Was Sie bei der Auswahl von Trachten aus Ostasien beachten sollten

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Was Sie bei der Auswahl von Trachten aus Ostasien beachten sollten

Einige Hinweise auf Materialien und Verarbeitung

Ostasiatische Trachten sind, nicht zuletzt durch die vielen Asienläden, auch hierzulande in reicher Auswahl erhältlich. Wie üblich gibt es Preisunterschiede, die nicht zuletzt vom Material abhängig sind. Günstigere Ware ist meist aus Kunstfasern hergestellt. Sind Sie sich unsicher, machen Sie die Brennprobe. Ziehen Sie dafür an einer Naht ein paar Fasern aus dem Stoff und brennen Sie ihn an einer offenen Flamme an. Verschmoren die Fasern ohne Flamme und riechen chemisch, haben Sie ein Stück aus Kunstfaser geprüft. Baumwolle brennt mit einer kleinen Flamme ab, ebenso wie Seide. Auch bei Seide gibt es mehr oder weniger wertvolle Varianten. Auch die feste, noppige Bouretteseide ist immer noch Seide, wenn auch aus den Resten der Seidenspinnerei hergestellt.
Sie erkennen auch an der Verarbeitung, ob Sie ein günstiges Schnäppchen gefunden haben oder ob es sich um ein unaufwendig hergestelltes Stück handelt. Prüfen Sie die Nähte – sind sie mit Zickzackstich umrandet, also versäubert? Bei industriell hergestellten Stücken ist meist der Overlockstich verwendet, der gleichzeitig die Naht schließt und mit überwendlichem Stich versäubert. Das muss kein Makel sein, denn auf diese Weise werden die Preise auch für kostbarere Stücke moderat gehalten. Paillettenstickerei ist auch heute nur per Hand möglich. Stücke, die so verziert sind, liegen preislich immer höher als rein maschinell Verziertes.

Das Angebot an Nachgearbeitetem

Einige Anbieter von Schnittmustern haben auch die Schnittmuster asiatischer Trachten im Programm. Hier ist es schwierig, ein Grenze zu ziehen zwischen Originaltracht und Nachgearbeitetem. Einen ersten Hinweis geben die Ärmel. Sind sie so geschnitten und eingesetzt, wie sie es von modernen Kleidungsstücken her gewohnt sind? Dann Achtung, gerade ostasiatische Trachten haben meist rechteckige Ärmelansätze, die entweder unter der Achsel offen sind (japanischer Kimono) oder mit einem Zwickel die nötige Bewegungsweite herstellen. Einen weiteren Hinweis geben die Nähte. Sind sie versäubert? Mit industriellem Overlockstich oder mit der Haushaltsnähmaschine, mit der Hand, oder gar nicht? Vielleicht mit einem Band umfasst? An diesen Verarbeitungsmerkmalen werden die Unterschiede klar. Komplett handgenähte Stücke werden zwar höchstens als Antiquitäten angeboten, aber Museumsreplikate sind durchaus hin und wieder im spezialisierten Handel anzutreffen.

Ostasiatische Regionen und Kulturen - und ihre traditionelle Kleidung

Dafür gibt es bislang keine eindeutigen Definitionen. Es bestehen ein „kleines“ und ein „großes“ Modell nebeneinander. Das „kleine“ Modell zählt alle Staaten dazu, die vom Monsun berührt werden und irgendwann in ihrer Geschichte unter den Einfluss der chinesischen Hochkultur standen.. Die zahlenmäßig bedeutendsten Gruppen in beiden Modellen sind die Chinesen, Japaner, Koreaner und Vietnamesen. Da Handelswaren dieser Gruppen heute nicht mehr zu den Luxusgütern gehören, lohnt sich ein Blick auf die Trachten dieser Kulturen. Alle genannten Kulturen sind Hochkulturen, haben also eine sozial geschichtete Gesellschaft und meist eine Vergangenheit als Feudalstaaten mit Königen und Kaisern. Dazu gehört eine hoch komplexe Kultur, in der sich durch die Kleidung ethnische und soziale Zugehörigkeiten ausdrücken.

China

Die prächtigen Zeremonialgewänder und Hoftrachten, die unseren Orden gleichkommen, werden Sie nur noch im Museum finden. Aktuell sind jedoch noch immer traditionelle Kleidungsformen im täglichen Gebrauch, wie etwa der Cheongsam oder der Mao-Anzug. Der Cheongsam ist ein elegantes, eng anliegendes Damengewand, das im Hongkong der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts entstand. Hier gibt es eine unendliche Vielzahl von Variationen zu Ausschnitt- und Ärmelgestaltung. Da dieses Kleidungsstück so beliebt ist, ist es auch gut zu finden und bewegt sich bei Ware von der Stange im moderaten Bereich.
Der Mao-Anzug, in China nach dem Erfinder Sun-Yat-Sen-Anzug genannt, kam nach der Ablösung von Mao Tse Tung etwas aus der Mode, wird aber heute wiederentdeckt. Exklusive Schneidereien machen in Handarbeit ein hochwertiges Designerstück aus der Zusammenstellung von Jacke und Hose, die im Lauf der Jahrzehnte einige kleinere Veränderungen durchgemacht hat. So werden die früheren Stücke, vor etwa 1970, mit sieben Knöpfen geschlossen, die späteren nur noch mit fünf. Der hohe Kragen, den der Erfinder Sun Yat Sen vorgesehen hatte, wurde zu einem normalen Umlegekragen, und die Taschen wurden von den ursprünglichen Blasebalgtaschen zu normalen Anzugtaschen umgestaltet. Anhand dieser kleineren Veränderungen lässt sich die Entstehungszeit älterer Stücke auf etwa eine Dekade genau bestimmen.

Korea

Der koreanische Hanbok wird heute hauptsächlich zu besonderen Anlässen getragen, im Alltag fast gar nicht mehr. Kinder tragen ihn zu ihrem ersten Geburtstag, Erwachsene traditionellerweise zu ihrem 60. Ein Hanbok besteht aus einer Bluse, über die ein weiter Wickel- oder Trägerrock gezogen wird. Dieses Ensemble wird mit einer kurzen, geknoteten, boleroartigen Jacke komplettiert und manchmal noch mit einer Schärpe unter der Brust gebunden. Die Männertracht ähnelt mit ihrem knöchellangen, asymmetrisch gebundenen Obergewand dem chinesischen Kleidungsstil der Han-Zeit. Erwähnenswert ist besonders die Vielfalt an Kopfbedeckungen für beide Geschlechter, für Winter und Sommer je unterschiedlich, und die Accessoires besonders der weiblichen Hoftracht, die als Zierelemente bis heute erhalten geblieben sind. Obwohl heutzutage die Farbe Weiß in Asien als Trauerfarbe gilt, waren die einfachen Bevölkerungsgruppen in historischen Zeiten gesetzlich verpflichtet, nur weiße Kleidung zu tragen. Daher hatte Korea früher in Asien den Beinamen „Land der weiß(gekleidet)en Menschen“. Farbige oder verzierte Gewänder waren der Oberschicht vorbehalten.

Japan

Das prächtigste und vielfältigste japanische Kleidungsstück ist der Kimono. Aber nicht jedes längere Kleidungsstück, dessen Vorderteil übereinandergeschlagen wird, ist ein Kimono. Der leichte Baumwollmantel Yukata etwa ist knie- oder wadenlang und hat meist keine Schulternähte, daran ist er zu erkennen. Er wird von beiden Geschlechtern als Badekleidung oder für sommerliche Feste getragen. Kimonos werden nach dem Schnitt der Ärmel und der Anbringung des Musters unterschieden. Die Farben und Muster der Kimonos werden hauptsächlich nach dem Alter des Trägers und dem Trageanlass gewählt.
Für Geishas und ihre Schülerinnen gelten besondere Vorschriften. So muss der Kimono einer Geisha so lang sein, dass er beim Gehen aufgenommen werden muss, damit er beim Tanzen eine elegante Schleppe bilden kann. Geisha-Schülerinnen betonen mit dem Kimono durch Farbe und Muster ihre Jugendlichkeit. Denn obwohl die Ausbildung früher im Alter von etwa 6 Jahren begann, müssen die Schülerinnen heute mindestens 16 Jahre alt sein, bleiben aber fünf Jahre lang im Status der Schülerin. Kimonos wurden früher ausschließlich aus einem genormten Stück Stoff in Einheitsgröße hergestellt, heutzutage gibt es aber Kimonos in verschiedenen Größen. Da hochwertige Kimonos immer noch aus jeweils einem, extra gewebten Stoffstück gemacht werden, sind sie Einzelanfertigungen und entsprechend kostspielig. Daher gibt es einen schwungvollen Handel mit gebrauchten Kimonos oder Kimonos zum Leihen.

Zubehör zum Kimono

Traditionell trägt man das Hadajuban, ein etwas kürzeres, kurzärmliges Wickelgewand aus weißem Stoff unter dem Kimono. Darunter kommt noch ein Polster, das um die Taille der Trägerin befestigt wird, um Körperformen auszugleichen, da der gerade geschnittene Kimono harmonisch fallen soll.

Obi

Der breite Gürtel um den Kimono, der Obi, ist aus einem immer gleich langen und breiten Stück Stoff hergestellt. Auch die Obi-Varianten werden wieder nach verschiedenen Tragegelegenheiten unterschieden. Der prächtige, formellen Maru-Obi, der für festliche Anlässe benutzt wird, ist durch seinen durchgehend bestickten oder brokatgewebten Stoff unbequem zu tragen und wird heute nur noch selten gesehen. Daneben gibt es eine zweite Variante aus den zwanziger Jahren, die leichter und nicht vollständig verziert ist und ebenfalls für besondere Anlässe getragen werden kann. Ein besonders leichter Obi, der etwas kürzer und schmaler über Sommerkimonos getragen wird, ist der Hanhaba-Obi, der auch zum Kimono für Kinder genommen wird.

Haori

Ein Haori ist eine etwa hüftlange Jacke, die aus der traditionellen Männerkleidung zum Wetterschutz für den Damen-Kimono wurde. Die Happi-Jacken sind kürzere, ebenfalls vorne übereinandergeschlagene Jacken. Sie zeigen meist ein Wappen oder sonst ein Symbol einer Gruppenzugehörigkeit, da sie von der Livree der Kammerdiener abgeleitet sind. Früher gab es eine wattierte Form, die im Winter als Hauskleidung diente. Das Michyuki ist ein dreiviertellanges Kleidungsstück zum Schlüpfen, das als Wetterschutz für einen Kimono entstand. Unter europäischem Einfluss wurde es auch mit Zierknöpfen versehen. Der viereckige, große Halsausschnitt soll die übereinandergelegten Schichten des Kimonoauschnitts attraktiv betonen. Heute wird es als eine Art Freizeitkleidung, besonders von Frauen, getragen.

Hakama

Zur japanischen Männerkleidung gehört der weite Hosenrock Hakama. Ursprünglich nur vom Adel getragen, ist er heute noch in einigen japanischen Kampfkünsten die passende Bekleidung, etwa im Kendo, Iaido, Kyudo oder Aikido. Heute wird der Hakama von Männern nur noch bei besonderen Anlässen getragen.

Vietnam

Die bekannteste Tracht Vietnams ist der Ao Dai, ein Ensemble aus weiter Hose und einem cheongsamähnlichen, langen Obergewand. Diese Tracht ist auch heute noch sehr beliebt und leicht im Handel zu finden. Der Ao Dai geht zurück auf die chinesische Tracht der Han-Zeit, hat sich aber im neunzehnten Jahrhundert aus einem Wickelgewand mit Unterrock zu der heute bekannten Form entwickelt. Heute sorgt die Vielfalt der Ausschnitt- und Ärmelvarianten für Verwechslungsgefahr mit dem chinesischen Cheongsam. Der wesentlichste Unterschied ist die Kombination mit einer weiten Hose.
Insgesamt weniger bekannt ist das traditionelles Oberteil Ao Yem, das bis heute überlebt hat. Ein im Nacken von einem Band gehaltenes, eng anliegendes Oberteil ohne Ärmel ist heute noch in traditionellen Dörfern zu sehen und wird dort mit einem einfachen, dunklen Rock kombiniert. Da dieses Oberteil dem westlichen Neckholder-Top sehr ähnlich ist, sieht man es häufig auf der Straße und in modernen Abwandlungen. Die beliebteste Festtagstracht heutzutage wird Ao Tur Than genannt, etwa übersetzbar mit „vier Kleidungsstücke“. Dazu gehört Obergewand und Hose des Ao Dai, ein Ao Yem als Unterkleidung und eine Schärpe für die Hüfte.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden