WELLER Archtop-Jazz Gitarre

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Hallo Leute,

ich beobachte nun seit einiger Zeit die verschiedenen Pros und Contras zu Instrumenten aus dem Gitarrenladen von Hr. Weller.
Ich möchte gleich vorausschicken, dass ich zwar kein professioneller Tester bin, aber nun schon seit mehr als 35 Jahren Jazz spiele und deshalb bereits mehrere Gitarren durch meine Hände gegangen sind.

Anfangs war ich auch verunsichert durch die sehr kontroversiellen Meinungen. Als Hr. Weller dann eine Vollresonanz Jazz Gitarre aus seiner Hausmesse zu dem sagenhaft günstigen Preis von etwa 300 Euro anbot (mit Rückgaberecht) habe ich mich entschlossen, eine bei ihm zu bestellen.

Trotz einer immens langen Lieferzeit von fast 6 Wochen habe ich sie dann endlich bekommen. Ich fragte mich ernsthaft, wie das Produkt dann bereits auf seiner Hausmesse ausgestellt sein konnte. Nach einem eMail-Kontakt wurde mir versichert, dass die von mir bestellte Gitarre noch überarbeitet und eingestellt werden müsste, die Gitarrenbauerin krank geworden sei, etc. ... (???!).

Trotzdem kein Grund nervös zu werden! Wie gesagt, nach fast 6 Wochen erhielt ich das Paket - verpackt wie ein Hochsicherheitstrakt! Nach dem Auspacken hielt ich eine der schönsten Jazz Gitarren - mit wunderschöner Maserung der Decke (aus dem Holz des Trompetenbaums) - in der Hand, welche ich jemals gesehen hatte. Natürlich habe ich sofort darauf gespielt und auch prompt festgestellt, dass die aufgezogenen Saiten Schrott sind. Nachdem ich einen neuen Satz Thomastik "Bebop .012" ungeschliffen aufgezogen hatte, war erstmal auch eine kleine Korrektur des Halsstabs nötig, da diese Saiten etwas mehr Zug haben. Dadurch erhielt ich nun eine Saitenlage von etwas mehr als 1 mm am 12. Bund. Für eine Jazzie sehr passabel - da würde sich auch Gibson freuen!

Der Akustiksound war nach dem Saitentausch sehr schön. Die Gitarre hat ein hervorragendes Sustain und klingt trotz der niedrigen Saitenlage absolut rein ohne Schnarren. Ich war begeistert.

Dann habe ich sie sofort in meinen Epiphone Valve Junior eingeklinkt. Die Jazzsounds sind hinreissend, obwohl ich nicht immer wirklich begreife, wofür bei einer Jazzie der Bridge-Tonabnehmer gut ist. Ich bevorzuge den Hals-Tonabnehmer, der klingt aber so fein, das er wirklich alles andere vollauf kompensiert. Ich hätte dort wo der Bridge-Tonabnehmer sitzt, nämlich gerne gar nichts montiert. Wie die meisten Jazzer spiele ich mit den Fingern (ohne Plektrum) und da ist der darunter liegende Tonabnehmer im Weg. Ich habe ihn deshalb so weit es ging, nach unten geschraubt.

Die Passarbeit sowie die Gesamt-Verarbeitung an der Gitarre ist zumindest so gut wie an meiner Epiphone Emperor Regent (mit nur 1 Hals-Tonabnehmer !!!). Ich würde es glauben, wenn man mir erzählte, dass das eine einzelgefertigte Handarbeit ist! Seit ich diese Gitarre besitze, spiele ich die Hälfte der Titel auf der Bühne und im Studio auf ihr und bin immer noch so begeistert wie am Anfang. Leider scheint Hr. Weller dieses Modell aber aus seinem Angebot genommen zu haben. Sollte es wieder auftauchen, so kann ich es nur empfehlen.

FAZIT:

PRO:

Irrsinnig viel Gitarre und und ein wunderschöner Holzklang sowie eine Optik, die schon von vielen Kollegen beneidet worden ist, für das bezahlte Geld.

CONTRA:

Sehr lange Lieferzeit und der Hals ist ein wenig schmäler, als ich es von meinen anderen Jazz Gitarren gewohnt bin.

Eine kleine Anmerkung noch, um Enttäuschungen zu ersparen:

Es ist zwar kein Mangel in dem Sinne, weil das keine Vollresonanz Jazzie kann - doch - das ist kein Rock-Instrument!!!

Soll auch nur eine Warnung sein, denn viele wissen es nicht: Vollresonanz-Jazz Gitarren eignen sich nur sehr sehr beschränkt für ultralaute und vollfette Overdrive-Sounds! Durch den Vollresonanz-Korpus kommt es sehr schnell und leicht zu Rückkopplungen!

Anmerkung vom Juli 2009:

Ich besitze diese Gitarre nun bereits seit fast zwei Jahren und sie hat sich nun sicher endgültig gesetzt. Der Klang ist ein wenig voller und heller geworden. Das Holz färbt den Klang in der Weise, dass sie sich von den üblichen Jazzgitarren mit Fichtendecke so unterscheidet, dass sie das Attack mehr in den Vordergrund stellt und mit hellerem Klangbild ausklingt. Dadurch ist sie für mich noch interessanter geworden, da nun die klangliche Unterscheidung zu meinen anderen Archtop-Jazzgitarren sehr deutlich geworden ist und sie sich dadurch als eigenständiges Instrument bei Aufnahmen und auf der Bühne behaupten kann. Der Klang ist wirklich unverwechselbar und die Bespielbarkeit ist immer noch so gut wie am Anfang!

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