Wasserdichtigkeit & Atmungsaktiviät bei Goretex + Co.

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Wasserdichtigkeit & Atmungsaktiviät bei Goretex & Co.


Auf dem Markt sind inzwischen neben der etablierten Goretex-Membran unzählige Varianten von Wasser- und/oder Winddichten Materialien erhältlich. Dieser Ratgeber soll klären worin sich die Membranen unterscheiden, für welchen Anwendungszweck sie gedacht sind und was es mit der Atmungsaktivität auf sich hat.

Die meisten Hersteller von Regenjacken preisen diese als wasserdicht und atmungsaktiv (eigentlich wasserdampfdurchlässig) an.

Wasserdichtigkeit

Die Wasserdichtigkeit ist auch bei günstigeren Produkten, sofern die Nähte sauber abgedichtet sind zumeist gewährleistet.  Hochwertigere Produkte wie die Goretex Materialien haben allerdings eine vielfach höhere Wasserdichtigkeit (20.000 bis 40.000 mm) als die von der DIN-Norm geforderten 2000 mm Wassersäule. Dieser Mindestwert kann z.B. beim Knien auf nassem Boden oder bei Tragen schwerer Rucksäcke an den Schultern leicht überschritten werden, weshalb eine höhere Wasserdichtigkeit durchaus sinnvoll sein kann. Undichte Stellen sind zumeist auf mangelnde Abdichtung der Nähte zurückzuführen, weshalb die Firma Goretex die Nahtversiegelung und Verarbeitung bei den Herstellern, die Goretex-Membranen einsetzten überwacht.

Atmungsaktivität

Größere Unterschiede ergeben sich jedoch bei der Atmungsaktivität; also in der Fähigkeit Schweiß nach außen zu transportieren. Hier gilt im allgemeinen die Faustregel: Je teurer die Jacke (und vor allem deren Material) desto atmungsaktiver ist diese.
Es gibt zwei Methoden die Atmungsaktivität zu Klassifizieren. Die Wasserdampfdurchlässigkeit (MVTR) des Materials in Milliliter pro Quadratmeter in 24 Stunden und die Messung des RET- Werts (Resistance to Evaporating Heat Transfer = Dampfdurchgangswiderstand). Die RET-Wertmethode ist aussagekräftiger, weil die Atmungsaktivität hier direkt am Kleidungsstück gemessen wird. Ein Kleidungsstück mit hoher Atmungsaktivität hat eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit und einen kleinen RET-Wert.
Meines Wissens veröffentlichen die Firmen immer nur einen der beiden Werte, was einen Vergleich natürlich erschwert. Der Rekord bei der Wasserdampfdurchlässigkeit liegt bei 40.000 ml/m^2/24h beim Texapore O4 von Jack Wolfskin. Einige Goretex-Jacken mit Goretex Paclite oder Goretex XCR Membran haben RET-Werte von nur 4 (also sehr gut) und sind den hochgelobeten Softshelljacken entgegen der weit verbreiteten Meinung ebenbürtig.
Goretex Paclite ist ähnlich dem Texapore O4 sehr leicht, dünn und klein verpackbar und deshalb für Bergsteigen mit schwerem Rucksack oder Klettern nicht geeignet. Goretex XCR (Extended Comfort Range) ist bei ähnlicher Atmungsaktivität deutlich robuster und strapazierfähiger, jedoch auch schwerer.
Eine weitere Membran mit extrem guter Atmungsaktivität ist die eVENT-Membran von Vaude.
Die "normale" Goretex-Membran ist etwas weniger atmungsaktiv als die Paclite und XCR-Membranen und liegt bei Gewicht und Robustheit zwischen den beiden und ist auch etwas billiger.

Entscheidungshilfe beim Kauf

Man sollte die Membran nach dem Einsatzzweck der Jacke auswählen.

  • Bei starker körperlicher Aktivität (z.B. Joggen, sportliches Radfahren, Klettern) ist maximaler Atmungsaktivität (--> XCR, Paclite, eVENT, Texapore O3, O4) sehr wichtig. Bei diesem Einsatzzweck ist auch darauf zu achten, dass die Jacke Lüftungsöffunungen z.B. unter den Armen oder vorne hat, weil keine der Membranen in der Lage ist, den Schweiß, der bei extremer Anstrengung entsteht vollständig nach außen zu transportieren!
  • Fürs Bergsteigen oder gemütliches Radfahren ist weniger Atmungsaktivität nötig ist (z.B. normales Goretex).
  • Für normales Spaziergehen oder Wandern ist auch eine relativ geringe Atmungsaktivität ausreichend (-->Texapore (Jack Wolfskin), Ceplex 5000 (Vaude), Hyvent (The North Face), G-1000 (Fjällräven), …) .
Ein gutes Preisleistungsverhältnis haben z.B. die Jeantex-Produkte mit der T-3000 Membran.

Noch was prinzipielles zu Funktionsweise der Membranen:

Die Membranen  sind nur dann atmungsaktiv, wenn ein merklicher Temperaturunterschied zwischen dem Inneren der Jacke und der Umgebung besteht. Ist das wie bei schwülen oder warmen Wetter nicht der Fall schwitzt man genauso wie in jeder anderen Jacke auch.

Desweiteren ist für optimale Atmungsaktivität die richtige Unterbekleidung wichtig. Sie sollte idealerweise aus (Kunststoff-) Funktionsfaser bestehen. Auch Wolle oder Seide eignen sich bedingt als Unterbekleidung,  während Baumwolle ungeeignet ist, wenn man eine gute Atmungaktivität errzielen möchte. (Vielen Dank an martinkrach für den Hinweis)


Ich hoffe dieser Ratgeber hilft Ihnen bei der Kaufentscheidung.
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