Vorbereitung auf Strafverfahren mittels Literatur zum Thema Strafrecht

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Vorbereitung auf Strafverfahren mittels Literatur zum Thema Strafrecht

Um sich auf Strafverfahren ausreichend vorzubereiten, bedarf es einer umfassenden Recherche zu sämtlichen infrage kommenden Straftatbeständen, zum genauen Ablauf des Verfahrens und zu den möglichen Rechtsmitteln. Alle dafür notwendigen Informationen finden Sie in der Literatur zum materiellen Strafrecht und zum Strafverfahrensrecht, was auch als formelles Strafrecht bezeichnet wird. Es gibt sehr viele Bücher zum Strafrecht allgemein, zu besonderen Delikten oder zum Verfahrensrecht. Einige von ihnen gelten als Klassiker und sollten griffbereit stehen, wenn man mit dem Thema Strafrecht in Berührung kommt.

Literatur zum materiellen Strafrecht

Das materielle Strafrecht umfasst alle Normen, welche die Voraussetzungen für den Staat beziehungsweise die Justiz schaffen, jemanden zu bestrafen. Sie sind im Strafgesetzbuch und einigen Nebengesetzen kodifiziert.

Das Strafgesetzbuch als Grundlage des materiellen Strafrechts

Das Strafgesetzbuch kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Das heute geltende Gesetz geht auf das Reichsstrafgesetzbuch des Deutschen Reiches zurück, das im Jahre 1872 in Kraft getreten ist. Dieses wiederum hat seine Wurzeln im Strafgesetzbuch des Norddeutschen Bundes von 1870. Im Laufe der Zeit kam es zu vielen Novellierungen, wobei der Gesetzestext und die Vorschriften immer an die gesellschaftlichen Werte der jeweiligen Zeit angepasst wurden. Zusätzlich wurden entstandene Strafbarkeitslücken geschlossen, neue Delikte unter Strafe gestellt oder längst überholte Tatbestände abgeschafft. Gemäß dem Grundsatz „nulla poena sine lege“ (Keine Strafe ohne Gesetz) sind alle Tatbestände im Strafgesetzbuch aufgeführt, für deren Erfüllung jemand bestraft werden kann. Dieses Prinzip ist nicht nur in § 1 Strafgesetzbuch erwähnt, sondern es genießt durch seine Verankerung in Art. 102 Absatz 2 Grundgesetz Verfassungsrang. Eine Bestrafung ist demnach nur dann möglich, wenn die Handlung auch ausdrücklich unter Strafe gestellt ist. Zudem muss die entsprechende Norm schon zum Zeitpunkt der Tatbegehung in Kraft getreten sein, rückwirkendes Sanktionieren sind nicht zulässig. Die Regelungen des Strafgesetzbuches unterteilen sich in einen Allgemeinen Teil, der die Lehre vom Verbrechen, die zu erwartenden Rechtsfolgen sowie die allgemeinen Regelungen zur Beurteilung einer Straftat beinhaltet, und einen Besonderen Teil, im dem die einzelnen Straftatbestände aufgeführt sind.

Buchtipps zum Allgemeinen Teil des Strafrechts

Der Allgemeine Teil des Strafgesetzbuches enthält Regelungen, die allgemeingültig sind, also unabhängig vom Delikt. Diese beinhalten unter anderem die Definition des Tatbegriffs sowie die Festlegung, wann eine Straftat durch Unterlassen vorliegt und wie diese zu sanktionieren ist. Die Normen bezüglich der anerkannten Rechtsfertigungsgründe und der Schuldfähigkeit sind in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr wichtig. Wurde eine Tat nicht allein begangen oder wurde jemand dazu aufgefordert, regeln entsprechende Paragrafen die Einordnung in die Kategorien Täterschaft oder Teilnahme. Je nach Zuordnung und Delikt fällt die Strafe jeweils unterschiedlich aus. So wird zum Beispiel ein unmittelbarer Täter in der Regel härter bestraft als jemand, der Beihilfe leistete. Waren dagegen mehrere Personen gemeinschaftlich beteiligt, besteht Mittäterschaft, die im Allgemeinen gleiche Strafen für alle Beteiligten nach sich zieht. Ein Abschnitt des Strafgesetzbuches enthält Regelungen bezüglich Irrtümern, die bei Ausführung der Tat entstehen und das Resultat manchmal nicht willentlich beeinflussen. Der Art der Strafbeimessung und der Ausgestaltung des Freiheitsentzugs sind im Strafgesetzbuch längere Abschnitte gewidmet. Es sind Regeln zur Verhängung von Geld- oder Freiheitsstrafen festgelegt, ebenso die Voraussetzungen für eine Bewährungsstrafe. Damit Sie sich in dieser Vielzahl an Vorschriften und komplexen Zusammenhängen zurechtfinden, empfiehlt sich die Lektüre von Büchern zum Allgemeinen Strafrecht. Ein wahrer Klassiker ist hier beispielsweise das Buch „Strafrecht Allgemeiner Teil: Die Straftat und ihr Aufbau“ von Werner Beulke und Johannes Wessels. Manche Bücher enthalten zudem Fallbeispiele, die ein bestimmtes Rechtsproblem anhand eines Falles aus der Praxis aufgreifen und einen systematischen Lösungsweg unter Einbeziehung aller wichtigen Paragrafen aufzeigen. Eines dieser Werke ist „32 Probleme aus dem Strafrecht: Allgemeiner Teil“ von Thomas Hillenkamp.

Buchtipps zum Besonderen Teil des Strafrechts

Der Besondere Teil des Strafrechts beschäftigt sich mit den einzelnen Delikten. Er ist in Straftaten gegen Persönlichkeits- und Gemeinschaftswerte und in Straftaten gegen Vermögenswerte unterteilt. Geht es im Strafverfahren beispielsweise um Tötungsdelikte, sind Mord, Totschlag und fahrlässige Tötung voneinander abzugrenzen. Bei besonderen Umständen kommen auch Tötung auf Verlangen oder Körperverletzung mit Todesfolge ins Spiel. Das Strafgesetzbuch beschreibt die Tatbestandsmerkmale für jedes dieser Delikte bis ins Detail. Nur wenn alle dort genannten Voraussetzungen gegeben sind, kann eine Verurteilung erfolgen. Gleiches gilt für Körperverletzungen, denn auch hier muss geprüft werden, ob aufgrund von verschärfenden Umständen eine gefährliche oder schwere Körperverletzung vorliegen könnte. Somit lässt sich der Strafrahmen vorab grob ermitteln, denn eine gefährliche Körperverletzung wiegt schwerer als das einfache Delikt und der entsprechende Paragraf gibt den maximalen Strafrahmen an.

Auch im zweiten Abschnitt, der die Straftaten gegen Vermögenswerte enthält, gibt es klare Definitionen für die einzelnen Tatbestände. Es kann unter anderem schwierig sein, einen Diebstahl gegen einen Raub abzugrenzen, oder eine Untreue gegen eine Unterschlagung. Die Differenzierung ist jedoch für das Verfahren und die Strafbemessung von großer Wichtigkeit. Um die einzelnen Tatbestände gegeneinander abgrenzen zu können, sollten Sie auf verständlich geschriebene Lehrbücher zurückgreifen. Hier hat sich insbesondere Johannes Wessels einen Namen gemacht. Unter den Strafrechtsbüchern von Johannes Wessels finden sich auch zwei Bände „Strafrecht Besonderer Teil“. In diesen sind ganz ausführlich die Tatbestandsmerkmale der gängigen Delikte aufgeführt und erläutert. Zur besseren Nachvollziehbarkeit werden auch Gerichtsentscheidungen angegeben, die es ermöglichen, die Urteile ohne große Recherche genau nachlesen zu können. Weitere gut strukturiere Bücher sind „Strafrecht Besonderer Teil 1: Vermögensdelikte“ und „Strafrecht Besonderer Teil 2: Delikte gegen die Person und die Allgemeinheit“ von Rudolf Rengier. Diese Bücher können Sie bei eBay erwerben.

Buchtipps zu Strafrechtsnormen außerhalb des Strafgesetzbuches

Auch außerhalb des Strafgesetzbuches gibt es Vorschriften, die zum materiellen Strafrecht zählen und unter dem Begriff Nebenstrafrecht zusammengefasst werden. Diese Strafvorschriften sind oftmals ganz vereinzelt in anderen Gesetzen zu finden. So gibt es zum Beispiel nur wenige solcher Normen im Handelsgesetzbuch oder im Straßenverkehrsgesetz. Einige Gesetze enthalten dagegen fast ausschließlich Straftatbestände, beispielsweise das Jugendgerichtsgesetz. Sie sind allerdings die Ausnahme. Wenn Sie einen umfassenden Überblick über die strafrechtlich relevanten Normen außerhalb des Strafgesetzbuches bekommen möchten, empfiehlt sich das Werk „Nebenstrafrecht: Handbuch“ von Harald Bohé. Der Autor veranschaulicht anhand von Fallbeispielen aus der Praxis, wie die Nebengesetze miteinander im Zusammenhang stehen. Speziell für das Jugendstrafrecht gibt es zudem ein gut strukturiertes Buch mit gleichnamigem Titel von Heribert Ostendorf.

Literatur zum formellen Strafrecht

Beim formellen Strafrecht handelt es sich um das Strafverfahrensrecht. Dieses legt fest, wie das materielle Strafrecht durchzusetzen ist. Es bestimmt demnach den Ablauf des Strafverfahrens. Die Vorschriften zum Strafverfahrensrecht finden sich in der Strafprozessordnung und dem Gerichtsverfassungsgesetz. Die in der Strafprozessordnung enthaltenen Vorschriften sind für die staatlichen Behörden und ihre Bediensteten bindend. So sind unter anderem die einzelnen Verfahrensabschnitte geregelt, von der Verhaftung oder vorläufigen Festnahme über die Vernehmung des Beschuldigten bis hin zum Umgang mit den Zeugen. Ebenfalls exakt vorgeschrieben sind der Ablauf der Klageerhebung und die Voraussetzungen zur Eröffnung des Hauptverfahrens. Wichtig sind auch die Normen zu möglichen Rechtsmitteln, wie zum Beispiel die Beschwerde, die Berufung oder die Revision. Neben der Strafprozessordnung hat das Gerichtsverfassungsgesetz Einfluss auf die Verfahrensgestaltung. Es umfasst Regelungen über die Zuständigkeit der Gerichte in Strafsachen, die Besetzung der Spruchkörper und die Staatsanwaltschaft. Da dieses Rechtsgebiet sehr umfassend ist, empfiehlt sich die Lektüre von Fachbüchern. Umfassende Informationen zum Thema finden Sie unter anderem in dem Buch „Strafverfahrensrecht: Ein Studienbuch“ von Claus Roxin, Bernd Schünemann und Eduard Kern. Es stellt die einzelnen Verfahrensschritte bis hin zur Vollstreckung systematisch dar. Ein Klassiker ist zudem das Lehrbuch „Strafprozessrecht“ von Werner Beulke, das neben den allgemeinen Verfahrensgrundsätzen auch den Gerichtsaufbau, die Grundzüge des Ermittlungsverfahrens und die Beweisaufnahme beinhaltet.

Besondere Buchtipps: Kommentare zum materiellen und formellen Strafrecht

Viele der Tatbestände im materiellen Strafrecht enthalten Begriffe, deren genaue Definition und Auslegung vor Gericht entscheidend für die Strafbarkeit sind. Manchmal bleiben auch nach der Lektüre von Gesetztestexten und Lehrbüchern Fragen offen. Begriffe lassen sich vielleicht nicht vollständig voneinander abgrenzen oder Sie haben Zweifel, ob ein bestimmtes Verhalten tatsächlich unter den einen oder anderen Tatbestand fällt. In diesen Fällen sollten Sie zu einem Kommentar greifen, den es zu jedem wichtigen Gesetz gibt. Ein solcher ist zwar relativ teuer, aber in Anbetracht der darin enthaltenen Fülle an Informationen auch eine sehr große Hilfe. So beinhaltet ein Kommentar zum Strafgesetzbuch nicht nur den vollständigen Gesetzestext, sondern auch umfangreiche Erläuterungen und Definitionen zu jedem Begriff der unterschiedlichen Straftatbestände. Ihnen wird aufgezeigt, wie bestimmte Rechtsbegriffe auszulegen sind und welche Gerichtsentscheidungen dazu existieren. Mit den angegebenen Fundstellen können Sie diese leicht finden und nachlesen, sich anschließend selbst ein Bild über die Urteilsbegründung machen. Die im Kommentar angegebenen Querverweise zu anderen Paragrafen oder Gesetzen erleichtern das Erkennen von Zusammenhängen. So wird zum Beispiel bei Erfüllung sämtlicher Tatbestandsmerkmale eines Delikts eine Tateinheit mit einer anderen Straftat ersichtlich, was weitreichende Konsequenzen für die Strafbemessung hat. Hilfreich sind zusätzliche Verweise in das Nebenstrafrecht, denn nicht immer wird die Erfüllung von Straftatbeständen kleinerer Gesetze sofort offensichtlich.

Ein klassischer Kommentar zum Strafrecht ist unter dem Namen „Strafgesetzbuch: mit Nebengesetzen“ von Thomas Fischer erhältlich. Dieses Werk gehört seit Jahrzehnten zur Pflichtlektüre von Juristen und erscheint jedes Jahr in aktueller Auflage. Dies garantiert stets die Einarbeitung neuster Gerichtsurteile und Gesetzesänderungen. Es gibt natürlich auch Kommentare zum Strafprozessrecht. Diese sind vor allem dann besonders hilfreich, wenn Sie die für das Rechtsgebiet typischen komplexen Zusammenhänge der einzelnen Normen und Gesetze noch nicht überschauen können. Hier bietet sich der Kommentar „Strafprozessordnung (STPO): Gerichtsverfassungsgesetz, Nebengesetze und ergänzende Bestimmungen“ von Lutz Meyer-Goßner und Bertram Schmitt an. Der wohl umfangreichste Kommentar zu diesem Thema ist das 10 Bände umfassende Werk „Systematischer Kommentar zur Strafprozessordnung: SK-StPO“ des Herausgebers Jürgen Wolter.

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