Weide- oder Paddockzaun - wo passt welche Begrenzung besser?

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Weide- oder Paddockzaun - wo passt welche Begrenzung besser?

Die Haltung von Tieren durch den Menschen begann bereits direkt nach der Eiszeit. Die Haltung diente dem rein nützlichen Aspekt und beschränkte sich auf Auerochsen, Wildschwein und Wolf. Im Laufe der Jahrtausende kamen neue Motive und Tierarten hinzu. In Ägypten wurden Katzen domestiziert und als heilige Tiere verehrt, Schafe und Ziegen wurden weltweit wegen ihrer Wolle und ihres Fleisches gehalten und einige Vogelarten hatten die zweifelhafte Ehre, wegen ihres Gesangs oder Aussehens in Käfigen gehalten zu werden. Jagdvögel hatten es da schon besser, da bei ihnen mehr Wert auf ihre Verfassung gelegt wurde. Die wohl vielfältigsten Motive waren und sind in der Pferdehaltung zu finden. In Asien haben Pferde den gleichen Stellenwert wie die Kühe und Rinder in Europa. Sie dienen vornehmlich der Fleisch- und Milchgewinnung. Die Europäer hingegen nutzten die Pferde Jahrhunderte lang als Arbeitstiere – ähnlich den Ochsen – vor ihren landwirtschaftlichen Maschinen oder als Fortbewegungsmittel.

Gerade als Reisebegleiter nahm das Pferd auch die Stellung eines besten Freundes ein. Auf langen, zum Teil unbekannten Wegen war ein bedingungsloses Vertrauen zum Teil lebensnotwendig. Zwar würde ein Pferd seinen Reiter nicht verteidigen wie ein Hund, jedoch kann es bei Gefahr auf das Abschmeißen verzichten und mitsamt Reiter die Flucht ergreifen. Oder ihn auf dem Kriegsschauplatz weitestgehend über den Kampf hinweg tragen. Heute findet das Pferd vor allem im Freizeitsport Verwendung. Da es jedoch nicht mehr so kontinuierlich beritten werden kann, sind die Anforderungen an Stall und Weide gewachsen. Weiden sollten so groß abgesteckt sein, dass sich eine Gruppe von Tieren hierauf problemlos austoben und grasen kann. Der Stall wird vor allem während der Wintermonate genutzt, in denen das Pferd nicht auf die Weide kann. Da ausreichend frische Luft und Sonnenlicht jedoch immens wichtig für die Gesundheit eines Pferdes sind, sollte es die Möglichkeit haben, vom Stall aus nach eigenem Bedarf ins Freie zu kommen. Hier bietet sich die Möglichkeit des Paddocks an.

Der Paddock - ein eingezäunter Auslauf für Pferde

Der Begriff stammt aus dem Englischen. Gemeint ist ein eingezäunter Auslauf für Pferde mit speziellem Boden. Sowohl der Zaun als auch der Boden müssen besonderen Ansprüchen genügen. So besteht der Boden aus mehreren Schichten. Zuunterst wird eine Drainage gelegt, um Staunässe zu vermeiden. Schlammiger Boden kann die Pferde umknicken lassen oder zu Fäulnissen an den Hufen führen. Darüber werden grobe Materialien wie Kies oder Split geschichtet. Die Materialien werden nach oben hin immer feiner, bis schließlich eine Trennschicht aus Pflaster oder Ähnlichem folgt. Die oberste Tretschicht wird schließlich aus Sand oder Lava aufgeschüttet. Diese Form des Auslaufs ermöglicht dem Pferd nicht nur Trittsicherheit und Hygiene, sondern auch die Möglichkeit der effizienten und einfachen Reinigung von Fäkalien – den Pferdeäpfeln – und Futterresten.
Da für Pferde soziale Kontakte unheimlich wichtig sind, sollten Paddocks entweder mehreren Pferden gleichzeitig den Zugang gewähren oder zumindest einen Sichtkontakt erlauben. Als Paddocks können auch unbedachte Longier- und Springplätze bezeichnet werden. Die speziellen Umstände der Tierhaltung geben auch die speziellen Anforderungen an den Zaun vor. Dank der unterschiedlichen Pferderassen mit ihren unterschiedlichen Stockmaßen werden auch unterschiedliche Zaunhöhen erforderlich sein. Ein temperamentvoller Hengst mit Sichtkontakt zu Stuten benötigt höhere Schutzmaßnahmen als eine Stute mit Fohlen, da sie kaum flüchten und ihr Fohlen allein zurücklassen wird. Sensible Tiere werden durch Elektrozäune verängstigt, gelangweilte Tiere nagen ohne diese Schutzmaßnahme den Holzzaun bis auf den Boden nieder.

Bitte beachten - wichtige Hinweise zur Konstruktion

Zunächst einmal gilt es zu beachten, ob das Paddock für die Haltung eines Pferdes oder mehrerer Tiere gedacht ist. Sollten mehrere Tiere in einem Paddock gehalten werden, muss berücksichtigt werden, dass es auch bei Herdentieren Rangeleien geben kann. Für diesen Fall muss die Umzäunung ausreichend ausgerüstet sein, soll heißen, es muss stabil genug sein, um auch dem Gewicht von mindestens zwei Pferden standzuhalten. Handelt es sich auch noch um verschiedene Pferderassen in einem Paddock, sollte nicht nur an die Stockmaße der größten Pferde gedacht werden, sondern auch die der kleinen Berücksichtigung finden.
Gerade bei Paddocks erlangt die Wahl des Materials besondere Bedeutung. Pferde haben in dieser Zwischenlösung zwischen Stall und Weide keine geeigneten Beschäftigungen, weshalb es mit Sicherheit zu Knabberversuchen am Zaun kommen wird. Deshalb sollte das Material auf keinen Fall Giftstoffe enthalten. Holz in jeglicher Form kann mit Teer eingestrichen werden. Das schützt das Holz nicht nur vor Nässe, sondern der rauchige Geschmack hält die Pferde nach einer Kostprobe von weiteren Naschattacken ab. Eisenstangen werden zumeist verzinkt, um Abriebspuren an den Zähnen der Pferde zu verhindern.
Als Baumaterialien eignen sich Holzpfähle aus Eiche, Baumschwarten, Dachlatten und für die Kreativen sogar auseinandergebaute Industriepaletten. Wichtig ist vor allem, dass die Nägel lang genug sind. Kurze Nägel sind mit einem Schwung gegen das Brett wieder draußen … mitsamt der Querstange. Zudem sollte auf Schrauben verzichtet werden, da hier die Gefahr besteht, dass sie dank herber Witterung bereits nach einem Jahr abbrechen. Um den Witterungen aus dem Weg zu gehen, bieten sich Stecksysteme mit Dübeln verschiedener Hersteller an. Diese gibt es nur für die Variante der Eisenstangen. Im ersten Moment scheint es eine sehr kostspielige Alternative zu sein, aber auch eine langfristige. Diese Paddocks müssen über Jahre hinweg nicht mehr ausgetauscht werden und bedürfen nur der regelmäßigen Wartung und dem Nachziehen des einen oder anderen Dübels.

Die Weide - die Bedeutung einer sicheren Umzäunung

Die Weide wird dem natürlichen Bedürfnis eines Pferdes am gerechtesten. Sie bietet Auslauf und lässt das Pferd das tun, was es am besten kann: 16 Stunden lang fressen. Pferde haben einen sehr kleinen Magen und können deshalb keine großen Portionen vertilgen, sondern müssen viele kleine Futterpausen machen. Der lange Winter im Stall ist für Pferde eine Zumutung. Erst recht für diejenigen, die kein Paddock haben, um wenigstens ein bisschen Tageslicht zu erhaschen. Umso überschwänglicher ist die Freude, wenn sie dann im Frühjahr das erste Mal wieder auf die Weide dürfen.

Die richtige Höhe der Umzäunung

Da ist es wichtig, dass die Umzäunungen für die Pferde gut sichtbar sind, damit sie im Eifer des Gefechts nicht in sie hineinrennen. Auch muss an eine adäquate Höhe des Zauns gedacht werden. Der Weltrekord im Pferdesprung liegt bei 2,47 Meter durch den Vollbluthengst „Huaso". Da er allerdings seit 1949 ungebrochen ist, darf man getrost davon ausgehen, dass ein Durchschnittspferd auch schon durch eine niedrigere Umzäunung eingeschüchtert sein sollte. Normal ist eine Höhe von 1,30 bis 1,40 Meter ausreichend, unter besonderen Umständen kann man bis zu einer Höhe von 1,80 Meter gehen. Dies ist für die meisten Pferdebesitzer nicht nur eine Frage des Mehraufwands, sondern auch eine Frage des Geldes. Mal abgesehen von längeren Zaunpfählen müssen auch mehr Querstangen verarbeitet werden, da auf die unteren Planken in Höhe von 40 bis 70 cm nicht automatisch verzichtet werden kann.

Die Beschaffenheit der Zaunpfähle und Riegel

Die Zaunpfähle müssen einen bestimmten Durchmesser haben, da sie sonst nicht genügend Stabilität gewährleisten können. Zaunpfähle, die auf Reitplätzen mit einem höheren Laufpublikum Verwendung finden, können auch mit eingefasstem Kopf aufgestellt werden. Das verhindert Verletzungen von Haut und Kleidung durch splitterndes Holz. Zum Einrammen der Pfähle empfiehlt sich großes Gerät oder eine gehörige Portion Spinat zum Mittagessen bei Nutzung einer Handpfahlramme, denn die Pfähle müssen richtig fest sitzen. Zum Anbringen der Riegel gibt es die verschiedensten Techniken und Methoden. Doch in einem ist man sich einig: Holzzäune werden genagelt und nicht geschraubt. Das hat hier die gleichen Gründe wie beim Paddock. Es gibt unterschiedliche Querriegel wie den Halbriegel und den Koppelriegel, der auch als Halbrundriegel bezeichnet werden kann. Der Halbriegel ist an einer Seite rund, während dem Halbrundriegel diese Rundung weggesägt wurde. Die Ränder sind aber trotzdem noch abgerundet und verraten, welche Rundung der Riegel normal gehabt hätte.
Am effektivsten hat sich jedoch die Kombination aus Holz- und Elektrozaun bewährt. Der Elektrozaun wird auf Höhe der Pferdebrust angebracht. Das schützt den Zaun zusätzlich davor, von dem Pferd angeknabbert zu werden. Als Schutz der Pferde kann ein unter dem ersten Riegel angebrachter Elektrodraht dienen. Hunden von Spaziergängern oder nachtaktiven Wildtieren gelingt es so nicht auf die Weide zu gelangen und den Pferden einen Schreck zu versetzen. Aufgepasst und mitgedacht heißt es auch bei den stromführenden Materialien. Dünnes Litzeband wird nur ungern verwendet, da sich Pferde an ihnen schon oft verletzt haben. Dies geschieht nicht nur mit dem eigenen Pferd am eigenen Zaun, sondern kann auch fremde Pferde bei Ausritten treffen. Eher im Fahrradsport zu Hause ist der Dura Draht, doch einige Hersteller bieten ihn inzwischen als Dura-Pferdezaun an. Hier ist er mit einer 7 mm starken Kunststoffummantelung versehen. Dadurch kann er das Tier zwar noch beeindrucken, aber nicht mehr verletzen.

Die Stromversorgung für den Elektrozaun - Akkus oder Solarstrom

Zum Betreiben eines Elektrozauns benötigt man Strom. Diesen kann man unter anderem mithilfe eines Akkus auf die unter Umständen weit abseits gelegene Koppel heranschaffen. Die mobilen Akkus für Weidezaungeräte haben eine Leistung von 9 bis 12 Volt. Sie werden bequem daheim im Wechsel aufgeladen. Ihre durchschnittliche Laufzeit beträgt 40 Tage, es gibt aber auch Exemplare, die bis zu 150 Tage laufen können, ohne gewechselt zu werden. Weidenzaunbatterien hingegen haben eine Laufzeit von 60 Tagen bis zu einem Jahr. Im Gegensatz zu anderen Batterien geben sie konstant die gewünschte Stromstärke ab.

Für einen Elektrozaun kann man allerdings auch auf Solarstrom zurückgreifen. Bislang sollte man zur Sicherheit jedoch nicht völlig auf den Strom aus der Steckdose verzichten, da die Solarzellen tagsüber die doppelte Leistung einbringen müssen, damit sie auch eine nächtliche Stromversorgung gewährleisten können. Dies gelingt in der Praxis nicht immer.

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