Was bedeutet PEFC

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Alles, was Sie über PEFC wissen sollten
Januar 2011
Inhalt
Seite
1. Was bedeutet PEFC? ---------------------------------------------------------------------------------------- 1
2. Wer ist auf internationaler Ebene beteiligt? ----------------------------------------------------------- 2
3. Wie funktioniert PEFC in Deutschland? ---------------------------------------------------------------- 4
4. Wie kommt das Holz aus dem Wald zum Verbraucher? --------------------------------------------- 6
5. Was unterscheidet PEFC von anderen? ----------------------------------------------------------------- 7
1. Was bedeutet PEFC?
0BHintergrund
Das Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung
PEFC basiert inhaltlich auf internationalen
Beschlüssen der Nachfolgekonferenzen
der Umweltkonferenz von Rio (1992).
Bei uns sind dies die Kriterien und Indikatoren,
die auf den Ministerkonferenzen zum Schutz der
Wälder in Europa (Helsinki 1993, Lissabon
1998, Wien 2003) von 37 Nationen im Pan-
Europäischen Prozess verabschiedet wurden.
1BZiele
Vorrangiges Ziel von PEFC ist die Dokumentation
und Verbesserung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung
im Hinblick auf ökonomische, ökologische
sowie soziale Standards. Ferner bietet die
Waldzertifizierung ein hervorragendes Marketinginstrument
für den nachwachsenden Rohstoff
Holz, das zur Verbesserung des Images der
Forstwirtschaft und ihrer Marktpartner beiträgt.
Rückblick
Der PEFC-Prozess wurde im August 1998 von skandinavischen, französischen, österreichischen
und deutschen Waldbesitzern initiiert. Als Pan European Forest Certification
Council (PEFCC) am 30. Juni 1999 in Paris gegründet, traten 2002 auch nicht-europäische
Mitglieder bei, so dass am 31.10.2003 die Bedeutung des Akronyms PEFC in „Programme
for the Endorsement of Forest Certification schemes“ geändert wurde. PEFC bildet den internationalen
Rahmen zur Anerkennung nationaler Zertifizierungssysteme und –initiativen. Das
Technische Dokument sowie die Satzung des PEFCC  definieren Mindestanforderungen
für Waldzertifizierungssysteme und Standards, die auf nationaler und regionaler
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Ebene erfüllt werden müssen. Holz und Holzprodukte, die den Anforderungen von PEFC genügen,
können mit dem PEFC-Gütesiegel gekennzeichnet werden, wenn ein glaubwürdiger
Produktkettennachweis (Chain-of-Custody) sichergestellt ist.
3BCharakteristika
Aufgrund des regionalen Ansatzes ist PEFC für sämtliche Waldbesitzer, insbesondere die in
Deutschland typischen Familienforstbetriebe, besonders gut geeignet. Eine Überprüfung
durch unabhängige Gutachter gibt Kunden und Marktpartnern die Gewähr, dass die Wälder
nach hohen Standards bewirtschaftet werden.
PEFC ist offen für die Anerkennung anderer forstlicher Zertifizierungssysteme, sofern sie
ebenfalls glaubwürdig, freiwillig und transparent sind und den Kleinwaldbesitzer nicht diskriminieren.
2. Wer ist auf internationaler Ebene beteiligt?
4BMitglieder
36 nationale PEFC-Gremien sind Mitglied im PEFC Council. In Deutschland wird der Zertifizierungsprozess
durch den eingetragenen Verein PEFC Deutschland e.V. repräsentiert und
koordiniert. Neben 25 europäischen Ländern sind auch Argentinien (CerFoAR), Australien
(AFS), Brasilien (CERFLOR), Gabun (PAFC), Chile (CERTFOR), Kamerun (PAFC), Kanada
(CSA), Malaysia (MTCC), Uruguay und die USA (SFI+ATFS) im PEFCC vertreten.
In der Generalversammlung, dem höchsten Entscheidungsgremium von PEFC International,
haben die nationalen PEFC-Gremien Sitz und Stimme, wobei waldarme Länder 1 und Länder
mit großen, produktiven Wäldern 5 Stimmen besitzen (Deutschland hat 3 Stimmen). Um Interessenvertretern
außerhalb der nationalen PEFC-Gremien Mitbestimmungsrechte einzuräumen,
wurde eine sogenannte „Stakeholder“-Mitgliedschaft für internationale Institutionen,
Umweltverbände und Gewerkschaften, internationale Vertretungen von Wald- und Grundbesitzern
und der Holzindustrie sowie multinationale Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft
und Papierindustrie eingeführt.
5BAnerkennung
Im Moment haben 28 nationale Zertifizierungssysteme das Anerkennungsverfahren von PEFC
erfolgreich durchlaufen. Einige, wie das Deutsche System, nach zehn Jahren bereits zum driten
Mal. Wie von unabhängigen Gutachtern bestätigt wurde, erfüllen alle Systeme die Anforderungen
des PEFCC. Dazu gehören z.B. die Einhaltung internationaler Konventionen und
nationaler Gesetze, die Beteiligung aller Interessengruppen bei der Standardsetzung, die Berücksichtigung
einheitlicher Leitlinien für die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Akkreditierung
der Zertifizierungsstellen.
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6BStand der Zertifizierung weltweit
230 Mio. Hektar Waldfläche wurde bisher weltweit nach PEFC zertifiziert. Im Einzelnen verteilt
sich die Fläche auf folgende Länder:
Kanada 112,7 Mio. Hektar
USA 33,5 Mio. Hektar
Finnland 20,8 Mio. Hektar
Australien 10,1 Mio. Hektar
Norwegen 9,1 Mio. Hektar
Schweden 7,8 Mio. Hektar
Deutschland 7,3 Mio. Hektar
Weißrussland 6,0 Mio. Hektar
Frankreich 5,1 Mio. Hektar
Malaysia 4,2 Mio. Hektar
Österreich 2,0 Mio. Hektar
Chile 1,9 Mio. Hektar
Tschechien 1,9 Mio. Hektar
Brasilien 1,3 Mio. Hektar
Großbritannien 1,3 Mio. Hektar
Slovak. Republik 1,3 Mio. Hektar
Spanien 1,3 Mio. Hektar
Italien 0,5 Mio. Hektar
Polen 0,31 Mio. Hektar
Belgien 0,28 Mio. Hektar
Schweiz 0,26 Mio. Hektar
Dänemark 0,23 Mio. Hektar
Portugal 0,20 Mio. Hektar
Russland 0,18 Mio. Hektar
Estland 0,05 Mio. Hektar
Luxemburg 0,03 Mio. Hektar
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3. Wie funktioniert PEFC in Deutschland?
2BGremien
Das wichtigste Gremium im Hinblick auf Zertifizierungssystem und -kriterien ist der Deutsche
Forst-Zertifizierungsrat (DFZR), in dem Entscheidungen in offener und transparenter Form
getroffen werden. Der DFZR wird von den Mitgliedern von PEFC Deutschland e.V. gewählt. Im
DFZR sind Vertreter des Privat-, Staats- und Körperschaftswaldes, der Holzwirtschaft, der
Umweltverbände, der Berufsvertretungen, der Forstunternehmer sowie weiterer gesellschaftlicher
Gruppen vertreten. Das deutsche PEFC-System wurde am 07. März 2000 vom DFZR
verabschiedet und am 31. Juli 2000 vom PEFCC anerkannt. Die nach jeweils fünf Jahren
obligatorische Revision des Systems wurde nunmehr zum zweiten Mal mit der erneuten Anerkennung
durch PEFCC im November 2010 abgeschlossen.
7BAblauf der regionalen Zertifizierung
Bezugsebene für die Zertifizierung nach PEFC ist die Region. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung
wird auf regionaler Ebene dokumentiert und kontrolliert, da viele Nachhaltigkeitsweiser,
wie z.B. die Biodiversität, auf einzelbetrieblicher Ebene nicht überprüfbar sind.
Das Verfahren der regionalen Zertifizierung wird mit der Bildung einer regionalen Arbeitsgruppe
eingeleitet, an der sich neben Vertretern des Waldbesitzes alle relevanten Interessengruppen
beteiligen können. Die Arbeitsgruppe hat zwei wesentliche Aufgaben: zum einen die Erstellung
des regionalen Waldberichtes, in dem anhand einer Checkliste von 54 Indikatoren die
Waldbewirtschaftung in der Region durchleuchtet wird und Ziele für die nächsten fünf Jahre
gesetzt werden; zum anderen müssen Verfahren zur Systemstabilität entwickelt werden, um in
der konkreten Region sicherzustellen, dass die Waldbesitzer und die Öffentlichkeit mit Informationen
versorgt werden und wirksame Rückkopplungsmechanismen (”internes Audit”) vorhanden
sind.
Nach Fertigstellung des Waldberichtes überprüft eine unabhängige Zertifizierungsstelle die
Konformität mit den Anforderungen des PEFC und vergibt ein regionales Zertifikat.
Mit der positiven Begutachtung des regionalen Waldberichts erhalten die Waldbesitzer in der
Region die Möglichkeit, an der Zertifizierung nach PEFC teilzunehmen. Notwendig ist dazu
die Unterzeichnung einer freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung, mit der sich der Waldeigentümer
zur Einhaltung der PEFC-Standards verpflichtet
Nach Zahlung einer Gebühr in Höhe von 0,13 €/ha*Jahr (Betriebe unter 50 Hektar zahlen pauschal 5 Euro/Jahr) erhält der Waldbesitzer
die PEFC-Urkunde und damit das Recht das PEFC-Label zu verwenden. Die Einhaltung
der PEFC-Standards wird jährlich im Rahmen von Vor-Ort-Audits überprüft, die einen repräsentativen
Anteil der teilnehmenden Betriebe in der Region umfasst. Die forstlichen Gutachter
der Zertifizierungsstellen entscheiden bei Verstößen über die notwendigen Sanktionen (Korrekturmaßnahmen,
Re-Audit, Entzug der Urkunde).
8BStand der Zertifizierung in Deutschland
67 Prozent der bundesdeutschen Waldfläche in 13 Regionen sind zurzeit unter dem Dach von
PEFC, dass entspricht über 7,3 Mio ha. PEFC ist damit nicht nur weltweit sondern auch in
Deutschland das mit Abstand erfolgreichste Waldzertifizierungssystem.
4. Wie kommt das Holz vom Wald zum Endverbraucher?
Die Waldzertifizierung kann nur dann erfolgreich sein, wenn das Holz mit PEFC-Zertifikat
auch den Endverbraucher erreicht. Dazu ist die Mithilfe jedes Betriebes als Teil der Produktkette
unverzichtbar. Der Nachweis des Holzflusses, die sogenannte Chain-of-Custody, muss
jedes Glied der Kette erfassen. Dazu ist auch eine Zertifizierung der holzwirtschaftlichen Betriebe
in der Produktkette notwendig.
Die Regeln finden sich im Anhang 4 des Technischen Dokuments von PEFCC. Es existieren bei PEFC zwei Alternativen,
um die Nachvollziehbarkeit des Holzflusses zu garantieren:
1. Physische Trennung
Getrennte Lagerung und Verarbeitung von Holz mit PEFC-Zertifikat und solchem ohne Siegel.
Solange ausschließlich original verpackte Ware weitergeleitet wird, ist kein Produktkettennachweis
erforderlich.
2. Prozentsatzmethoden
a. Mittlerer Prozentsatz
Der Zertifizierungsprozentsatz, mit dem die Produkte einer Firma verkauft werden, entspricht
dem Anteil des Holzes aus PEFC-zertifizierten Wäldern, das diese Firma bezieht.
b. Mengenguthaben
Eine Firma kann einen Teil ihrer Produkte als „100% PEFC-zertifiziert“ deklarieren,
wenn der Anteil insgesamt den Input-Prozentsatz nicht überschreitet. Über einen Zeitraum
von 12 Monaten kann dabei ein Mengenguthaben angehäuft werden.
Ein gültiges Zertifikat ist die Voraussetzung für die Verwendung des PEFC-Logos. Das Logo
darf nur dann in Verbindung mit einem Produkt verwendet werden, wenn der Zertifizierungsprozentsatz
70 % überschreitet.
Die Nachfrage nach PEFC-Zertifizierungen in der Produktkette steigt exponentiell. Insgesamt
wurden weltweit 7.718 PEFC-Chain-of-Custody-Zertifikate an Sägewerke, Holzgroß- und einzelhändler,
Betriebe der Holzwerkstoff- und Papierindustrie, Parketthersteller, Spielwarenfabriken,
etc. von akkreditierten, unabhängigen Zertifizierungsstellen ausgestellt. Die Zertifikate
verteilen sich auf die Länder wie folgt:
Frankreich 1735
Großbritannien 1307
Deutschland 1149
USA 347
Italien 345
Spanien 316
Österreich 303
Niederlande 266
Kanada 218
Tschechische Republik 200
Belgien 193
Japan 185
Australien 164
Malaysia 160
Finnland 146
Schweden 124
China 106
Dänemark 48
Schweiz 45
Chile 44
Polen 34
Irland 34
Norwegen 30
Brasilien 31
In Deutschland sind insgesamt 1.484 Unternehmen zertifiziert (1095 mit Einzelzertifikaten,
389 in 54 Multi-Site-Zertifizierungen).
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5. Was unterscheidet PEFC von anderen?
geht aus dem politischen Prozess der Rio-Nachfolgekonferenzen in Helsinki und Lissabon
hervor. PEFC legitimiert sich somit nicht durch eine einseitige Interpretation des
Nachhaltigkeitsgedankens durch einzelne Interessengruppen.
ist ideal an die Strukturen der mitteleuropäischen Forstwirtschaft angepasst. Durch den
regionalen Ansatz kann auch der typische Familienforstbetrieb an der Zertifizierung
nach PEFC teilnehmen, ohne sich komplizierten und bürokratischen Gruppenbildungsprozessen
unterziehen zu müssen. Die einzelbetriebliche Zertifizierung ist vorrangig für
die in riesigen Konzessionen bewirtschafteten Wälder der tropischen und borealen Zone
geeignet. Zudem entstehen durch den zentralen PEFC-Finanzierungsfonds, aus dem die
Kosten für die Kontrollen gedeckt werden, keine finanziellen Abhängigkeiten zwischen
Waldbesitzer und Auditoren.
besitzt in Form der regionalen Waldberichte ein einzigartiges Monitoring-Instrument, um
die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung in einer Region ständig zu überwachen und
zu verbessern. PEFC verlässt sich nicht darauf, dass die Einhaltung der Ge-und Verbote
auf einzelbetrieblicher Ebene von selbst das gewünschte Ergebnis bringen.
garantiert auch die Wahrung der Eigentümerinteressen. Waldbesitzer, welche die volle
Verantwortung zu tragen haben, haben ein angemessenes Mitspracherecht bei den Entscheidungen
über Bewirtschaftungsstandards. Die Besetzung der Entscheidungsgremien
gewährleistet, dass die Eigentümer nicht in eine Minderheitenrolle gedrängt werden.
ist aufgrund des Regionalberichts und der Stichprobenkontrollen konkurrenzlos kostengünstig
und effizient. Die Gebührensätze sind exakt definiert und somit für jeden Waldbesitzer
kalkulierbar. Höhere Zertifizierungskosten sind – zumal Mehrerlöse für zertifiziertes
Holz die Ausnahme sind – angesichts der schlechten Ertragslage in der Forstwirtschaft
nicht zumutbar.
sichert eine hohe Qualität durch strenge Bewirtschaftungsvorgaben und glaubwürdige
Kontrollverfahren. Jährliche Vor-Ort-Audits in einer repräsentativen Zahl an Betrieben
gewährleisten die Einhaltung der Standards. Ohne den Waldbesitzer durch Flächenstillegungen
oder überzogene Forderungen unverhältnismäßig zu belasten.
bedient sich unabhängiger Zertifizierer, die sich in anderen Bereichen der Wirtschaft
einen Namen gemacht haben. Entsprechend international gültiger ISO-Vorschriften akkreditiert
PEFC die Zertifizierungsstellen nicht selbst, sondern setzt eine Zulassung bei
der nationalen Akkreditierungsstelle voraus. So bleibt deren Unabhängigkeit gewahrt.
Schlagwörter:

PEFC

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