Walltherm Erfahrungsbericht

Aufrufe 88 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Der Walltherm ist ein wassergeführter Holzvergaser, der 4 KW an den Raum und 9 KW an den Speicher Wärme abgibt. Wenn die bauseitigen Bedingungen stimmen ist er eine sehr gute Wahl im Vergleich zu einem "normalen" Kamin. Das Flammenspiel ist beeindruckend, die Effizienz unschlagbar! 
Ich versuche hier nun, die Vor- und Nachteile zu beschreiben, wie ich sie erlebe. Unsere  Situation ist eine ungünstige Voraussetzung für eine ideale Verbrennung, eine Kaminsanierung wäre nötig gewesen, konnte aber aus statischen Gründen nicht bzw. nur für viel Geld ausgeführt werden.

Meine Darstellung steht zur Diskussion und sollte bitte ergänzt werden von anderen Walltherm Besitzern. Ich habe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit und möchte ausdrücklich darauf hinweisen, wie ENORM wichtig ein runder gedämmter Kamin max. 20cm Durchmesser ist!!!
Ich selbst hätte vor dem Kauf gerne genauer gewusst, auf was ich mich einlasse. Deshalb nahm ich mir die Zeit, diesen Bericht für Sie zu schreiben.


Vorteile:

Wasser geführter Kamin, der das Wohnzimmer toll erwärmt und nebenher den Wasserspeicher im Keller mit Wärme füllt.
Effizienz 93%
viel günstiger als Öl, Gas, Pellets und Umweltfreundlich.
Schönes Flammenspiel
Firma Walltherm ein ehrenwerter Familienbetrieb, sehr freundlich und ambitioniert
Sauberes Sichtfenster der Brennkammer dank Scheibenspülung

Nachteile:

Schornstein und Zugprobleme
Aufwendige Installation
Anschaffungspreis: ca. 5300.-
Folgekosten: Installation und Material ca. 3000.- im günstigen, 6000.- im ungünstigen Fall
1000L Wasserspeicher zwischen 800.- und 2500.- (Hygiene Schichten Kombi Speicher)
Evtl. Kaminsanierung: Material ca.1200.-  + Arbeitskosten
Komplizierte Wartung/Reinigung
Kein Aschefach
Keine Rüttelvorrichtung
Viele Fehlerquellen bei Installation und Betrieb, die Betrieb erschweren oder ineffizient machen
Anfeuern, Schüren und Nachlegen erfordert erheblich mehr Zeit und Aufmerksamkeit als bei normalem Kamin
Zu kleine Brennkammer = viel Arbeit beim Holzmachen (33 cm Scheite max. 10 cm Durchmesser, besser sind 5 cm!)
Zu kleiner Griff für Brennkammer Tür  und Scharfe Kanten= Verletzungsgefahr
Brennkammertür fällt nicht von alleine zu
Beim öffnen der Tür tritt sehr viel Rauch aus
Umlegen der Vergaser Klappe kann vergessen werden
Hartholz nur gemischt mit Buch o.ä. verwendbar
Gebrauchsanleitung ist zu kurz

Ausführlicher:
Wasser geführter Kamin, der das Wohnzimmer toll erwärmt und nebenher den Wasserspeicher im Keller mit Wärme füllt. Es ist ein fantastisches Gefühl, eine heiße Dusche zu nehmen und zu wissen: die Wärme kommt vom Kamin! Die Heizungen im Haus werden warm durch den Kamin!
Das Holz verpufft nicht mehr zu 40%, sondern 93% der Energie werden auch genutzt. D.h. am Ende des Kamins kommt nur noch kalter Rauch raus. Die Abgastemperatur direkt am Kamin beträgt nur 100- 120 Grad (statt ca. 300- 500 Grad) , die Wärme bleibt tatsächlich im Haus.
Sauberes Sichtfenster: die Scheibenspülung der oberen Brennkammer ist beeindruckend. Selbst wenn man Ruß entstanden ist, weil ein Scheit gegen die Scheibe gefallen ist, hat man nach kurzer Zeit wieder klare Sicht auf die Flamme. Gleiches gilt leider nicht für die untere Brennkammer, die Scheibe verstaubt durch runterfallende Asche. Immerhin entsteht aber nie Ruß. Und die Asche ist schnell weggewischt. Bei uns ist aber die untere Scheibe schon milchig geworden. Das lässt sich weder wegputzen noch abkratzen mit Rasierklinge o.ä.

Schornstein und Zugprobleme: da es sich um einen Naturzug Holzvergaser handelt, ist kein Ventilator o.ä. verbaut, mit deren Hilfe die meisten Holzvergaser betrieben werden. Je nach Bauart befindet sich ein Saugzugventilator im Abgasstrom oder ein Druckgebläse in der Frischluftzufuhr. Der Naturzug funktioniert aber nur unter bestimmten Bedingungen, auf die bedeutenden Problemquellen wird vor dem Kauf nicht hingewiesen. Das finde ich fahrlässig. Denn wenn der Schornstein nicht exakt den Vorgaben endspricht, funktioniert das Vergasen nicht  und die Anschaffung vom Holzvergaser war für die Katz. D.h.: Max. 20 cm Durchmesser darf der Kamin haben, er darf sich nach oben hin nicht erweitern und vom Aufstellungsort bis Kaminende müssen fast 8 Meter sein, weil das Rauchrohr vom Walltherm bis zum gemauerten Kamin im 45 Grad Winkel installiert werden muss, tritt das Rauchrohr auf einer Höhe von ca. 2,50 vom Boden aus gemessen in den Kaminschacht ein. Vom Eintritt des Rauchrohres bis Kaminende auf dem Dach müssen es also mindestens  6 Meter sein.
Wir hatten zu wenig Kaminlänge und mussten eine isolierte 1m Verlängerung vom Schornsteinfeger anfertigen lassen = 450.-Euro.
Der Zug im Kamin muss 12 – 15 Pascal betragen IM VERGASUNGS Betrieb. Das kann also erst gemessen werden, wenn der Walltherm schon steht und ist witterungsabhängig. Wir hatten 25 Pascal Zug im Kamin OHNE Vergasung gemessen, also eigentlich mehr als genug. Im Vergaser Modus waren es aber ohne Verlängerung nur noch 10 Pascal. Das Vergasen klappte nicht, die Flamme hörte immer nach 1 Minute auf, sie brach ab. Tatsächlich war also der ungenügende Zug  das erste große Problem. Reicht der Zug nicht, kommt keine Vergaser Flamme zustande, die Effizienz ist dahin und der ganze Sinn und Zweck dieses Kamines geht flöten. Der Kamin darf auch nicht langfristig ohne Vergasen betrieben werden, dann ist er nach 6 – 8 Wochen kaputt laut Verkäufer. Der Installateur und der Schornsteinfeger waren überfordert trotz ihrer großen Erfahrung, beide sind seit Jahrzehnten in ihrem Beruf erfolgreich tätig.

Aufwendige Installation, die nur Walltherm Kenner machen sollten. In Hamburg und Umgebung wird zum Festpreis eine Installation angeboten – das gab´s aber erst wenige Tage nachdem wir die Installation durchgeführt hatten. Das war nicht gerade eine Freude!Ist aber ja nicht Ihr Problem, da Sie ja diesen Festpreis jetzt nutzen können.
Unsere Gegebenheiten waren sicher eher schwierig. Aber auch nicht so schlecht, wie der Verkäufer mir im Nachhinein weismachen wollte.
Unsere Kostenvoranschläge sowohl von Walltherm Kennern als auch von örtlichen Heizungsfirmen  waren unglaublich hoch: ca. 6000.- Euro für Material und Arbeit. Dauer: 1 Woche.
Wir wählten nach 6 Kostenvoranschlägen, die alle über 5000.- lagen Herrn  Jürgen Matheis  aus Biesingen. Der Preis ohne Wasserspeicher war 4750.-, es dauerte durch Krankheit, Notfälle bei anderen Kunden, vergessenes Zubehör und der tatsächlich komplizierten Installation 5 Wochen, bis wir das erste Mal Feuer machen konnten. Der Installateur ist aber vor Ort, was ein wichtiger Vorteil ist. So konnte er z.B. vergangenen Samstag spontan kommen, was wohl kaum zu erwarten ist, wenn der Walltherm Installateur 250 km fahren muss. Ich empfehle trotzdem nach meinen Erfahrungen, den Walltherm Installateur in jedem Fall zu beauftragen. Ich glaube, die Hamburger machen das gut. Hier im Saarland gibt’s zu wenige Kunden.

Beim öffnen der Tür tritt sehr viel Rauch aus, auch bei korrekter Handhabung. Es heißt, man soll nur öffnen, wenn alles Holz zu Glut runter gebrannt ist. Für mich ist das unrealistisch. Das Zeitfenster zum Nachlegen ist damit sehr kurz, denn bei zu wenig Glut vergast er wieder nicht richtig. Meine Frau sagt: der Kamin braucht so viel Aufmerksamkeit wie ein kleines Kind.

Das Nachlegen ist also in einem Zeitfenster von 10 Minuten ideal. Legt man zu früh nach, ist das Wohnzimmer voller Rauch, zu spät= schlechte oder keine Vergasung. Man soll den Kamin immer voll schichten. Das dauert aber. Wenn noch viel Glut drin ist, fängt das Holz ja sofort an zu brennen, noch bevor fertig nachgelegt ist. Dann kommt  also doch wieder Rauch ins Wohnzimmer. Mal kurz die Türöffnen wenn das Holz voll am brennen ist geht nicht bzw. verursacht Flammen und Rauch Raum.  Es gibt eine Metallschiene, die das Austreten des Rauches etwas verringert. Dafür  verkleinert sich aber das Sichtfenster und – viel unpraktischer – die Brennkammer. Passt man nicht auf und stößt beim Nachlegen gegen die Schiene, fällt sie einem entgegen. Da sie heiß ist, wieder eine Verletzungsgefahr. Wir lassen sie also weg, zumal sie echt nicht schön ist.

Holzart und Qualität: Reines Hartholz kann nicht verbrannt werden, man muss immer mischen. Wer also viel Eiche und Akazie hat, sollte sich gegen den Walltherm entscheiden.
Wie in jedem Kamin darf das Holz nicht über 20% Restfeuchtigkeit haben.  Ist das Holz zu feucht, vergast er nicht und erschwert das Reinigen erheblich. Da unser Kamin wie gesagt nicht saniert wurde, ist der Zug nicht optimal, folglich verbrennt er nur mit sehr trockenem Holz richtig gut. Hat das Holz über 20% Restfeuchte, sehe ich das daran, dass die Vergaser Flamme abbricht, das Holz schwelt, der Kamin verrußt.
Für Neulinge im Holzbereiten: Das Spalten vom Holz auf die erforderliche Größe erfordert viel Zeit und Können. Auch das Stapeln von kleinem Holz ist Zeitaufwendiger als bei „normalem“ Spaltdurchmesser von 15 – 20 cm. Ein Holzspalter ist SEHR zu empfehlen!!!Es geht deutlich schneller und klein zu spalten ist einfacher.
Ich hatte vorher einen Kamin mit 50 cm Brennkammer und kann daher sagen: der zusätzliche Zeitaufwand für die 33 cm Scheitholz Länge ist enorm! Nicht nur sägt man 33% mehr, auch das Stapeln ist mühsamer.

Umlegen der Vergaser Klappe kann vergessen werden!
Das ist für mich im Nachhinein der größte Konstruktionsfehler des Kamins, weil der Walltherm bei normalem Abbrand eine zu enorme Hitze entwickelt, die Ofenrohr Farbe verbrennt, es stinkt, der Kamin verschleisst zu schnell.
Wer die angebotene digitale Regelung WAL 01 für stolze 280.- dazu kauft wird lediglich akustisch gemahnt, die Klappe umzulegen, ein automatisches/mechanisches umklappen gibt es nicht. Ideal wäre eine Mechanik, die nach dem Erreichen einer bestimmten Abgastemperatur  die Klappe automatisch schließt. Das würde ein Überhitzen des Kamins verhindern, die Brandgefahr verringern und man könnte Holz nachlegen und sich anschließend wieder um was anderes kümmern. Ich weiss nicht wie es anderen geht, ich habe es jedenfalls schon öfters vergessen und eine Ladung Holz ist verbrannt ohne zu vergasen. 
Rauchentwicklung:
Vor dem öffnen der oberen Kamintür muss die Vergasungs - Klappe umgelegt werden, sonst schlägt einem die Hitze ins Gesicht und der Rauch geht zu 90% ins Wohnzimmer – ok, das lernt man ziemlich schnell. Hat man dann nachgelegt, muss die Klappe noch geöffnet bleiben (=der Rauch zieht direkt in den Kaminschacht) bis die Restfeuchte verdampft ist, bei 10 kg Holz miz 20% Restfeuchte sind das 2 Liter!! Reicht die Abgastemperatur und der Kamin ist heiß, legt man die Klappe um, die übrigens nicht gerade leichtgängig ist - die Vergasung beginnt. War das Umlegen der Klappe zu früh, entsteht keine Vergasungsflamme in der unteren Brennkammer. Das passiert bei nicht idealen Bedingungen und zu feuchtem Holz in unseren baulichen Situation täglich mehrmals, also  legt man die Klappe wieder zurück, wartet ein paar Minuten und versucht es dann erneut. So einfach wie im Film ist es bei uns leider nicht. Insgesamt ist das Feuer machen und Schüren kompliziert und mehr Arbeit, als beim normalen Kamin. 
Ein Problem kann sein:
Überhitzung des Aufstellraumes. Es gibt aber Dämmung für den Walltherm zur Verringerung der Wärme Abgabe an den Raum, die kostet natürlich.

Die Gebrauchsanleitung ist zu kurz gefasst, die Autoren konnten sich nicht in den Laien hineinversetzen. Jetzt, nachdem ich alles kennengelernt habe, verstehe ich auch die Anleitung. Am Anfang, wenn man sie wirklich braucht, hilft sie nicht, auch nach mehrmaligem Lesen hatte ich als unerfahrene Leser nicht alle wesentlichen Details verstanden – folglich habe ich auch immer noch Schweirigkeiten, die Vergasung und optimale Verbrennung hinzubekommen. . Auch mein Installateur hat etliches nicht verstanden bzw. als fehlend bemängelt.

Komplizierte Wartung/Reinigung:
Die Asche muss täglich aus der Brennkammer zusammen gekehrt werden Durch die relativ kleinen Öffnungen des Injektor Blockes hindurch  in die untere Brennkammer rieselt die Asche in die untere Brennkammer und wird dort mit der beiliegenden Ascheschublade aufgefangen.
Wöchentlich muss aber auch der sauschwere und unhandliche Injektor Block, das eiserne Mittelblock  und Herz des Kamins  rausgeholt werden, um die Asche zu entfernen. Das ist mit allen Teilen die man rausnehmen muss aufwendig und ein Aschesauger ist zwingend erforderlich. Mit Erfahrung und Routine dauert es trotzdem noch ca. 30 Minuten.
Die vielen kleinen Züge im Kamin müssen alle 6 Wochen mit den beiliegenden Besen gereinigt werden. Das ist eine schmutzige Sache, auch mit Staubsauger. Die langstieligen Besen durchzudrücken macht auch nicht gerade Spaß. Wenn man es regelmäßig macht, geht’s leichter. Ich bin da eher nachlässig, dann ist es ne sau Arbeit.

Zu kleiner Griff für Brennkammer Tür = Verbrennungsgefahr neuer Griff ist von Walltherm bereits entworfen, aber noch nicht im Verkauf, Fehler wurde also erkannt, nur wer schon gekauft hat, lebt jetzt mit dem schlechten Griff. Nachrüsten soll aber  möglich sein, geschenkt bekommt man den neuen Griff aber vermutlich nicht.


Herr Matheis ist erfahren und hat schon viele wassergeführte Kamine eingebaut, er hat auch selbst einen Holzvergaser. Den Walltherm hat er bei uns zum 1.x eingebaut.
Leider war nach Auftragserteilung die gute Stimmung weg bis nach dem bezahlen der Rechnung, dann war sie wieder gut…
Dazwischen leider übellaunig und fluchend.
Übrigens hat er inzwischen einen weiteren Kunden mit Walltherm, der auch enorme Probleme mit dem Zug hatte. Der hat sich dann ein 230V Gebläse auf den Schornstein setzen lassen, jetzt geht’s gut mit dem Vergasen. Kosten: Ca. 900.- Euro.



 
Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden