Wann lohnt sich der Kauf eines neuen Vergasers für mein Motorrad?

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Wann lohnt sich der Kauf eines neuen Vergasers für mein Motorrad?

Was für vielen das Auto, ist für einige wenige das Motorrad. Biker sind die letzten Helden der Straße; moderne Nomaden, wenn man so will.

Besitzern von Motorrädern geht es nicht viel anders als denen von Autos. Bikes kosten Geld, mitunter sogar viel Geld. Mal ganz abgesehen von Versicherung, Steuern und Sprit zeigt sich das vor allem in Wartung und anfallenden Reparaturen.

Überraschend ist das aber kaum. Wie ein Auto ist auch ein Motorrad nichts anderes als eine Zusammensetzung vieler einzelner Verschleißteile. Ewig hält nichts, weder Bremsen, Scheinwerfer, Kupplung oder Motor. Gerade letzterer ist nicht uninteressant, denn ein Motorschaden ist weder beim Auto noch beim Motorrad wirklich billig. Doch was kann einen Motorschaden auslösen? Ein defekter Vergaser? Nein. Trotzdem ist der Vergaser so interessant wie wichtig. Wann dessen Neuanschaffung lohnt, bringt Ihnen dieser Ratgeber näher.

Einführung Technik: Was ist ein Vergaser

Im Auto ist der Vergaser längst Vergangenheit, im Motorrad ist er hingegen noch aktuell. Gerade in jungen Jahren - vielleicht hatten Sie vor Ihrem Motorrad-Führerschein schon den für Mopeds oder Mofas in der Tasche - haben viele hier noch selbst gebastelt. Wer zurückschaut, erinnert sich wohl an ein eher unscheinbares Ding, mehr hoch als breit und ungefähr so groß wie ein Faust. Doch so unscheinbar der Vergaser wirkt, desto ungleich größer ist seine Funktion.

Hier gilt es etwas auszugreifen und einen kleinen Exkurs in den technischen Bereich zu geben. Der Vergaser ist quasi eine Art Zerstäuber, nämlich von Benzin beziehungsweise einem Benzin-Luft-Gemisch. Richtig ausgedrückt, wandelt der Vergaser den Kraftstoff in das nötige Benzin-Luft-Gemisch um, eben durch die Zerstäubung. Erst dieses Gemisch kann in den Zylindern verbrannt werden, weswegen der Vergaser direkt auf dem Motor sitzt und gewissermaßen die letzte Instanz vor der Verbrennung des Kraftstoff ist.

Der korrekte Name für das Bauteil wäre daher auch weniger Vergaser, sondern Zerstäuber. Denn der Treibstoff wird in keinster Weise verdampft oder vergast, sondern zerstäubt und somit verteilt und dosiert. Obwohl längst die Einspritzanlage der moderne Stand der Technik ist, konnte sich der Vergaser bis heute halten. Weniger im Auto, dafür in vielen Motorrädern, insbesondere in kleineren Krafträdern wie bei Mopeds oder auch Rasenmähern.

Ebenso ist der Vergaser noch in vielen Oldtimern zu finden, wobei diese gar nicht mal so alt sein müssen. Denn die Einspritzanlage wurde erst in den 1990ern populär. Wegen der deutlichen Vorteile einer Einspritzung - vor allem mehr Leistung bei weniger Verbrauch - sind auch immer mehr größere Motorräder mit Einspritzventilen statt Vergaser ausgestattet.

Komponenten: Aufbau eines klassischen Vergasers

Der eigentliche Aufbau eines klassischen Vergasers ist relativ simpel und schnell erklärt. In der Regel sind vor allem vier Hauptteile zu finden, nämlich eine Mischkammer, ein Steuer- und Drosselsystem für die nötige Verbrennungsluft, bestehend aus Drosselklappen oder Schieber, ein zweites Steuer- und Drosselsystem für den Kraftstoff aus Düsen oder Düsennadel sowie schließlich ein Regelsystem für die Zufuhr des Kraftstoffs. Letztgenanntes Bauteil birgt außerdem die Schwimmerkammer samt Schwimmer und Nadelventil oder die Membrane.

Obendrein können der Vergaser oder vielmehr dessen Hauptbestandteile um einige weitere Bauteile ergänzt sein. Beispiele hier wären eine Leerlaufs-Hilfseinrichtung, eine Starthilfseinrichtung - umgangssprachlich vielen besser als Choke bekannt - Vorwärmung, Beschleunigerpumpe sowie Teil- und Volllastklappen. Die genannten Teile müssen nicht, können aber verbaut sein.

Die weiterentwicklung des Vergasers - 4 Typen

Im Laufe der Geschichte wurde der Vergaser natürlich permanent weiterentwickelt. Gab es den allerersten Vergaser bereits in den 1890er, wurden später allein nach der Richtung des Ansaugluftstroms gleich vier Typen unterschieden. Diese vier Typen sind schnell mit Fallstromvergaser, Flach- beziehungsweise Querstromvergaser, Schrägstromvergaser und Steigstromvergaser genannt. Außerdem wurde nach Anzahl sowie Funktion der Mischkammern getrennt. So gibt es den Einfachvergaser, den Doppelvergaser oder den Dreifachvergaser, der beispielsweise bis Anfang der 1970er im legendären Porsche 911 verbaut war.

Daneben gibt es zudem den Register- oder Stufenvergaser sowie auch noch den Doppelregistervergaser, der gleich zwei Registervergaser in nur einem Gehäuse aufweist. Eingebaut war dieser Vergaser etwa im Mercedes 250 oder etlichen BMW-Modellen wie dem 3er E21 oder dem 5er E12, allesamt Fahrzeuge aus den 1970ern. Zuletzt wird der Vergaser auch noch nach Art der Drosselung eingeordnet.

Austausch nötig: Wann muss ein neuer Vergaser her

Nach dem kleinen Abstecher in Technik und Aufbau eines Vergasers scheint vor allem eine Frage interessant. Nämlich wann Sie den Vergaser in Ihrem Zweirad oder Motorrad austauschen müssen. Oft genug reicht zwar eine Säuberung der Bauteile - was manchen sicher wieder an die alten Jugendzeiten auf dem Moped erinnert - irgendwann aber muss auch ein komplett neues Ersatzteil her.

Da selbst heute gute 90 Prozent aller in Deutschland gemeldeten Bikes immer noch einen oder sogar mehrere Vergaser verbaut haben, ist das Problem tatsächlich alles andere als Vergangenheit. Defekte am oder im Motorrad-Vergaser sind nicht nur bei kleineren Krafträdern ein Problem, sondern ebenso bei den großen Bikes. Ist Ihr Motorrad vor dem Baujahr 2005 vom Band gelaufen, haben Sie mit ziemlicher Sicherheit einen Vergaser verbaut; erst Mitte der 2000er wurde der Einbau einer modernen Einspritzanlage modern.

Mit einem älteren Motorrad sind Sie jedenfalls vor dem Vergaser-Problem nicht gefeit, ab und an müssen Sie Hand anlegen. Unter Umständen ist das wichtige Bauteil komplett kaputt, wobei dessen Kosten verschieden sind. Kalkulieren Sie für ein fabrikneues Ersatzteil je nach Modell und Hersteller mit 50 bis 200 Euro, wobei die großen Maschinen natürlich teurere Teile verlangen als ein „kleines" Moped. Die genannten Preise sind außerdem ohne Einbau, womit die Reparaturkosten noch um einige Euro steigen könnten.

Erkennen Sie die Anzeichen für einen fehlerhaften Vergaser

Anzeichen für einen fehlerhaften oder defekten Vergaser gibt es zuvor übrigens gleich en masse, viele davon sind mit einer simplen Säuberung behoben. Zuerst gilt es, die Symptome eines nicht mehr einwandfrei funktionieren Vergasers zu kennen beziehungsweise zu erkennen. Knallgeräusche aus dem Auspuff, ein unrundes Laufen des Motors oder dessen plötzliches Absterben deuten beispielsweise darauf hin, dass der Motor zu wenig Sprit bekommt. Haben Sie vielleicht in letzter Zeit einen zusätzlichen Filter eingebaut oder einen kleineren Benzinhahn? Möglicherweise ist damit schon die Ursache gefunden.

Das Schwimmer-Problem: Wenn der Vergaser plötzlich undicht ist

Möglicherweise ist auch nur ein Filter oder der Vergaser selbst verstopft. Eine Kontrolle des Tanks lohnt ebenfalls. Ist in diesem Rost? Das könnte in den Vergaser gelangen und diesen verstopfen. Dann wäre ein neuer Tank statt eines neuen Vergasers die bessere Wahl. Probleme bei Teil- oder Volllast dürften hingegen tatsächlich am Vergaser liegen, genauer an Düsen oder Düsennadeln. Kontrollieren Sie deren Einstellung. Ist der Kraftstoff zu mager oder zu fett? Weitere mögliche Anzeichen für ein Problem mit dem Vergaser sind eine schlechte Gasannahme oder fehlende Endgeschwindigkeit.

Oft genug hängt der Fehler aber mit der Spritzufuhr zusammen. Neben zu wenig Kraftstoff kann hier auch zu viel Benzin fließen. Das ist allerdings auf einen Blick zu sehen, wenn der Vergaser nämlich regelrecht überläuft. In dem Fall liegt die Ursache wohl beim Schwimmer oder beim Schwimmernadelventil. Das Problem müsste aber von jedem Biker mit etwas technischen Geschick selbst zu lösen sein. Schließen Sie den Benzinhahn, kappen Sie die Benzinleitung und bauen den Vergaser aus. Mit nur wenigen gelösten Schrauben haben Sie bereits die Schwimmerkammer geöffnet, worauf Sie Schwimmer oder Nadelventil kontrollieren und gegebenenfalls wechseln können. Kleine Randnotiz: Achten Sie beim Öffnen des Vergasers auf Restbenzin.

Sauber muss er sein: Wie Sie Ihren Vergaser reinigen

In den meisten Fällen muss jedenfalls kein neuer Vergaser eingebaut werden, oft genug ist dieser nur in seinen einzelnen Bauteilen defekt oder muss lediglich anständig gereinigt werden. Hier gilt jedoch eine gewisse Obacht, denn bei der Säuberung des Vergasers kommt es auf eine gute Feinmotorik und das berühmte Fingerspitzengefühl an.

Ganz wichtig: Besonders die Düsen des Vergasers sind aus relativ weichem Messing produziert, das Gehäuse aus Zink beziehungsweise einer Zinklegierung. Nutzen Sie daher keine harten Werkzeuge, sondern nur weiche Bürsten oder Tücher. Jeder Kratzer, jede Deformierung an Bohrungen und Nadeln machen den Vergaser oder zumindest die entsprechenden Bauteile für einen weiteren Einsatz untauglich, seien Sie also vorsichtig und nehmen sich Zeit.

Ansonsten schauen Sie sich genau die Düsen an, ebenso die Vergaser-Membranen. Hier hilft Licht von hinten, das jede poröse oder undichte Stelle prompt enttarnt. Eine schadhafte Membrane ist natürlich auszutauschen, da auch hier die Ursache der genannten Anzeichen liegen kann. Überprüfen Sie die Düsennadeln auf Verschmutzungen. Entfernen Sie mögliche Verschmutzungen mit einem weichen Lappen oder dem Fingernagel, nicht aber mit einem Messer oder einer Feile.

Zuletzt lohnt die komplette Zerlegung und Reinigung des ganzen Vergasers. Hierfür müssen Sie möglicherweise den Tank ausbauen, achten Sie daher wieder auf geschlossene Spritleitungen und Restbenzin. Eine detaillierte Anleitung zur Reinigung - sowie zur nötigen vorherigen Zerlegung - des Vergasers wäre in diesem Ratgeber leider etwas aufwendig. Im Internet finden Sie jedoch schnell entsprechende Dokumente und sogar Videos zur Unterstützung. Wie gesagt: Oftmals muss kein neuer Vergaser eingebaut werden, eine Säuberung reicht meistens aus. Von daher: Viel Erfolg bei der Reparatur.

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