Was bringt einen besseren Klang: Saphir- oder Diamantnadeln?

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Was bringt einen besseren Klang: Saphir- oder Diamantnadeln?

Der elektrische Schallplattenspieler ist eine Erfindung des frühen 20. Jahrhunderts. Bis Mitte der dreißiger Jahre war in den Wohnzimmern das Grammofon weitgehend durch elektrische Plattenspieler ersetzt worden. Mit der Erfindung des Vinyls in den Fünfzigern trat der Plattenspieler seinen endgültigen Siegeszug an. Als einziges Tonträger-Medium erlebte die Schallplatte in den Sechziger- und Siebzigerjahren ihren Höhepunkt. In dieser Zeit konnte auch durch Entwicklung der Hi-Fi-Norm die Wiedergabe-Qualität gesteigert werden.

Die Monopolstellung der Schallplatte wurde mit der Einführung der Audiokassette und CD aufgehoben. Seit den neunziger Jahren ist der Verkauf von Plattenspielern drastisch eingebrochen. Eine große Gruppe von Musikliebhabern schwören jedoch auf den Klang einer Schallplatte. Auch für professionelle Discjockeys sind Plattenspieler ein unverzichtbares Utensil. Das schnelle Mixen, Backspinning und Scratchen ist nur mit der manuell bedienbaren Schallplatte machbar. Obwohl es mittlerweile schon Möglichkeiten gibt, über digitale CD-Player das Mixen zu simulieren, wird ein DJ bestätigen, dass diese Methode nicht mit der Arbeit an einem analogen Plattenspieler vergleichbar ist.

Legendär ist der vor rund zwanzig Jahren auf den Markt gebrachte Plattenspieler Technics MK2, der bis heute in vielen Diskotheken zum Einsatz kommt. Alle späteren Modelle, Weiterentwicklungen und Nachbauten, wurden und werden an diesem Kult-Modell gemessen. Seit 2005 ist erneut ein Aufwärtstrend der Verkaufszahlen von analogen Plattenspielern zu verzeichnen. Derzeit stellen Firmen wie Linn Products, Technics, Dual und NAD noch immer hochwertige High-End-Plattenspieler her.

Der Laserplattenspieler, ein Kind der Neunziger – ohne Nadel geht es auch?

Seit den neunziger Jahren wurden auch Laser-Plattenspieler entwickelt. Die Nadel wird hier durch einen Laserstrahl ersetzt, der die Schwingungen berührungslos aufnimmt. Auch hier werden die digitalen Informationen anschließend auf den analogen Tonabnehmer übertragen. Ein entscheidender Nachteil ist jedoch, abgesehen von den enormen Anschaffungskosten, die hohe Empfindlichkeit des Laserabnehmers. Das bedeutet, der Plattenspieler muss häufig neu kalibriert werden.

Deswegen konnte sich die Lasertechnik nie wirklich durchsetzen. Ein weiterer Grund, warum die Verkaufszahlen von Laser-Plattenspielern nie den gewünschten Wert erreichten, ist die Tatsache, dass Vinyl-Liebhaber eben gerade auf das typische Geräusch des Knackens und Rauschens nicht verzichten möchten. Vinyl muss dafür analog abgetastet werden. Vinyl-Anhänger haben außerdem eine eigene emotionale Bindung zu Schallplatten und analogen Plattenspielern: Vinyl ist für sie eine Art Lebenseinstellung.

Die Nadel eines Plattenspielers – das Herzstück des guten Klangs

Schallplatten bestehen aus einer Rille, die bei analogen Plattenspielern von einer Metall-, Saphir- oder Diamantnadel abgetastet wird. Ein mechanischer Tonabnehmer, in Umgangssprache auch Tonkopf genannt, wandelt die minimalen Schwingungen, die die Nadel auf der Rille verzeichnet, in elektrische Signale um. Diese müssen, um einen perfekten Klang zu ergeben, anschießend verstärkt und entzerrt werden. Am Beginn des guten Klangs steht bei Plattenspielern folglich stets eine gute Nadel, deren Auswahl sorgfältig bedacht werden sollte.

Die Nadel ist der einzige Punkt, an dem der Tonabnehmer und die Schallplatte miteinander in Berührung kommen – sozusagen der alles entscheidende Bruchteil eines Millimeters. Dieser Punkt ist auch die Stelle an einem Plattenspieler, die sich am meisten abnutzt und daher auch von Zeit zu Zeit erneuert werden muss.

Eine gute Nadel sollte daher selbst möglichst langlebig sein. Das bedeutet, dass ihre Abnutzung möglichst gering sein sollte - ganz vermeiden lässt sich Verschleiß jedoch nie. Ein weiterer Anspruch, der an eine Plattenspieler-Nadel gestellt wird, ist, dass sie selbst die Rillen der Schallplatte nicht beschädigt. Das bedeutet nicht, dass sie tiefe Furchen in das Vinyl zieht, sondern lediglich, dass sie die Rillen selbst nicht zu sehr abnutzt. Die Auflagefläche muss daher möglichst gering sein. Dennoch sollte sie, und das ist die dritte bedeutende Eigenschaft einer guten Nadel, die Rille sehr exakt abgreifen und die Schwingungen an deren Tonabnehmer zur Umwandlung in akustische Signale weitergeben.

Unterschiedliche Materialien der Nadelspitze – die geschichtliche Entwicklung

Die ersten Grammophone waren mit einer simplen Nadel bestückt, die völlig aus Stahl bestand und deren Spitze einfach spitz geschliffen war. Diese Art der Nadel war sehr leicht auszutauschen, hatte aber den Nachteil, die Rille des Schellacks sehr zu beanspruchen. Ein weiteres Manko war die schnelle Abnutzung der etwa 0,7 Millimeter breiten Nadel. Nach nur wenigen Abspielstunden war die Nadel nicht mehr zu gebrauchen und musste gewechselt werden. Geschah dies nicht, wurde die Metallspitze die Rille der Schallplatte beschädigen.

Bereits in den ersten Phonographen, Ende des 19. Jahrhunderts, wurde als Material für die Spitze der Nadel Saphir eingesetzt. Der Vorteil dieses Edelsteins liegt in seiner Härte und somit in seiner Haltbarkeit. Kurze Zeit später verwendete der bekannte Erfinder Edison bereits eine Diamantnadel. Bekanntlich handelt es sich bei Diamanten um den härtesten Stoff, daher scheint es das beste Material zu sein für eine Spitze, die sich möglichst wenig abnutzen sollte. Die ersten elektronischen Plattenspieler waren mit einer Osmium-Spitze ausgestattet. Diese hatte nur eine sehr geringe Lebensdauer, da das Material einfach zu weich war.

Schnell besann man sich zurück auf Saphir- und Diamantnadeln. Saphirnadeln halten in der Regel einer Spielzeit von etwa 50 Stunden Stand, bevor man klangliche Einbußen vernehmen kann. Klar im Vorteil erscheinen da Diamantnadeln, die erst nach circa 1.000 Stunden ausgewechselt werden sollten. Eigentlich ist ein Diamant ja unverwüstlich. Da Diamantnadeln aus Kostengründen jedoch nur selten aus einem ganzen Stück gefertigt sind, sondern aus verklebtem Diamantstaub bestehen, kommt es zu dieser langsamen Abnutzung. 

Ein weiteres Kriterium der Materialwahl – Schliff und Form der Nadel

Für die Qualität der Klangwiedergabe sind die Form und der Schliff der Nadel sehr ausschlaggebend. Alte Schellackplatten benötigen zum Abgreifen der Rille eine breitere, abgerundete Nadelspitze, da sonst das Material zu sehr die Schallplatte mechanisch abnutzen oder gar beschädigen würde. Nadelspitzen für eine Vinylplatte, deren Rillen weitaus feiner sind, müssen dementsprechend dünner sein. Für die Wiedergabe in Mono reicht ein runder Schliff mit einem Radius von 0,3 Millimeter aus. Soll eine verbesserte Stereo-Qualität erreicht werden, muss die Nadel in elliptischer Form geschliffen sein. Diese Form hat die Eigenschaft, der Rille exakter folgen zu können und so die minimalen Schwingungen besser wiederzugeben.

Retro-Liebhaber, die noch einige originale Schellack-Platten besitzen und auch gelegentlich abspielen möchten, können auf Wendenadeln zurückgreifen. Sie haben auf jeder Seite eine Nadelspitze mit dementsprechenden Schliff. Früher kamen diese Nadeln häufig zum Einsatz, da Schellackplatten noch sehr verbreitet waren.

Authentischer Musikgenuss mit damals gebräuchlichen Saphir-Nadeln

In den Fünfziger Jahren vertrieben Vinylplatten die alten Schellacks, und das Keramik-Tonabnehmersystem wurde eingeführt. Üblich war dabei die Verwendung von Saphir-Nadeln. Ihr Vorteil lag darin, dass sie aufgrund der Härte von Saphir wesentlich feiner und genauer in die bereits erwähnte elliptische Form geschliffen werden konnten. Saphirnadeln wurden auch in einer breiteren Variante zum Abspielen von Schellackplatten gefertigt.

Der Einsatz von harten Diamant-Nadeln würde das weiche Material der historischen Platten komplett ruinieren. Weiter sollten Sie darauf achten, dass der elektronische Abtaster und Tonarm sehr leicht sind, so dass die Nadel nicht mit zu viel Druck auf der Schallplatte aufliegt. Ist der Tonarm zu schwer, wird auch die Saphir-Nadel selbst beschädigt, da das Material sehr spröde ist und kleinste Partikel leicht absplittern können. Am besten geeignet sind Tonabnehmer aus Plastik, wie sie in den Fünfzigern gebaut wurden.

Für moderne Vinyl-Platten ist eine Saphir-Nadel hervorragend geeignet. Sie muss nur häufig, nämlich etwa alle 50 Einsatzstunden, getauscht werden, da ansonsten ein Qualitätsverlust aufgrund des Abriebs hörbar würde. Durch die hervorragende Schleifeigenschaft lässt sich mit einer Saphir-Nadel in diesen 50 Stunden jedoch feinster Musikgenuss erzeugen. Im Vergleich zu Diamant-Nadeln sind sie in der Anschaffung wesentlich billiger und oft schon unter zehn Euro zu erstehen.

Das härteste Material, der Diamant – Garant für eine lange Spieldauer

Ab den Sechzigerjahren hielt eine neue Technik Einzug – das Magnetsystem. Die Schwingungen werden in elektrische Signale umgewandelt und anschließend über einen Magneten verstärkt. Merkmal des neuen Verfahrens ist außerdem die Verwendung eines geschliffenen Diamanten als Nadel. Die Spitze kann sehr fein auf mikroskopischer Ebene geschliffen werden, was die Vinyl-Schallplatte beim Abspielen schont. Ein Diamant kann der Tonspur dadurch auch wesentlich genauer folgen – eine brillantere Wiedergabe ist dadurch möglich.

Voraussetzung dazu ist jedoch eine absolut fehlerfreie Rille, da eben auch kleinste Unregelmäßigkeiten und Beschädigungen wiedergegeben werden. Auch hier ist der Diamantschliff von großer Bedeutung, was die Qualität der Wiedergabe betrifft. Das beste Klangergebnis werden Sie mit einer elliptisch geschliffenen Diamantnadel erreichen. Ein einfacherer Schliff wird als sphärisch bezeichnet, dieser hat allerdings den Nachteil, nicht nur Schwingungen aufzunehmen, sondern auch Staub und Verunreinigungen. Dies hört man bei der Wiedergabe als Knistern und Knacken. Je aufwendiger der Schliff einer Diamantnadel, desto höher ist auch ihr Preis. Zu bedenken ist jedoch, dass eine hochwertige Diamantnadel aber auch über 1.000 Stunden ohne Qualitätseinbußen verwendbar ist.

Allgemein gilt, dass die Klangqualität und Präzision einer exzellenten Diamantnadel unübertroffen ist. Nicht einmal eine CD-Wiedergabe kann ihr das Wasser reichen - solange sich die Schallplatte in einem einwandfreien Zustand befindet.

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