgemachten Originalschlüssel würde der Motor nicht starten. Er ist über die Elektronik der Zündanlage gesperrt. Selbst beim Kurzschluss der Maschine funktioniert der Start des Motors nicht. Bei Honda erkennen Sie die entriegelte Wegfahrsperre an einer kleinen LED, die im unteren Bereich des Drehzahlmessers aufleuchtet. Doch Vorsicht: Die Wegfahrsperre blockiert nicht die Reifen. Die Maschine kann von den Dieben problemlos weggerollt und aufgeladen werden. Für diesen Fall sind zusätzliche Motorradschlösser gefragt.

Diese Motorradschlösser gibt es – Unterschiede in Qualität und Funktion

Wählen Sie ihr neues Motorradschloss nach der Qualität und nicht nach dem Preis. Bei den einzelnen Modellen gibt es große Unterschiede und nicht alle Schlösser sind zertifiziert. Professionellen Diebstahlschutz erhalten Sie beispielsweise bei diesen Varianten:

Kettenschloss:

Kettenschlösser gibt es in verschiedenen Formen und Varianten. Von hochwertiger Qualität zeugen sechskantige Kettenglieder und eine robuste Verarbeitung. Mit dem Schloss befestigen Sie ihr Motorrad an einem unbeweglichen Gegenstand, ähnlich einem Fahrradschloss. Schwachstellen besitzen die Schlösser vor allem am Schließzylinder. Er lässt sich von professionellen Dieben leicht aufbohren. Sind Kettenmaterial oder Schließriegel von minderer Qualität, gibt das Schloss viel zu leicht nach. Achten Sie auf einen leichten Transport der Kette und auf eine angemessene Länge. Kürzer als ein Meter darf das Kettenschloss nicht ausfallen, da es sonst weniger flexibel ist. Wichtig: Das Anketten von Motorrädern an Verkehrsschilder ist verboten und wir bestraft. Als deutlich besser erweisen sich spezielle Parkvorrichtungen im öffentlichen Bereich oder Laternenmasten.

Kabel- und Seilschlösser:

Ein Seil- oder Kabelschloss gehört zu den günstigsten Varianten zur Diebstahlsicherung. Es bietet längst nicht mehr den nötigen Schutz für das Motorrad. Ein Bolzenschneider genügt und der Dieb durchtrennt die Schlösser problemlos. Moderne Modelle sind mit Kunststoff oder anderen festen Materialien ummantelt. Auch hier wird für das Knacken des Schlosses nicht viel Erfahrung, sondern nur das passende Werkzeug benötigt.

Bügelschloss:

Von den bisher genannten Schlössern bietet das Bügelschloss den besten Schutz. Es lässt sich nur sehr schwer zerstören und kann auch mit professionellem Werkzeug kaum geknackt werden. Die Sicherheit hängt bei diesem Modell stark von Preis und Qualität ab. Während einfache Bügelschlösser aus sehr dünnen Materialien bestehen, bieten stärkere Bügel den besseren Schutz. Die Schlösser kosten etwa 100 Euro. Achten Sie beim Kauf auf einen mindestens 16 bis 19 mm starken Bügel. Das gehärtete Material ist auch gegen einen Bolzenschneider gerüstet.

Bremsscheibenschloss:

In nahezu allen erdenklichen Farben und Größen sind Bremsscheibenschlösser erhältlich. Sie bieten noch mehr Sicherheit und lassen sich nur schwer knacken. Doch vor einem Anheben des Motorrads wahrt auch diese Sicherung nicht. Beachten Sie beim Kauf, dass die Schlösser nicht mit allen Bremsscheiben verwendet werden können. Beim Diebstahl kommt es hier nicht auf das nötige Werkzeug, sondern die verfügbare Zeit an. Die Schlösser sind offensichtlich am Rad montiert und können eine abschreckende Wirkung erzielen. Besitzt der Dieb genügend Zeit zum Lösen der Bremsscheibe, macht er auch dieses Schloss unwirksam.

Kauftipp: Nur zertifizierte Motorradschlösser an der eigenen Maschine verwenden

Jeder Hersteller kann seine Schlösser einem genauen Test unterziehen. Die VdS Schadenverhütung GmbH in Köln vergibt Zertifikate für alle Fahrrad-, Kraftrad- und Motorradschlösser und testet sie hinsichtlich ihrer Sicherheit. Sie gilt als Tochterunternehmen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Neben dem Schließmechanismus wird der Schlosskörper genau untersucht und ausprobiert. Unterschieden wird nach einer intelligenten und einer brutalen Knackmethode. Um intelligenten und professionellen Dieben vorzubeugen, muss der Schließzylinder gegen den Einsatz von Spezialwerkzeug gesichert sein. Die brutalen Knackmethoden gehen mit einer Brechstange oder einem Bolzenschneider einher. Doch nicht nur der Diebstahlschutz spielt bei diesem Zertifikat eine wichtige Rolle. Korrosionsprüfungen geben Hinweise auf die Alltagstauglichkeit der Schlösser. Es werden dabei verschiedene Witterungsverhältnisse simuliert. Außerdem müssen Sie schweren Maschinenprüfungen standhalten. Anschließend unterteilt die Gesellschaft die Schlösser in verschiedene Klassen. Während für Fahrräder die Klasse A vollkommen ausreichend ist, empfehlen Experten für Mopeds und größere Motorräder die Klasse B. Selbst der Polizei und den Versicherungsgesellschaften liegen diese Klassen vor und dienen als Grundlage für Beratung und Ersatzentscheidungen.

Akustische und stille Alarmanlagen – wann eignet sich ihr Einsatz?

Die Alarmanalgen für Motorräder werden nach akustischem und stillem Alarm unterschieden. Ein akustisch lautes Signal soll den Dieb abschrecken und andere Menschen in der Umgebung auf den Diebstahl aufmerksam machen. Bei einem stillen Alarm bemerkt der Dieb zunächst nicht, dass er entdeckt wurde. Die Anlage leitet die Information an den Besitzer weiter, der wiederum die Polizei informieren sollte. Der Vorteil hierbei: Der Dieb bleibt bis zuletzt in Unkenntnis und beschädigt das Zweirad somit nicht mutwillig. Die meisten Anlagen verfügen über einen Akku oder sind direkt an die Motorradbatterie angeschlossen. Hierbei sollten Sie auf einen möglichst geringen Energieverbrauch achten. Besitzt die Alarmanlage ein Notstromaggregat, geht der Alarm auch bei gekappter Verbindung zwischen Anlage und Steuergerät los. Manche Modelle sind mit einem Gravitationssensor ausgestattet. Sie können in jede beliebige Richtung am Fahrzeug angebracht werden und richten sich selbst aus. Wird das Motorrad dann unbefugt bewegt, reagiert der Sensor und schaltet den Alarm scharf. Andere Modelle verfügen über einen Erschütterungssensor. Er bemerkt kleinste Erschütterungen beim Bewegen des Motorrades und reagiert entsprechend mit akustischem Signal oder still. Wichtig bei diesen Modellen ist, dass sich der Sensor für die Erschütterung manuell einstellen lässt. Nur so können Sie die Anlage auf die jeweilige Parksituation anpassen. Zu empfindlich eingestellte Sensoren reagieren auch auf vorbeifahrende LKWs. Die dritte Variante ist der Quecksilberschalter. Er ist etwas ungenauer und überwacht die Lage des Zweirades.

Anlagen für den stillen Alarm sind mit einem GPS-Tracker beziehungsweise einem GSM-Modul ausgestattet. Das System ist dabei an ein Prepaid-Handy angeschlossen und verschickt eine Nachricht an den vorher festgelegten Empfänger, wenn das Motorrad bewegt wird. Der Dieb bemerkt diesen Alarm nicht, wenn die Vorrichtung dafür unauffällig an der Maschine angebracht ist. Der Akku des Handys hält bei Nichtbenutzung mehrere Wochen und speist den Sensor komplett selbst. So ist diese Anlage auch für kleinere Maschinen geeignet, die nur über eine Batterie mit geringer Kapazität verfügen. Hochwertige Module erlauben die Einstellung von mehreren Notfall-Nummern im System. Das Telefon setzt dann entweder einen Anruf ab oder schickt eine SMS. Dies funktioniert mit einer Verzögerung von etwa 20 bis 30 Sekunden. Der Füllstand des Akkus und der Wert der Prepaidkarte sind permanent geprüft. Sobald sich die Kapazität unter 25 Prozent neigt oder die Karte nur ein geringes Guthaben aufweist, verschickt die Anlage eine Aufforderung per SMS.

Das können Sie selbst zum Diebstahlschutz des Motorrades beitragen

Neben dem serienmäßigen Lenkerschloss und dem zusätzlichen Schloss gibt es noch weitere Sicherheitsvorkehrungen für Ihr Motorrad. Markieren Sie beispielsweise einige Teile der Maschine. Für Diebe wird sie deutlich unattraktiver und die Polizei wird in der Fahndungsarbeit unterstützt. Ein Schloss bringt nur etwas, wenn Sie es richtig anbringen. Sichern Sie das Motorrad über den vorderen Gabelholm, so ist das Schloss durch die Speichen oder die Felge zu stecken. Ebenso sollte es durch feste Rahmenteile führen. Als beste Sicherung erweist sich die Kombination zu einem festen Gegenstand, wie beispielsweise ein Laternenmast. Stellen Sie das Motorrad möglichst nie an einem abgelegenen oder einsamen Ort ab. Steht das Motorrad über einen längeren Zeitraum im Freien, ist es mit einer Plane abzudecken. Sie dient dem Schutz vor Witterungseinflüssen und lässt das Motorrad für Diebe weniger interessant erscheinen. Auch bei kurzen Parksituationen ist mindestens das Lenkradschloss einzulegen und der Zündschlüssel abzuziehen. Auf einer längeren Tour mit Freunden ketten Sie die Motorräder einfach mit einem ausreichend langen Schloss zusammen.

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