Wann reicht ein HiFi-Tuner nicht mehr aus und wann benötige ich ein ganzes HiFi-System?

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Wann reicht ein HiFi-Tuner nicht mehr aus und wann benötige ich ein ganzes HiFi-System?

 

Ein „Tuner" ist vereinfacht dargestellt ein Gerät zum Empfang von Signalen. Die Signalart spielt dabei eine Rolle und es gibt Tuner für Fernsehsignale, Satellitensignale, Kabelsignale und Radiosignale. Für den Musikbereich gibt es Tuner als elektronische Bauteilgruppen in Radios oder externe Tunerbausteine. Im Radiobereich dienten die ersten Tuner (noch als Baugruppe) dem AM-Empfang (Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle). Ende der Vierzigerahre kamen dann Tuner für den FM-Empfang (Ultrakurzwelle) auf, die sich erst Anfang der 60er Jahre zu externen Tunerbausteinen mit Stereoklang und HiFi-Qualität weiterentwickeln sollten.

Was leistet überhaupt ein „Tuner" und warum wird so oft von „HiFi" gesprochen?


Hinter dem Begriff „HiFi" (High Fidelity) steckt nicht mehr und nicht weniger als ein System von Vorgabewerten zur Bewertung der Leistungseigenschaften von Geräten der Tontechnik. Darunter fallen Tuner, Verstärker und Lautsprecher. Dieses Vorgabesystem wurde in der DIN 45500 standardisiert und galt ab Mitte der 70er Jahre weltweit als „Qualitätsmerkmal". In den 90er Jahre wurde die betagte DIN 45500 in die EN 61305 überführt, die weitere zeitgemäße Bewertungskriterien aufbrachte. Ob ein Gerät wirklich gut klingt, kann aber auch mit dieser neuen Norm nicht eindeutig entschieden werden. Musik kann zwar objektiv durch Messungen bewertet werden, allerdings führt aber die persönliche Wahrnehmung eine Kaufentscheidung herbei. Aussagen wie „Dieser Verstärker besitzt eine druckvolle Klangtiefe mit warmen Klangfarben" resultieren aus solchen persönlichen Eindrücken.

Wann benötigen Sie einen separaten HiFi-Tuner?

Wenn Sie über eine Kompaktanlage oder einen Receiver verfügen, so ist hierbei bereits ein Tuner als Baugruppe integriert, Sie müssen sich also nicht mit einer separaten Gerätetechnik befassen. Besitzen Sie jedoch einzelne Komponenten wie einen Plattenspieler, einen CD-Spieler und einen Stereo-Verstärker, so benötigen Sie für den Radio-Empfang einen HiFi-Tuner als Einzelgerät. Geräte der jüngeren Generation mit guten Testergebnissen und Preisen im Mittelfeld finden Sie bei eBay. Halten Sie Ausschau nach CT700RS von Dual, Grundig Fine Arts T2, Kenwood KT 3080 und Technics ST-GT 550.

Man könnte sich fragen, ob der klassische analoge HiFi-Tuner in der heutigen Zeit noch aktuell ist. Für den Empfang von UKW-Sendungen ist er das auf jeden Fall und wird es auch noch eine ganze Weile bleiben. Ursprünglich war zum Jahr 2010 einmal eine Abschaltung von analogen Radiosendungen in Deutschland geplant und zum Jahr 2012 sollten alle EU-Mitgliedstaaten folgen. Allerdings wurde die Komplexität dieser Umstellung deutlich unterschätzt und die Frist für die Abschaltung wurde per Regierungsbeschluss ausgesetzt. Das ist auch gut so, denn in der UKW-Welt gibt es immer noch viele interessante Lokalsender mit Live-Sendungen und den Nonstop-Betrieb für nahezu alle Musikbereiche werden viele Hörer nicht vermissen wollen. In Deutschland hält sich die Begeisterung für digitales Radio noch in Grenzen, in anderen Ländern nutzt bereits ein Fünftel der Bevölkerung die neue Übertragungstechnik. Vermutlich wird es noch 10 bis 12 Jahre analoge UKW-Sendungen geben, es besteht also kein unmittelbarer Umstellungsbedarf auf einen Tuner für die digitale Übertragung.

Moderne Zeiten und High End-Feeling: Grenzen eines HiFi-Tuners

Sie möchten gern bei einem analogen Tuner bleiben und wurden beim letzten Streifzug durch die HiFi-Studios vom sogenannten High End-Fieber erwischt? In diesem Fall erwartet Sie eine völlig neue Musikerfahrung denn Sie haben es nicht mehr mit „einfachen HiFi-Tunern" zu tun. Der Begriff HiFi High End versucht Musik als Erlebnis zu definieren, in dem er das reine Empfinden bei der Musikwahrnehmung in den Vordergrund stellt. Dabei werden keine Kompromisse eingegangen und es werden Bewertungsfaktoren herangezogen, die mit den „kalten" technischen Vorgaben einer HifFi-Norm nicht viel zu tun haben. Hervorragende Messdaten für Basisgrößen wie Klirrfaktor, Intermodulation, Kanalgleichheit oder Fremdspannungsabstand setzt der „High Ender" voraus. Mag ein Material noch so teuer sein, wenn es dabei hilft, Musik möglichst originalgetreu wiederzugeben, wird es im High End Bereich eingesetzt. Die Bauteile dürfen also nur von erlesener Qualität sein. Bis ein Tonsignal für uns hörbar wird, muss es eine Vielzahl von Bauteilen passieren. Diese Bauteilkette ist nur so stark wie das schwächste Glied. Wenn man bedenkt, dass allein schon hochwertige Operationsverstärker-Bauteile 70 Euro kosten können, wie können dann Geräte in der Preisklasse bis 100 Euro gute Ergebnisse liefern?

Die Empfangsqualität

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Empfangsqualität. Der Tuner soll einen möglichst klaren und differenzierten Empfang der Radiosender ermöglichen. Dabei spielt die Empfangsempfindlichkeit eine wesentliche Rolle und die folgenden Spitzentuner werden diesem höchsten Ansprüchen gerecht. Ein Beispiel für einen Tuner mit besten Referenzen für Empfang und Klang ist der Revox B760. Er erschien 1978 und ist einer der ersten UKW-Tuner mit Synthesizer-Abstimmung. Bei der Verarbeitung wurden nur hochwertige Komponenten eingesetzt und alle Baugruppen sind separat geschirmt. Als absolutes Klangwunder wird der Marantz B10 bezeichnet. Dieser Röhrentuner wurde 1963 entwickelt und 21 Röhren in seinem Inneren sorgen für ein einmaliges Klangbild. Weitere Top-Tuner sind die Modelle McIntosh MR 77, Kenwood L-01T, Sansui TU-X1 und Sequerra FM 1.
 

Vor dem Kauf Material und Verarbeitung genau prüfen

Bevor Sie sich für einen High-End Tuner entscheiden, sollten Sie einen kritischen Blick auf Ihre gesamte Musikanlage werfen. Sind Endstufe, Plattenspieler und Lautsprecher auf einem vergleichbaren Qualitätsniveau wie der geplante Neuzugang? Ein High End-Gerät wird zwar auch an einem mittelprächtigen Verstärker besser klingen als sein einfacher Vorgänger, er wird jedoch sein Potenzial niemals voll ausspielen können. Prüfen Sie auch die Verkabelung mit kritischem Blick. Allein hierbei kann die Verwendung bestimmter Materialien die Signalübertragung bedeutend verbessern. Es gibt aber auch einige Ansichten, die in den Bereich der Legenden gehören, eine davon ist die „Notwendigkeit versilberter Leitungen".

Silber ist leitfähiger als Gold, es hat allerdings die unangenehme Eigenschaft mit der Zeit mit einer Schicht anzulaufen, die eine Signalübertragung stark verschlechtert. Gold ist in dieser Hinsicht wesentlich langlebiger. Wenn Sie also von einer Versilberung der Signalleitung oder von der Verwendung von „reinstem Kupfer" hören, gehört dies mehr in den Legendenbereich und sorgt für exorbitante Meterpreise. Wenn allerdings „stillschweigend" vergoldete Stecker verarbeitet werden, so ist bereits eine wesentliche Grundlage für eine hochwertige Signalübertragung geschaffen worden.

Das Zusammenspiel verschiedener High-End Komponenten ist eine Wissenschaft für sich, schließlich sollen die Geräte einen möglichst „originalgetreuen Klang „ liefern, und ein ansprechendes Design aufweisen. Es gibt zurzeit keine High End-Norm um ein Gerät sicher als „High End" einzustufen. Informieren Sie sich im Internet bei den High-Endern und gehen Sie zum Probehören in ein HiFi-Studio, bevor Sie sich für einen Kauf entscheiden.

Digitales Radio und Internet-Radio

Wenn Sie sich bereits heute mit den neuen digitalen Empfangsmöglichkeiten befassen wollen, können Sie verschiedene Wege gehen. Eine Beschäftigung mit den digitalen Neuerungen lohnt sich auf jeden Fall für die richtige Geräteauswahl. Seit 2001 gibt es das Digitale Radio. Es liefert gegenüber der analogen Übertragung eine bessere Empfangsqualität und das Programmangebot ist größer. Für die Übertragung werden zur Zeit noch verschiedene Verfahren angewendet, dies ist auch abhängig von der Wohnregion. Unterschieden werden hier die terrestrische DAB-Systemfamilie (DAB, DAB und DBM) mit einer Abdeckung von ca. 80 %. und Digital Radio Mondiale (DRM) mit Hörfunk für Lang-, Mittel und Kurzwelle.

Eine weitere Variante für den digitalen Radioempfang ist „Internet-Radio". Hierbei wird das Internet in Verbindung mit sogenannten „Streaming Servern" für die Übertragung von Radiosendungen benutzt. Internetradio kann auf diese Weise ortsunabhängig empfangen werden, da keine Abhängigkeit von Satelliten oder terrestrischen Sendern besteht. Für den Empfang der zahlreichen Internet-Radiosender benötigen Sie neben einem Router mit Internetzugang einen netzwerkfähigen Tuner. Hier gibt es Modelle mit Sonderausstattungen zum Empfang bestimmter Streaming Server. Beispiele dafür sind last.fm oder spotify. Ein Netzwerk-Tuner kann auch Ihre eigene Musiksammlung auf einem NAS-Server oder einem im Netz befindlichen PC ansprechen. Zudem können Sie ihn im Internet nur noch bestimmten Interpreten und deren Musikstücken (z. B. alles von Elton John) oder auch nach bestimmten Musikrichtungen (z. B. nur Hardrock der 70er) suchen lassen.

Sie können sich also von einem solchen Tuner nahezu automatisch Ihr individuelles Radio-Wunschprogramm zusammenstellen lassen. Bei eBay sind Tuner erhältlich, die neben dem klassischen UKW auch mehrere Digital Systeme bis hin zum Internetradio empfangen können. Suchen Sie mit den Begriffen „Internet-Tuner" oder „DAB-Tuner." Diese Art von Tunern entwickelt sich mehr und mehr zu All in One-Lösungen. Sie können sogar mit einem Smartphone und speziellen Apps Steuerungsinformationen an Ihre HiFi-Anlage übermitteln und alle Fernbedienungen ersetzten. Auch bei den Internet-Tunern sind verschiedene Qualitäten und Preisklassen verfügbar. Der HiFi-Anspruch steht hierbei nicht so sehr im Vordergrund, da beispielsweise Internetradio-Sendungen komprimiert „gesendet" werden. Das resultierende Klangbild ist dann mit einfacher MP3-Kompression vergleichbar und wird dem HiFi-Standard nicht zwangsläufig gerecht.

Akzeptable Einsteiger können Sie von der Firma muvid bei eBay finden. Wenn Sie kein 19"-Format benötigen, genügen auch die handlicheren Geräte von Hama und Noxon. Auch der High-Ender kann mit einem Internet-Tuner glücklich werden. Der Onkyo T-4070 empfängt neben UKW und Mittelwelle auch DAB, Internet-Radio und Musik-Streaming-Dienste und ist via iPhone oder iPad steuerbar.

Nicht leicht zu verbinden: Hörgewohnheiten, Anspruch, Vernunftentscheidungen?

Wie entscheiden Sie nun richtig? Ein Patentrezept gibt es leider nicht. Nur Sie kennen Ihre Hörgewohnheiten am besten. Wenn Sie nur selten Musik hören und technische Details eher langweilig für Sie sind, sollten Sie eine kompakte und zukunftsorientierte Lösung wählen, das kann eine kompakte Anlage mit integriertem Tuner und allen Möglichkeiten des Empfangs sein. Wenn Sie einen gewissen Anspruch an originalgetreue Wiedergabe von Musik haben, werden Sie in technische Details einsteigen, viel Zeit investieren und vor allem Geld in die Hand nehmen müssen. Eine Vernunftentscheidung ist in der High End-Welt eher widersprüchlich zum Sinn der Sache.

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