Was ist alter Gablonzer oder Neugablonzer Modeschmuck?

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Zu erst ein Irrglaube aufklären: Es gab niemals eine Firma namens "Gablonz" - und "Neugablonzer-Schmuck" ist kein neuer "Gablonzer-Schmuck".

Vielmehr ist "Gablonz" bitte eine Ortschaft in Böhmen und "Neugablonz" eine Ortschaft im Allgäu/Bayern.

Vor 1945 waren in "Gablonz" hauptsächlich deutschstämmige Böhmen angesiedelt.

Seit ca. 1900 entstand in dieser Stadt eine Schmuckindustrie von zig Firmen und kleinen Manufakturen, die den weltbekannten "Gablonzer Schmuck" herstellten.

Unter anderen war hier auch eine heutige Welt-Firma bzw. Konzern (heute in Österreich) für Herstellung von edelen Crystal-Glassteine ansässig. Ich erwähne diesen Namen der Firma bzw. damalgen Glashütte, lieber nicht.
Erfahrende Sammler wissen von welcher Firma ich Rede. Diese versendet sogar Abmahnungen an eBayer und läßt manchmal eBay-Auktionen löschen, wenn der damaligen Hersteller der Steine namentlich in Angeboten von alten Gablonzer oder alten Neugablonzer-Schmuck ohne bestimmte Zusätze erwähnt ist.

Diese Firma stellte also z.B. zu dieser Zeit nur Glassteine für diese Schmuckmanufakturen her, wenn die Firmen keine eigene Glashütten unterhielten.

Vorwiegend amerikanische Firmen, die hier Ihren Schmuck in Auftrag gaben, sorgten für einen stabilien Umsatz. Deshalb redete die Nazi-Gewaltherrschaft, nach der Besetzung von Böhmen, als den Produktionsstätten von "Neger-Schmuck" und die Schmuckindustrie wurde nicht weiter in dieser ruhmlosen Zeit gefördert und teilweise zwangsweise zur Waffenproduktion verfremdet.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurden alle deutschstämmigen Bürger aus Böhmen vertrieben und nach Deutschland und teils nach Österreich zwangsumgesiedelt.

Viele Firmen wurden komplett z.B. vereinzelt nach Schwäbisch Gmünd oder hauptsächlich nach Kaufbeuren umgesiedelt.

Hier, bei Kaufbeuren, Allgäu, entstand dann die heutige neue Ortschaft "Neugablonz". Und die Firmen fingen an wieder Schmuck in der einmaligen hohen Qualität zu produzieren, wie vor dem Krieg in Gablonz, Böhmen.

Die Glashütten wurden nicht neu aufgebaut. Hier bezogen die Manufakturen nun faßt vollständig ihre Glassteine von der bereits erwähnten Welt-Firma aus nun Österreich.

Da es keine Deutschen mehr in Gablonz selbst gab, gab es ab dann, nach 1945, auch mit den nun wiederum hier neu angesiedelten Tschechen und Slowaken überhaupt keine Schmuckindustrie mehr in Gablonz. Die nun herrschenden Kommunisten hatten in Ihrer Planwirtschaft keinen Platz für Schmuck. Alle Glashütten wurden nun restlos abgebaut und oder anderer Produktion zugeführt. Auch weil wegen der Zeit des kalten Krieges und des eigentlich fehlenden "Know how´s" nicht mit Aufträgen aus den USA zu rechnen war.

Es gibt also überhaupt keinen wirklichen sammelwürdigen "Gablonzer-Schmuck" mehr nach 1945, darum kann der heutige Sammler eigentlich nur Stücke vor der Zeit 1945 suchen und begehren.

Nach den Fall des Kommunismus erinnerte man sich Anfang der 90er Jahre wieder an diese alte Tradition und eine kleine Schmuckindustrie wurde auch hier, in Gablonz wieder neu aufgebaut. Aber das "Know-how" der ehemaligen Deutschen fehlt nun und diese Stücke, heute hier produziert, haben wahrlich nichts mehr mit den alten Gablonzer Schmuck zutun. Stücke haben zwar teilweise die gleichen Formen, aber in Brillanz der Steine, stabile Fertigung etc. hat dies einfach nichts mit den alten begehrenswerten Stücken vor 1945 zu tun. Es ist schlicht und einfach Neuware, Nachahmungen....In der Sammlung von alten Modeschmuck, bitte nur als mahnendes Beispiel aufzunehmen.

Aber ohne weiters, taugen diese Stücke zum Tragen, solange sie halten.

In Neugablonz entwickelte sich in der Zeit um 1950 bis Mitte 1965 wieder eine ruhmreiche Produktion und der Schmuck wurden wegen des "Know how`s" wieder in der altbekannten Qualität, nur in Handarbeit gefertigt. Auch amerikanische und französische Firmen und Designer gaben wieder Auftrage an Neu-Gablonzer Manufakturen, Trifari, Dior etc. etc. Neben der Auftragsproduktion gab es aber immer auch eigene Design-Arbeiten, Stücke und Kollektionen.

Mitte der 60er Jahre kam der Kunststoff beim Modeschmuck auf und Schmuck wurde nun vermehrt, zunächst in Japan, dann in Taiwan und China komplett maschinell hergestellt.

Die Neugablonzer Manufakturen konnte mit ihren Qualitätsbewußtsein und zu mindestens weiterhin teilweisen Handarbeit, als auch mit der Verwendung nur erstklassiger und vollständig geschliffenen Glassteine, wirtschaftlich bzw. preislich nicht mithalten, mit der weltweiten neuen Massenproduktion.

Und selbst die erwähnten namhaften US-Firmen und Designer vergaben Ihre Auftrage nun nach und nach an die u.a. japanische Fabriken und Asien, wo dann der Schmuck nun auch dieser Designer mit Maschinen in Massen hergestellt wird.

Nach und nach gingen nun die alten Schmuckmanufakturen in Neu-Gablonz pleite oder mussten vorher schließen, auch weil die Aufträge nun fehlten.

Heute gibt es in Kaufbeuren/Neugablonz ein sehenswertes Schmuck-Museum (kommt man öfters auf dem Weg nach Garmisch vorbei ein Stopp sollte hier für jeden Sammler mal zwingend sein) und nur einige ganz wenige Hersteller, die die Fahne der Qualität aus Neugablonz, mit aber teils veränderten Produktionsweisen, hochhalten.

Also Fazit: es gibt praktisch keinen neuen "Neugablonzer Modeschmuck", das "Neu" steht hier als Bestandteil des Ortsnamen und hat nichts mit dem Herstellungsdatum zutun. Vielmehr gibt es heute aber vermehrt neuen, heute hergestellten "Gablonzer Schmuck".

Für den heutigen Sammler von alten Modeschmuck und international auch gesucht, sind nur alte Gablonzer Stücke vor 1945 und Neugablonzer Stücke vor 1980 und teils bis heute.

Gruß´

 

Sammlerberater

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