Waldorf Blofeld

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Auf meinem Synthesizer Trip bin ich natürlich auch über den Blofeld gestolpert. Nachdem ich in der Bucht auch ein schwarzes Modul
(ohne Keyboard) kostengünsitg bekommen habe, versuche ich mich mal an einem ersten Urteil:

Das kleine Synth Modul macht durch sein massives und schweres Blechgehäuse einen wertigen Eindruck. Es ist schon erstaunlich,
wie Waldorf einen solchen Synth mit so wenigen Bedienelementen hinbekommen hat. Und das funktioniert tatsächlich sehr gut,
das das hochwertige Display eine sehr gute Unterstützung leistet. Bei den Anschlüssen auf der Rückseite geht es ebenso spartanisch
zu: Kopfhörer, Stereo-Klinke für einen Ausgang, USB, nur ein Midi-In, 12V Buchse und - ein Ein-Ausschalter.
Zu bemängeln ist hier, dass die Ausgang nur einfache unsymmetrische Ausgänge sind. Na ja, gut genug für die meisten User.

Dafür aber: Das Blechgehäuse ist  so geformt, dass es sich stabil auf den Notenständer meines Master-Keyboards aufstecken läßt.
Das ist der optimale Platz, damit bin ich sehr zufrieden.

Diese Schlichtheit wird jedoch beim Blofeld ausgeglichen durch die enorme Auswahl aus ca. 1000 Sounds. Und so muß das sein.
Das ist die Auswahl die ich von einem professionellen Synth erwarte. Wieder gepunktet!
Allerdings, wo viel Sonne, da auch gelegentlich Schatten. Die Sounds lassen sich nur über einen Endlos-Poti auswählen. Das ist bei 1000 Sounds nicht mehr vernünftig zu machen, sorry. Es gibt zwar die Möglichkeit noch den Sound über 12 Kategorien und 8 Bänke vorzuwählen. Aber da muß man erstmal wissen, in welcher Bank sich der gewünschte Sound befindet und in welcher Kategorie. Also bleibt nichts weiter übrig, als sich das für eine Performance zu notieren und dann möglichst schnnel die Bank und die Banknummer auswählen. Das geht zwischen zwei Musiktiteln, aber nicht innerhalb eines Titels. Da müssen sich die Waldorfer noch was einfallen lassen.

Das Editieren der Sounds funktioniert relativ flott, dank des vorhanden Displays mit grafischer Darstellung von Parametern. Das ist
eine wirklich gute Lösung, davon können sich die anderen Hersteller inspirieren lassen. Wieder gepunktet.

Jetzt kommt ein weiteres HSK (hat sonst keiner): der Multimode! Habe das erstmal nicht kapiert, weil es schlecht beschrieben ist.
Aber so ist das bei den Mittelständlern, haben was gutes, können es aber nicht richtig erklären.
Im Multimode kann man einen Patch definieren mit 16 verschiedenen Sounds. Yeah, wadd soll das?
Die Erklärung von Waldorf: diese Patches kann man mit verschiedenen Midi Kanälen ansteuern. Schlauer geworden?
Meine Erklärung:
1 diese bis zu 16 Sounds können über die Tastatur gesplittet werden. Na, klingelts? Ich würde mal sagen, das kommt aufs gleiche raus
  wie 16-fach multitimbral. Mit einer Beschränkung auf max 25  Stimmen wohlgemerkt, ganz allgmein für den Multimode.
2 diese bis zu 16 Sounds können alternativ oder gemischt mit 1 auch auf die Anschlag Velocity verteilt werden.
3 diese Sounds können auch auf das Stereo Panorama verteilt werden.
   Und mit einem Mischer kann man auch nocht die Lautstärke dieser Sounds festlegen. Na na na, jetzt werden die Waldorfer ganz    
   schön frech. Macht nichts, für die meisten Musiker gibt es eh nur mono, stereo nur zu Hause an der Stereoanlage oder Ipad mit
   Knöpfen im Ohr.
4 freilich kann man auch mit einem Sequenzer diese 16 Sounds über Midi - Kanäle auf Spuren zuordnen.
5 man kann aber auch, wie in einem Youtube-Beispiel (Multi Chaos Mode), die Sounds mit Arpeggiator versehen und dann alle
  zusammen oder einzeln manuell lostreten.
Ja, das ist doch jetzt schon mal gar nicht so schlecht. Damit lässt sich auch einiges für Live-Betrieb wieder gutmachen.
Man verteilt z.B. alle Sounds in einem Musikstück auf die Tastatur, und verteilt die Musikstücke für ein Konzert nacheinander auf die ersten Plätze im Multimode. Jo, die Idee gefällt mir.

Kommen wir zu den Sounds.
Der Sound des Blofeld ist anders als bei den Synths die ich bisher ausprobiert habe. Die Sounds kommen nach meinem Eindruck ohne
Filter aus der Maschine, relativ hart aber dafür glasklar. Vorsicht bei Spielen über Kopfhörer! Was mir beim Blofeld etwas stört ist
die geringe Anzahl der Effekte sowie die nicht vorhandene Möglichkeit einen EQ nachzuschalten.
Insgesamt ist die Mehrheit der Sounds sehr gut für Science Fiction, Space  etc. geeignet. Mir fehlt eine gute Auswahl an  hochwertigen keyb Sounds und hochwertigen Standard Pads, sowie einer Auswahl aus berühmten Sounds der 80er und 90er und bekannter
Hersteller (Moog, Oberheim, etc). Das macht es für mich etwas schwierig, den Synth mühelos in die Band zu integrieren.
Die vorhandenen Sounds gehen von einfachen 80er sounds bis extrem abgespaced. So ist der Synth sicherlich eine Spielwiese für
Soundschrauber und spezielle Genres.  Trotzdem muß man aber sagen, dass viele der vorhandenen Sounds durchaus komplex
produziert sind, und sich auch noch nach Anschlag und Modwheel stark verändern lassen.
Insgesamt finde ich den Blofeld hochinteressant, aber schwierig mit anderen Synths zu vergleichen.

Was mir gar nicht gefällt, ist dass die mitgelieferte original CD nicht mit WIN 7 kompatibel ist. Da muß man ein Foto der Verpackung
oder der Rechnung an den Waldorf Kundendienst schicken, um einen Link für den Download der Software zu erhalten. Etwas übertrieben finde ich. Korg und andere bieten hier einfach die Software-Updates über den Download Ihrer Internetseiten an.
Noch eine kleine Petitesse am Rande: ich hatte den Waldorf mit meinem Ultranova über Midi verbunden. Interessanterweise konnte ich
dabei mit dem Auswahlrad des Ultranova auch die Sounds des Blofeld einstellen. Am Ende einer Bank ist der Blofeld dabei
allerdings 'hängengeblieben'  (Firmware V. 15-1), und es lies sich nichts mehr am Blofeld bedienen. Also vor einem Gig die geplante
Konfiguration ordentlich testen...  Ansonsten empfehle ich die Internetseite von Waldorf, auf der die FAQs zum Blofeld einige Fragen beantworten.

Stärken:
- Preis/Leistungsverhältnis
- Sound (je nach Geschmack)
- Auswahl an Patches (1000)
- Gehäuse-Abmessungen, Stabilität
- einfaches Bedienungskonzept
- Multimode
- grafisches Display

Schwächen:
- Sound (ja nach Geschmack)
- klassische hochwertige Piano Sounds
- Software
- nur Ausgang für Klinke (unbalanced)


Manfred

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