Was Sie über Modelleisenbahnen Spur TT wissen sollten

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Was Sie über Modelleisenbahnen Spur TT wissen sollten

Das Thema Modelleisenbahnen ist äußerst komplex. Es existiert ein riesiges Angebot von unterschiedlichen Maßstäben, von Anlagenformen, Ausgestaltungsstrategien, Epochen, Antrieben und Steuerungen. Allen verschiedenen Sparten ist gemein, dass sie maßstabsgetreue Eisenbahnen in verschiedenen kleineren Formaten nachbilden. Das ist aber auch schon alles. Schaut man auf die Größen von Modelleisenbahnen, so scheint hier alles möglich zu sein. Von der kleinsten, mobilen Größe bis hin zu Tischen und Dioramen, die mehrere Räume umfassen.

Dieser Ratgeber möchte sich eine sehr traditionsreiche Art des Modelleisenbahnbaus herausgreifen und vorstellen. Die Rede ist von der Nenngröße TT. Diese Baugröße ist sowohl in Europa (Normen europäischer Modellbahnen, NEM) als auch in den Vereinigten Staaten (National Model Railroad Association, NMRA) genormt. TT besitzt dabei eine Modellspurweite von 12 mm, der Maßstab beträgt 1:120. Folgend erfahren Sie alles Wichtige zu dieser Nenngröße. Es wird, sowohl um die Geschichte der Modelleisenbahnen der Größe TT gehen, um die verschiedenen Spurweiten, um Hersteller und weitere Charakteristika.

Kurze Geschichte der TT-Modelleisenbahn

Wirft man einen Blick zurück in die Geschichte der Nenngröße TT und fahndet nach ihrem historischen Ursprung, so findet man den amerikanischen Ingenieur Harald Joyce. Schon zu Beginn der 1940er-Jahre entwickelte dieser eine Modelleisenbahn mit einer neuen Größe im Maßstab 1/10 Zoll: 1 Fuß. Diese entsprach dem Verhältnis 1:120. Als der Zweite Weltkrieg beendet war, gründete Joyce kurzerhand eine Modellbaufirma, H. P. Products.  Diese lieferte ein Jahr nach Kriegsende 1946 die ersten Modelle aus. Nicht nur die ersten Modelle diese Größe waren Joyces Idee, auch die Bezeichnung TT soll von ihm stammen.

Die Bezeichnung TT steht dabei für die englische Bezeichnung „Table Top". Dieser Name soll daher rühren, dass sich ein einfaches Oval aus Gleisteilen der Größe TT ohne Weiteres auf einem einzigen Tisch aufbauen lässt. Es dauerte nicht lange, und auch in Europa kamen die ersten Modelleisenbahnen des Maßstabes 1:120 auf den Markt. Das war Ende der 1940er-Jahre. In vielen europäischen Ländern wurden die TT-Bahnen seit dem verkauft. Die bekanntesten deutschen Hersteller waren gegen Ende der 1950er-Jahre Rokal in Lobberich und Zeuke & Wegwerth in Berlin.

Mit den 1960er-Jahren nimmt die Geschichte der Nenngröße TT eine entscheidende Entwicklung. In den Vereinigten Staaten verloren die Modelleisenbahnen der Größe TT immer mehr Anteile am Markt. Das dürfte wahrscheinlich mindestens zwei Gründe gehabt haben. Zum einen verbreitete sich in zunehmendem Maße ein Konkurrenzprodukt: Modelle der Größe N. Zu allem Überfluss wurde H. P. Products in dieser Zeit auch noch verkauft. Im Verlaufe der 1960er-Jahre verschwanden die Modelleisenbahnen der Größe TT immer mehr vom amerikanischen Markt.

Die Trennung Deutschlands bedingte auch bei den TT-Modellen eine Zweiteilung. Der westdeutsche Hersteller Rokal ging im Verlaufe der 1960er-Jahre Pleite. Damit war auch die Nenngröße TT im Westen Deutschlands so gut wie ausgestorben. Anders allerdings im Osten Deutschlands: In der DDR verbreitete sich die Modelleisenbahngröße dank der Firma Zeuke & Wegwerth. Diese wurde 1972 verstaatlicht und ging im VEB Berliner TT-Bahnen auf. Nach der Wiedervereinigung der beiden Länder wurde die Produktion wiederum von dem ehemals zwangsenteigneten Besitzer Zeuke übernommen. 1993 meldete das Unternehmen Konkurs an und wurde vom Unternehmen Tillig gekauft. Tillig ist bis auf den heutigen Tag das einzige Unternehmen mit TT-Vollsortiment.

Durch die Jahre hindurch gleichen sich die Marktanteile in Ost und West aneinander an. Hierbei senkte sich der Marktanteil der TT-Bahnen im Osten und stieg im Westen leicht an (Stand 2013). Tillig expandiert seinerseits in die östlichen europäischen Länder.

Entwicklungen der letzten Jahre und Spurweiten

2006 stellte Tillig auf der Nürnberger Spielwarenmesse erstmals seine neu konstruierten Kupplungen vor. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Fallhakenkupplungen aus den 1980er-Jahren verwendet. Diese wurden durch eine weitaus betriebssichere Konstruktion ersetzt. Diese basiert auf dem NEM-Schacht-Prinzip. Auch antwortete Tillig auf die Erfordernisse der digitalen Welt: die Digitaltechnik hält Einzug in die Nenngröße TT. Die Decoder zeichnen sich dabei durch Schnittstellen nach NEM 651-Norm aus. Aktuelle Neukonstruktionen sind oftmals mit der neuen Schnittstelle PluX (12) ausgestattet, die eine weitere Ausdifferenzierung der Funktionen gewährleistet.

Bei der Nenngröße TT finden folgende Spurweiten Verwendung:

  • TT: Normalspur mit einer Spurweite von 12 Millimetern.
  • TTm: Meterspur mit einer Spurweite von 9 Millimetern.
  • TTe: Schmalspur mit einer Spurweite von 6,5 Millimetern.
  • TTi (TTf): Feldbahn mit einer Spurweite von 4,5 Millimetern.

Hersteller und wichtige TT-Modelle

Tillig ist in Deutschland der einzige Hersteller, der ein komplettes Sortiment anbietet. Daneben existieren einige Anbieter, die eine kleinere Auswahl an TT-Komponenten anbieten. Unter ihnen sind beispielsweise die großen bekannten Hersteller Piko, Roco, Brawa und Arnold. Einer der größten Anbieter von Modelleisenbahnen – Fleischmann – hat nach kurzer Zeit und geringer Nachfrage sein TT-Sortiment wieder eingestampft.

Die Firma Roco ist seit 1998 mit eigenen Loks und Wagen der Nenngröße TT auf dem Markt vertreten. Seit etwa 2008 ist bei Roco ein verstärktes Engagement zu spüren. Wichtige TT-Modelle von Roco sind beispielsweise die DR-Baureihe V 200, die Baureihe 44 oder die Dampflokomotive 18 201. Auch die tschechische Baureihe T478.3 „Taucherbrille" und die seit 2012 produzierte Dampflokbaureihe P 8 sind hier zu nennen. Roco investiert auch in neue Entwicklungen. So gibt es etwa seit 2011 Modelle mit einem integrierten Soundmodul.

Die Firma Piko wiederum begann erst 2006 mit dem Einstieg in die TT-Welt. Seitdem baut sie ihr Angebot sukzessive aus. Die wichtigsten TT-Modelle von Piko sind bisher etwa die Baureihe 182 „Taurus", der ICE 3, ER20 „Hercules" sowie die DB-Baureihe 151, die Diesellok G 1206 und die DB-Baureihe 290.

Der Hersteller Arnold wiederum reagierte als einer der Ersten direkt nach der Wende auf die veränderten Marktbedingungen. Hatte sich Arnold speziell auf die Spurweite N fokussiert, brachte die Firma bereits im Verlaufe der 1990er-Jahre einzelne Modelle und Zubehör für die Spur TT heraus. Arnold musste jedoch Konkurs anmelden. Heute ist die Firma Teil der englischen Hornby-Gruppe. Dennoch behielt Arnold einige TT-Modelle im Sortiment. Für 2014 kündigte man weitere neue Modelle der Spurweite TT an.

Aber nicht nur die alteingesessenen Marken engagieren sich für Spur TT. Auch neue Hersteller drängen auf den Markt. So zum Beispiel die Firma Kühn Modelleisenbahnen. Sie stellt seit 2006 hochwertige Modelle der Nenngröße TT her. Einige der wichtigsten bzw. beliebtesten Modelle bei Kühn: die DB Einheitsloks E 10, E 40 und E 03. Weiterhin bietet Kühn auch die Loks  E 11 und E 42 der Deutschen Reichsbahn an. Außerdem hat der Hersteller den Eurorunner ER20, die „Knödelpresse" 180/230 oder auch die TRAXX 185 im Programm. Wie kein anderer Hersteller bemüht sich Kühn um die Ausstattung der Modelle mit Digitaltechnik. Zwar wird des Öfteren ein eigenes Gleissystem angekündigt, dieses lässt aber noch auf sich warten.

Eine weitere Firma, die sich verstärkt auf dem Markt für Spur TT engagiert, ist KRES aus Fraureuth in Sachsen. KRES vertreibt verschiedene Dieseltriebwagen und Züge sowie unterschiedliche Doppelstockeinheiten. Daneben haben sich eine ganze Reihe verschiedener kleiner Firmen am Markt etabliert. Diese stellen insbesondere kleine Serien her. Hier sind beispielsweise die Fa. PMT, Modist, die Modellbahnmanufaktur oder die Beckmann TT Reihe für exklusive Lokomotivmodelle zu nennen. Weitere größere Hersteller wie HERIS oder ACME sind ebenso am Spur TT-Markt beteiligt. Besonders im Bereich Gebäudemodelle ist die Firma Auhagen zu nennen. Eine Besonderheit bei Auhagen ist, dass einige der Gebäudemodelle sowohl für die Nenngröße TT, aber auch für H0 genutzt werden können. Diese werden im Maßstab 1:100 hergestellt.

Was tun als Einsteiger?

Strebt man den Einstieg in die Modellbauwelt der Nenngröße TT an und hat noch keinerlei Erfahrung, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Der Vollsortimenter Tillig bietet hierzu drei verschiedene Einsteiger-Sets an. Dabei kann der ambitionierte Anfänger zwischen noch analog funktionierenden Bettungs- und Modellgleis-Sets wählen. Außerdem wird ein spezielles Digitaleinsteiger-Set angeboten.

Das Bettungsgleis-Set ist für alle diejenigen Einsteiger gedacht, die ohne viel zeitlichen Aufwand viel Fahrspaß erleben wollen. Die Sets sind sehr schnell aufgebaut. Außerdem zeichnen sie sich durch eine besondere Stabilität aus, die sie vor allen Dingen für das Kinderzimmer prädestinieren. Genauso schnell, wie sich die Sets aufbauen lassen, können sie auch wieder abgebaut werden.

Im Unterschied zum Bettungsgleis-Set besitzt das Modellgleis-Set für Einsteiger eine weitaus höhere Detailgenauigkeit. Mit diesem Set ist es möglich, eine eigene Modellbauanlage aufzubauen – egal ob nach einem Vorbild oder nach einem eigenen Entwurf. Das Set verfügt je nach Ausführung über ein Oval an Streckenteilen oder über ein Oval mit Abstellgleis. Selbstverständlich ist auch die Erweiterung des Ovals möglich. Hierfür stehen eine große Anzahl an Gleisen, Radien und Weichen zur Verfügung.

Das Digital-Set für Einsteiger bietet eine genauso hohe Detailtreue wie das analoge Modellgleis-Set. Darüber hinaus kommen hier allerdings noch die Vorteile der Digitaltechnik hinzu. Hier sind unter anderem die Fähigkeit zur sanften Beschleunigung und Bremsen, das Steuern mehrerer Triebfahrzeuge in einem Stromkreis und eine konstante Fahrzeugbeleuchtung zu nennen. Darüber hinaus ist mithilfe der Digitaltechnik auch eine Doppeltraktion bzw. das Fahren mit Vorspannlok bzw. Schiebelok möglich. Außerdem lassen sich Modelle mit integriertem Soundmodul betreiben.

Für das Digitalset steht dabei ein ESU Navigator Handregler und eine Zentraleinheit bereit. Dies stellt bereits ein vollwertiges Gerät zum Steuern und zum Programmieren von Lokomotiven und elektrischem Zubehör dar.

Fazit: die Spurweite TT als faszinierende Modelleisenbahn

Wie Ihnen dieser Ratgeber zeigen konnte, ist die Spurweite TT zwar nicht der am meisten verwendete Größenstandard in der Welt des Modelleisenbahnbaus. TT ist jedoch bei nicht wenigen Herstellern mit einem gut sortierten Angebot vertreten.

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