Was Sie beachten sollten, wenn Sie Reifen benötigen

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Was Sie beachten sollten, wenn Sie Reifen benötigen

Wenn Sie neue Reifen benötigen - zum Beispiel weil Ihre alten Winterreifen nicht mehr den Sicherheitsstandards entsprechen - dann haben Sie die Qual der Wahl beim Kauf. Denn Reifenarten, Hersteller und Label gibt es viele. Für jede Wetterbedingung, für jedes Auto, für jede Preisklasse scheint es einen anderen Reifen zu geben.

Bei der Formel-1 kann man die Vielfalt gut beobachten, denn die Reifen der Fahrer werden dort oft mitten im Rennen ausgewechselt - um den jeweils perfekten Reifen für die gerade herrschenden Bedingungen aufzuziehen und so die Gewinnchancen zu erhöhen. Es gibt beim Rennsport einen Reifen für jede Art von Strecke. Doch auch im normalen Alltagsgebrauch gibt es ein immer größeres Angebot an Reifen für den privaten Nutzer – für dieses und jenes Wetter und alle möglichen Fahreigenschaften.

Reifentypen gibt es also sehr viele und es kommen sogar jeden Monat neue dazu. Welcher ist da der Richtige für Sie und Ihr Auto? Was müssen Sie beachten, wenn Sie neue Reifen brauchen? Was bedeuten die Markierungen auf dem Reifen und die verschiedenen Reifenlabel?

Dieser Ratgeber steht Ihnen mit Rat und Tat beim Reifenkauf zur Seite, erklärt die Bedeutung von Markierungen und Labeln und worauf es generell zu achten gilt, wenn Sie neue Reifen benötigen.

Die Nummern-Markierung auf dem Reifen: Reifengröße und metrische Reifenmarkierungen

Der erste Blick beim Kauf eines neuen Reifen sollte der Nummernmarkierung auf dem Reifen gelten, denn diese gibt Ihnen wichtige Informationen über den Reifen und seine Eigenschaften. Vor dem Kauf. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben, die wertvolle Informationen über den Felgendurchmesser, die Reifenbreite und die Flankenhöhe geben, so dass Sie einen Reifen wählen können, der auch an Ihr Auto passt.

Die Markierung befindet sich seitlich auf dem Reifen und entspricht einem Standard namens ECE 30, der die Reifengrößenbezeichnung und die Betriebskennung wiedergeben soll. Das bedeutet einfach nur, dass man daraus die Breite, den Felgendurchmesser, sowie Tragfähigkeit und Geschwindigkeit ablesen kann.

Was bedeuten die Zahlen- und Buchstabenkürzel: So lesen Sie die Markierung richtig

Solch eine Markierung kann z. B. so aussehen: 175/55 R 14 85V. Wir schlüsseln im Folgenden auf, was diese Nummern und Zahlen genau bedeuten:

  • 175 markiert die Breite des Reifen
  • 55 ist der Querschnitt des Reifens, genauer: das Verhältnis zwischen Flankenhöhe und Reifenbreite, in diesem Fall beträgt er 55 % (steht hier nichts handelt es sich immer um einen Querschnitt von 82 %)
  • R 14 ist der Felgendurchmesser in Zoll, das R steht für „Radialreifen“ (die alten Diagonalreifen werden mit „-“ gekennzeichnet, kommen aber nur noch bei Oldtimern vor)
  • 85 V zeigt den Tragfähigkeitsindex (85) an und die maximale Geschwindigkeit V, was bedeutet, dass mit diesen Reifen maximal 240 km/h gefahren werden dürfen

Sind die Reifen für Winterwetter geeignet, kann dahinter noch „M+S“ stehen, für „mud and snow“ (deutsch: Matsch und Schnee), für Spikereifen dagegen findet sich die Abkürzung M+SE.

Die DOT-Nummer: Wichtige Kennzeichnung der Lebensdauer Ihres Reifens

Reifen werden selbst dann mit der Zeit altern, wenn sie nicht verwendet werden, denn Gummi wird durch Wärme und Feuchtigkeit spröde und leidet unter den verwendeten Lösungsmitteln. Auch bei bester Lagerung ist dies nicht zu verhindern, deshalb sollten Sie einen genauen Blick auf das Alter Ihrer Reifen werfen, egal ob Sie unbenutzte oder schon gebrauchte Reifen kaufen. Um heraus zu bekommen, wie alt ein Reifen ist, müssen Sie lediglich nach der DOT-Nummer am Reifenrand suchen, die dort einvulkanisiert wird. DOT steht übrigens für Department of Transportation, also das amerikanische Verkehrsministerium, welches diese mittlerweile weltweit verwendete Nummer einführte.

Eine DOT-Nummer kann zum Beispiel sein: „DOT 3212“. Die ersten beiden Zahlen stehen hierbei für die Kalenderwoche, in der der Reifen hergestellt wurde und die Letzten beiden für das Jahr. Der Reifen wurde also in der 32. Kalenderwoche des Jahres 2012 produziert. Kaufen Sie Neureifen, achten Sie darauf, dass diese nicht älter als 5 Jahre sind, danach, so warnen Experten, nimmt die Haftung der Reifen auch ohne Gebrauch deutlich ab.

Die TWI-Markierung: Reifenverschleißanzeige für die Profiltiefe Ihres Reifens

Sehr wichtig vor allem beim Kauf von gebrauchten Reifen, ist die Profiltiefe des Reifens. Diese nutzt sich mit dem Gebrauch natürlich ab. Laut Gesetz muss die Profiltiefe mindesten 1,6 mm betragen, auch wenn Experten bei Winterreifen schon ab 4 mm warnen und bei Sommerreifen/ Sommerrädern ab spätestens 2 mm. Wer von der Polizei mit einer Profiltiefe unter 1,6 mm angetroffen wird, zahlt Strafe und riskiert außerdem seine Sicherheit im Straßenverkehr. Das Risiko für Aquaplaning steigt dann nämlich auf nassen Strecken.

Um festzustellen, wie weit das Profil eines Reifens bereits abgenutzt wurde, gibt es die TWI-Markierung (Tread Wear Indicator) am Reifen, auch Abnutzungsindikator oder Reifenverschleißanzeige genannt. Dazu befinden sich in den Rillen des Reifenprofils kleine Querstege oder Höcker in Laufrichtung des Reifens. Sie zeigen eine Restprofiltiefe von 1.6 mm an. Damit Sie diese Markierungen besser finden können, ist in deren Nähe am Reifenrand oft das Kürzel TWI in den Reifen einvulkanisiert. Sind die Höcker genauso hoch wie der Rest des Profils, sollten Sie den Reifen nicht mehr kaufen bzw. ihre alten Reifen entsorgen.

Das Reifenlabel gibt zusätzliche Informationen: Rollwiderstand, Nassbremseigenschaften und Außenfahrgeräusch des Reifens

Diese Labels sind nicht direkt am Reifen als Zahlen angebracht, sondern sehen eher aus wie die Energieangaben auf den Verpackungen von Glühbirnen. Sie befinden sich seit Sommer 2012 als Papieraufkleber auf einem neuen Reifen, wenn dieser für Pkw Klasse C1 verwendet werden soll oder für bestimmte Lkw-Klassen. Finden Sie solch ein Reifenlabel, gibt es Ihnen Informationen über den Rollwiderstand, die Nassbremseigenschaften und das Außenfahrgeräusch des Reifens. Das Außenfahrgeräusch wird ganz einfach mit einer Dezibelangabe markiert und ein bis zwei Ringen an einem Lautsprechersymbol. Je weniger Ringe desto geräuschärmer ist das Auto.

Die beiden anderen Eigenschaften erhalten dagegen Einstufungen zwischen A und G, ähnlich wie bei Glühbirnen, wobei A die beste Bewertung ist. Der Rollwiderstand ist besonders interessant, weil sich daraus Rückschlüsse auf den Kraftstoffverbrauch, die die Reifen verursachen, ziehen lassen. Ein Reifen mit Rollwiderstand A verbraucht am wenigsten Benzin, einer mit Klasse G am meisten. Zwischen diesen beiden Klassen besteht eine Benzinersparnis von geschätzten 7,5 %, also einem satten halben Liter auf 100 km Strecke. Die meisten Pkw fallen hier in die Klassen B oder C, von Reifen mit der Klasse D oder weniger sollten Sie also lieber die Finger lassen.

Ebenso von Interesse ist die Angabe zur Nassbremseigenschaft des Reifens. Hier ist A wiederum die beste Klasse und kann einen Unterschied von 30 % zur Klasse G ausmachen. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass ein Auto mit Klasse A Reifen bei einer Vollbremsung auf nasser Strecke bereits steht, während ein Auto mit Reifen der Klasse G noch immer über 50 km/h schnell fährt.

Verschiedene Arten von Reifen für jede Jahreszeit: Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen

Wer kennt sie nicht, die Winterreifen? Jedes Jahr im Herbst sind Werkstätten mit Terminen ausgebucht, weil die ganze Nation fast auf einmal auf Winterreifen umsteigen will. Winterreifen aufzuziehen ist nicht unbedingt Pflicht, doch wer bei Schnee, Eisglätte oder Matsch angehalten wird und nur über Sommerreifen verfügt, muss trotzdem ein Bußgeld bezahlen. Wer neue Sommer- oder Winterreifen braucht, kann online ganz gezielt nach geeigneten Reifen suchen, denn die Bezeichnungen sind allgemeingebräuchlich und garantieren, dass Sie für jede Art von Wetter die richtigen Reifen finden. Auf der Reifenmarkierung zeigt das Kürzel M+S Ihnen, dass es sich um Winterreifen handelt.

Ebenfalls eine Überlegung Wert sind allerdings Ganzjahresreifen oder auch sogenannte Allwetterreifen, denn mit diesen Reifen ersparen Sie sich den Reifenwechsel im Frühling und Herbst. Auch diese Bezeichnung findet sich überall, wo es Reifen zu kaufen gibt. 

Auch sehr interessant ist die Technologie des Runflat Reifen, die auch unter der Bezeichnung Self Supporting Tires bekannt sind und bei einer Reifenpanne durch verstärkte Flanken auch ohne Luft eine Strecke von etwa 80 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h zurücklegen können. Dadurch vermeiden Sie riskante Aktionen am Seitenstreifen und haben gegebenenfalls noch die Möglichkeit zur Werkstatt Ihres Vertrauens zu fahren.

Mischbereifung, Reifenersatz und Reifenschäden: Worauf Sie außerdem achten sollten

Ist es erlaubt einen einzelnen Reifen an einem Auto, zum Beispiel wegen Verschleiß, auszutauschen? Vielleicht haben Sie sich das schon einmal gefragt und waren sich nicht sicher. Und kann man Sommer- mit Winterreifen kombinieren? Ja, das ist tatsächlich nicht ungesetzlich, Experten raten aber trotzdem nicht dazu Sommer – und Winterreifen an ein und demselben Auto zu haben. Auch die Kombination verschiedener Profiltiefen, Profiltypen und Gummimischungen ist zwar erlaubt, wird aber nicht empfohlen, da dies Einfluss auf die Fahrstabilität hat und bei Nässe, in Kurven und beim Bremsen unvorhergesehene Auswirkungen haben kann.

Wenn Sie einen einzelnen Reifen nachkaufen müssen, sollten Sie versuchen den gleichen Reifentyp wieder zu bekommen. Ist dies nicht möglich dann wird etwa vom ADAC empfohlen zumindest jeweils eine Achse mit dem gleichen Reifentyp zu versehen und die Reifen mit dem besseren Profil auf die Hinterräder aufzuziehen.

Fazit: Markierungen und Vorschriften beachten und den richtigen Reifen finden

Ihre Suche nach neuen Reifen für Ihr Auto können Sie sich erheblich erleichtern, indem Sie einen Blick auf die Markierungen der Reifen werfen und gleich bei der Suche Reifenbreite, Querschnitt und Felgendurchmesser beachten.

Beim Kauf runderneuerter Reifen beachten Sie außerdem, ob offensichtliche Reifenschäden sichtbar sind, die durch eindringende Feuchtigkeit den Gummi schwächen können. Länger gelagerte Neureifen sollten, wie in diesem Ratgeber gezeigt, nicht älter als fünf Jahre sein.

Mit diesen Tipps im Hinterkopf steht Ihrem Reifenkauf nun nichts mehr im Weg.

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