Was Sie beim Kauf einer Boxkamera beachten sollten

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Was Sie beim Kauf einer Boxkamera beachten sollten

Boxkameras sind eine nostalgische und technische Reminiszenz an die Anfänge der Fotografie, die nichts von ihrer Faszination verloren hat. Als ehemalige Volkskameras von etwa 1900 bis in die 1970er Jahre produziert, erreichen die Kameramodelle in der Zeit des Wirtschaftswunders den Gipfel ihrer Popularität. In Deutschland werden sie anfangs unter den Namen Rollfilm-Kastenkamera oder, aufgrund der einfachen Machart, auch als Schülerkamera angeboten und gelten als Pendant der bis dahin aufwändig produzierten Balgen-Systeme. Boxkameras, als Aufnahmeträger dienen hier noch schwere und stets separat mitzuführende Glasplatten, sind bei Sammlern ebenso begehrt wie bei Jenen, die auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Geschenkidee sind. Ambitionierte Fotografen hingegen entdecken das damals technisch Machbare und die fotografischen Unterschiede zwischen Gestern und Heute.

Fortschritt im Wandel der Zeit

Der unaufhaltsame Siegeszug der Boxkameras, sie werden unter dem Sammelbegriff Photographica zusammengefasst, beginnt im Jahr 1888 mit Einführung der Kodak Nr. 1, ein einfach konstruiertes und unkompliziert zu bedienendes Modell. Alleine von diesem Hersteller finden im Laufe von rund 20 Jahren um die 2,5 Millionen Produkte neue Besitzer. Es folgen eigene Konstruktionen von Herstellern wie Agfa, Kodak oder Zeiss Ikon. Um die Produktionskosten so gering wie möglich zu halten, eine der wesentlichen und unternehmerischen Grundvoraussetzungen bei der Entwicklung, werden die besonders günstigen Gehäuse zu Beginn der Markteroberung aus dem Werkstoff Pappe hergestellt. Bei besseren Modellen kommt Stahlblech zum Einsatz, aber allen Boxkameras gemein ist der grundsätzliche Aufbau mit einer Frontplatte samt Objektiv, Sucher und Verschluss. Die Rückwand lässt sich aufklappen oder ganz abnehmen, um an die Filmführungs-Einheit und den Spulenhalter heranzukommen. Ein extra für diese Kamerasysteme konstruierter Fotografischer Film folgt anfangs dem Rollenprinzip, wird nach und nach aber gegen die einfacher zu handhabende Kassettenausführungen ersetzt. Mit der Zeit ändern sich die konstruktiven Merkmale, die Technik wird fortlaufend verbessert, neue Modellbezeichnungen wie Klappkamera oder etwa Rollfilmkamera werden populär. Im Rahmen der Produktentwicklungen wird die Kamerafamilie immer mehr erweitert, auf dem Markt sind nun Filmkameras zu finden, man freut sich über die bewegten Bilder. Alle diese Modelle sind erste Vorläufer der bekannten Sucherkameras, die später die Welt der Fotografie erobern.

Kompromissbereitschaft ist gefragt

Die meisten Objektive müssen mit nur einer Linse auskommen, im Vergleich zum heutigen Stand der Technik ist die Bildqualität naturgemäß weniger gut. Diesem Umstand kann man beim Fotografieren nur mit sehr viel Sonnenlicht entgegenwirken, was auch den volkstümlichen Spitznamen „Sommerkamera“ erklärt. Am ehesten gelingen Fotos mit unbeweglichen Motiven, denn aufgrund der Kontrastarmut der meisten Boxkameras zeigen die Ergebnisse deutliche Bewegungs-Unschärfen.

Vom Beutelblitz zur Blitzlichtbirne

Boxkameras ab den 1950er Jahren können auch Farbfilme belichten. Die Bildqualität verbessert sich aber erst mit Einführung diverser Blitzlichtsysteme, beginnend mit an Teebeutel erinnernde Beutelblitze mit einer genau berechneten Mischung aus Magnesium und Kaliumchlorat. Bis zu dieser Zeit müssen Fotografen noch mit einem weißen Punkt in der Mitte ihrer Aufnahmen leben, da das rote Fenster des Bildzählwerkes nicht genügend Filmlicht absorbieren kann. Auf das Blitzen, wie es beim Beutelblitz vorgegeben ist, kann heute verzichtet werden, da diese Art Blitzlichter kaum noch zum Einsatz kommen. Als bessere Lösung stellen sich die später entwickelten Blitzlichtbirnen heraus, denen Kondensator-, Elektro- bzw. Elektronenblitze folgen.

Verschluss ist nicht gleich Verschluss

Zu den Standards der Boxmodelle zählen neben den auffallenden Objektiven auch die Umschaltung der Langzeitbelichtung zwischen Moment- und Zeitaufnahme. Die Verschlusszeiten sind jedoch bei fast sämtlichen Kameras mit einem Bereich von 1/25 s bis 1/40 s gleich. Dies ermöglicht, bei geöffnetem Verschluss und trotz der anfangs noch nicht sehr hohen Filmempfindlichkeit, Aufnahmen bei bedecktem Himmel oder in nicht optimal ausgeleuchteten Räumen. Die vom Hersteller empfohlenen Belichtungszeiten können den jeweiligen Gebrauchsanleitungen entnommen werden.

An Schnappschüssen kommt niemand vorbei

Der einfache Aufbau einer Boxkamera kann nicht darüber hinwegtäuschen: Wer mit seiner Wunschkamera fotografieren möchte, braucht dazu ein wenig Glück. Mit dieser Aussage eng verbunden ist übrigens der damals aufkommende Begriff der Schnappschuss-Fotografie, weil das Fotografieren normalerweise in Bauchhöhe möglich war. Trotzdem lassen sich Bilder mit dem Fixfokus-Objektiv im Bereich von rund drei bis vier Metern zwar durchaus scharf stellen, bei einer geringeren Motiventfernung aber muss man sich auf eine zusätzliche Portrait-Linse verlassen. Kameras mit der Möglichkeit, die Entfernung in zwei oder gar drei Stufen einzustellen, bleiben die Ausnahme. Die Blendenfunktion, größtenteils einstellbar in den Stufen 11 und 16, ergibt eine akzeptable Abbildungsqualität, dient aber mehr dem Zweck einer einfachen Belichtungsregelung. Bessere Modelle hingegen verfügen bereits über eine auf dem Blendenschieber angebrachte Nah-Linse, alternativ über einen Gelbfilter. Als praktisch erweist sich der Hebel für die Umschaltung auf Langzeitbelichtung, der Auslösevorgang mittels Drahtauslöser wird ermöglicht.

Meniskus, Periskop und Achromat

Die eckige Form des Kameragehäuses kommt nicht von ungefähr, sie hängt mit dem Einsatz einer konvex-konkaven Sammellinse, Meniskus oder Monokel genannt, zusammen. Durch ein Schutzglas, angebracht vor der Blenden- und Verschlusseinheit, lässt sich der Meniskus vor oder aber hinter der Blende anbringen und kann dann um 180 Grad gedreht werden. Im ersten Falle ergibt sich eine kissenförmige, in der umgedrehten Einstellung eine tonnenförmige Verzeichnung. Aus technischer Sicht handelt es sich also um einen in die Kamera hineinragenden Tubus, der die Form des Gehäuses letztlich bestimmt. Um den Nachteil der zum Bildrand rapide abfallenden Abbildungsqualität auszugleichen, kann die Öffnung auf das Format 1:9 vergrößert werden. Selten kommt ein sogenanntes Periskop zum Einsatz, das dann die Verzeichnung eines Monokels weitgehend verbessert. Dazu implementieren die Hersteller zwei Linsen symmetrisch um die Blende herum, oder greifen auf einen Achromat zurück, der aber selten verbaut und eher in höheren Preisklassen zu finden ist. Bei der Achromat-Technik handelt es sich um eine Erfindung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die mit zwei miteinander verkitteten Linsen dafür sorgen, dass ihre Farbfehler ausgemerzt werden.

Extrem groß im Format

Spezielle Aufnahmeanforderungen lassen sich mit Großformatkameras erfüllen. In dieser Bauform werden sogenannte Planfilme als Trägermaterial zur Aufzeichnung der gewünschten Fotos verwendet. Daraus entstehen als Ergebnis größere Formate zwischen 6x9 cm und 18x24 cm in der Spitze. Nicht möglich sind allerdings schnelle Bildfolgen, was der Kamerakonstruktion geschuldet ist. Im Studioeinsatz bewähren sich modular aufgebaute Einformat-Fachkameras, die zumeist auf einer Bank montiert sind und durch zusätzliche Technik die für Aufnahmen wichtige Perspektiv- und Tiefenschärfemanipulation erlauben. Dabei folgen sie der Scheimpflugschen Regel, nach der sich bei einer optischen Abbildung die Bild-, Objektiv- und Schärfeebene in einer gemeinsamen Geraden schneiden. Eine ganz andere Funktion erfüllen Geheimkameras, die mit dem Auftauchen der Klappkamera-Systeme an Bedeutung gewinnen und in zahlreichen Tarnungen, beispielsweise in Buchform, in entsprechend geheimen Missionen ihren Dienst verrichteten.

Gut zu wissen

Bereits in den Anfangszeiten der Boxkameras machen sich die Hersteller Gedanken darüber, welches Zubehör sie ihren Kunden anbieten. Drahtauslöser vereinfachen die Vorgänge rund um das Fotografieren, Filme lassen sich als praktische Wechselmagazine einsetzen, schnell muss niemand mehr auf Wechselsucher und Stativ verzichten, nach und nach kommen selbst Entfernungsmesser zum Einsatz. Die passenden Taschen mit Trageriemen übernehmen nicht nur eine entsprechende Schutzfunktion, sie erleichtern auch den Transport. Fach- und Sachliteratur sowie Sonstiges aus dem gesamten Themenbereich, beispielsweise Kameraminiaturen machen noch immer neugierig und bewahren das Interesse an der Ära.

Fazit

Box-, Klapp- oder Rollfilmkameras gehören in die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders und haben seitdem nichts von ihrer Faszination verloren. Der Sammler verbindet mit den geschichtsträchtigen Kamerasystemen seine Leidenschaft für Außergewöhnliches. Wer auf der Suche nach einem ganz besonderen Geschenk ist, wird bei eBay sicher fündig werden. Der ambitionierte Fotograf oder Filmer wird sich die Möglichkeit zu einem technischen Vergleich zwischen Gestern und Heute, auch in Bezug zu den fotografischen Herausforderungen selbst, nicht entgehen lassen.

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