Was unterscheidet HiFi-Tuner von gewöhnlichen Tunern?

Aufrufe 2 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Was unterscheidet HiFi-Tuner von gewöhnlichen Tunern?

 

Unter dem Begriff „Tuner" wird hauptsächlich ein Gerät für den Signalempfang verstanden. Es gibt Fernseh-Tuner, Satelliten-Tuner und Radio-Tuner. Im Musikbereich ist damit zumeist eine Bauteilgruppe gemeint, die in einem Radio oder auch als eigenständiges Gerät, Audiosignale eines ausgewählten Senders ausgibt.

Was leistet ein Tuner?

Die ersten Tuner hatten eher den Charakter von reinen Bausteinen und dienten in Radiogeräten zum sogenannten AM-Empfang (Amplitudenmodulation). Damit wurden Radiosendungen per Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle empfangen. 1949 begann in Deutschland der UKW-Rundfunk (FM – Frequenzmodulation) und erste UKW-Radios mit entsprechenden UKW-Tunerbausteinen kamen auf den Markt. Die ersten separaten Tuner erschienen in den frühen 60ern von den Herstellern Braun und Grundig. Mitte der Siebziegerjahre wurde die erste HiFi-Norm für Musikgeräte entwickelt und 1978 erschienen die ersten Geräte mit digitalen Komponenten.

In den Achtzigerjahren herrschte ein regelrechter Boom in der Tunerentwicklung, viele namhafte Hersteller brachten hervorragende Geräte auf den Markt, die auch heute noch als Referenz gelten. Mitte der Achtzigerjahre kam das Radio DATA System (RDS) auf, welches u. a. nicht nur die Frequenz, sondern auch den Namen von empfangenen Sendern übermittelt. Seit den Neunzigern ist digitales Radio via DVB-T möglich und aktuell sind Verfahren wie DAB, DAB und DRM mit speziellen Geräten für den Digitalempfang etabliert.

Definition HiFi

Sicher ist Ihnen der Begriff HiFi schon begegnet. Es wird von HiFi-Anlagen gesprochen, HiFi-Bausteine werden angeboten und es gibt sogar Zeitschriften und Internet-Foren zu diesem Thema. Aber was steckt eigentlich dahinter? Auf den ersten Blick scheint es sich um eine Spezialbezeichnung für Musikgeräte zu handeln. Werden damit Geräte bewertet oder klassifiziert?

Das Wort „Bewertung" kommt der Sache schon näher. HiFi ist nicht mehr und nicht weniger als ein Qualitätsmaßstab für tontechnische Geräte wie Tuner, Verstärker oder Lautsprecher. Ein Musikgerät kann die Bezeichnung „HiFi" führen, wenn es gewisse Vorgabe erfüllt. Diese Vorgaben wurden in den siebziger Jahren in der DIN 45500 erstmalig festgelegt und langjährig weltweit anerkannt. Durch die immer schneller Voranschreitende technische Entwicklung erfüllten aber die meisten Geräte schon nach wenigen Jahren die Vorgaben der DIN 45500. Man erwartet mittlerweile sogar schon von einfachen Musikanlagen, dass ihre Daten die HiFi-Vorgaben deutlich übertreffen. In den Neunzigerjahren löste dann die EN 61305 die Vorgaben der Siebziger ab. Hierbei wurden Messmethoden standardisiert, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen. Es werden vier Normbereiche für HiFi geführt: EN 61305 für Allgemeines, EN 61305-2 für FM-Rundfunk-Empfangsteile, EN 61305 für Verstärker und RN61305-5 für Lautsprecher.

Garantiert ein HiFi-Siegel auch automatisch einen guten Klang?

Wenn Sie sich mit HiFi-Normen auseinandersetzen möchten, sollten Sie beachten dass, diese Normen hauptsächlich technische Daten für Vorgaben enthalten. Wichtige Faktoren sind hierbei unter anderem der Klirrfaktor (Klangbild-Beeinflussung durch Oberwellen) und der Signalrauschabstand (Grad der Signalverfälschung). Ob ein Gerät wirklich gut klingt, kann damit allein aber nicht sicher entschieden werden.

Musik kann zwar objektiv durch Messungen bewertet werden, oftmals überwiegt aber die persönliche Wahrnehmung bei der Entscheidung für ein Gerät. Aussagen wie „Dieser Verstärker überzeugt durch seinen warmen und weichen Klang" sind daher eher als subjektiv anzusehen. Der Begriff HiFi High End versucht hier zu greifen, in dem er das Empfinden von Musik in den Vordergrund stellt. Bei High End Geräten werden alle Möglichkeiten genutzt, Musik als einzigartiges Erlebnis zu inszenieren. Für subjektive Bewertungen kommen die folgenden Aussagen in Frage. Der Klang soll hervorragend sein. Das Gerät hat ein ansprechendes, besonderes Design und das Gerätegehäuse ist stabil ausgeführt. Wesentlich objektiver sind die nachstehenden Bewertungen. Die Bauteile dürfen nur von bester Qualität sein. Gute Messdaten werden in den Bereichen Klirrfaktor, Intermodulation, Kanalgleichheit und Fremdspannungsabstand erreicht. Es gibt also zurzeit weder eine Norm noch ein Standard-Bewertungsschema um ein Gerät als „High End" einzustufen. In einschlägigen Foren können Sie weitere Merkmale finden.

Was zeichnet einen guten HiFi-Tuner aus?

Bei Tunern gibt es einige Kriterien, die einfache Geräte von High-End Versionen klar abgrenzen. Da wäre zunächst einmal das Klangbild. Der Grundgedanke des HiFi-Konzepts ist die „möglichst naturgetreue Klangwiedergabe". Das kann nur durch hochwertige Einzelteile erreicht werden. Bis ein Tonsignal für uns hörbar wird, muss es Dutzende von Bauteilen durchlaufen. Sind diese von minderer Qualität, wird bei jeder Weiterverarbeitung etwas vom ursprünglichen Signal weggenommen oder verfälscht. Wenn man bedenkt, dass allein schon ein hochwertiges Operationsverstärker-IC etwa 50 Euro kostet, kann dann ein neuer Tuner in der Preisklasse bis 100 Euro wirklich gute Ergebnisse liefern?

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Empfangsqualität. Der Tuner soll einen möglichst sauberen Empfang der Radiosender ermöglichen. Dabei spielt die Empfangsempfindlichkeit eine wesentliche Rolle und die variiert bei den Tunern erheblich. Die folgenden Beispiele einiger Spitzentuner aus verschiedenen Jahrzehnten verdeutlichen, was mit hochwertigen Materialien erreicht werden kann. Als absolutes Klangwunder wird der Marantz B10 bezeichnet. Dieser Röhrentuner wurde 1963 entwickelt und hatte den sagenhaften Kaufpreis von 6000 DM. Durch seine 21 Röhren erzeugt er ein absolut einmaliges Klangbild und gilt heutzutage als absolutes Kultobjekt. Ein Beispiel für einen Tuner mit besten Referenzen für Empfang und Klang ist der Revox B760. Er wurde 1978 für etwa 1500 DM auf den Markt gebracht und ist einer der ersten UKW-Tuner mit Synthesizer-Abstimmung und vollelektronischen Stationstasten. Bei der Verarbeitung wurden nur hochwertige Bauteile eingesetzt und jede Baugruppe besitzt eine eigene Abschirmung. Dieser Tuner wurde nach dem Revox-Prinzip „Langlebigkeit und Verschleißfestigkeit" entwickelt und wird auch heute noch in HiFi-Studios als Referenzgerät verwendet. Sein Qualitätsniveau wird nur von wenigen der modernen Tuner erreicht.

Weitere Top-Tuner sind die Modelle McIntosh MR 77, Kenwood L-01T, Sansui TU-X1 und Sequerra FM 1. Es gibt jedoch auch im preislichen Mittelfeld Geräte der jüngeren Generation mit guten Testergebnissen. Halten Sie Ausschau nach CT700RS von Dual, Grundig Fine Arts T2, Kenwood KT 3080 und Technics ST-GT 550.Bevor Sie sich für ein bestimmtes HiFi-Tuner Modell entscheiden, sollten Sie einen kritischen Blick auf Ihre gesamte Musikanlage werfen. Sind Endstufe und Lautsprecher auf einem vergleichbaren Qualitätsniveau wie der geplante Neuzugang? Die verfügbare Empfangstechnik spielt ebenfalls eine Rolle. Steht Ihnen eine Empfangsantenne zur Verfügung? Mit Abschaltung des analogen Fernsehens sind viele Hausantennen entfernt worden und ein Spitzentuner sollte nicht mit einer Wurfantenne betrieben werden. Als Alternative kann eine aktive Zimmerantenne dienen.

Sind reine HiFi-Tuner noch zeitgemäß? Aktuelle Situation und Ausblick

Digitale Übertragung

Seit 2001 werden Radioprogramme auch digital übertragen. Digitales Radio soll eine bessere Empfangsqualität mit einem deutlich größeren Programmangebot liefern. Es gibt hierbei noch keinen übergeordneten Standard, es werden vielmehr je nach Versorgungsbedarf verschiedene Systeme verwendet. Die DAB-Systemfamilie (DAB, DAB und DBM) basiert auf dem Digital Audio Broadcasting und hat in der BRD eine Abdeckung von etwa 80 %. Die Übertragung erfolgt terrestrisch. DBM ist für die Übertragung von Videosignalen auf Smartphones und Tablets ausgelegt. DRM (Digital Radio Mondiale) ist digitaler Hörfunk für Lang-, Mittel und Kurzwelle. Die Qualität ist mit UKW-Sendungen vergleichbar.

Übertragung über das Internet

Die Übertragung von Radiosendungen via Internet wird als Internetradio bezeichnet. Wenn Sie Internetradio hören, sind Sie mit einem Streaming-Server verbunden, der Ihnen die Inhalte übermittelt. Daher ist die Anzahl der teilnehmenden Hörer im Gegensatz zum konventionellen Radio begrenzt. Dafür kann Internet-Radio weltweit ohne Satellit oder terrestrische Einschränkungen empfangen werden. Es besteht auch die Möglichkeit, sich eigene Programme zusammenzustellen, nach gewissen Musikstücken zu suchen oder nur Radiosender mit bestimmten Musikrichtungen zu empfangen. Für den Empfang sind entsprechend ausgerüsteten Tuner erhältlich, die neben dem klassischen UKW auch mehrere Digital Systeme bis hin zum Internetradio empfangen können. Man nennt diese Tuner auch Internet-Tuner oder DAB-Tuner. Sie entwickeln sich mehr und mehr zu Allroundgeräten. Der Einsatz als Mediacenter durch Zugriff auf Musikdaten Ihres PCs ist mittlerweile möglich geworden. Mit einem Smartphone und speziellen Apps kann der Tuner Steuerungsinformationen an Ihre gesamte HiFi-Anlage übermitteln.

Auch bei den Internet-Tunern sind verschiedene Qualitäten und Preisklassen verfügbar. Der HiFi-Anspruch steht hierbei nicht so sehr im Vordergrund, da Internetradio-Sendungen mit Kompressionsverfahren „gesendet" werden. Das resultierende Klangbild geht mehr in Richtung MP3-Verfahren welches dem HiFi-Standard nicht mehr gerecht wird. Informieren Sie sich vor dem Kauf eines Internet-Tuners, welche Verfahren in Ihrem Wohngebiet verfügbar sind. Sollte DAB nicht verfügbar sein, können Sie auch auf einen einfachen Tuner mit Netzwerkanschluss zurückgreifen. 

Akzeptable Einstiegsmodelle bis etwa 150 Euro können Sie von der Firma muvid finden. Wenn Sie kein 19"-Format benötigen, genügen auch die handlicheren Geräte der Firmen Hama und Noxon. Auch im High-End Bereich können Sie fündig werden. Ein wahres Allroundtalent ist der Onkyo T-4070. Er empfängt neben UKW und Mittelwelle auch DAB, Internet-Radio und Musik-Streaming-Dienste und ist via iPhone oder iPad steuerbar.

Man könnte sich abschließend die Frage stellen, ob ein reiner UKW-Tuner überhaupt noch zeitgemäß ist. UKW-Sendungen spielen immer noch eine große Rolle, da sie nahezu nonstop einen großen Musikbereich vom Livekonzert bis zu den Chart-Hits abdecken. Etliche Lokalsender nutzen UKW für spontane Livesendungen. In Deutschland hält sich die Akzeptanz für digitales Radio noch in Grenzen, in England nutzen bereits 20 % der Bevölkerung die neue Übertragungsart. Es gab auch eine Planung zur Abschaltung der analogen Rundfunksendungen in Deutschland im Jahr 2010. Bis 2012 sollten dann alle EU-Mitgliedstaaten folgen. Da die Umstellung allerdings äußerst komplex ist, wurde eine Befristung der analogen Ausstrahlung zunächst aufgehoben. Es gibt Einschätzungen, dass der UKW-Rundfunk noch weitere 10-15 Jahre fortgesetzt wird. Sie sind also noch nicht gezwungen, auf einen Internet-Tuner umzusteigen.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden