Wandervogel Bundeskanzlei Hartenstein, Erzgeb. WV e.V.

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Wandervogel Bundeskanzlei Hartenstein, Erzgeb. WV e.V.

                                                                 

Im Jahre 1918 hatte der Schatzmeister der Bundesleitung des Wandervogel EV und Sachsengauwart Friedrich Emil Krauß, Schwarzenberg, den Auftrag erhalten, die Bundesgeschäftsstelle, die sich in Oranienburg in einer trostlosen Verfassung befand, zu reorganisieren. Mit seiner finanziellen Hilfe wurde am Marktplatz der idyllischen Fürstlich Schönburgischen Residenzstadt Hartenstein im Erzgebirge ein Haus für die Geschäftsstelle erworben. Damit hatte der EV ein eigenes geräumiges Heim für die Unterbringung seiner Verwaltung. Krauß beabsichtigte, eine allen Bünden gemeinsame Bundeskanzlei zu schaffen, die der gesamten Jugendbewegung ein wirtschaftliches Rückrat zu geben vermochte. ( ... )

In erster Linie war die Kanzlei gedacht als Geschäftsstelle aller Bünde, zugleich als eine umfangreiche Auskunftei und Vermittlungsstelle über Anschriften, Herbergen u.a.m. Wichtig war ihre Aufgabe als Beratungsstelle: in allen Fragen der Wandervogelpraxis beschlagen, sollte sie in reichem Maße ihren Erfahrungsschatz zur Verfügung stellen, wie etwa: Anlage von Elternabenden, Ratschläge zum Landheimbau, Nachweis von Bezugsquellen, Eingaben an Behörden, Rechtsauskünfte usw. Hinzu kam die Aufgabe eines Warenhauses, wo alles zu haben sein sollte, was im Wandervogel benötigt wurde: Fahrtenausrüstung, Instrumente, Nahrungsmittel, Kleidung. Eine Buchhandlung sollte damit verbunden sein, mit dieser ein Verlag für das gesamte Wandervogelschrifttum. So entstand der Greifenverlag, der den Zwiespruch als Überbündische Wandervogelzeitung (schon von Krauß als Tageszeitung geplant) verlegte. Das Wandervogel-Lichtbildamt war als wichtiger Zweig der Kanzlei angegliedert, ebenso das Archiv der Jugendbewegung, das, verbunden mit einer Leihbücherei und dem überbündischen Presseamt, der Bewegung dienstbar gemacht werden sollte. Auch eine Sparkasse wurde in Hartenstein ins Leben gerufen.
Ein Arbeitsamt für neudeutsches Siedlungswesen wurde geschaffen und eine Baugenossenschaft gegründet. Außerdem wurde Hartenstein der Sitz der deutschen Werkgemeinschaft - jener Vereinigung aller Freideutschen, die im Wirtschaftsleben standen. Eine Handwerkersiedlung bildete sich, speziell von Schuhmachern, Schneidern, Drechslern und Holzschnitzern. Buchbinderei und Buchdruckerei waren geplant. Angeregt von Krauß, war auch der Verleger Erich Matthes nach Hartenstein übergesiedelt.
Vieles war geschaffen worden, da brach das meiste zusammen, als mit dem 18.10.1919 andere Männer an die Spitze traten, die es anders machten als ihre Vorgänger. Für ein so junges Unternehmen war ein solches Herumexperimentieren zu gefährlich. ( ... )
Der Warenbetrieb, der der Kanzlei das Geld einbrachte, wurde am 1.7.1920 abgetrennt; damit brachen nicht nur alle Hoffnungen und Pläne (Ferienheime, Versicherung, Krankenbeihilfen, Sportanlagen usw. ), sondern allmählich auch die Kanzlei selbst zusammen. Schon Ende Juli 1920 waren sowohl Kanzlei wie Greifenhaus dem Untergang nahe, den abzuwenden Krauß noch gelang. So ist die Geschichte der "Buha" ein Beweis dafür, wie gefährlich die Verquickung von Bundesorganisation und kaufmännischem Betriebe ist. ( ... )

Aus: Vom Wandervogel zum Jungenbund. Erster Teil der Geschichte der Sächsischen Jungenschaft. Im Selbstverlag Mittweida 1928.
Archiv der "Gemeinschaft der alten Wandervögel", Wandervogel- Landheim Buch.

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"Bücher lesen heißt wandern gehen in fremde Welten"
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