Wartung Akai GX-95 Reference Tape Deck die zweite

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Diese richtiggestellte Wartungs-Anleitung gilt für den Akai GX-95, kann aber sinngemäß bei vielen Kassettenrecordern angewandt werden, wenn diese über einen Doppelcapstanantrieb und gleich aufgebaute Mechanik verfügen, sonst nicht!

Der Akai GX-95 repräsentiert die Spitze des Machbaren bei den 3-Motoren-Dual-Capstan-Kassettendecks zu einem noch erschwinglichen Preis (damals ca. 1300 DM). Der Klang ist mit viel teureren Maschinen vergleichbar. Er ist gebaut wie ein Panzer und läuft noch nach Jahren zuverlässig. Allerdings muss der aufwendige Antrieb ab und zu gewartet werden.

Typische Symptome: Die elektrisch angetriebene Laufwerksschacht geht nach dem Schließen sofort wieder auf oder das Band stoppt nach dem Anlaufen sofort wieder. Tut man nichts dagegen, geht der empfindliche Laufwerksantrieb irgendwann durch mechanische Überlastung kaputt.

Falsch ist: Ursache ist beim GX-95 oft der Hebel der linken Andruckrolle. Dieser Hebel ist auf einem Stift gelagert und bewegt sich nicht mehr, wenn das Fett in dem Lager nach Jahren verharzt. Das kann man leicht testen, wenn man das geöffnete Kassettenfenster nach oben abzieht und testet, ob sich beide Andruckrollen leicht nach unten drücken lassen. Sie müssen durch Federkraft sofort wieder hochkommen.

Richtig ist: Nicht der Hebel der linken Andruckrolle ist die Ursache, sondern der gesamte Schlitten, bei welchem die Erstfettung verharzt ist. Und die Andruckrollen dürfen sich nicht leicht nach unten drücken lassen, wenn ja, dann sind die Federn ausgeleiert und bringen demnach nicht mehr den erforderlichen Anpreßdruck, logisch, oder?

Ist das nicht der Fall und lassen sie sich nur schwer bewegen, muss man das Lager des Hebelarms reinigen und schmieren.( Was für ein Lager?? Es handelt sich um eine Gleitbuchse.) Das geht folgendermaßen und Abdeckhaube abnehmen (10 Schrauben). Alu-Frontplatte abnehmen (je 3 Schrauben oben und unten). Kassettenfach elektrisch öffnen. Der linke Andruckrollen-Hebelarm ist mit zwei Muttern gesichert, eine Sechskantmutter und eine geschlitzte Gewindehülse als Kontermutter. Diese werden herausgeschraubt (man braucht dazu einen 4 mm Sechskant-Steckschlüssel und einen 3,5 mm Schraubendreher) und der Hebelarm so weit wie möglich herausgezogen ( Und damit ist schon die gesamte Werkseinstellung zunichte und erfordert somit einen kompletten Neuabgleich des Laufwerks, viel Spaß!!)

Diese Doppelverschraubung ist nicht umsonst mit Schraubenlack versiegelt worden! Es handelt sich hierbei um eine Werksvoreinstellung, die gar nicht gelöst werden sollte, weil das Gleitlager darin kein Fett benötigt und somit auch nicht verharzen kann! Selbst wenn die Bandführung gebrochen oder die Andruckrolle verschlissen ist, braucht man diese Verschraubung NIE lösen, es sei denn, man ist dumm und stellt sich auf eine äußerst komplizierte Neueinstellung ein, die ohne das notwendige Meßequipment nicht zu bewältigen ist!

Dann den Kassettenrecorder senkrecht stellen und von oben ein winziges Tröpfchen dünnflüssiges Öl in das Lager tropfen.( Man merke sich: Öl hat in einem Tape Deck nichts zu suchen, es sei denn, man möchte die Zentrifugalkraft schnell drehender Achsen ausnutzen und das Zeug im ganzen Laufwerk verteilen!!!) Dafür eignet sich besonders Molybdänsulfidhaltiges Öl wie Caramba oder WD-40. Nicht sprühen! Sonst ist gleich alles versaut!( Das ist es dann sowieso ) Den Hebelarm mehrfach rauf und runter bewegen, bis er wieder leichtgängig ist. Sechskantmutter wieder soweit reindrehen, dass das Band genau in der Mitte der Rolle läuft und dann mit der Kontermutter sichern.( So stellt der "Fachmann" ein, Pi mal Auge, klasse! Möchten sie an ihrem Kraftfahrzeug auch so arbeiten, alle Einstellungen Pi mal Auge? Aber dann nicht wundern, wenn der Wagen nicht mehr vernünftig läuft! )

Fertig! Das Ding läuft wieder.( Aber wie!!?? ) Nötigenfalls kann man das Gleiche auch mit dem rechten Andruckarm machen. Dieser ist allerdings mit einem Spannring gesichert.( Ja, warum wohl? Vielleicht, weil die rechte Bandführung eben nicht mit der Andruckrolle zusammen auf einem Träger ist? )

Man merke sich: Die linke Geschichte ist T A B U !!, die rechte Bandführung dient zur Einstellung, wenn sie wegen Defekt mal ausgetauscht werden muß oder, wenn der Aufnahme/Wiedergabekopf, aus irgendwelchen Gründen auch immer, getauscht wurde. Denn irgendeine Grundeinstellung muß doch erhalten bleiben, wenn man den Laufwerksabgleich nicht zur Lebensaufgabe werden lassen will, oder??

Die Andruckrollen nehmen mit der Zeit Schmutz und Magnetpartikel von alten Bändern auf, speziell von Metall-Bändern. Speziell der Magnetdreck ist gefährlich, weil man sich damit wertvolle Aufnahmen ruinieren kann. Diesen Schmutz entfernt man indem man die Maschine ohne Band auf Wiedergabe schaltet und mit einem winzigen Stück 800er-Schleifpapier (?????) vorsichtig die sich drehenden Rollen minimal abschleift, bis sie wieder schön schwarz aussehen. Anschließend sollte man sie mit einem in reinem Alkohol (Äthanol 90 % aus der Apotheke) befeuchtetem nicht fusselnden Wattestäbchen noch sauber machen. Manche Leute schwören auf andere Mittel, wie Reinigungsbenzin, Aceton oder Videospray. Hauptsache: Nur möglichst kurze Einwirkungszeit und gut trocknen vor dem Bandeinlegen!!

Andruckrollen, Bandführungsteile und Capstanwellen werden mit ganz normalen Schlecker Brennspiritus vorgereinigt, wir wollen doch die Apotheken nicht unnötig reich machen! Danach besorgt man sich Walzenreiniger, ist zwar nicht ganz billig, aber dafür hocheffektiv und hält eine Ewigkeit! Auf den ganzen anderen Quatsch würde ich verzichten, vor allem auf das Schmirgelpapier! Wir wollen doch bei den Andruckwalzen eine möglichst glatte, aber mit einem hohen Reibungswiderstand versehene Oberfläche haben, oder? Das ist aber nach der Schmirgelbehandlung nicht mehr gegeben, somit wird die so behandelte Walze garantiert binnen kürzester Zeit wieder mit Bandabrieb voll sein, da die Oberfläche ja jetzt nicht mehr glatt wie ein Kinderpopo, sondern Kraterform aufweist. Auch das ist logisch, nicht wahr?

Anschließend noch die Tonköpfe, Bandführungen und Capstanwellen reinigen, den Staub mit einem Hochdruckspray rausblasen und ab geht die Post. Wer ein Entmagnetisiergerät oder eine Entmagnetisierkassette hat, sollte sie abschließend zum Einsatz bringen. Danch können sie den wunderbaren Klang des Akai GX-95 wieder lange Zeit genießen.( Nach deiner wunderbaren Behandlung muß man den erst wiederherstellen! )

Richtig wäre:

Das alte Fett im Kopfschlittenbereich wird mit Waschbenzin ausgewaschen, anschließend wird alles neu gefettet. Ich verwende dazu ein Spezialfett von Mitsubishi Electric. Von allen versiegelten Schrauben läßt man erst mal die Finger, es sei denn, man weiß genau, was man womit wie verstellt!! Da man ja schon einmal dabei ist, kann man auch das Laufwerk neu abgleichen, sollte eigentlich gemacht werden, weil, wenn schon das Fett verharzt ist, das Laufwerk ja auch ein gewisses Alter hat und damit auch keine Einstellung, die im Neuzustand perfekt war, jetzt noch stimmt. Wer technisch versiert ist, das notwendige Fachwissen und Sorgfalt vorausgesetzt, und auch das Einstell- und Meßequipment hat, kann jetzt Mithilfe des Service Manuals loslegen.

Nach der mechanischen Einstellung kommt der elektronische Abgleich, auch dieser ist nur auf Grundlage des Service Manuals durchzuführen!

Alles andere hat mit Instandsetzen nichts zu tun, sondern gehört in das Reich der Freizeitbastler.

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, das bei einem 15 Jahre alten Deck fast keine Einstellung mehr stimmt, weder mechanisch noch elektronisch. Das liegt an der Bauteilalterung, der vor allem Kondensatoren und auch Widerstände unterliegen. Bei der Mechanik ist die ständige Bewegung der mechanischen Einzelbauteile sowie nachlassende Federkräfte, hartgewordene Gummiräder und ausgeleierte Antriebsriemen die Hauptursache. Und man weiß ja sicher auch, das selbst Metall einem ständigem Temperaturprozeß ausgesetzt ist, d.h. es dehnt sich und zieht sich wieder zusammen, wobei im Laufe der Jahre die Materialermüdung zunimmt.

Erst jetzt kann man davon sprechen und auch hören, daß das Ding wieder läuft!!!!

Ich kann nur hoffen, das noch nicht allzu viele Ebayer dem anderen Wartungsvorschlag mit dem Schrauben losdrehen und dem Schleifpapier gefolgt sind. Ich finde es unverantwortlich, den Leute hier so einen unqualifizierten Quatsch zu verzapfen, vor allem ist es aber auch schade um jedes Akai Deck, das auf diese Weise ruiniert wurde. Die Wiederherstellung des Decks erfordert dann echt Zeit, die man sich hätte sparen können. Gerade oder auch das Akai Laufwerk ist eines derjenigen, die eine präzise Behandlung erfordern, da das Band nicht am Kopf, sondern vor und hinter dem Kopf geführt wird. Um keine Tonhöhenverluste und mangelhafte Einmessmöglichkeit zu bekommen, muss die Führung und auch der A/W Kopf präzise eingestellt sein. Dies kann man eben nur machen, wenn man über Erfahrung und Meßmittel verfügt, sonst nicht!!

Fazit:

Mit der ersten Version des Ratgebers wurde Fachwissen vorgetäuscht, welches nicht vorhanden ist. Stattdessen wurde unsinniges BlaBla geschrieben, was einige Leute, die an die Ausführungen glaubten, warscheinlich dazu bewegt haben, es nachzumachen. Wir werden daher in Zukunft wieder einige "voll funktionsfähige", aber total verstellte Decks in den Angeboten wiederfinden.

Schönen Dank auch!


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