Welche Zusage gilt nun bei defektangebotenen Artikeln

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In der Artikelbeschreibung wird ein Organizer als "defekt" angeboten. Per E-Mail sichert der Verkäufer dem interessierten Käufer zu, dass er doch funktioniert. Der Organizer kommt an - und ist kaputt. Der Käufer fragt: Was zählt denn nun?

Ein Beispiel: Einfache Organizer im Hemdtaschenformat findet man im Ladengeschäft nur noch selten. Umso glücklicher war ein Käufer, als er auf eBay endlich wieder ein älteres Modell ohne technischen Schnickschnack entdeckte. Ein Privatverkäufer hatte einen gebrauchten "Sharp ZQ-650M Electronic Organizer" beim Aufräumen gefunden. Der Käufer las sich das Angebot erst einmal genau durch. "In der Artikelbeschreibung stand, dass der Organizer ohne Zubehör angeboten wird und somit nicht getestet werden konnte". "Und genau deswegen hat der Verkäufer ihn als defekt angeboten". Da der Käufer an einem intakten Organizer interessiert war, schickte er dem Verkäufer vor Ende der Auktion eine E-Mail. " Er habe ihn darauf hingewiesen, dass man das Gerät auch ohne Zubehör testen kann". Der Verkäufer legte also wie vom Käufer beschrieben Batterien in den Organizer und schrieb zurück, dass alles einwandfrei funktioniere. "Auch das Display sollte keine Pixelfehler haben." Der Käufer schlug zu und ersteigerte den Organizer für 12,50 Euro. " Er hat dann sofort mit PayPal bezahlt." Doch die Freude über sein vermeintliches Schnäppchen währte nicht lang: Nach Ankuft des Geräts stellte der Käufer fest, dass im Display zehn Zeichen fehlen. "Damit ist der Organizer zum Arbeiten unbrauchbar". Nun stellt sich die Frage: "Kann ich ihn nun zurückgeben oder Schadensersatz fordern?"

Fazit: "Im Prinzip geht beides", meint der Rechtsexperte. "Denn ausschlaggebend ist in diesem Fall die ausdrückliche, nachträgliche Zusicherung des Verkäufers." Damit entspricht die Ware nicht der Beschreibung und der Käufer kann Gewährleistungsrechte geltend machen, vom Kauf zurücktreten oder sogar Schadensersatz verlangen. "Allerdings dürfte es in der Praxis schwierig werden, einen Schaden nachzuweisen und den Anspruch eventuell sogar gerichtlich durchzusetzen." Zumal ein solches Verfahren schnell teuer werden kann. Der Rechtsanwalt empfiehlt daher eine praktischere Lösung. Da der Käufer mit PayPal bezahlt hat, kann er sich auch das Geld über den Käuferschutz zurückholen. Er muss dabei nur die Fristen beachten (45 Tage ab Zahlung für die Meldung des Problems) und belegen, dass der Organizer auch wirklich von der Zusicherung abweicht. "Am besten speichert man den gesamten E-Mail-Verkehr, um ihn im Falle eines Streites vorlegen zu können", empfiehlt der Rechtsanwalt. "Den Mangel, wie hier den Fehler im Display durch ein Foto und die Zeugenaussage eines Freundes belegen." Der Käufer setzt sich sofort an seinen Rechner und beantragt den Käuferschutz von PayPal. Beim Tippen erinnert er sich, dass der Anbieter die Gewährleistung bei seinem Angebot nicht ausgeschlossen hat, was viele private eBay-Verkäufer inzwischen machen. Gewerbliche Händler können dass nicht, sie sind zur Gewährleistung verpflichtet. "Der standardmäßige Ausschluss funktioniert allerdings nicht bei ausdrücklichen Zusicherungen. Jede spezielle Abrede hat Vorrang vor den formularmäßigen Haftungsausschlüssen sagt der Rechtanwalt. Im vorliegenden Fall hätte es dem Verkäufer also gar nichts gebracht, wenn er die Gewährleistung für den Organizer ausgeschlossen hätte.

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