Was Fleischmann und die Spur 0 so besonders macht

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Was Fleischmann und die Spur 0 so besonders macht

Undenkbar: deutscher Modellbau ohne Fleischmanns Spur 0

Fleischmann, der Hersteller von Spielzeug, der bereits im 19. Jahrhundert gegründet wurde, ist aus dem Markt für Modelleisenbahnen und deren Anlagen in unseren Zeiten nicht mehr wegzudenken. Das Unternehmen fertigt ausschließlich Modelleisenbahnen und ist in Europa neben Roco, Märklin und Hornby einer der größten Produzenten mit einem Marktanteil von etwa 10 % bei aktuell 18,2 Millionen Euro Jahresumsatz. Ca. 20 % der Herstellung werden exportiert. Seit 2008 gehört Fleischmann zu der deutsch-österreichischen Muttergesellschaft der Modelleisenbahn Holding. Fleischmann-Produkte für die Spur 0 werden in den einschlägigen Fachgeschäften oder in den bekannten Verkaufs-Portalen im Internet angeboten.

Entwicklung der Spur 0

Die Spur 0 wird im anglo-amerikanischen Raum auch mit 7 mm scale bezeichnet. Sie ist eine von verschiedenen Verbänden normierte Baugröße für Modelleisenbahnen. Dabei weist die Normalspur mit einer Spurweite des Vorbilds von 1435 mm eine Modell-Spurweite von 32 mm auf und wird im Allgemeinen als Spur 0 bezeichnet. In den unterschiedlichsten Ländern wird der Maßstab auf verschiedene Weise interpretiert:

  • In England 1:43,5
  • In Kontinentaleuropa 1:45
  • In Nordamerika 1.48.

Bereits um 1900 wurde die Spur oder Nenngröße 0 für Modelleisenbahnen eingeführt. Diese löste die Nenngröße I als am weitesten verbreitete Spur ab, da die Anlagen dieser Art weniger Platz beanspruchten. Hinzu kam, dass die Modelle auch aufgrund der aufkommenden industriellen Großserienfertigung preisgünstiger wurden. Auf diese Weise wurde die Spur 0 zur zweiten marktführenden Nenngröße der Historie des Modellbahnbaus. Die Spur 0 selbst wurde in den 1950er und 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts aus ähnlichen Gründen von der Nenngröße H0 aus dieser Stellung verdrängt.

Derzeit sind Modelle der Nenngröße 0 in Europa in erster Linie bei Modelleisenbahnbauern und in Ausstellungen zu finden. Die Fahrzeugmodelle werden vorwiegend als Dekorationsobjekte in Museen oder in Modul- oder Vereinsanlagen ausgestellt. Der Maßstab hat allerdings in der jüngsten Zeit bei den Fans von historischen Modellen wieder eine gewisse Renaissance erfahren. Die Modelle sowie ihr Zubehör werden noch immer sowohl als Nachbildungen wie als Neubauten produziert. In den Vereinigten Staaten und Kanada findet die Spur 0 weiterhin großen Anklang.

Spur 0 mit unterschiedlichen Gleissystemen

Analog zur Spur H0 gibt es auch für die Spur 0 aktuell drei elektrische Gleissysteme: das Zweileiter-, das Mittelleiter- sowie das Dreileiter-Gleissystem. In erster Linie werden die Anlagen der Spur 0 aktuell mit dem Zweileiter-Gleissystem oder mit dem Mittelleiter-System, mit Gleich- oder Wechselstrom und mehr und mehr auch im Digitalbetrieb betrieben. In Nordamerika setzt der Hersteller Lionel Anlagen mit Mittelleiter ein, der durch eine dritte durchgehende Schiene gebildet wird. Wenn die Modelleisenbahner ihre Modelle, die natürlich unterschiedliche elektrische Konstruktionen aufweisen, auf einer Anlage miteinander laufen lassen möchten, wird manchmal auch ein umschaltbares Dreileiter-Gleissystem eingesetzt.

Die verschiedenen Hersteller der Spur 0

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden in Deutschland Modelle, Gleisanlagen und Gebäude der Spur 0 in erster Linie von den Unternehmen wie Bing, Märklin, Kraus Fandor und Karl Bub produziert. K. Dressler bot ab 1946 ebenfalls einfache Modelle an. Fleischmann produzierte ab 1949 die Spur 0, wobei als bedeutende Neugestaltung der Nenngröße auf den Mittelleiter verzichtet wurde. Im Gegensatz zum Konkurrenten Märklin bot Fleischmann auch erheblich weniger Lokomotiven mit Uhrwerkantrieb an. Unter Schweizer Sammlern waren die Produzenten Buco und HAG für die Spur 0 hoch im Kurs. In der DDR dominierten die Firmen Metallwarenfabrik Stadtilm und Zeuke & Wegwerth den Markt.

Durch die Verbesserung der Details und der Qualität der Fahrzeuge und Anlagen der Spur H0 und durch diese benötigten geringeren Platzbedarfes und der daraus resultierenden niedrigeren Nachfrage wurde die Spur 0 schließlich von Märklin (1955) und von Fleischmann (1959) nicht mehr gebaut. Märklin verkaufte von 1970 bis 1972 eine 750-mm-Schmalspurbahn der Spur 0e auf H0-Gleisen unter der Bezeichnung Märklin-Minex.

Die Hersteller Lima, Pola und Rivarossi stellten jeweils ein großes Programm an Bausätzen für Fahrzeuge zur Verfügung. Hierunter befanden sich Modelle sämtlicher Gleissysteme und etlicher Waggons. Die entsprechenden Formen wurden von verschiedenen Gesellschaften verwendet und werden zum Teil heute noch eingesetzt. Dabei entsprach die Detailgenauigkeit eher dem H0-Niveau, was sich gegenüber Modellen aus Kleinserien positiv beim Preis auswirkte. Peco und Fleischmann stellen Modelle und Zubehör in Großserie für die Spur 0e her. Die Firma Lenz Elektronik tritt ebenfalls als Großserienproduzent mit Fahrzeugmodellen und Zubehör auf, nachdem dieses Unternehmen lange Zeit mit Utensilien für die Digitalisierung der Modelleisenbahnen in Erscheinung getreten ist.

In Europa bieten aktuell eine ganze Reihe von Kleinserienherstellern Modelle und Bauteile der Spur 0 an. Während Fleischmann die Herstellung von Fahrzeugmodellen und Zubehör für die Spur 0e zwischenzeitlich eingestellt hatte, hat im anglo-amerikanischen Raum der Großserienhersteller Bachmann ein größeres Verbreitungsgebiet mit Produkten für die Spur 0n30 erreicht. Ebenfalls neu auf dem Markt ist der Großserienhersteller Brawa mit entsprechenden Produkten für die Spur 0.

Fleischmann im Wandel der Zeiten

Die Gebr. Fleischmann GmbH und Co. KG, die ihren Sitz in Heilsbronn im Landkreis Ansbach hat, wurde 1887 von Jean Fleischmann gegründet und stellte zu Beginn in erster Linie Blechspielzeug wie Flugzeuge, Schiffe oder Autos her. Erst 1938 erweiterte sich die Produktion um Modelleisenbahnen der Spur 0 und Dampfmaschinen mit der Übernahme der Firma Doll & Co., Nürnberg. Das Unternehmen begann bereits zum Jahreswechsel 1938/39 mit der Entwicklung eigener an Originalen orientierten Eisenbahnmodelle. Mit dem gesetzlich verordneten Stopp der Herstellung der Spielwaren aus Gründen der vom 2. Weltkrieg stark sanktionierten Wirtschaft endete die Spur-0-Fertigung von Doll. Allerdings nahm die Fleischmann-Tochter nach dem Krieg die Produktion der Dampfmaschinen und Antriebsmodelle erneut wieder auf. Die Herstellung von Dampfmaschinen wurde 1969 endgültig beendet.

Fleischmann präsentierte 1949 als erstes Unternehmen eine Modelleisenbahn der Spur 0 nach einem Zweileiter-Gleichstrom-Prinzip. Modelleisenbahnen wurden bis zu diesem Datum mit verschiedenen Dreileiter-Systemen angetrieben. Aufgrund des überragenden Erfolgs der Spur H0, die seit 1952 einen Verkaufsrekord nach dem anderen aufstellte, wurde die Fertigung des Zweileiter-Gleichstrom-Systems der Spur 0 bereits 1959 wieder eingestellt. Für die Spur H0 verwendete Fleischmann zunächst einen Maßstab von 1:82, der später auf 1:85 verkleinert wurde. Nahezu alle Hersteller setzen mittlerweile auf den Maßstab 1:87. Der Modellbauhersteller Arnold hatte 1960 in Deutschland als erster Produzent von Großserien die Spurweite N vorgestellt. Fleischmann zog im gleichen Maßstab 1969 mit dem sogenannten Piccolo-Sortiment nach. Neben den Modelleisenbahnen versuchte sich Fleischmann auch auf dem Segment der Autorennbahnen. Gegen den Konkurrenten Carrera konnte sich die Gesellschaft auf diesem Gebiet jedoch nicht durchsetzen und stellte die Slotcar-Bahnen nach rund 20 Jahren wieder ein.

Das Unternehmen Fleischmann wurde 2008 von der deutsch-österreichischen Modelleisenbahn Holding übernommen. Die Modelleisenbahn Holding, die ebenfalls Eigentümerin des Konkurrenten Roco ist, verlegte den Firmensitz von Nürnberg nach Heilsbronn. Ab diesem Zeitpunkt wird Fleischmann umstrukturiert, was auch eine Reduzierung von Arbeitsplätzen von 340 auf aktuell 180 nach sich gezogen hat. Aus Anlass des 125. Firmenjubiläums brach Fleischmann den Rekord für das längste H0-Modellbahngleises der Welt und schaffte damit einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.

Auswahl von noch erhältlichen Produkten der Spur 0 von Fleischmann

Derzeit verkauft eine große Anzahl von Händlern Fleischmann Modellbahn-Produkte der Spur 0. Hierzu zählen Lokomotive, Waggons, Lastkraftwagen, Schienen- und Weichenteile sowie weiteres Zubehör. Beispiele hierfür sind:

Dampflokomotiven

  • Fleischmann MagicTrain 0e Diesellok mit 2 Loren im Set, als Starterset aber ohne Schienen
  • Schlepptenderlok BR41 (grau), Achsfolge 1' D 1', Baujahr 1957 bis 61
  • Amerikanische Schlepptenderlok "Pacific", Achsfolge 2' C 1', Baujahr 1953 bis 56

Diesellokomotiven

  • Amerikanischer "ALCO" der SANTA FE, Achsfolge Bo' Bo', Baujahr 1959 bis 66
  • V 200 035 der DB, Achsfolge Bo' Bo', Baujahr 1958 bis 68
  • V 60, belgische Variante, Achsfolge C, Baujahr 1961 bis 62

Elektrolokomotiven

  • Elektrische Lokomotive der schwedischen Bahn, Achsfolge 1'C 1', Baujahr 1957 bis 71
  • Elektrische Lok 44 der Deutschen Bundesbahn, Achsfolge Bo' Bo', Baujahr 1952 bis 60
  • E 10 der DB, "RHEINGOLD", Achsfolge Bo' Bo', Baujahr 1963 bis 65

Triebwagen

  • Dieseltriebwagen rot-beige der DB, Achsfolge Bo' Bo', Baujahr 1956 bis 60
  • Dieseltriebwagen rot-beige der DB mit Beiwagen, Achsfolge Bo' Bo' + Bo' Bo', Baujahr 1956 bis 60

Personen- & Packwagen

  • Am. 4-achsiger Personenwagen der Pennsylvania Railroad, Fensteranordnung wie 1410, Baujahr 1954 bis 57
  • 4-achsiger Speisewagen DSG, Gattung WR4ü, Baujahr 1952 bis 61
  • Preußischer Abteilwagens Gattung Pr21, Baujahr 1952 bis 62

Güterwagen

  • Tonnendachwagen "Bananen", Baujahr 1952 bis 60
  • Tonnendachwagen der DB, braun, Baujahr 1952 bis 60
  • Tonnendachwagen "Reichelbräu", Baujahr 1952 bis 60

Antiquarische Kataloge

  • Katalog Fleischmann für die Modellbahn Nenngröße H0, DIN-A5, 24 Seiten, mit loser Preisliste von 1953
  • Katalog Fleischmann für die Modellbahn Nenngröße H0, DIN-A5, 72 Seiten, von 1964/65

Zubehör und Sets

  • Fleischmann Schienen Spur 0 gebogen
  • FLEISCHMANN E340-3 ZUGPACKUNG SPUR 0 Eisenbahn Modellbahn

Fazit

Die Firma Fleischmann erkannte direkt nach dem Zweiten Weltkrieg den Trend zur vorbildgetreuen Modelleisenbahn. Aber der Nachteil der Spur 0-Eisenbahn kündigte sich allerdings bereits an, der zu hohe Platzbedarf war ein deutlich negatives Argument. Fleischmann baute in erster Linie zweiachsige Lokomotiven und kurze Personenwagen, um ein Gleisoval mit engen Radien noch auf einem gängigen Wohnzimmer- oder Küchentisch bespielen zu können. Das Aus für die "große" Modellbahn aus dem Nürnberger Traditionsunternehmen kam 1959. Aber auch heute noch sind die Spur-0-Loks und Waggons begehrte Sammlerobjekte.

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