Was ist typisch für orientalischen Schmuck?

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Was ist typisch für orientalischen Schmuck?

Der typische Schmuck im Orient

Im Land der aufgehenden Sonne wird Schmuck zu den unterschiedlichsten Anlässen getragen. Der orientalische Schmuck hat dabei nicht nur einen symbolischen, sondern auch einen feierlichen Charakter. In bestimmten Kulturen wird mit dem Schmuck auch die soziale Stellung der Trägerin gezeigt. Zum Orient zählen im modernen Sprachgebrauch nicht mehr alle Länder, die westlich von Europa liegen, sondern vorrangig der Nahe Osten und die arabisch-islamische Welt. Dazu werden neben den arabischen Staaten Vorderasiens und Israel auch Zypern, Ägypten und der Iran gezählt. Bei eBay finden Sie aber neben Schmuckstücken aus dem Nahen Osten auch filigrane Arbeiten aus dem indischen Subkontinent, da der Schmuck der Inderinnen seit den Bollywood-Filmen als Inbegriff für orientalischen Schmuck gilt.

Schmuck aus der arabisch-islamischen Welt

Typisch für den Schmuck der arabisch-islamischen Welt sind zwei Symbole: das blaue Auge und die Hand. Das Auge soll dabei den bösen Blick spiegeln und ihn so abwehren können. Das blaue Auge richtet dem Glauben nach den Blick auf das Gegenüber und damit sollen Neider abgehalten werden. Der Farbe Blau wird eine schützende Wirkung nachgesagt und deswegen findet man meistens blaue Augen. Der Sage nach soll Fatima, die die jüngste Tochter der ersten Frau des Propheten Mohammeds war, wunderschöne blaue Augen gehabt haben. Als sie eines Tages vom bösen Blick getroffen wurde, ist eines davon erblindet. Oft wird das Auge auch mit einer Hand kombiniert. Diese Hand steht dabei für die Hand Fatimas. Ihre Kinder erreichten alle das Erwachsenenalter und deswegen gilt Fatima als Vorbild für Mütter. Diese symbolische Hand soll wie das Auge böse Einflüsse abwehren, aber auch Segen spenden. Da im Islam nicht erlaubt ist, Bilder von der Schöpfung Allahs darzustellen, sind auch keine anderen Motive wie zum Beispiel Tiere oder Pflanzen erlaubt. Gestattet sind neben symbolhaften Darstellungen allerdings Schriftzüge und Ornamente. Die Schriftzüge, oft mit Sprüchen aus dem Koran, finden sich oft auf Anhängern.

Des Weiteren sind für den Islam auch die feinen goldenen Armreifen typisch. Dabei werden viele von diesen Armreifen gleichzeitig getragen, da sie insgeheim als Zahlungsmittel und somit als Wertanlage gelten. Diese Armbänder werden bei Hochzeiten oder Geburten verschenkt, wobei die Trägerinnen so gut wie immer den genauen Wert des jeweiligen Armreifes kennen. Für einen streng nach dem Islam lebenden Mann ist es aber nicht erlaubt, Schmuck zu tragen, während dies einer Frau hingegen gestattet wird.

Schmuck für alle Körperteile

Wie der islamische Schmuck hat der Schmuck im Orient allgemein mehrere Funktionen. Neben dem Zweck, den Körper zu schmücken, soll er als Schutz gegen böse Geister helfen. Auch betont er den gesellschaftlichen Rang und die Stellung des Trägers oder der Trägerin. Die wichtigste Funktion ist allerdings die der Kapitalanlage. Weil aber in schlechten Zeiten immer wieder Schmuck zu Geld gemacht werden musste, sind nur wenige echt typische Schmuckstücke erhalten. Schmuck wird zumeist aus Gold angefertigt, da dieses eine reinigende Wirkung auf den Träger haben soll.

Die Schmuckstücke für Stirn, Nase und Ohren

Stirnschmuck

Das Bindi, oder auch Tilak, ist wahrscheinlich das typischste der Schmuckstücke. Als Bindi wird der Punkt in der Mitte der Stirn bezeichnet. Das Wort Bindi wird von „bindu“ hergeleitet, was nichts anderes als „Punkt“ bedeutet. Dieser hat keine Dimension, weder Länge, noch Höhe, noch Breite. Deswegen gilt er in spiritueller Hinsicht als Beginn aller Dinge. Dabei tragen im Hinduismus Männer wie Frauen den Punkt. Je nach Muster lässt sich dabei auf die religiöse Richtung des Glaubens schließen, wobei das Bindi das dritte Auge darstellt, das für die Quelle der Erkenntnis und der Intuition steht. Das Bindi entstand aus einem Ritual bei der Hochzeit von Anhängern des Hinduismus. Dabei wurde auf den Scheitel der Frau rote Farbe aufgetragen, die dem neuen Heim Wohlstand verheißen sollte. Der Punkt soll die Frau zur Hüterin des Wohlergehens machen. Schwarze Bindis stehen meist für unverheiratete Frauen, während rote Bindis signalisieren, dass die Frau vergeben ist. Konservative Hinduistinnen verwenden immer noch nur rote, kreisrunde Punkte, während modernere Frauen Bindis tragen, die farblich mit dem Sari abgestimmt sind. Diese Bindis gibt es in den verschiedensten Farben und Ausführungen, von schlicht bis zu auffällig mit Strass geschmückt. Ein weiterer typisch orientalischer Schmuck für die Stirn ist das Tikka. Dieses ist ein Anhänger, der an einer Kette befestigt wird, die über die Scheitellinie verläuft. Das Tikka hängt in der Mitte der Stirn an der Stelle des dritten Auges. An dieser Stelle liegt auch das Ajna-Chakra, das für Bewahrung und die Union zwischen Mann und Frau steht. Tikkas werden hauptsächlich von Frauen getragen, die zwar noch nicht verheiratet sind, aber dennoch einen bestimmten Mann im Auge haben oder verlobt sind. Aber auch die Haare selbst werden üppig geschmückt, entweder mit verspiegelten Steinchen, einem speziellen Haarschmuck für lange Zöpfe oder Klammern. Das Wichtigste dabei ist, dass der Schmuck glänzt und glitzert.

Nasenschmuck

Der traditionelle Nasenring oder Nasenstecker, ist ebenso typisch für orientalische Frauen. Da es angeblich eine Verbindung zwischen der Nase und sexuellen Reizen geben soll, wird der Nasenring mit den weiblichen Fortpflanzungsorganen in Verbindung gebracht. Nach der traditionellen Medizin soll ein Piercing durch die linke Nasenseite Geburten vereinfachen und Regelschmerzen lindern. Da ein echt goldener Nasenring ziemlich schwer sein kann, wird er mit einer Kette an den Haaren befestigt. Bestimmte Volksgruppen tragen diesen Ring allerdings ohne die Kette. Ein weiteres Schmuckstück der Nase sind die Bulaks. Damit werden Anhänger bezeichnet, die an einem Piercing in der Nasenscheidewand befestigt werden. Diese Schmuckstücke sind teilweise so groß, dass sie die Trägerin beim Essen behindern und solange abgelegt werden müssen. Dem Glauben nach soll es dem Mann mit jedem Atemzug, den seine Frau durch das Bulak atmet, Glück bringen.

Ohrschmuck

Da angenommen wird, dass nicht nur die Nase, sondern auch das Ohr mit der Sexualität zusammenhängt, wird auch dem Ohrschmuck eine besondere Bedeutung beigemessen. Das Durchbohren der Ohrläppchen wird in vielen Kulturkreisen praktiziert, um vor bösen Einflüssen zu schützen. Auch soll ein Ohrenpiercing gut für das Sehvermögen sein und den Geist schärfen. Zudem sollten die Ohren mit dem Piercing für Dinge, die sie nicht hören sollten, bestraft werden. Die Ohrringe dienten dabei als Trost und Entschädigung. Es wurde geglaubt, dass die Entschädigung umso größer sei, je wertvoller und dekorativer die Ohrringe waren. Für eine verheiratete Frau waren und sind Ohrringe glücksverheißend. Zusätzlich konnte man am Ohrschmuck den Status und Stand einer Frau ablesen. Dabei galt eine Frau umso hübscher, je länger die Ohrläppchen waren. Um gesund zu bleiben und auch gesellschaftlich anerkannt zu sein, wurde von den Frauen jeder Teil des Ohres mit Schmuckstücken behängt. Durch die Jahrhunderte hielt sich der Brauch der Ohrblume. Dabei werden heute die frischen Blumen hinter den Ohren durch üppige Schmuckstücke ersetzt, die über die Ohren gehängt werden.

Schmuck für Hals und Hände

Üppige goldene Halsketten sind ebenfalls typisch für Frauenschmuck aus dem Orient. Die Ketten sollen dabei den Blick des Gegenübers auf die Halskette und somit weg von den Augen lenken. Damit ist die Frau vor dem bösen Blick geschützt, der immer als Erstes auf den Körper trifft. Die Ketten sind fein ziseliert und das modischste Accessoire. Sie können aus Gold und Silber, aber auch aus Glas oder Diamanten angefertigt sein. Traditionellerweise werden bestimmte Halsketten der Frauen bei der Hochzeitszeremonie angelegt und erst beim Tod des Mannes wieder abgenommen. Sie symbolisieren quasi den europäischen Ehering. Ein weiteres typisches Zeichen für verheiratete Frauen sind viele Armreifen und Armringe. Diese können aus den unterschiedlichsten Materialien in den verschiedensten Farben bestehen. Manche unverheiratete Frauen tragen zwar auch viele Armreifen, aber alle verheirateten Frauen tragen dieses Schmuckstück. Die Armreifen dienen auch zur Kommunikation zwischen den Eheleuten, da ein aufmerksamer Ehemann schon am Klingeln erkennen kann, ob seine Frau gerade wütend ist oder nur seine Aufmerksamkeit haben will. Die dünneren Armreifen sind oft aus Glas, die dickeren Armreifen werden oftmals mit Glöckchen behängt. Bei einer orientalischen Hochzeit werden zudem auch am Oberarm Reifen getragen. Diese müssen eng sitzen, damit sie nicht rutschen können. Auch eine Kette um das Handgelenk, die mit den Ringen an den Fingern verbunden ist, ist ein typisch orientalisches Schmuckstück. Dabei kann nur ein Ring vorhanden sein, oder mehrere. Diese Kette wird Sklavenarmband oder in Anlehnung an die Ohrblume auch Handblume genannt. Da Armreifen traditionellerweise sehr eng getragen werden, ist es der Trägerin nicht möglich, diesen Schmuck alleine abzunehmen. Dieses Schmuckstück wird als Zeichen getragen, dass eine Frau nicht mehr zu haben ist.

Fußketten, Zehenringe und Hüftketten

Natürlich dürfen beim typisch orientalischen Schmuck die Füße nicht vergessen werden. Sie können analog zur Sklavenkette für die Hand mit Kettchen und Ringen versehen werden. Das Wort „nupura“, das in Sanskrit für die Fußketten steht, wird auch mit den Frauengemächern im Palast in Verbindung gebracht. Denn die Ketten sind oft mit kleinen Glöckchen versehen, die den Mann in die Gemächer locken sollen. Typischerweise besteht Schmuck ab der Taille abwärts aus Silber und von der Taille an aufwärts aus Gold. Besonders die Zehenringe sollten nie aus Gold sein, denn die Füße berühren den Boden, der als unrein gilt. Zehenringe sind dabei auch einzeln erhältlich. Besonders für den orientalischen Bauchtanz werden Hüftketten benötigt. Da ein Sari hauptsächlich die Hüften betont, müssen diese naturgemäß auch geschmückt werden. Dies ist beim Bauchtanz von Vorteil, denn ein Hüftgürtel hält zudem den Sari am Körper. Bei den Frauen der Beduinen sind zudem reich verzierte Gesichtsschleier beliebt.

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