Was sind denn das für Zustände? - Von List und Tücke beim Gebrauchtbuchkauf...

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Die Leiden eines Lesers und Sammlers

Auch in Zeiten von eBooks gibt es ja noch Leser, die Bücher im altmodischen Stil bevorzugen, also solche aus Papier.
Während noch vor einigen Jahren neu erschienene Bücher viele Jahre lang zu haben waren und problemlos nachbestellt werden konnten, sind heute viele Bücher manchmal schon nach wenigen Jahren vergriffen und der Gebrauchtmarkt wächst. Haben große Verlage noch vor zehn Jahren nie unter 5000er Auflagen gedruckt und Serien komplett auf den deutschsprachigen Markt gebracht, werden heute oft immer kleinere Auflagen gedruckt, nur die Bände einer Serie veröffentlicht, die im Mutterland hohe Verkaufszahlen hatten und ähnliches. Denn alles konzentriert sich ganz verstärkt auf den eBook-Markt.
Diese lehne ich persönlich ab, denn ich sitze vor einem Laptop, nutze ein Smartphone, schaue DVD oder Blue Ray, wenigstens beim Lesen möchte ich meine Augen mit etwas anderem als mit Pixeln oder sonstigem digitalem Kram verwöhnen, doch das soll hier nicht das primäre Thema sein. Hier bitte jeder, wie er es mag.

Der Jäger im Sammler

Es gibt auch eine kleine Zahl von Menschen, die ganz bestimmte Bücher von bestimmten Autoren aus bestimmten Genres suchen und diese dann nach dem Lesen behalten wollen, ins Bücherregal stellen, um sie vielleicht irgendwann noch einmal zu lesen oder einfach, um sich am Anblick der kompletten Buchserien oder der Werkschau der Autoren zu erfreuen.
Zu diesen Menschen gehöre ich. Viele finden das Sammeln von Büchern von kindisch bis überflüssig, auf jeden Fall hirnrissig, aber damit kann ich leben. Andere sammeln anderes, die verrücktesten Dinge werden gesammelt, bei mir waren es lange Zeit Comics & Graphic Novels, aus Kostengründen steht diese Leidenschaft momentan etwas im Hintergrund.
Dafür sind's jetzt wieder die Bücher, die mich fesseln, wie schon als Kind. Bevorzugt Serien. Größtenteils spannende Krimis aus der Gegenwart von Autoren aus allen möglichen Ländern mit ebenso internationalen Handlungsorten, gerne mit detailreicher Schilderung der Ermittlungsarbeit, und historische Krimis aus allen Epochen, vom Mittelalter bis zur Parallelwelt, teils fiktiv mit realen Personen, teils genaustens recherchiert mit fiktiven Personen. Und manchmal darf es auch Fantasy und phantastische Literatur sein, nicht zu flache oder zu actionüberladene Thriller, ausgewählte Horror-Romane, ab und zu gute Science-Fiction und Dystopien. Mal tiefgründig, mit philosophischem Touch und schöner Sprachmelodie, oder leicht und einfach nur kurzweilig und humorvoll unterhaltsam.

Waffen und Reviere

Aber zum größten Teil gebraucht. Eigentlich nur gebraucht. Denn einerseits sind, wie eingangs erwähnt, die Bücher einfach zu schnell vergriffen, andererseits ist es natürlich eine Kostenfrage, wenn man, wie ich, viel liest, Abwechslung in der Lektüre braucht, und die Bücher nicht wieder verkaufen oder verschenken, sondern ins Regal stellen möchte, zumindest die richtig guten, die auf die eine oder andere Art beeindruckt haben.
Also, neben einigen guten Buchläden mit gebrauchten und antiquarischen Büchern, die es in Berlin zum Glück noch gibt, bleibt für den Buchkauf nur der Markt im Internet, aufgeteilt auf seine unterschiedlichen Plattformen. Eine davon ist eBay. Und da macht man schon interessante Erfahrungen. Überwiegend gute, zum Glück. Doch manche sind haarsträubend. Doch damit hier kein falscher Eindruck entsteht, kommt zuerst der nächste Abschnitt, denn der ist ganz wichtig.

Halt! Stop! Ein echtes, ehrliches, ironiefreies und großes Lob...

... an die Verkäufer, bei denen ich schon Bücher gekauft oder mit denen ich wegen ihrer Bücher Kontakt aufgenommen habe, an die Qualität ihrer Bücher und an ihre Unterstützung bei Fragen meinerseits!
Und es ist mir sehr, sehr wichtig, deutlich zu betonen, dass alle eher als negativ und enttäuschend zu betrachtenden Erfahrungen beim Kauf oder bei der Kommunikation (oder der Nicht-Kommunikation) nur einen kleinen Teil meiner Kauferfahrungen betreffen. Die weitaus größere Zahl der Verkäufer, von denen ich ein oder mehrere Bücher gekauft habe, hat mir absolut einwandfreie Ware geliefert, eventuelle Missverständnisse problemlos aufgeklärt, in jeder Hinsicht ihre eigenen Qualitätsstandarts erfüllt oder sogar übertroffen, mir geduldig meine Fragen zu ihren Büchern beantwortet und sogar Fotos geschickt. Diesen Anbietern, ob gewerblich oder privat, gilt mein Dank, denn letztendlich sind sie der Grund, warum ich noch immer bei eBay Bücher kaufe. Das war mir wichtig, nun zurück zum Thema...

Einfach ist nicht das neue Besser

Dieser Marktplatz hier hat ja das Problem mit dem Spagat, das Verkaufen für Händler einfach und übersichtlich gestalten und für die Gelegenheitsverkäufer aus dem privaten Bereich schnell und unkompliziert halten zu wollen. Ich habe selbst schon eine ganze Zeit nichts mehr angeboten, daher muß ich gestehen, dass ich gar nicht 100 %ig weiß, wie das mit den, ich nenne es mal vorgefertigten Produktdetails im Verkaufsformular (wenn es das noch gibt und es noch so heißt) funktioniert, welche einem Verkäufer zum Beispiel nach Eingabe einer ISBN oder EAN für sein Angebot zur Verfügung gestellt werden, aber ich sehe, dass das viele nutzen.
Grundsätzlich ist dagegen ja auch nichts zu sagen. Schwierig für die Käufer wird es nur, wenn Verkäufer sich ausschließlich mit den Informationen begnügen, die sie dann erhalten und nur noch auf "Einstellen" klicken und: Los geht's, ihr Käuferlein kommet.

Die "fertigen" Produktdetails fertigmachen

Das Ergebnis ist dann ein fertiges Angebot für ein Buch, das mir als Leser und Sammler nicht wirklich etwas sagt. Das Angebot meine ich, nicht das Buch.
Was viele nicht wissen oder was ihnen vielleicht auch egal und unwichtig erscheint, ist, dass Büchern, die in verschiedenen Auflagen und verschiedenen Gestaltungen auf den Markt gebracht und von Zeit zu Zeit neu aufgelegt wurden, über die Jahre sehr oft die gleiche ISBN / EAN behalten.
Ein weiterer und Unklarheit schaffender Fakt ist die verstärkte Veröffentlichung eines "neuen" Buchtypus, der vor einigen Jahren heimlich auf den Markt geschlichen kam, und der selbst auf den Verlagsseiten oft nicht unterschieden wird, nämlich die broschierte Ausgabe, anfänglich auch ab und zu "Großdruck" genannt (aber nicht verwechseln mit den Büchern in größerer Schrift, die meine ich nicht). Die aus verkaufstechnischen Gründen zwischen der zuerst auf den Markt kommenden gebundenen Ausgabe (meist zusammen mit der eBook-Variante) und der zuletzt erscheinenden normalen Taschenbuchausgabe liegt. Fast immer und überall wird diese Ausgabe als Taschenbuch bezeichnet, weil sie dem am nächsten kommt, doch der gesamte Einband ist etwas dicker, die Vorder- und Rückseite ist jeweils zum Teil eingeklappt (Klappbroschur) und mit Text versehen, das Cover ist manchmal anders und sie ist größer (normales Taschenbuch = zwischen 18 und 19 cm, broschierte Ausgabe = zwischen 20 und 21 cm). Doch es ist eben noch nicht das finale Taschenbuch, und wenn dieses dann erscheint, meist ein Jahr später und beide gleichzeitig auf dem Markt sind, gibt es zwei gleiche Bücher, zusätzlich zum gebundenen und zum elektronischen, die aber eben doch nicht gleich sind.
Manche möchten lieber das eine, weil es früher auf den Markt kommt, etwas stabiler ist oder eben zu den Büchern der Serie passt, die sie schon haben, andere wollen das Taschenbuch, weil es kleiner ist und besser in die Tasche passt. Wer sich das Foto von eBay vorgeben lässt und nicht darauf hinweist, um welche Taschenbuchversion es sich bei dem angebotenen Buch handelt, riskiert einen unzufriedenen Käufer, wenn es dem halt nicht nur auf den Inhalt ankommt. In den Produktdetails steht nämlich bei beiden oft nur "Taschenbuch".
Das führt dazu, dass ich schon häufig ein ganz anderes Buch erhalten habe, als ich kaufen wollte. Genauer geschrieben, habe ich ein "nur inhaltlich" gleiches Buch erhalten. Wer selbst Sammler ist, von was auch immer, der weiß, was ich meine. Wenn ich nachfrage, bekomme ich die Antworten: "Das Foto hat eBay mir zur Verfügung gestellt" oder "Die Angaben habe ich so von eBay übernommen" und manchmal werde ich auch ausgelacht, verspottet und beleidigt. "Dann kaufen Sie doch einfach im Laden!" oder "Ist doch völlig egal, wie das Buch aussieht, es steht doch das gleiche drin!".
Ja, letzteres ist sogar oft richtig, aber bei beispielsweise überarbeiteten oder neu übersetzten Ausgaben stimmt das nicht (siehe die letzte Ausgabe der "Herr der Ringe"-Trilogie, bei der etliche Übersetzungsfehler, die jahrzentelang in den bekannten, verbreiteten und vielfach gelesenen Ausgaben standen, endlich zur Freude der Fans korrigiert wurden). Oder, wie ich nicht müde werde, zu betonen: "Ersetze 'Buch' durch etwas, was Dir wichtig ist, und Du verstehst, was ich meine."
Und, gerade in Zeiten von eBooks, wo, wie eingangs erwähnt, selbst große Verlage oft nur noch kleine Auflagen zwischen 3000 und 5000 Stück drucken, sind gedruckte Bücher auch einfach schnell vergriffen, selbst wenn sie erst ein paar Jahre alt sind. Bei älteren Büchern ist das trotz höherer Auflage dann natürlich irgendwann auch der Fall. Manchmal muß der Leser, Sammler, Kunde und Käufer einfach gebraucht kaufen, obwohl er vielleicht das Geld für ein neues Buch hätte. Die meisten kaufen gebraucht, weil sie einfach sparen wollen oder müßen, insbesondere Vielleser und Sammler, wie ich.
An dieser Stelle würde ich Verkäufern, die sich den Aufwand für Ihre Kunden machen wollen, empfehlen, einen Hinweis in die Artikelbeschreibung mit aufzunehmen. Je konkreter desto besser. "Bilder können abweichen." und "Die Angaben wie Verlag, Erscheinungsjahr, Auflage etc. müssen nicht mit dem von mir angebotenen Buch übereinstimmen." sind wenig hilfreich, wenn der Anbieter nicht auch ergänzend hinzufügt, was denn anders ist. Oder Taschenbuch schreibt, obwohl es die broschierte Ausgabe ist, die angeboten wird.
Da könnte eine kurze Checkliste helfen, die man in die Artikelbeschreibung mit einfügt und jedesmal entsprechend anpasst. Wie das aussehen könnte, darauf komme ich noch zurück. Geduld, Geduld.

Begrifflichkeiten zu Befindlichkeiten

Zuvor eine Erklärung der von mir verwendeten Begriffe. Es gibt unterschiedliche Ausdrücke, sowohl von Normallesern wie von Sammlern (und Lesern) und antikquaren Händlern und Antiquariatsbesitzern, Bibliothekaren und was sich noch so alles mit Büchern beschäftigt.
Voderseite, früher auch mal "vorderer Buchdeckel" genannt, ist klar, Rückseite, also "hinterer Buchdeckel" auch.
Schwieriger wird es beim oft von mir so genannten Einband-Rücken oder Buchrücken oder linksseitig eingebundenem Buchblock, also das, "was man sieht, wenn man die Bücher nebeneinander ins Regal stellt", wie es mir gegenüber ein Händler mal sehr treffend ausdrückte. Ich verwende häufig Einband-Rücken, auch in diesem Ratgeber, manchmal auch Buchrücken, so weiß jeder, was gemeint ist. Ein Buch hat ja einen vorderen Einband (Buchdeckel), einen hinteren (oder rückwärtigen) Einband (Buchdeckel) und einen seitlichen Einband, den gebundenen Rücken des Buches.
Der Buchblock, also die Seiten, sind an der oberen, der (meistens) rechten und der unteren Seite nicht (ein-)gebunden, da spricht man vom seitlichen Buchblock, der zum Beispiel schief gelesen worden sein kann. Das bedeutet dann, dass er ein bißchen die Form einer Wendeltreppe angenommen hat, also einfach etwas verdreht aussieht, seitlich verzogen, nicht mehr ganz rechteckig (stellen Sie sich einfach vor, Sie würden hundert Bücher aufeinander stapeln, dann können Sie sich eventuell auch vorstellen, wie am Ende das zu unterst liegende Buch aussieht).
So, jetzt können wir weitermachen, wir sprechen nun die gleiche Sprache. Oder verwenden die gleichen Begriffe. Zumindest verstehen Sie meine. Hoffentlich. :)

Die Subjektivität der Zustandsbeschreibungen

Neben den Produktdetails und den vorgegebenen Standartbildern, die eBay sich nach Eingabe eines Schlagwortes vermutlich aus irgendeiner Datenbank zieht, von denen leider nicht immer alle auf dem neusten Stand sind oder schon immer grundlegend falsche Daten beinhaltet haben, gibt es für Leser und noch mehr für Sammler noch die individuelle, vom Verkäufer gestaltete Zustandsbeschreibung, die über einen (Fehl-)kauf entscheidet.
Und hier wird es manchmal schwer. Allerdings nicht ganz so schwer, wie bei den Anbietern, die gar nichts eigenes schreiben.
Was soll beispielsweise ein Satz wie "Nur einmal gelesen" über den Zustand eines Buches aussagen?
Ich hatte kurz vorm Schreiben dieses Ratgebers mal wieder so ein tolles Beispiel, diesmal mit individuellem Bild, auf dem man das Taschenbuch komplett aufgeklappt hat, damit der geneigte Betrachter Vorder- und Rückseite zusammen auf einem Foto betrachten kann. Da hat einer mal sehr wirtschaftlich gedacht und ein Foto gespart. Und damit es für's Foto auch stehen bleibt, wie sich das gehört, wurde das arme Buch nochmal so richtig umgebogen, glattgestrichen, vielleicht gebügelt. Und ich dachte mir: "Ja, Du hast es nur einmal gelesen, aber warum hast Du es denn dann für das Foto zerstört?". Zusammen mit der höchst kundenorientierten und heroisch selbstlosen Aussage, dass besagter Anbieter sogar die eBay-Gebühren selbst zahlt (was kein maßlos selbstloses Entgegenkommen des Verkäufers ist, welches die Welt mit mindestens einer Medallie und einer Statue an einem berühmten Platz in der Geburtsstadt des Verkäufers zu honorieren hat, sondern laut AGB von eBay und allen anderen Plattformen ein Muß für den Anbieter ist, was mittlerweile wohl jeder weiß), hatte ich ein gutes Beispiel für die Kategorie "Wie man es nicht machen sollte, wenn man tatsächlich etwas verkaufen will". Sie kennen das sicher, dieses tränentreibende "eBay ich, Versand du!", und ich bin immer ganz gerührt bei so viel Entgegenkommen und Bescheidenheit. Aber zurück zum Buch...
Man kann Bücher fünfmal lesen und sie sehen sehr gut aus, manche lesen ein Buch einmal und man weiß, dass es ein zweites Durchlesen wohl auch gar nicht überlebt hätte, und man schon fast aus Mitleid mit dem Buch auf "Sofort kaufen" klicken möchte.
Auch immer gerne genommen: "Normale Gebrauchsspuren". Was bitte soll das sein? In jeder Hinsicht läßt sich darüber streiten, was normal und was nicht normal ist, also gilt das auch für Bücher. Ist es normal, dass ein gebrauchtes Buch zum Beispiel Flecken hat? Oder wie viele Knicke im Einband-Rücken, die beim Lesen entstehen können, aber nicht unbedingt müssen, sind noch normal? Normale Eselsohren, weil man nie Lesezeichen benutzt?
Für manchen ist es normal, dass ein Einband-Rücken so viele Knicke hat, das er praktisch nach innen gerundet ist, weil der Leser ein Taschenbuch beim Lesen so umklappt, wie eine Zeitschrift. Wenn dieser Leser das schon immer bei jedem Taschenbuch macht, ist es sujektiv völlig normal. Für einen anderen, der schon sein Leben lang jedes Buch nur mit Handschuhen an den Händen anfasst und es in Schutzfolie einpackt, nachdem er es zum Lesen aus dem Safe holt, ist sein Verhalten wohl auch irgendwann Normalität geworden. Wenn die sich gegenseitig ihre Bücher zeigen, bricht ein Krieg aus. Doch auch ohne dieses Beispiel ist wohl jedem klar, dass "normal" nicht geeignet ist, um etwas zu beschreiben, schon gar nicht einen Gegenstand, den man an jemanden verkauft, der ihn sich nicht vorher ansehen kann.
Das gilt auch für "übliche Gebrauchsspuren", "gewöhnliche Gebrauchsspuren" etc., also nicht schummeln. Manche "mogeln" nämlich, und nehmen "leichte Gebrauchsspuren", aber auch das sagt ja nicht wirklich etwas aus, denn wie verlor der Gebrauch seine Schwere, sodass nun nur noch der "leichten Gebrauch" übrig blieb, oder ist er, also der "Gebrauch leicht" zu sehen und schwer zu übersehen? Auf welchen Teil oder welche Teile des Buches beziehen sich diese leichten Gebrauchsspuren? Auf den Einband? Vorderseite, Rückseite oder am Einband-Rücken? Knicke oder Eselsohren? Wo denn? Namenseintrag? Geburtstagsgrüße? Wie denn? Mit Edding oder Bleistift, auf der ersten Seite ganz groß, Widmung zum Jubiläum "55 Jahre der Firma treu ergeben, da darf auch mal ein bißchen Spannung sein", oder ganz klein, hinten, letzte Seite, innerer Buchdeckel, ganz links, "Weihnachten 1986, bei Oma im Schrank gefunden"? Mängelexemplar? Kein Problem, aber "nur" mit Stempel und leichten Kratzern hinten? Oder mit tiefen Schnitten oder Perforierung der Rückseite, die dann auch die letzten 40 oder mehr Seiten betreffen? Einband-Rücken durch Aufschlagen beim Lesen gerundet? Leicht, mittel oder stark?
Das sind nicht unerhebliche (und auch nicht immer leichte) Gebrauchsspuren, die einen potentiellen Käufer interessieren. Ich kann mit leichten Gebrauchsspuren nichts anfangen (und ich weiß, es geht vielen Käufern von Gebrauchtbüchern genauso, wir kommunizieren ja schließlich), es sagt nichts aus, ich muß also trotzem beim Anbieter nachfragen, und als Antwort kommt wirklich nicht selten ein teilweise ziemlich beleidigender Text zurück. Wenn überhaupt. In den meisten Fällen eher sowas wie "Kaufen Sie bitte bloß nie Bücher von mir!" Da weiß ich dann, es ist wohl alles vertreten, jeder Schaden, auf den sich meine Anfrage bezogen hat. Ich kann auch kurze Texte schreiben, auch wenn das hier jetzt nicht so aussieht. Und sehr höflich und sehr freundlich und nie sarkastisch, nie ironisch, denn ich möchte ja ein Buch kaufen, der Verkäufer soll also etwas für mich tun, ohne dass sicher ist, dass ich das Buch auch wirklich kaufe. Ich habe Respekt, wenn Verkäufer so etwas machen, also Fragen beantworten.
Schwierig wird es zudem mit "neuwertig" und "wie neu". Ich habe schon eine ganze Kiste voll mit neuwertigem Altpapier bei eBay gekauft. Dabei ist das doch gar nicht schwer: Neuwertig oder wie neu ist ein Buch, das ohne Ausnahme so aussieht, wie ein ganz neues Buch, nur dass es eben nicht mehr neu ist. Man darf auch "sehr gut" als Zustand wählen, das wird auch gekauft, da ist nichts schlimmes dran. Selbst "gut" findet durchaus bereitwillig Käufer, obwohl "gut" auch nicht so wirklich etwas aussagt. Ein "guter Zustand" läßt noch immer viel Raum für Spekulationen, da sind die Grenzen fließend.
Es ist ebenfalls immer schwer, nur darauf hinzuweisen, dass es ja schließlich ein gebrauchtes Buch ist. Das ist dem Käufer in der Regel bekannt, nur ist nicht jedes gebrauchte Buch im gleichen Zustand, so wie jeder andere gebrauchte Artikel auch, ob es jetzt um ein Auto geht, um eine Uhr, einen PC, eine Jacke, einen Fernseher, eine Sonnenbrille, ein Handy oder was auch immer.
"Gebraucht, einmal gelesen, super spannend" kann man sich komplett schenken, das erste weiß jeder, das zweite interessiert keinen und das dritte kann nur jeder für sich selbst herausfinden.
Es gibt doch ein Glossar für die Zustandsbeschreibung von Büchern, die im Online-Handel vertrieben werden, warum verwenden manche Verkäufer das nicht oder halten sich nicht daran? Soweit ich weiß, gibt es sowas für fast alle gebrauchten Artikel, für Bücher sieht das offiziell so aus (und ist noch nicht die von mir erwähnte Checkliste):

- Das Glossar für gebrauchte Bücher:

  1. neu: Nagelneu & unbenutzt, verlagsfrisch, aktuelle Ausgabe, manchmal noch eingeschweißt. Neue Bücher können eigentlich nur von gewerblichen Händlern angeboten werden. Oder es sind ungewollte Geschenke, die nicht den Geschmack des beschenkten (Wieder-)Verkäufers treffen.
  2. wie neu / neuwertig: Keinerlei Gebrauchsspuren, keine Knicke und Rillen am Einband-Rücken (Buchrücken), keine geknickten Seiten, keine Verfärbungen, Stempel oder Einträge, ungelesen, als Geschenk geeignet.
  3. mit Gebrauchsspuren / sehr gut: Gelesen, aber sehr gut und pfleglich behandelt. Eventuell mit wenigen, ganz leichten Knicken oder Rillen am Einband-Rücken (Buckrücken) oder an wenigen einzelnen Seiten, aber kaum erkennbar, evtl. Namenseintragung oder Stempel an nicht sichtbarer, unauffälliger Stelle, leicht vergilbte Seiten bei älteren Exemplaren, Buchblock nicht verzogen, also nicht schief. Sehr gut erhaltene Sammlerstücke.
  4. deutliche Gebrauchsspuren / ausreichend: Deutliche Knicke am Einband-Rücken (Buchrücken), geknickte Seiten, evtl. leichte Risse in einzelnen Seiten, aber keine losen Seiten, Flecken, evtl. einige Eintragungen / Unterstreichungen mit Bleistift, schiefgelesener, verzogener Buchblock, ehemalige Bibliotheksexemplare, auschließlich zum Lesen geeignet.
  5. stark abgenutzt / mangelhaft: Viele Knicke, Flecken, Risse oder andere, benannte Schäden, evtl. einzelne lose Seiten (aber komplett), evtl. Eintragungen / Unterstreichungen mit Textmarker oder Kugelschreiber, Wasserschaden.
Auf folgende Sachverhalte muss gesondert hingewiesen werden: Widmung, Namenseintrag oder Stempel, gekennzeichnetes Mängelexemplar (Stempel am Buchschnitt und / oder Schnitte auf der Buchvorder- oder -rückseite, besonders, wenn von den Schnitten auch Seiten betroffen sind), ehemaliges Bibliotheksexemplar, Lese- / Rezensionsexemplar, fehlender Schutzumschlag, fehlender Schuber (falls im Original vorhanden), fehlende Beigaben (z. B. CDs, herausnehmbare Karten oder Bilder), starker Geruch (z. B. Raucherhaushalt), Tierhaare (auch wegen möglicher Allergien).

Nicht jeder der Punkte muß zutreffen, liegt ein Buch zwischen zwei Beschreibungen, muß man selbst entscheiden, ob man lieber eine etwas schlechtere Einordnung wählt, der Käufer positiv überascht wird und entsprechend bewertet oder die bessere Qualität angibt und wohlmöglich mit dem Käuferfrust rechnen kann, wenn der sehr empfindlich ist. 
Wenn sich aber an dieses Glossar jeder Buchanbieter hält, es einheitlich genutzt wird und eBay dies inklusive der exakten Erläuterungen ins Verkaufsformular integriert, dann würden sich unnötige Auseinandersetzungen nach einem enttäuschenden Kauferlebnis vermeiden oder zumindest deutlich verringern lassen, vorausgesetzt, die Anbieter sind ehrlich in der Beschreibung, auch wenn das unter Umständen weniger Käufer, weniger Gebote, weniger Geld bedeuten kann. Aber der weitaus größere Anteil der Anbieter ist es, das ist meine persönliche Erfahrung.
Manche Profis verwenden bereits ein ihnen vertrautes, eigenes Glossar oder Abkürzungen zur Zustandsbeschreibung, die zwar bei einem Antiquariatstreffen geläufige Sprache sind, für den Normalleser und selbst für den Normalsammler sind sie aber Fachchinesisch, gemischt mit Jägerlatein und Insidersprech, womit ja auch niemandem geholfen ist.

Der Sinn oder Unsinn der Klappentexte

Sich die Fragen zu stellen "Was interessiert mich, was sammle ich?", wenn es keine Bücher sind, und "Was ist mir beim Kauf dann besondern wichtig zu wissen?" kann, wie erwähnt, die Angebotsbeschreibung verbessern, wenn einem denn zufriedene Käufer, die vielleicht zu Stammkunden werden, am Herzen liegen. Manchen Lesern ist der Zustand egal, und das ist dann auch völlig ok. Aber eben nicht allen, und genau diesem Teil der Käufer ( und das ist oft auch der Teil, der mehr Geld auszugeben bereit ist, eventuell zum Stammkunden wird) hilft es, entweder das Glossar oben oder vielleicht die Checkliste im nächsten Absatz bei der Zustandsbestimmung und der individuellen Angebotsbeschreibung zu berücksichtigen.
Es bringt meiner Meinung nach gar nichts, irgendwo aus dem Internet eine Inhaltsangabe oder den Klappentext eines Buches zu kopieren und ins Angebot zu stellen, denn die wenigsten Käufer suchen bei eBay auf die Art und Weise nach einem neuen und für sie interessanten Buch, wie sie es zum Beispiel in einer Buchhandlung tun würden. Soll heißen, der größte Teil der Käufer weiß, um was es in dem Buch geht, zumindest wovon es handelt, wer die Protagonisten sind etc. Es geht bei eBay ja nicht in erster Linie darum, etwas neues für sich zu entdecken, sondern etwas, das man kennt und sucht und haben will, zu finden und dann möglichst günstig in möglichst guter Qualität zu kaufen oder zu ersteigern.

Die kurze und knackige "Ja/Nein-Entweder/Oder"-Checkliste:

Zusätzlich zu den Hinweisen auf Abweichungen zu den vorgegebenen Produktdetails und der Orientierung am Glossar, fällt mir noch eine Art Checkliste ein, wie bereits weiter oben erwähnt, die man abspeichern und in jeden Angebotstext einfügen könnte, um sie dort dann dem entsprechenden Buch anzupassen. Das wären dann wohl ganz individuelle, persönliche Angaben über die Beschaffenheit des Buches, die wirklich jeden Kunden sehr erfreuen sollten. Stichwort Kundenbindung, wem das wichtig ist.
Das Beispiel ist nur ein Rohentwurf, den jeder für sich entwerfen und gestalten kann. Viele speichern ja auch den Satz oder Text ab, in dem alles mögliche ausgeschlossen wird, um ihn dann ins Angebot einzufügen.
Da könnten dann unter anderem die folgende Fragen und vor allem die dazugehörigen Antworten stehen, die ich jetzt mal von den Dingen abgeleitet habe, die mir bei gebrauchten Büchern wichtig sind:
  • Handelt es sich um ein Mängelexemplar mit Strich oder Stempel?
  • Hat das Mängelexemplar Schnitte oder eine Perforation oder nur leichte Kratzer?
  • Sind Einband oder Seiten geknickt?
  • Gibt es Eintragungen, wie Name, Datum oder eine Widmung? (Zutreffendes bitte erwähnen)
  • Ist der Einband-Rücken (Buchrücken, seitlicher Buchblock) zwar knickfrei, aber trotzdem gerundet (passiert häufiger bei sehr dicken Taschenbüchern oder bei den broschierten Auflagen)?
  • Gibt es leichte Leserillen oder schon starke Leseknicke im Einband-Rücken? (Zutreffendes bitte erwähnen)
  • Ist der Buchblock schief gelesen oder verzogen und deshalb erkennbar aus der ursprünglichen Form geraten?
  • Stimmen die Coverabbildung und die Angaben aus den vorgegebenen Produktdetails wie unter anderem Verlag, Auflage, Format und Erscheinungsjahr mit dem angebotenen Buch überein? (Abweichungen bitte erwähnen)
  • Bei einem gebundenen Buch: Ist der originale Schutzumschlag vorhanden und mänglefrei?
Das alle Seiten vorhanden sind, setze ich irgendwie immer voraus und bis jetzt habe ich da auch immer Glück gehabt...
Fast alles kann man mit "Ja" oder mit "Nein" beantworten und jeder Käufer kann sich ein etwas besseres Bild vom Angebot machen. Ganz einfach und daurt bestimmt nicht lange. Wer mehr Zeit hat, läßt die Fragen weg und macht aus den Antworten einen kurzen Text, so wie "Ich biete das Buch xyz in der broschierten Ausgabe an, es ist ein Mängelexemplar mit Stempel, aber ohne Schnitte auf der Rückseite. Der Umschlag ist nicht geknickt, es gibt aber einige wenige an den Ecken geknickte Seiten...." und so weiter. Ist nur ein Vorschlag, und der bedeutet ja auch nicht zwangsläufig, dass das Buch nicht mehr verkauft wird, im Gegenteil, ich weiß dann eben einfach, was ich bekomme und wie es aussieht, wenn ich den Briefumschlag aufmache.

Zu guter Letzt kommt das schlechte Ende

Ich habe mir irgendwann aufgrund einiger übler Erfahrungen insgesamt, also bei allen Internet-Plattformen, auf denen gebrauchte Bücher angeboten werden, überlegt, dass es für mich sinnvoll sein kann, wenn ich den Anbietern vorher eine oder auch mehrere Fragen zu ihrem angebotenen Buch stelle. Gerade wenn es von einem Buch sehr viele unterschiedliche Auflagen in verschiedenen Formaten gibt oder Neuübersetzungen erschienen oder Verlagswechsel stattfanden oder das Buch schon vor zehn oder mehr Jahren veröffentlicht wurde oder es sehr bekannt und verbreitet war (viele Angebote beinhalten zwangsläufig auch mehr Exemplare in weniger gutem Zustand).
Dazu habe ich mit sehr unterschiedlich langen und umfangreichen Texten experimentiert, immer die jeweiligen Rückmeldungen der Verkäufer verarbeitend, um die richtige Mischung aus möglichst kurzer Frage aber mit den mir wichtigen Punkten zu finden, natürlich immer höflich und freundlich, denn ich unterstelle ja niemandem, dass hier Altpapier verscherbelt werden soll, ich möchte eine Information vom Verkäufer und das ist für diesen manchmal mit Aufwand verbunden, weswegen ich froh bin, wenn ein Verkäufer sich diese Mühe für mich macht.
Die Antworten hätten mich fast dazu gebracht, selbst ein Buch zu schreiben. Ich wurde beschimpft, beleidigt, vom Kaufen und Fragen durch Sperrung oder Blacklist abgehalten, ein Käuferschutzantrag brachte mir sogar eine durchaus beeindruckende Drohung ein, die Rücknahme einer "Ausreichend"-Bewertung hätte mir allerdings auch fünf Euro einbringen können, wenn ich es gemacht hätte.
Darum, in eigener Sache: Liebe Verkäufer, wenn Ihr nicht wollt, dass Käufer Euch Fragen zum Artikel stellen, dann schreibt genau das ins Angebot: Bitte keine Fragen! Oder, wenn auf der Plattform technisch gegeben, schaltet die Funktion, Euch zu kontaktieren einfach ab. Oder schreibt: "Kontakt nur nach Kauf. Kontakt immer nur Bestellungsbezogen." Oder was auch immer Euch nervt. Ansonsten stellen Interessenten manchmal komische, pingelige, unwichtige, mit Aufwand verbundene oder unverständliche Fragen, bevor sie ein Buch (oder ein Auto, oder ein Haus, oder...) kaufen. Wenn Ihr das nicht tut, dann rechnet mit Fragen, die beantwortet werden wollen.

So, jetzt habe ich einen Ratgeber geschrieben. Keine Ahnung, für wen, keine Ahnung, ob er irgendjemanden irgendwie nützlich ist, keine Ahnung, ob es überhaupt ein Ratgeber ist. Konstruktives Feedback zu meinen Ideen ist erwünscht, auf Beleidigungen (nicht Beleidsbekundungen) kann ich verzichten.
Viel Spaß bei eBay und Co., viel Spaß im Buchgeschäft oder der Online-Plattform Eurer Wahl, viel Spaß beim Lesen oder was auch immer Ihr gerade so macht.

(Rechtschreibfehler erhöhen die Identifikation der Leser mit dem Protagonisten, darum sind sie beabsichtigt, außer ich wäre zu faul, den Text jetzt noch ein weiteres Mal zu lesen, was ich hier niemals schreiben würde. Vielleicht beim nächsten Ratgeber....)
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