Warum für echten Musikgenuss ein Vorverstärker nötig ist

Aufrufe 4 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
31.295.Warum für echten Musikgenuss ein Vorverstärker nötig ist

Der Vorverstärker für die Hi-Fi-Anlage war über einen langen Zeitraum hinweg eine praktische Baukomponente. Hier ließen sich die Quellgeräte (wie Plattenspieler, Spulentonbandgerät, CD-Player oder Tapedeck) anschließen und per Regler oder Taste auswählen. Weiterhin war (und ist) der Vorverstärker für die Klangregelung zuständig. Hier ließen sich Bässe, Höhen und Mitten regulieren. Außerdem konnten die Stereokanäle ausbalanciert und nach links oder nach rechts verschoben werden.

Mittlerweile haben sich die Zeiten etwas geändert. Das merkt man besonders auch bei den verwendeten Quellgeräten. Elektromagnetische Speichermedien wie Spulentonbandgeräte und Tapedecks werden so gut wie nicht mehr benutzt. Hier und dort verabschiedet sich der Radiotuner ebenfalls aus den heimischen Hi-Fi-Anlagen. Wer besonders viel Wert auf Stil und Qualität legt, besitzt heute unter Umständen nur noch ein einziges Quellgerät plus Verstärker.

Dieser neue Hang zum Minimalismus im Hi-Fi-Bereich ist auch an den Vorverstärkern bzw. Vorstufen nicht vorbeigegangen. Nicht selten werden seine Funktionen heutzutage auf den Anschluss und die Auswahl der Quellgeräte und sowie die Lautstärkeregelung reduziert. Letztere wird heute schon infrage gestellt. Denn es gibt – vor allen dingen im gehobenen Hi-Fi-Bereich – Quellgeräte, die mit einer eigenen Lautstärkeregelung ausgestattet sind. Diese können den Endverstärker also direkt mit ihrem Audiosignal versorgen und dabei von sich aus die Lautstärke anpassen.

Im High-End-Bereich der audiophilen Hi-Fi-Experten wird bereits behauptet, dass sich der Verzicht auf einen Vorverstärker (bei entsprechender Gerätekonfiguration) positiv auf den Klang der Musik auswirkt. Andere wiederum stellen fest, dass die Verwendung einer passiven Vorstufe das A und O des Hi-Fi-Musikgenusses wäre. Wie sie lesen, gibt es hier viele verschiedene Meinungen und Diskussionen. Dieser Ratgeber möchte daher ein wenig Licht ins Dunkel der Vorverstärkerdebatte bringen.

Vorverstärker, Endstufe, Vorstufe, Vollverstärker, Endverstärker: Was ist damit gemeint?

Der Hi-Fi-Verstärker ist das Herz der Stereoanlage. Hier werden alle Quellgeräte angeschlossen und zentral verwaltet. Andererseits muss der Verstärker die Audiosignale der Quellgeräte in dem Maße aufbereiten und verstärken, dass damit angeschlossene Lautsprecher betrieben werden können. Wenn Sie planen, eine neue Anlage zu erwerben, sollten Sie zunächst über die Wahl des Verstärkers nachdenken. Er spielt eine entscheidende Rolle bei Qualität und Nutzbarkeit der Stereoanlage.

Hi-Fi-Verstärker bestehen intern aus zwei Baugruppen. Das sind der Vorverstärker und der Endverstärker. In den meisten Fällen sind beide Komponenten innerhalb eines Gehäuses zusammengefasst. Ist das der Fall, spricht man auch von einem Vollverstärker. Vorverstärker und Endverstärker werden jedoch auch als einzelne, voneinander unabhängige Geräte angeboten. In dem Fall wird der Vorverstärker Vorstufe und der Endverstärker Endstufe genannt.

Was macht der Vorverstärker bzw. die Vorstufe?

Der Vorverstärker stellt die Schaltzentrale dar. Außerdem werden an ihn alle Quellgeräte angeschlossen. Die Audiosignale der Quellen werden in der Weise aufbereitet, dass sie vom Endverstärker verarbeitet werden können. Der Vorverstärker ist darüber hinaus für die Lautstärkeregelung zuständig.

Was macht der Endverstärker bzw. die Endstufe?

Die Spannung des Audiosignals, das vom Vorverstärker bzw. der Vorstufe kommt, wird vom Endverstärker bzw. der Endstufe soweit erhöht, dass damit die Lautsprecher adäquat betrieben werden können. Lautsprecher können auch über einen integrierten Endverstärker verfügen. Sie werden als Aktivlautsprecher bezeichnet und lassen sich direkt an den Vorverstärker anschließen.

Wie arbeiten Vollverstärker?

Wie bereits angedeutet stellen Vollverstärker eine Kombination aus Vor- und Endverstärker dar. Hier können demnach einerseits Signalquellen angeschlossen und gesteuert werden. Andererseits lassen sich damit Lautsprecher antreiben. Aufgrund geringerer Kosten im Vergleich zu einer Kombination zweier unabhängiger Geräte (Vorstufe/Endstufe) sind Vollverstärker beliebt bei Endverbrauchern.

„Aktive“ und „passive“ Vorstufen: Funktionsweisen und Klangbild

Von Vorstufen werden – grob gesagt – zwei Typen angeboten – sogenannte aktive und passive Vorstufen. Bei aktiven Vorstufen finden sich neben passiven Bauteilen (Eingangswahlschalter, Potenziometer zur Lautstärkeregelung usw.) auch einige aktive Elemente. Das können beispielsweise Transistoren oder Operationsverstärker sein, die das hereinkommende Audiosignal verstärken. Bei dieser Verstärkung lässt sich zwischen Spannungsverstärkung und Stromverstärkung unterscheiden.

Wird die Spannung verstärkt, wird der Lautstärkepegel angehoben. Der Stromverstärkung kommt eine besondere Rolle bei hochwertigen Hi-Fi-Komponenten zu. Im Zusammenspiel mit den Quellkomponenten verstärkt die aktive Vorstufe den geringen Strom in der Weise, dass die Ausgänge der Quellgeräte stark entlastet werden. Bei einer passiven Vorstufe ist dies anders. Passive Vorverstärker bzw. Vorstufen besitzen keinerlei aktiv verstärkende Bauelemente. Das Audiosignal wird über Lautstärkepotenziometer und Schalter direkt und unverstärkt zum Endverstärker transportiert – und das mithilfe eines relativ langen Kabels.

Tatsächlich sollte man bei der Entscheidung, einen aktiven bzw. passiven separaten Vorverstärker zu verwenden, Vorsicht walten lassen. Der Hi-Fi-Markt bietet überaus viele Vorstufenmodelle an, die der Klangqualität eher abträglich sind. Hier klingen Aufnahmen zum Teil wenig natürlich und körperhaft, wie aus der Konserve. Deutliche Qualitätszuwächse gelingen hingegen nur mit wirklich hochwertigen Vorstufen, für die entsprechende Preise gelten.

Mit diesen kann man sich jedoch auf einen deutlichen Zuwachs an Musikgenuss freuen, der besonders die Dynamik und die Auflösung des Audiosignals betrifft. Hochwertige aktive Vorverstärker verleihen der Musik eine faszinierende räumliche Darstellung und bringen ein echtes Livefeeling in den Raum. Selbstverständlich sind solche Ergebnisse nur mit entsprechenden Lautsprecherboxen zu erzielen. Doch das wäre ein anderer Ratgeber.

Welche Verstärkertypen stehen zur Auswahl

Vorverstärker ist nicht gleich Vorverstärker. Es gibt Unterschiede, die besonders die Verarbeitung von speziellen Bauteilen betreffen. Hiermit sind vor allen Dingen Röhren und Transistoren gemeint. Dem entsprechend gibt es drei unterschiedliche Bautypen:

  • Transistorverstärker
  • Röhrenverstärker
  •  Hybride aus beiden Typen

1. Die wohl am meisten verbreitete Art von Vorverstärkern basiert auf der Transistortechnik. Hier kommen Operationsverstärker zum Einsatz, um das Audiosignal zu verstärken. Dem Vorverstärker wird ein neutraler Klang nachgesagt. Die Klangqualität ist natürlich auch – wie bereits erwähnt – zum einen von den verwendeten Lautsprechern und zum anderen von den eigenen Hörgewohnheiten und der Schulung des eigenen Ohres abhängig.

2. Röhrenverstärker stellen die zweite Gruppe von Vorverstärkertypen dar. Die Röhrenbauteile sind zumeist austauschbar. Hierdurch entsteht ein wesentlicher Vorteil: Schlechtere Röhren können relativ komfortabel durch qualitativ bessere Röhren ausgetauscht werden. Viele – besonders audiophile – Musikgenießer behaupten, dass der Röhrenverstärker einen wärmeren und analogen Sound produziere.

3. Hybrid-Vorverstärker arbeiten sowohl mit Transistoren als auch mit Röhren. Ihr Klang – so lässt sich bereits vermuten – ist eine Mischung aus warmem Röhren- und neutralen Transistorsound. Auch hier ist wieder das eigene Hörempfinden ausschlaggebend für den Klang.

Über die Hi-Fi-Vorstufe hinaus: Vorverstärker für Kopfhörer und Schallplattenspieler

Neben den Hi-Fi-Vorstufen lassen sich noch weitere Vorverstärker im Hi-Fi-Bereich identifizieren, die bei einem ausgewogenen Hörgenuss eine nicht geringe Rolle spielen. Die Rede ist zum einen vom Vorverstärker für Kopfhörer, zum anderen vom Vorverstärker für den Schallplattenspieler. Beide Vorverstärker sollen kurz vorgestellt werden.

Kopfhörervorverstärker

Der Kauf eines Kopfhörervorverstärkers erscheint im normalen Consumerbereich wenig notwenig. Zumeist trifft man hier auf die Meinung, das der Kopfhörervorverstärker besonders im professionellen Studiobereich seine Bewandtnis, zu Hause jedoch nicht. Diese Annahme erübrigt sich jedoch sehr schnell, wenn die Ansprüche an Klangqualität steigen.

Dies zeigt sich zum Beispiel immer dort, wo Tonträger nicht in gleicher Lautstärke aufgenommen wurden. Das Nachpegeln per Kopfhörerverstärker stellt hier eine gute Möglichkeit dar. Dabei sollte der Kopfhörervorverstärker ohne störende Nebengeräusche auskommen – gerade unter großer Lautstärkenlast.

Phonovorverstärker

Wenn Sie einen Plattenspieler an Ihre Anlage anschließen wollen, sollte ihr Verstärker über einen Phonoeingang verfügen. Der Anschluss an einem „normalen“ Hochpegeleingang des Verstärkers ist nicht möglich. Das Signal des Plattenspielers besitzt nämlich einen wesentlich geringeren Pegel, als die normalen Hochpegelsignale. Zudem muss das Plattenspielersignal noch zusätzlich entzerrt werden.

Sollte der Verstärker Ihrer Anlage oder Ihr Wunschverstärker ausschließlich Hochpegelsignale verwalten können und über keinen Phonoeiningang verfügen, sollten Sie zu einem separaten Phonovorverstärker greifen, der das Signal verstärkt und entzerrt. Viele Plattenspieler verfügen bereits über einen integrierten Phonovorverstärker und können somit an jeden Eingang des Verstärkers angeschlossen werden.

Hinweise zum Erwerb von Vorverstärkern

Für welche Art des Vorverstärkers – Vorstufe, Kopfhörervorverstärker, Phonovorverstärker – Sie sich auch immer entscheiden, achten Sie auf folgende Hinweise. Grundsätzlich ist es notwendig, dass Sie sich das Produkt selbst ansehen und anhören. Die optimalste Möglichkeit wäre natürlich, wenn Sie den favorisierten Vorverstärker an Ihre eigene Hi-Fi-Anlage anschließen könnten. Hier können Sie direkte Vergleiche mit zwischen neuer und alter Verstärkerkonfiguration anstellen.

Sollten Sie diese Möglichkeit nicht haben, versuchen Sie zumindest eine von Ihnen viel gehörte und gut gekannte Aufnahme (auf CD, Schallplatte etc.) mithilfe des erwünschten Vorverstärkers zu hören. Diese Möglichkeit ist zumeist im Fachgeschäft aber auch im Elektronikmarkt zumeist gegeben. Möchten Sie den Vorverstärker im Internet kaufen, sollten Sie sich ebenso an diese Methode halten.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden