Warum sagt man umgangssprachlich zu Geld auch Kohle?

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Warum sagt man umgangssprachlich zu Geld auch Kohle?

Geld hat viele Namen. Neben Moneten, Mäusen und Zaster wird das Zahlungsmittel auch als Kohle bezeichnet. Kohle? Was hat Geld, das aus Münzen und Scheinen besteht, mit dem schwarzen Sedimentgestein zu tun? Wer hat sich das einfallen lassen? Im folgenden Artikel lesen Sie, wie es dazu kam.

 

Geld ist, was man nicht beim Namen nennt

Ein altes deutsches Sprichwort lautet: "Über Geld spricht man nicht." Lange galt es als unpassend, über Vermögen oder gar Armut mit Nachbarn oder Freunden zu sprechen. In der Vergangenheit galt es selbst vor den eigenen Verwandten als unschicklich, über den monetären Zustand der Familie zu sprechen. Nach und nach schlichen sich Begrifflichkeiten ein, die nicht nur geflügelte Worte, sondern feste Umschreibungen für Geld wurden: Kies, Schotter, Asche und natürlich Kohle. Wie bei allen Begriffen steckt hinter der Verwendung von Kohle als Synonym für Geld eine Geschichte. Und die ist bei diesem Begriff besonders komplex, denn es ranken sich gleich mehrere Sagen um die Wortherkunft.

 

Von Ganoven und Gangstern – Kohle haben heißt Armut

Wer Kohle hat, hat Geld, ist wohlhabend oder gar reich. Zumindest ist das die verbreitete Annahme und Übersetzung der Phrase. Sprachforscher in den 1950er-Jahren fanden allerdings heraus, dass "Kohle haben" in der Kriminalsprache bedeutet, dass jemand in Geldnot steckt. Gauner und Diebe sprachen – und sprechen mitunter bis heute – im sogenannten Rotwelsch. Das ist eine Art Gauner- und Randgruppensprache, die nur von Angehörigen der jeweiligen Gemeinschaft verstanden wird und allen Außenstehenden Rätsel aufgibt. Zigeunergruppen wie Sinti und Roma prägten diese Sprache. Das Wort "kalo" bedeutet im Romanes "schwarz" – und wer schwarz ist, hat in deren Sprachgebrauch schlichtweg kein Geld. Daraus entwickelte sich im Milieu der Begriff Kohle.

 

Rauchende Schornsteine und volle Kohlekeller – Wohlstand erfordert Kohle

Eine andere Annahme stammt aus dem 18. Jahrhundert. Hier gab es ein Sprichwort, das dem Ausspruch "Der Rubel muss rollen" ähnelt: "Der Schornstein muss rauchen." Wer also ein angenehmes Leben führen wollte, brauchte Kohle, um sein Haus zu beheizen. Rauchende Schornsteine signalisierten zudem, dass die Familie wohlhabend genug war, um es durch den kalten Winter zu schaffen. So etablierte sich nach und nach der Begriff "Kohle" als Bezeichnung für "viel Geld". Wer damals Kohle hatte, der konnte sich nicht nur die Beheizung der Wohnung leisten, sondern auch Nahrung, Kleidung und Bildung. Bis heute wird der Ausspruch "Man hat Kohle" verwendet, um zu betonen, dass jemand im Wohlstand lebt.

 

Kein Geld, aber Kohle – das schwarze Gold als Zahlungsmittel

Eine andere Geschichte geht davon aus, dass Steinkohle im Zweiten Weltkrieg mehr und mehr als Zahlungsmittel Verwendung fand. Es gibt zwar Belege dafür, dass der Brennstoff streckenweise informell als Geldersatz gehandelt wurde, ob die Bezeichnung "Kohle" für Geld aber wirklich daher kommt, darüber streiten Sprachwissenschaftler bis heute. Egal, welche Story der Wahrheit am nächsten ist: Interessant und unterhaltsam sind sie alle. Bei eBay finden Sie allerdings Kohle noch in ihrer ursprünglichen Bedeutung: als Heiz- und Zündmittel für Heimwerker.

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