Walt Disney - Eine Weihnachtsgeschichte - 3-D Kinofilm

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Scrooge’s Inferno: Robert Zemeckis Animationsfilm adaptiert Charles Dickens Weihnachtserzählung über die Bekehrung zu Güte und Menschlichkeit als rasendes Geisterbahnspektakel – ein visuelles Ereignis in 3-D.

Dabei sind es weniger die Leistungen der Schauspieler, deren namhafte Vielzahl (von Jim Carrey – allein in sieben Rollen – angefangen über Gary Oldman, Bob Hoskins bis hin zu Colin Firth) die Besetzungsliste füllt, denn das Minenspiel, ja die bloße Erkennbarkeit der Darsteller ist bei dieser Animationstechnik ohnehin vermindert. Die Wirkungen des Films folgen aus dem Einsatz der 3-D-Technik an sich, die, kombiniert mit einem bis auf minimale Stilisierungen fotorealistisch wirkenden viktorianischen Setting, Begriffe wie Raumbildung, Raumerfahrung und Raumtiefe mit völlig neuen Bedeutungen, den es auch in 3-D-Fassung gab, basieren Dramaturgie und Mise en scéne von Eine Weihnachtsgeschichte gezielt auf räumlichen Effekten. Rasante Fahrten mit betonten Perspektivverzeichnungen sind mithin ein Grundbaustein des Films. Zemeckis Film baut sehr nah am Text der Vorlage – Szenenfolgen und Dialogpassagen erscheinen als wort- und werkgetreue Wiedergabe. Hier wird eigentlich nicht adaptiert, sondern direkt und bildgewaltig visualisiert.

Scrooges (Jim Carrey) Weltsicht ist eingangs dunkel und hässlich, er selbst erwartungsgemäß die Inkarnation von griesgrämig-verbitterter Bosheit. Nachdem Scrooge vom gruseligen Geist seines verstorbenen Partners Marley (Gary Oldman) heimgesucht worden ist, stellen sich nacheinander auch rasch die Geister der vergangenen Weihnacht (Jim Carrey), der gegenwärtigen Weihnacht (Jim Carrey) und der namenlose dritte Geist (Jim Carrey) ein, um den alten Griesgram zu läutern. Die „Mehrfachbesetzung" Carreys ist konzeptionell durchaus sinnvoll, da die Geister sämtlich als Projektionen von Scrooges Gewissen gelesen werden können.

Die erste Reise in die Vergangenheit ist noch recht konventionell gehalten – Scrooge und der einem ätherischen Licht gleichende Geist der vergangenen Weihnacht fliegen zu den Orten und Momenten von Scrooges Jugend und beleuchten so seine Wandlung zum geizigen Misanthropen durch Verletzungen und Verlustangst. Hier bereits nimmt der Film immens Geschwindigkeit auf, die sich im Fortgang der Handlung steigert.

Mit dem Geist der gegenwärtigen Weihnacht greift der Film mehr und mehr zur surrealen Überhöhung – adäquat zur Symbolik des Vorlagentextes: Dieser Geist kommt als bacchantischer Riese daher, der auf einem weihnachtlichen Wohlstandsberg thront. Hier wird die 3-D-verstärkte Perspektive auf die Welt zum dramaturgischen Mittel: Nicht der Geist nimmt Scrooge auf die zweite Reise mit, sondern der beide umfassende Raum bewegt sich durch die Welt. Er wird dabei zunehmend abstrakte Ausprägung und Projektionsfläche für Scrooges zerrüttete Innenwelt, wo physikalische Gesetze ihre Bedeutung verlieren. Wenn am Ende der Sequenz der sterbende und vom physischen Verfall gezeichnete Geist der gegenwärtigen Weihnacht die in seinem Gewand verborgenen hässlichen Kinder der Menschen, namentlich „Unwissenheit" und „Mangel", an Scrooge übergibt, dann bekommt der Film eine beklemmende poetische Dichte.

Der namenlose stumme dritte Geist erscheint Scrooge als dämonischer dunkler Schatten, der dem Geizkragen die Folgen seines Handelns aufzeigt: Verachtung und Vergessen. Der Film erreicht hier ein furioses Tempo, das einer albtraumhaften Geisterbahnfahrt gleicht und an deren Höhepunkt sich für Scrooge an seinem Grabstein die kathartische Wirkung einstellt.

Scrooges Wandlung zum geläuterten Gutmenschen erfolgt dann auch erwartungsgemäß durch einen Wechsel in Tempo und Farbdramaturgie zu einer hellen, freundlicheren Welt in beschaulicher Gangart, in der Alan Silvestris großorchestriert illustrierender Soundtrack mit dem bekannten Weihnachtslied „Hark! The Herald Angels Sing" nun endlich auch Weihnachtsgeist vermitteln darf.

Am Ende überzeugt der Film vor allem durch seine intensive und durchdachte Bildsprache, die auch reichlich aus Zitaten vom filmischen Realismus bis zum Expressionismus schöpft, etwa, wenn Scrooge über eine lange Freitreppe herabrollt oder vom Schatten einer dämonischen Leichenkutsche verfolgt wird. Diese Bildsprache – die wie schon Zemeckis Beowulf einen gewissen Hang zur morbiden Hässlichkeit aufweist – ist es, was Eine Weihnachtsgeschichte zu einem Ereignis macht.

Also mir hat der Film ganz gut gefallen, aber macht euch selber ein Bild davon.

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