Welche Reinigungsmittel benötige ich für meine alte Schallplattensammlung?

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Welches Reinigungsmittel benötige ich für meine alte Schallplattensammlung?

Wie selbstverständlich nutzen wir Produkte wie MP3-Player, Smartphones oder Hi-Fi-Anlagen, um Musik abzuspielen. Doch jahrhundertelang war es nicht möglich, Klänge auf ein Medium zu bannen und sich noch einmal anzuhören. Erst 1877 gelang dies John Kruesi, der eine Erfindung des Amerikaners Thomas Alva Edison nachbaute. Er ritzte die Töne auf eine Zinnfolie und später auf eine Wachswalze. Auf dieser wurden die Töne in einer wendelförmigen Tonspur in Höhenschrift gespeichert. Drei Jahre später wurde die Wachswalze weiterentwickelt, denn der US-Physiker Charles Summer Tainter fand heraus, dass man die Tonspur am besten spiralförmig in die Oberfläche einer runden Scheibe eingraviert. Die zuvor benutzten Walzen waren zu umständlich in der Handhabung und ihre Vervielfältigung sehr aufwendig. Tainters flache Wachsplatten gelten als erste Schallplatten der Welt. Allerdings publizierte Tainter seine Ideen nicht.

Die Erfindung der Schallplatte in Deutschland

Während Tainter an seinen flachen Wachsplatten arbeitete, suchte auch der deutsch-amerikanische Erfinder Emil Berliner nach einer Verbesserung der Walzen und entwickelte schließlich die erste Schallplatte aus Hartgummi. Das Gummi bestand aus einer Mischung aus Gesteinsmehl, Ruß, Pflanzenfasern und Schellack. Er war von seiner Erfindung überzeugt und stellte – nachdem er in den USA keine Investoren gefunden hatte – das Grammofon 1889 in Deutschland vor. Noch im selben Jahr begann er mit der ersten Serienfertigung seiner Platten und finanzierte diese selbst. Die Qualität war eher schlecht, sodass der Text auf der Platte auch auf der Plattenrückseite zu lesen war, damit ihn die Käufer nachvollziehen konnten. Berliner ließ sich nicht entmutigen und entwickelte die Schallplatte immer weiter. Zahlreiche Unternehmer kopierten seine Idee und produzierten eigene Schallplatten und Abspielgeräte.

Von der Schellackplatte zum Vinyl

Schellack ist eine harzige Substanz und gleichzeitig ein teures Produkt. Denn Schellack wird aus Gummilack gewonnen und das wiederum aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus. Für ein Kilogramm Schellack werden rund 300.000 Lackschildläuse benötigt. Das Produkt ist rein natürlich und biologisch abbaubar. Bei Kontakt mit Wasser quillt der Lack auf, und wenn er angezündet wird, brennt er mit hell leuchtender Flamme. Bei alten Schallplatten wurde Schellack verwendet, um die Oberfläche der Produkte zu versiegeln. Daher werden die Platten auch Schellackplatten genannt. Da die Herstellungskosten hoch sind, suchte man nach preiswerteren synthetischen Stoffen. Schließlich setzte man Polyvinylchlorid, kurz PVC ein, und die ersten Vinyl-Platten waren geboren.

Der Zahn der Zeit nagt an den Platten

Wie alle anderen Gegenstände auch werden Schallplatten im Laufe der Zeit nicht besser, wenn sie nicht gepflegt werden. Viele alte Exemplare sind Dachboden- oder Kellerfunde und dementsprechend verstaubt. Auch beim Einsatz bei Veranstaltungen, Feierlichkeiten und Partys müssen Schallplatten häufig leiden. Sie verkratzen, Flüssigkeiten laufen über dem Vinyl aus oder eine Platte landet aus Versehen auf dem Boden. Eigentlich sind die Produkte sehr widerstandsfähig, trotzdem sollten sie ab und zu gereinigt werden. Das ist vor allem der Fall, wenn sie staubig, zerkratzt, fleckig oder auf andere Weise verunreinigt sind. Denn durch Verschmutzungen entstehen Störgeräusche, und in extremen Fällen lassen sich die Tonträger kaum noch abspielen. Von Reinigungsmitteln bis hin zur Waschmaschine für Vinyl – in diesem Ratgeber finden Sie einfache Tipps zum Reinigen Ihrer Schallplatten.

Finger weg von Lösungsmitteln

Lösungsmittel wie Aceton, Terpentin, Lack- oder Klebstoffentferner können chemische Reaktionen auslösen und die Oberfläche Ihres Vinyls angreifen. Die Wirkungen von Lösungsmitteln sind mitunter sehr unterschiedlich. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie Lösungsmittel aller Art lieber von Ihren Platten fernhalten.

Einfache Reinigungstipps für verstaubte Platten

Am einfachsten lassen sich Schallplatten säubern, die lediglich verstaubt sind. Dazu nehmen Sie einen trockenen und sauberen Lappen, am besten ein neues Mikrofasertuch. In alten Lappen können sich Schmutzreste befinden, die zu Kratzern auf der Oberfläche führen. Wischen Sie den Staub mit dem Tuch von der Platte, am besten in Kreisform.

Eine Bürste für Ihr Vinyl

Um Staub zu entfernen, gibt es spezielle Plattenbürsten. Diese haben feine und weiche Borsten und halten den Schmutz von der Platte fest. Meistens handelt es sich um Karbon-Borsten. Diese werden eingesetzt, damit neben Schmutz auch die statische Aufladung beseitigt wird. Einige Modelle haben zwei hintereinanderliegende Bürstenlagen. Diese haben jeweils eine unterschiedliche Struktur. Die erste Lage nimmt groben Staub auf, die zweite kümmert sich um feinen Schmutz.

Staub aus den Rillen entfernen

Auch in den Ecken, die Sie nicht so gut einsehen können, setzt sich bei einer Schallplatte Staub aus. Besonders betroffen sind die Rillen. Um diese zu reinigen, eignet sich Wasser. Dieses schadet den Platten nicht, da Vinyl wasserfest ist. Verwenden Sie am besten destilliertes Wasser. Natürlich können Sie auch Leistungswasser abkochen, was aber erheblich aufwendiger ist. Geben Sie das destillierte Wasser zusammen mit einem Tropfen Spülmittel in eine Schüssel. Das Spülmittel sollte keine Hautpflegesubstanzen wie Lanolin oder Öl enthalten. Ziehen Sie die zu reinigende Platte durch die Schüssel. Die feuchte Schallplatte können Sie dann mit einem Mikrofasertuch, das nicht fusseln sollte, oder einem Zellstoff-Einmalwaschlappen vorsichtig trocken reiben. Zu diesem Zweck können Sie auch ein neues Fensterleder verwenden. Sie müssen das Vinyl nicht komplett mit den Tüchern trocknen. Stattdessen können Sie es zum Beispiel in eine herkömmliche Geschirrablage stellen. Damit das Gestell der Ablage keine Kratzer in das Material macht, legen Sie ein Tuch – zum Beispiel auch einen Einmalwaschlappen – unter.

Flecken den Kampf ansagen

Woher auch immer sie stammen mögen, hin und wieder finden Sie Flecken auf Schallplatten. Das können Getränkereste sein oder auch Körperflüssigkeiten – wenn Sie zum Beispiel niesen mussten. Um Flecken zu entfernen, sollten Sie behutsam vorgehen. Bereiten Sie wieder ein Wasserbad aus destilliertem Wasser mit einem Tropfen Spülmittel für die zu behandelnde Schallplatte vor. Je nach Bedarf können Sie auch spezielle Reiniger benutzen. Ziehen Sie die Platte kurz durch das Wasserbad und reiben Sie mit einem Tuch (Mikrofasertuch, Einmalhandschuh, Fensterleder) in kreisförmigen Bewegungen über den Fleck.

Waschmaschinen für Schallplatten

Für Schallplatten gibt es Reinigungsmaschinen von verschiedenen Herstellern. Die Investition lohnt sich aber erst dann, wenn Sie eine große Sammlung besitzen und circa 300 Platten oder mehr reinigen möchten. Wenn Ihre Sammlung kleiner ist und Sie trotzdem nicht auf eine Schallplattenwaschmaschine verzichten möchten, fragen Sie bei einem Fachhändler nach. Häufig sind diese in Besitz einer solchen Reinigungsmaschine und säubern Ihr Vinyl gegen einen kleinen Aufpreis. Pro Platte sollten Sie mit etwa einem bis zwei Euro rechnen. Andere Händler vermieten die Waschmaschinen, sodass Sie Ihre Platten selbst zu Hause reinigen können.

Waschmaschinen in Form eines Plattenspielers

Auf dem Markt werden verschiedene Arten von Schallplattenwaschmaschinen angeboten. Einige Modelle sehen so aus wie Plattenspieler, doch ihr Tonabnehmer wurde durch eine Art Saugnippel ersetzt. Die Platte machen Sie zunächst mit einem Reinigungsmittel nass, das den meisten Geräten beigelegt wird. Dann legen Sie sie auf die Waschmaschine, so wie normalerweise auf den Teller des Plattenspielers, und der Saugnippel läuft wie ein Tonabnehmer die Platte ab. Er ist an eine Vakuumpumpe angeschlossen, mit deren Hilfe die Flüssigkeit abgesaugt wird. Auf diese Weise funktionieren die meisten Plattenspielerwaschmaschinen.

Senkrechte Plattenwaschanlagen

Neben Reinigungsgeräten, die so aussehen wie ein Plattenspieler, gibt es Modelle, die senkrecht aufgestellt werden. Sie haben ein Becken und eine Zentrierung, in die Sie eine Schallplatte hängen können. Das Becken füllen Sie mit destilliertem Wasser und speziellen Reinigungsmitteln. Die unten hängende Seite der Platte befindet sich also in dem Becken, und Sie müssen die Scheibe drehen, damit auch die andere Seite behandelt wird. An den Seitenwänden des Beckens befinden sich Bürsten, mit deren Hilfe die Schallplatte von beiden Seiten gereinigt wird. Meistens werden Ständer mitgeliefert, in die Sie die Platte zum Trocknen hineinstellen können. Es genügt aber auch ein normales Abtropfgestell. Wie bereits erwähnt, sollten Sie bei diesem aber Einmalwaschlappen oder ähnliche Tücher unterlegen, um ein Verkratzen der Platte zu verhindern.

Nachteile von Plattenwaschanlagen

Senkrechte Waschanlagen haben einen Nachteil. Zwar bürsten Sie den Staub vom Vinyl, trotzdem sollten Sie die Platte nach dem Herausnehmen noch einmal mit destilliertem Wasser abspülen. Der Grund ist, dass beim Trocknen der Schmutz häufig auf der Platte haften bleibt. Würden Sie die Platte so benutzen, würde der Staub letztendlich an der Nadel hängen bleiben. Ab und zu müssen die Bürsten in dem Becken außerdem gereinigt werden, was relativ aufwendig ist, da sich die meisten Bürsten nicht entfernen lassen.

Label-Schutz: Etiketten beim Reinigen nicht vergessen

Wenn sich die Platte im Wasser befindet – vor allem bei der Verwendung von Schallplattenwaschmaschinen –, löst sich das Label leicht ab. Damit dies nicht geschieht, müssen Sie die Etiketten schützen. Entweder kleben Sie diese ab oder halten die Platte selbst fest, sodass sich das Etikett nicht im Wasser befindet.

Nicht zu vergessen: die Nadel

Wenn die Nadel Ihres Plattenspielers schmutzig ist, bringt auch die sauberste Schallplatte nichts. Daher sollte auch sie regelmäßig gereinigt werden, denn sie presst Staub und anderen Schmutz, der sich auf der Oberfläche befindet, in die Rillen hinein. Mit kleinen Bürsten und einer speziellen Reinigungsflüssigkeit behandeln Sie die Nadel. Mithilfe des Nadelreinigers sollten Sie auch hartnäckige Verschmutzungen beseitigen können.

Regelmäßiges Reinigen lohnt sich

Damit sich Störgeräusche wie Knistern und Knacken verringern, müssen Schallplatten regelmäßig gereinigt werden. Mit bloßem Auge können Sie leicht erkennen, ob die Oberfläche Ihres Vinyls schmutzig ist und eine Reinigung nötig hat. Gerade bei gebrauchten Platten lohnt es sich, Staub und anderen Schmutz zu entfernen, um das Hörvergnügen zu steigern. Selbst mit einfachen Tricks gelingt Laien das Säubern von Schallplatten.

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